Helga Kuska: Pressewartin mit Herz und Seele
Im Mittelpunkt zu stehen, ist nicht ihr Ding. Da brauchte es Vereinskollegen, um Helga Kuska (72) zu überzeugen, dass sie ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen braucht. „Helga, Du bist seit über 20 Jahren unsere engagierte Pressewartin!“, sagt Wolfgang Klapkarek (69), Vorsitzender des Radsportvereins Hattingen 83 e.V. anerkennend. „Das Portrait hast Du Dir ehrlich verdient!“, findet auch Willi Geuken (73), seit 1984 einer der Aktivsten im Verein.
Auf einer Bank am Ruhrufer in Hattingen packt Helga Kuska beim Frühaufsteher-Treffen alte Fotos und Unterlagen aus. Sie hat sich bestens vorbereitet. „Schau mal, Willi, das bist Du 1992 beim Training für die Olympia-Radstaffel!“, sagt sie und reicht ein Schwarz-Weiß-Bild herum. Geuken radelte die zweite Etappe bei dieser Tour „Rund um die Welt“. Mit dem 1983 in Hattingen gegründeten Verein ist die ehemalige Sekretärin des Gymnasiums in Holthausen fest verwurzelt. Die Tätigkeit als Pressewartin ist ihr keine lästige Pflicht, sondern Herzenssache.
Etwa 60 Mitglieder zählt der Verein zurzeit. Früher waren es mehr, doch man hofft auf Zuwachs. Immerhin ist Sport in einem Verein am schönsten. Beim RSV lockt zudem das Abenteuer! Bis zur spanischen Pilgerstadt Santiago de Compostela sind die Hattinger schon mehrfach gemeinsam gefahren. „350 Kilometer pro Tag sind gut zu schaffen!“, betont Willi Geuken. Bei besten Bedingungen braucht er dafür zehn bis zwölf Stunden. Zum Wohnwagen seiner Tochter in Rotterdam fährt der drahtige Rentner mit dem Fahrrad. „Meine Frau bringt mit dem Auto das Gepäck hinterher.“ Auch seinen Enkel in Nordfriesland hat er bereits mit dem Rad besucht. Das war der Lokalzeitung einen Extra-Bericht wert. Doch nicht jeder muss so weit und ausdauernd in die Pedalen treten können, um beim RSV willkommen zu sein. Veranstaltungen wie die vom Verein organisierte Radtouristikfahrt „Rund um Hattingen“, die am Samstag, 14. Mai, stattfindet, sind gute Gelegenheiten, das Hobby auszuprobieren. Vier Routen stehen zur Auswahl, eine Familientour (24 km), Tour 1 (44 km), Tour 2 (74 km) und Tour 3 (114 km). Start ist am Hölter Busch (Schulzentrum Holthausen) zwischen 10 und 12 Uhr.
„Wir sind zwar sportlich, aber nicht verbissen!“, sagt Geuken. „Achtung!“, ruft Klapkarek. Nur knapp an uns vorbei surrt ein hoch motivierter Biker mit grimmiger Miene. Auf dem idyllischen Pfad an der Ruhr entlang herrscht an sonnigen Tagen wie diesem Hochbetrieb. Da kommt es hin und wieder zu Unfällen. „Leider verhalten sich nicht alle Radfahrer rücksichtsvoll gegenüber Fußgängern, Kindern oder langsameren Radlern“, weiß Helga Kuska, die früher auch die langen Strecken erfolgreich absolviert hat. So gut, dass sie einen Pokal für elfmalige Vereinsmeisterschaft im Radwandern in der Zeit von 1985 bis 1999 bekam. Wolfgang Klapkarek überreicht ihn ihr symbolisch (nur für den Frühaufsteher) noch einmal fürs Foto.
Zwei erwachsene Kinder hat die fleißige Radsportlerin. „Meine Tochter Sabine ist Lehrerin und lebt mit ihrer Familie in Oldenburg, der Sohn wohnt auf einer Karibik-Insel.“ Da braucht er kein Fahrrad, oder? Weit gefehlt: Das am 11. November 1493, dem Namenstag des Heiligen Martin von Kolumbus entdeckte, 92 Quadratkilometer kleine Eiland gehört zur Hälfte Frankreich und den Niederländern. Und was wären die ohne ihre Fietse … So kommt es, dass Jan Kuska fernab der Heimat gern und oft Rad fährt. „Er ist damit groß geworden und hatte schon mit acht Jahren sein erstes Rennrad.“ Seine Mutter stammt aus Breslau, kam 1945 als Flüchtling aus dem heutigen Polen ins Ruhrgebiet. Von dort verschlug es sie 1960 nach Hattingen. 1958 lernte sie ihren Mann Manfred kennen, 1962 wurde geheiratet. „Er hat unser Vereinsemblem entworfen, eine Speiche mit einem H aus Fachwerk“, erzählt sie stolz und zeigt das Symbol auf dem RSV-Trikot. Längst hat die sympathische Rentnerin im Revier viele Freunde gefunden. In bester Erinnerung sind ihr die Vereinsfahrten nach Emden (1985) und an die Rhön (1991).
Wer Bewegung in der Natur, Ausgleich und Entspannung sucht und ein geselliger Mensch ist, findet beim RSV schnell Anschluss. Bei den meisten Mitgliedern steht das Tourenfahren im Vordergrund. „Hierzu werden die schönsten Strecken ausgewählt. Angeboten werden Routen von 41, 71, 111 oder 151 km Länge. Sie können, je nach Kondition, gewählt und abgefahren werden“, wirbt Kuska. Die Teilnehmer erhalten eine bestimmte Anzahl von Punkten, die in die jährliche Wertung des BDR (Bund Deutscher Radfahrer) einfließen. Aber auch Radwandern ist beliebt. „Einmal pro Woche radeln die Mitglieder in der Gruppe 20 bis 50 Kilometer auf verkehrsarmen Straßen durch die schöne Landschaft. Das Tempo bestimmen sie selbst.“ Wer es ausprobieren möchte, ist jederzeit eingeladen. Ansprechpartnerin und Fachwartin fürs Radwandern ist Renate Neidt. Helga Kuska indes hat noch weitere Hobbys. „Ich walke auch gern und mache mit beim VHS-Seniorentanzen.“
addi
Info
Der RSV Hattingen 83 e. V. ist unter der Telefonnummer 0234/521618 zu erreichen.
Auskunft erteilt Wolfgang Klapkarek. Im Internet findet sich die Vereins-Homepage unter www.rsv-hattingen.de mit allen Terminen für 2011.
Ganz privat
Lieblingsmusik: Folklore und von allem etwas, z. Zt. David Garrett
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: Schlesische Weißwurst in Biersauce mit Sauerkraut
Hobbys: Radfahren, Wandern und Walken
schönster Urlaub: Südtirol im Herbst
beste Eigenschaften: Ordnungs- und Gerechtigkeitssinn, freundlich, hilfsbereit
30. April bis 1. Mai 2011: Das Fest (nicht nur) rund ums Auto
Wer Fahrzeuge liebt, ob zwei- oder vierrädrige, ist auf der 26. Hattinger Autoparty bestens aufgehoben. Sich informieren, was es Neues gibt, gleichzeitig Live-Musik erleben, gut essen und trinken und Freunde treffen? Ganz nebenbei auch noch Hattinger Handwerker kennen lernen?
Das alles bietet „das Fest“:
Am Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr zeigen die über 20 Fachhändler und weitere automobile Experten auf dem Museumsgelände Henrichshütte, was sie zu bieten haben: Fahrzeuge, Zubehör, Sachverstand – und viel Zeit für persönliche Gespräche. In der ganz besonderen Atmosphäre des „Festes“ macht das Kunden wie Händlern sicherlich noch mehr Spaß. Und wo kann man schon so viele Modelle nebeneinander bewundern, Probe sitzen und vergleichen?
Natürlich informieren die Händler nicht nur. Sie haben sich für ihre Besucher auch wieder so einiges ausgedacht, damit ihnen von der Fachsimpelei nicht allzu sehr der Kopf raucht:
Für große und kleine Gäste: Langeweile ausgeschlossen
Vom Formel-1-Fahrsimulator, der Kletterwand, der Waldschule, Aktionen rund um den Fußball bis zum Formel-3-Fahrzeug, in dem man auch Platz nehmen kann, und dem Offroader, der über ein Schrottauto fährt und einem Go-Cart-Parcours … wer sich hier langweilt, ist selbst schuld.
Oder Sie freuen sich über Skotty, den Fahrrad fahrenden Eismann mit Trompete, besuchen die EN-Polizei-Präsentation mit Motorrad-Sicherheit, Alkotest (hier ganz ungefährlich!) und Fahrsimulator. Auch der ADAC ist vertreten: Mit Info-Stand und Kinderhüpfburg. Wenn Ihre Gespräche bei dem einen oder anderen Fachhändler einmal länger dauern, sorgt das Kinderprogramm bestimmt dafür, dass kleine und große Gäste zufrieden sind. „Jetzt-lass-uns-endlich-weitergehen-Bitten“ kommen gar nicht erst auf. Es kann allerdings passieren, dass Eltern ihre Kinder „loseisen“ müssen (was ja durchaus zum geschichtsträchtigen Ort des Geschehens passt).
Von Solarenergie bis Flüssigtapete
Bei den nichtautomobilen Betrieben reicht das Spektrum von Solarenergie bis zu Umzügen, von Hebezeugen bis zu Flüssigtapeten, vom Tourismus bis zur AOK. Auch wenn von „Autoparty“ die Rede ist – ebenso traditionell ist bei diesem Hattinger Event, das mit dem Altstadtfest und dem Rosenmontagszug ein besucherstarkes Dreigestirn bildet, neben den Handwerksbetrieben auch die Musik mit an Bord. Ein Besuch lohnt sich selbst für Gäste, die sich nicht in erster Linie für Autos, Motorräder und Handwerk interessieren:
Heimspiel für Hattinger Stars: Von der Big Blast Company am Samstag …
Am Samstag spielt die Big Blast Company. Versprochen: Die Musiker bringen, was Zuhörern und Band gleichermaßen Spaß macht – die Lieblingsstücke aus dem Jubiläumskonzert vom 19. März in der Aula der Gesamtschule Welper. Hier ist die zweite Chance für alle, die nicht dabei waren oder das Ganze noch einmal hören möchten.
… zu den Highlights am Sonntag: Xandra Hag und Duo Taktlos
Auch diese beiden muss man keinem Hattinger näher vorstellen: Sängerin Xandra Hag erfreut nicht nur die Schlagerfreunde, sie moderiert auch die Tanzvorführungen der Tanzschule Brand. Nach unzähligen Auftritten eine Premiere: das Duo Taktlos ist zum ersten Mal auf dem „Fest“ dabei. Und noch ein bekannter Hattinger trägt zum guten Gelingen bei: Thomas Behling, seines Zeichens Zugsprecher des Rosenmontag-Umzugs, betreut das abwechslungsreiche Bühnenprogramm mit Tanzformationen aus Jasmins Tanzstudio und vielen weiteren Auftritten und Aktionen.
Sie brauchen eine Stärkung?
Keine Frage, vom vielen Gucken und Zuhören wird jeder einmal hungrig und durstig. Zum Glück findet sich auf dem Festgelände ein Angebot, das ebenso vielseitig wie das Gesamtkunstwerk ist. Nur eines kann Ihnen, liebe Besucher, niemand abnehmen: Die Qual der Wahl. Aber keine Angst, in zwei Tagen schafft man eine ganze Menge, auch wenn man selbst anschließend vielleicht geschafft ist.
Der Frühaufsteher wünscht allen Ausstellern, Akteuren und Gästen zwei wunderschöne Tage.
pgs
Del Prado kreiert Cocktails mit Rundum-Service
Eine riesige Cocktail-Party zur Meisterfeier in einem Ruhrgebietsstadion auszurichten, wäre sein Traum. Gleich, ob die frisch gemixten In-Getränke in diesem Falle schwarz-gelb oder blau-weiß wären. Wahrscheinlich käme ein pfiffiger Mix heraus. Oder etwas ganz Neues. Christopher Krane hat Ideen und setzt sie um. Gerührt oder geschüttelt – Del Prados Drinks zaubern paradiesische Stimmung auf Firmen-Events und Privatfeiern.
Langweilig wird es dem gebürtigen Kupferdreher nie. Er liebt die berufsbedingte Abwechslung. Seine mobilen Cocktail-Bars werden gern gebucht. Der Einsatz reicht von der perfekt organisierten Lifestyle-Sommer-Party im Golfclub und dem Fest in der Seniorenresidenz über das Firmenjubiläum eines Großkonzerns bis hin zum Hochzeitstag mit Personal und DJ in den eigenen vier Wänden. An- und Abfahrt, Barkeeper, Mobilar, Gläser, Zutaten und Deko – alles inklusive. Sicher ist: Wer Del Prado bucht, bekommt etwas Besonderes. Wir treffen den ehrgeizigen Jungunternehmer am Nachmittag in einem Café im Essener Süden. Behutsam verrührt er den Milchschaum in einem Glas Latte Macchiato. Wir denken an 007. Überlegen, ob Bond seinen Wodka-Martini stets nur geschüttelt oder immer gerührt bestellte.
„Vor vier Jahren habe ich mich mit einer mobilen Cocktailbar selbstständig gemacht“, sagt Krane und lässt James Bond entschwinden. Mit dem „Del-Prado“-blauen 1970er Ford-Transit fuhr der Essener bei den Kunden vor, baute seine Bar auf und zauberte in Lounge-Atmosphäre ein paar Stunden leckere Drinks nach Wunsch. „Cocktails from Paradise“ verheißen die Engelsflügel auf dem Firmen-Logo. Zufriedene Gäste empfehlen ihn weiter. Das Auftragsbuch ist gut gefüllt. Der Unternehmer wollte mehr. „Nach einem Jahr meldete ich den Betrieb um in eine Event-Agentur.“ Von der Veranstaltungsplanung bis hin zum Full-Service, Del Prado sorgt seitdem bei Bedarf fürs passende Fingerfood, kümmert sich um den stilvollen Rahmen, engagiert den gewünschten Promi oder einen Chauffeur, der die Gäste in der Luxus-Stretch-Limo nach Hause bringt. Optional bewacht von einem Body-Guard. Wer immer schon mit Rainer Calmund genüsslich Caipirinha schlürfen wollte, fragt den Richtigen. „Alles ist machbar!“, bekräftigt Krane, bucht den rheinischen Gemütsmenschen und Fußball-Kenner und lässt ihn auf Ihrer nächsten Party erscheinen.
Von der Ruhrhalbinsel, wo er bis 1997 seine ersten Jahre und die Grundschulzeit in Kupferdreh verlebte, verschlug es ihn bis 2003 ins Rheinland. Nach Viersen, wo seine Eltern wohnen und Krane im Sommer eine Filiale eröffnen will. 2003 rief ihn die Heimat. Nach drei Jahren in Kupferdreh lebt „Herr Del Prado“, wie er oft genannt wird, seit 2006 in der Schangstraße in Heisingen. Mit Lilly, der ebenso frechen wie sturen Terrier-Dackel-Dame joggt er in der Freizeit am Baldeneysee oder denkt sich auf Inlinern rollend neue Cocktail-Rezepte und passende Bezeichnungen dafür aus. Wie wäre es mit „Heisinger Sunrise“, „Byfanger Spezial“ oder einem „Überruhr Sour“? Erst gerührt und danach geschüttelt? Für seine Freundin jedenfalls erfand er zum 18. Geburtstag den Lara Colada, wobei er ihren Vornamen einbezog. Die Zutaten für jenes Rezept sind streng geheim! (In beharrlicher Reporter-Manier ist es uns jedoch gelungen, dem Meister die nachfolgend aufgeführte Anleitung zum Anrühren eines alkoholfreien „Frühaufsteher-Cocktails“ zu entlocken.)
„Mein Vorname ist Christopher. Meine Freunde nennen mich Chris“. Er verlangt nach einem weiteren Zuckerpäckchen und schüttelt den Inhalt behutsam in die italienische Kaffeespezialität. Wie bei einem guten Latte Macchiato liegt beim Cocktail die Feinheit im Detail. Rezepte gibt es viele, ebenso Zutaten. Doch wie man sie mischt und woraus, ist entscheidend. Krane schwört auf einige Premium-Marken, ohne die geht gar nichts. Billiger Fusel und künstliche Obstsäfte hat er nicht im Koffer. „Wir liefern Qualität!“, betont er. Und die hat ihren Preis. Aber: „Wenn sich ein paar Freunde zu einem besonderen Anlass zusammen finden und mich gemeinsam buchen, rechnet es sich. In den Bars kostet ein guter Cocktail ab 6 Euro aufwärts. Da ist mein Komplettangebot für 2 bis 40 Gäste mit bis zu 50 Drinks für 349 Euro nicht zu teuer“, glaubt der Geschäftsmann. Wer Lust hat, seine Leistungen zu testen, findet das Unternehmen im Internet unter www.dp-cocktails.de oder ruft die 0178-336 8000 an (Callback-Service, damit den Kunden keine Kosten entstehen).
„Den Namen Del Prado hat sich ein Freund ausgedacht. Durch ihn bin ich zu den Cocktails gekommen. Sein Traum war es, irgendwann einmal eine Bar unter diesem Namen zu eröffnen. Ich habe ihn wahr gemacht.“ Wir reiben uns die Augen. Ein perfekt gekleideter Herr betritt das Café. Bond? Im Prada-Anzug? „Mein Vater“, stellt Chris vor. „Er war als Geschäftsführer von Conze&Colsmann in der Textilbranche tätig. Meine Mutter ist gelernte Schneiderin“. Auf einer Modenschau in der Zeche Holland servierte Del Prado vor kurzem seine paradiesischen Drinks. Eine gelungene Kombination, die Frühaufsteher-Chef Stephan Kaufmann sofort ins Auge fiel …
addi
„Frühaufsteher“-Cocktail:
1 Limette achteln, in ein Glas geben und
2 EL Rohrzucker darüber geben,
Limette und Zucker zerstoßen.
Mit Crushed-Eis auffüllen,
Maracuja-Saft darüber gießen,
gut umrühren (NICHT SCHÜTTELN!)
Den Drink mit einem Strohhalm und Limette dekorieren, Zeitung aufschlagen und genießen!
Ganz privat
Lieblingsmusik: Cafe del Mar, Chill Out, 1Live
Lieblingsfarbe: Del Prado Blau
Lieblingsessen: Mediterran, bürgerlich
Hobbys: Joggen, Dackel-Mix Lilly, Revier-Fußball
schönster Urlaub: Lanzarote mit der Freundin
beste Eigenschaften: loyal und perfektionistisch
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Katrin Kempin mit ihrer neuen „Collection Zechenzeug“
Hätte sie jeden Wunsch frei, würde sie am liebsten mit Karl Lagerfeld eine Modenschau inszenieren. In Wattenscheid. „Hier liegen meine Wurzeln, und ich bin stolz aufs Ruhrgebiet! Mein Vater war Bergmann auf Zeche Holland“, erzählt Katrin Kempin (42) beim Frühaufsteher-Interview. Vor kurzem hat sie die Ende der 80er Jahre stillgelegte Steinkohlenförderstätte als Kulisse für ein Mode-Spektakel vor gut 500 Zuschauern genutzt.
Katrin Kempins Heimat ist fester Bestandteil der eigenen Schmuck- und Mode Kollektion. Der zweirädrige Förderturm aus 925er Silber – wahlweise schlicht oder verspielt – ist ein Symbol dafür. Am derben Lederband baumelnd auf jeden Fall ein klares Revier-Bekenntnis. Schwarz wie Kohle ist die Lieblingsfarbe der Wattenscheiderin. „Zechenzeug“ hat sie passender Weise ihre eigene Modemarke genannt. Die schlichten, schwarzen T-Shirts mit dem Aufdruck „Schicht im Schacht“ oder „Heimat“ (hier ist das „A“ ein Förderturm) sind sehr beliebt. Nicht nur dafür reisen sogar Kunden aus dem Modemekka Düsseldorf in den Pott. Viele Teile wirken „used“, ganz gewollt. Auf der Modenschau in der ehemaligen Lohnhalle waren die schwarzen Lammnappa-Miniröcke der Hingucker: Kempins Hommage an das derbe „Arschleder“ der Untertage-Malocher. Über Leggings sind sie salonfähig. Fertigen lässt sie ihre Stücke unter anderem im Münsterland. „Die Produktionsstätten sind immer unterschiedlich.“
Der berufliche Werdegang der Modeschöpferin begann vor gut 20 Jahren. Als Bürokauffrau in der Industrie spürte sie, dass ihre Kreativität nicht zum Zuge kam. „Es hat mir immer Freude gemacht, andere zu beraten, sei es in der Wahl der Kleidung oder bei der Wohnungseinrichtung.“ Nach ihrer Ausbildung vertrieb sie zunächst hochwertige Kosmetik, bildete sich dann zur Visagistin sowie Farb- und Stilberaterin fort. „2007 habe ich meinen ersten Laden in Höntrop eröffnet, seit 2010 gibt es eine kleine Filiale von KKC (Katrin Kempin Collection) an der Frankenstraße in Essen“. Ihre Mission: Styling von Kopf bis Fuß – falls gewünscht. Am meisten Spaß macht es ihr, Kunden ganzheitlich zu beraten. Auch wer ein Outfit für einen bestimmten Anlass benötigt, ist in guten Händen. „Wer zu mir kommt, soll alles andere vergessen und sich ganz den schönen Dingen widmen“, wünscht sie sich. Natürlich darf auch ungestört gestöbert werden. Zu sehen ist genug: Neben Blusen, Hosen, T-Shirts, Röcken und Schuhen gibt es Wohn-Accessoires wie Lampen, Uhren, Vasen, Schirme und eine ausgefallene Schmuck-Auswahl.
Eine Diskoversion des 82er Neue-Deutsche-Welle-Hits „Monotonie in der Südsee“ (von Ideal) zauberte lockere Sommer-Atmosphäre auf den Laufsteg der ehemaligen Lohnhalle der Zeche Holland. Die Del Prado Cocktails aus Heisingen waren eine gelungene Ergänzung. Wo Katrins früh verstorbener Vater einst das Geld für seine harte Arbeit entgegennahm, führten Models aus der Nachbarschaft tragbare Mode vor. Magersüchtige à la „Germanys next Top-Model“ waren nicht darunter. Kempins Tochter Paulina (7) sowie eine Freundin begrüßen mit „Glück auf“-Fahnen die Gäste – viele von ihnen Stammkunden, andere dabei, es zu werden.
Die Ideen der sympathischen Höntroperin gefallen, die Stücke sind exklusiv, witzig und eben immer ein Stück Heimat. Auch nach der RUHR.2010. „Ich bin das lebende Beispiel dafür, dass man Mode mit viel Humor und Herz tragen kann“, sagt Kempin über sich selbst. Paris, London, New York und – demnächst Wattenscheid? Kempins kreatives Vorbild ist der deutsche Modezar Karl Lagerfeld. „Er berührt mich, weil er nicht nur Mode macht“. Bevor sie mit KKC internationalen Boden betritt, wird Düsseldorf angepeilt, möglichst noch 2011. Hier will sie nicht an der Kö residieren, sondern in einem der kleineren Stadtteile, wo die Menschen leben. Am besten solche mit viel Herz, wie die in Höntrop, denn das ist ihr ganz wichtig.
Mit bloßen Oberkörpern und in Bergarbeiterhosen – eine freundliche Leihgabe aus dem Bergbaumuseum in Bochum – sorgten männliche Models auf Zeche Holland für Aufsehen. Kempins Mode wurde von elf Models aus dem Volk vorgestellt, die sehr natürlich wirkten. „Die Mode muss zu den Menschen passen, denn sie müssen sich darin wohl fühlen“, sagt sie abschließend.
addi
Ganz privat
Lieblingsmusik: Alles außer Free Jazz und Heavy Metal
Lieblingsfarbe: Zechen-schwarz
Lieblingsessen: Spaghetti aglio olio mit viel Parmesan
Hobbys: Musik und gute Gespräche
schönster Urlaub: Ibiza und Teneriffa
beste Eigenschaften: Gerechtigkeitssinn, Kreativität + Herz
Verschwenkung der Fahrbahn und Spurenaufteilung soll für Sicherheit an der Hubertushöhe sorgen – reicht das aus?
Dreimal hat es in den letzten Wochen schon wieder gekracht, einmal mussten die beteiligten Motorradfahrer per Krankenwagen abtransportiert werden. Nun endlich hat die zuständige Straßenverkehrsbehörde Mettmann reagiert, an der „Hubertushöhe“, wo sich Rodberger Straße, Hefel und Rottberger Straße kreuzen, tut sich was – wie angekündigt, zu Beginn der „Markierungs-Saison“.
Die Vorfahrtregelung dort wird zwar nicht wieder auf den alten Stand gebracht, der lange Jahre herrschte. Doch der Versuch, durch neue Fahrbahnmarkierungen und eine Aufteilung der Fahrspuren eine Verlangsamung des Verkehrs zu erreichen, zeigt zumindest, dass der Ernst der Lage bei den Verantwortlichen erkannt wurde. Doch ob das tatsächlich etwas bringt, bezweifelt nicht nur Harald Kosch. „Ich bin mir sicher, dass es bis September, jetzt in der Motorrad-Saison, in der es bei schönem Wetter hier nur so brummt, mindestens noch zehnmal zu Unfällen kommen wird. Alle, die dafür gesorgt haben, dass die Vorfahrtsregelung hier geändert wurde, sollten dafür beten, dass dabei kein Mensch mehr stirbt, wie das ja schon geschehen ist“, sagt der direkte Kreuzungs-Anwohner. Er hat sich mit einem Brief an die Polizei und die zuständigen Behörden gewendet, mit Frühaufsteher-Redakteur Dirk Greisler schaute er sich nun an, was sich auf der Straße vor seiner Haustür bisher getan hat.

Die sogenannte Verwringung, der Einbau von durch Fahrbahnmarkierungen aufgezeichneten Kurven, soll jetzt Abhilfe schaffen.
Wie schon der Leiter der Mettmanner Straßenverkehrsbehörde, Jan Schneider, in unserer Dezember-Ausgabe als Möglichkeit einer Lösung des Problems ankündigte, soll durch eine Verschwenkung des Fahrbahnverlaufs aus Richtung Hefel dafür gesorgt werden, dass die von dort kommenden Verkehrsteilnehmer langsamer fahren und so die Kreuzung deutlich entschärft wird. Dazu wird außerdem die Fahrbahn in zwei Spuren aufgeteilt, eine führt nach rechts, die andere geradeaus Richtung Essen-Kupferdreh, weiterhin allerdings nicht vorfahrtsberechtigt.
Diese Lösung ist ganz offensichtlich dem Sparzwang geschuldet, Überlegungen, die sogar einen Kreisverkehr in Erwägung ziehen sollten, sind an der wohl nicht möglichen oder gewollten Finanzierbarkeit gescheitert.
Die bisherigen gelben Markierungen, die provisorisch angebracht waren, die nun überfrästen alten Richtungspfeile und die neuen Markierungen führten indes an den Arbeitstagen und dem Wochenende dazwischen allerdings zu einigem Kopfschütteln und Verunsicherung bei vorbeifahrenden Autos und Zweirädern. In unserer nächsten Ausgabe werden wir wieder ganz genau hinschauen, wie sich die Situation nach der endgültigen Fertigstellung darstellt. Harald Kosch allerdings ist sich weiterhin ganz sicher, dass nur eine Lösung für die Rückkehr zu den sicheren Zeiten führt: „Es muss einfach wieder die Regelung gelten, die es jahrelang gegeben hat.“
Ansonsten fürchtet er, dass er und alle anderen, die an dieser Kreuzung beheimatet sind, bald wieder solche Bilder wie das der blutüberströmten Frau vor Augen haben werden, die später verstarb. Dieser Anblick hat ihn bis jetzt noch nicht, auch einige Monate danach, wieder losgelassen.
greis
Ein Rosenmontag bei Schmittes in Kupferdreh
„Uschi, es hat geklingelt!“
Und es sollte noch reichlich klingeln, vor allem, nachdem der Rosenmontagszug das Haus an der Kupferdreher Straße 181 passiert hatte. Das ist die Adresse von Uschi und Bernd Schmitte, und die haben nicht nur an diesem Tag gerne ihre engsten Freunde um sich. Nun gibt es ja kleine und größere Freundeskreise – letzteres dürfte in diesem Fall jedoch noch untertrieben sein. Da wäre zum Beispiel Georg Boeckler. Sein Vater hatte ein Fotogeschäft im Ort, er selbst hat als Mieter während seiner Ausbildungszeit im Haus der Schmittes gewohnt. „Für mich ist ein Besuch hier auch immer ein Stück Nostalgie“, erklärt er. Ob er deshalb die Cowboyverkleidung gewählt hat? Sigrid und Jürgen Gentzmer vom gleichnamigen Gartenbaubetrieb gehören ebenfalls seit vielen Jahren zur Rosenmontagsgesellschaft, genauso wie Heinz-Gerd Zerbahn, der heute als Koch unterwegs ist. Aber wie wird man eigentlich zum „Geheimtipp“ für tolle Feten? Nun, Uschis Vater war „ein echter Kölsche Jeck“ mit entsprechend gastfreundlichen Eigenschaften, während die Mutter aus Westfalen stammte. „Wer sich da beim Gencocktail durchgesetzt hat, kannste Dir ja denken“, kichert Uschi. Und Ehemann Bernd macht – ganz unwestfälisch – sowieso jeden Spaß mit, ihn kann nichts aus der Ruhe bringen. „Wenn einer Stress macht, dann Uschi“, frotzelt er und fängt sich einen passenden Blick seiner Gattin ein, die allerdings gleich wieder zur Tür eilen muss: Foto-Designerin Anke Espay ist da und hat ihre Eltern „mit raufgeholt“. Es folgt das Ehepaar Pointinger. (Einmal Tür aufmachen – fünf neue Gäste, das nennt man Timing.) Bernd steht bereits wieder hinter der Theke und sorgt für den frisch gezapften Willkommensgruß. „In Rio regnets“, wirft Cowboy Georg triumphierend in die Runde. Tatsächlich ist der Kupferdreher Rosenmontag seit Jahren endlich wieder ein sonniger Tag, da ist Häme in Richtung südamerikanischer Konkurrenz durchaus angebracht. „Und feiern kann man auf der Ruhrhalbinsel mindestens genauso gut“, bestätigt die „wilde Hilde“, „Kupferdreher Mädel und Uschis liebe Freundin“. Hildegard Betker und Uschi Schmitte gehören zum ehemaligen Kegelclub namens „Winterpfläumchen“, und die brauchen eigentlich keinen offiziellen Anlass, um Freude zu verbreiten. „Das ist eben ein fröhliches Haus, aber das weißt Du ja selbst“, lacht Uschi. Stimmt, die Adresse der Frühaufsteher-Redaktion lautet nämlich zufällig auch: Kupferdreher Straße 181. „Es gibt Schlimmeres“, würde Bernd sagen.
sk
Ganz privat (Uschi)
Lieblingsmusik: Schlager
Lieblingsfarbe: türkis
Lieblingsessen: italienisch
Hobbys: tanzen, rhythmische Gymnastik
schönster Urlaub: Mallorca
beste Eigenschaften: gastfreundlich, gesellig
Ganz privat (Bernd)
Lieblingsmusik: Unterhaltungsmusik
Lieblingsfarbe: hellblau
Lieblingsessen: mediterran
Hobbys: handwerkeln
schönster Urlaub: rund um’s Mittelmeer
beste Eigenschaften: gastfreundlich, gesellig
[Porträt von Wolfgang Sahl, Zigarrenfachmann und Drehorgelspieler.]
Wolfgang Sahl
„Im zweiten Weltkrieg erhielt der englische Premierminister Winston Churchill einen Anruf seines Zigarrenlieferanten Alfred Dunhill, dessen Lagerräume am Vortag bei einem Luftangriff zu Schaden gekommen waren, mit dem Wortlaut: „Sir, Ihre Zigarren sind gerettet.“
Churchill hatte damals sicherlich andere Sorgen, doch beschreibt diese Anekdote das besondere Verhältnis des Zigarrenliebhabers zum Fachhändler seines Vertrauens, der die besten Zigarren der Welt findet, diese sorgfältig aufbewahrt und umsorgt, bis sie dann zum Verbrauch abgegeben werden. Und solch ein Zigarrenfachmann ist Wolfgang Sahl. Die Liebe zu den gerollten Kunstwerken, „die von der schlechten Laune bis zur Gicht viele menschliche Unpässlichkeiten lindern sollen“, hat er quasi geerbt, denn schon sein Vater war Inhaber eines Fachgeschäftes für Tabakwaren – zunächst in Wölfershausen (nahe Bad Hersfeld), wo Wolfgang Sahl am 4. Dezember 1943 das Licht der Welt und zugleich große Mengen an Tabakvorräten erblickte – und später in Essen-Katernberg. Nach der Mittleren Reife, erworben am Leibniz-Gymnasium in Altenessen, folgte Sahl, der also in einer Bergarbeitersiedlung aufgewachsen war, dem väterlichen Ruf ins Tabakfach. Damals bevorzugte der Junior allerdings noch den Rauch einer Pfeife. 1979 übernahm er die elterliche Firma, parallel betrieb die Familie seit 1953 einen Kiosk am Kupferdreher Markt. „Da, wo jetzt der Briefkasten steht“, lokalisiert Sahl. Der Mann hat einen feinen Sinn sowohl für Tabak-Aromen als auch für Humor. Schon damals gehörten Abend-Events rund um das Thema „Zigarre“ mit zum Repertoire des „Botschafters genussorientierter Lebensart“. Jürgen Hingsen, Manni Kaltz, Wolfgang Clement und viele weitere bekannte Persönlichkeiten konnte er schon begeistern. Und wenn man das Zeremoniell beobachtet, mit dem Wolfgang Sahl eine Zigarre genießt, hat man schon viel gelernt über die „rauchige Leidenschaft“.
Das Ritual
Zunächst wird die Zigarre „geöffnet“, also angeschnitten, wobei die Größe der Öffnung und ein sauberer Schnitt bereits wichtig sind (damit zum Beispiel keine Tabakkrümmel die Laune verderben). Das Anzünden ist „mit Besonnenheit und Vorfreude“ zu begehen. Mit geschmacksneutraler Flamme (wie der eines Streichholzes) wird das Brandende erwärmt, dabei wird die Zigarre gleichmäßig gedreht. Die Flamme sollte die Zigarre nicht berühren und schwärzen (wegen der sonst frei werdenden Bitterstoffe). Der Zigarrenring kann ruhig dranbleiben, schließlich darf man die Qualität der Marke mit Stolz zeigen. Ob nun kleine, paffende oder doch kräftige Züge, entscheidend ist das langsame Exhalieren, so dass der Gaumen Zeit hat, die Geschmacksbreite des Tabaks auszukosten. Bevor die Zigarre anfängt „zu beißen“, sollte man aufhören. (Also wenn es am schönsten ist, etwa zwischen der Hälfte und dem letzten Drittel.) Ein Tipp: Wenn man die Zigarre „sterben lässt“, sie also nicht ausdrückt, riecht es anschließend weniger nach Rauch.
Smokers Nights
Eine Abendveranstaltung mit Wolfgang Sahl könnte mit einem kenntnisreichen und launigen Vortrag über die Geschichte der Zigarre beginnen. Dabei könnten Sie Gladies bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen, die gebürtige Kubanerin gehört zu den talentiertesten Zigarrenrollerinnen Deutschlands. Aber ganz sicher steht am Ende der Genuss einer edlen Zigarre. Aber welcher? „Jede Zigarre ist ein Unikat“, weiß der Fachmann. Aber es gibt natürlich feste Formate, also Geschmacksrichtungen. Hier drei Beispiele:
„Aurora“ – aus der Dominikanischen Republik, geformt wie ein Zeppelin, so dass die Aromen sich konzentrieren können, mit großer Tradition, schwierig zu rollen.
„Bolivia“ – kubanische Marke mit nur einer Spitze (Torpeda), im Rauchverlauf werden leichte Zitrusaromen frei.
„Romeo & Julietta“ – klassische kubanische Marke mittlerer Stärke, angeboten in besonders farbenfrohen Kistchen – das Auge raucht schließlich mit.
Ständchen für Heidi
Wer am eben erwähnten Kupferdreher Kiosk noch eingekauft hat, der kennt auch Gattin Heidrun, die hier vorrangig im Einsatz war, während Ehemann Wolfgang sich in Katernberg um das Tabakgeschäft kümmerte. „Ich bin wohl der einzige Mann, der sich mit Erlaubnis seiner Frau mit karibischen Schönheiten umgeben darf“, zwinkert er. Kennengelernt haben sich die Beiden 1965 in Diepholz, wo Wolfgang Sahl während der Bundeswehrzeit stationiert war. Heute ist Heidi als Kosmetikerin und Fußpflegerin am Schliepersberg 113 in Kupferdreh selbstständig. Und hier kommt sie auch in den Genuss besonders ungewöhnlicher, sonntäglicher Frühkonzerte auf der heimischen Terrasse, denn seit über sechs Jahren hat ihr Mann eine neue Leidenschaft: das Drehorgelspielen. Längst sind aus ersten privaten Vorführungen gefragte Auftritte zum Beispiel in Kindergärten, Altenheimen, bei Einweihungen oder im Karneval geworden. Sogar ein Seminar hat Sahl bereits absolviert nach dem Motto: „Wenn, dann richtig“. 2.000 verschiedene Arrangements für Drehorgeln kann er inzwischen „aus dem Ärmel schütteln“.
Wahre Kenner
Abschließend möchten wir Dr. Rommé vom „Europäischen Cigar & Cult-Journal“ zitieren mit seiner Bewertung einer „Hommage 1492“, einer Premium-Zigarre, die selbstverständlich auch im „Sortiment Sahl“ vertreten ist: „Sehr gut gerollt, kühler, sandig-erdiger, herbalaromatischer Rauch, guter Zug. Gehaltvoll und mild im Geschmack mit dezenter, zart-bitterer, herbal-würziger Textur, im Rauchverlauf an Volumen und Geschmackstiefe zunehmend. Sehr individuell im harmonischen Geschmacksausdruck“. Dazu empfiehlt unser Experte übrigens eine Tasse Kaffee, ein Gläschen Portwein oder spanischen Brandy. „Die Aromen ergänzen sich ideal“. Sollten Sie nun Lust auf ein solches Geschmackserlebnis bekommen haben, Sie wissen ja, an wen Sie sich wenden können. Viel Vergnügen!
sk
Ganz privat
Lieblingsmusik: deutscher Schlager
Lieblingsfarbe: blau
Lieblingsessen: Kalbshaxe
Hobbys: Zigarren, Drehorgeln
schönster Urlaub: Dominikanische Republik/Kuba
beste Eigenschaften: korrekt, verlässlich
Stiftungsgründer aus Überruhr fördern Kinder und Jugendliche
Sybille (65) und Horst Radtke (69) aus Überruhr lieben Weltreisen.
Bereits dreimal haben sie den Globus umrundet. Mit einer eigenen Stiftung engagieren sie sich für Kinder und Jugendliche in Not und sind außerdem in vielen Bereichen kreativ. Während der ehemalige AWO-Geschäftsführer und Landtagsabgeordnete gerade sein zweites Buch schreibt, stellt die „alte“ Lehrerin von Fußball-Profi Mesut Özil ihre Fotos für Vorträge zusammen oder feilt mit an einem Bildungsprojekt für NRW.
Vorab: Die Radtkes könnten mühelos mehr als eine Frühaufsteher-Ausgabe füllen! Beim Redaktionsbesuch finden wir immer neue Themen. Die Aktivitäten der beiden sind so vielfältig, dass mancher dafür zwei Leben bräuchte. Fangen wir an: Sybille kam als Tochter eines Frachterkapitäns zur Welt. In Sonderburg, denn ihre Mutter stammte aus Dänemark. Sybille ging in Bremerhaven zur Schule. Horst ist ein Borbecker Junge, aber auch zur Ruhrhalbinsel hatte er seit der Jugend Verbindungen: In Kupferdreh war er aktives Mitglied im Kaninchenzuchtverein KZV R153. Beste Erinnerungen hat er an sein Lieblingstier Peter, der gern Fahrrad fuhr. „Er hockte auf dem Gepäckträger, und wir radelten durch die Straßen.“ Das sorgte für Aufsehen. Radtkes Vater fiel im Krieg, Horst musste früh erwachsen werden, oft fehlte der nötige Beistand.
„Kinder und Jugendliche brauchen viel Rat, Hilfe und Unterstützung bei täglichen Problemen in Schule, Berufsausbildung, Elternhaus und Freundeskreis. Doch häufig sind Vater oder Mutter damit überfordert“, weiß er. Seit elf Jahren kümmert er sich ehrenamtlich in der „Sybille und Horst Radtke-Stiftung“ um junge Menschen, die – aus welchem Grund auch immer – in Schwierigkeiten stecken. Schlechte Noten, kriminelle Delikte, Streit mit Freunden oder den Eltern – die Radtkes und weitere ehrenamtliche Paten versuchen zu vermitteln. In der Familie, im Gespräch mit Lehrern oder gar vor Gericht. „Wenn das Kind, im wahrsten Sinne, in den Brunnen gefallen ist“, so Horst Radtke. Oft wirken Rentner oder Leute in der Stiftung mit, die neben ihrem Beruf einen Ausgleich in der Betreuung finden. Natürlich müssen die Eltern oder Sorgeberechtigten dazu ihr Einverständnis geben. „Derzeit kümmern wir uns um 21 Jugendliche.“ Finanzielle Unterstützung bietet die Stiftung für ausgewählte Projekte – von Pfadfinderfreizeiten und musikalischer Frühförderung bis hin zu Büchern für Schulbibliotheken. Der Bedarf ist groß, vor allem im Norden der Stadt.
In Gelsenkirchen-Bismarck war Sybille von 1983 bis 2005 an der Grundschule Marschallstraße. „Keine Stadt im Revier ist so arm wie Gelsenkirchen“, sagt die ehemalige Rektorin und berichtet von ihrem Einsatz in dem von Ausländern und Arbeitslosigkeit geprägtem Umfeld. Viele Kinder kommen ohne Frühstück in die Schule. Gern hat sie dort gearbeitet und ist bis heute treuer Fan von Schalke 04. „Mesut Özil war einer meiner Schüler!“. „Meine Frau hat ihm das Fußballspielen beigebracht“, fügt Horst hinzu. „Mesut war immer ein ganz Lieber. Ich hoffe, dass er bei Real Madrid gut zurechtkommt“, wünscht Sybille dem Profi türkischer Abstammung. Auf Kreuzfahrten und in der knappen Freizeit zuhause in Überruhr widmet sie sich gern einer 5.000 Jahre alten Maltechnik. „Encaustic gab es vor der Ölmalerei“, erklärt sie und zeigt, wie’s funktioniert. Auf einem speziellen Bügeleisen wird farbiger Wachs erhitzt und auf Karten oder Keilrahmen aufgetragen. Dabei entstehen interessante Strukturen. Schon Leonardo Da Vinci setzte flüssige Wachsfarben für seine Werke ein.
Während seine Frau malt oder ihre Reisefotos am Laptop für Vorträge zusammenstellt, sitzt Horst am PC und schreibt. Frisch aus der Druckerei kommt in diesen Tagen „Faszination Kreuzfahrt“, ein Ratgeber für Seereisende und alle, die es werden möchten. Die Themen sind bunt gemischt, es finden sich Tipps zum stilvollen Benehmen an Bord, aber auch zur Reisevorbereitung. Es geht durchaus humorvoll zu, etwa wenn er die Reservierung von Liegen an Deck anspricht oder fragt, warum es im Bus nicht 30 Plätze in der ersten Reihe gibt. Das nächste Buch ist bereits in Arbeit. „Es geht um Erinnerungen aus meiner Kindheit und Jugend in der Nachkriegszeit.“ Von 1969 bis 2000 war Diplom-Sozialarbeiter Horst Radtke bei der AWO in Essen, davon 27 Jahre als Geschäftsführer.
addi
Info
Die gemeinnützig anerkannte „Sybille und Horst Radtke-Stiftung“ ist erreichbar unter Telefon: 0201/585656.
Ganz privat
Lieblingsmusik: Weltmusik, Schlager, Opern
Lieblingsfarbe: Lila (Sybille), Bunt (Horst)
Lieblingsessen: Thailändisch und chinesisch
Hobbys: Fotografieren, Encaustic (Sybille), Filmen und Schreiben (Horst)
schönster Urlaub: „Wir hatten bisher nur schöne Reisen!“
beste Eigenschaften: Zuverlässigkeit