[ Porträt von Petra und Hans-Hermann Becker von „Reifen-Stahl rund ums Auto GmbH“. ]
Hans-Hermann und Petra Becker
Zum ersten Mal nach vielen Regentagen scheint die Sonne wieder, als die Frühaufsteherin „Reifen-Stahl rund ums Auto“ besucht. Doch dieser freundliche Familienbetrieb macht den Eindruck, dass für die Kunden hier immer gutes Wetter vorherrscht – völlig unabhängig von den aktuellen meteorologischen Bedingungen.
Rede und Antwort stand hauptsächlich Petra Becker, denn Hans-Hermann Becker leistete zwischendurch häufiger den gefragten Dienst am Kunden, der selbstverständlich immer im Mittelpunkt steht. Und außerdem arbeitet hier sowieso ein Team Hand in Hand, ob Familie Becker selbst – außer den Eltern ist noch Sohn Hans-Carl, 22, mit an Bord – oder die Mitarbeiter. Insgesamt sind sechs einsatzfreudige Menschen „rund ums Auto“ mit Leib und Seele bei der Sache.
Reifen und Service rund ums Auto
„Seit 1981 sind wir hier in Hattingen“, berichtet Petra Becker. Es gab auch einmal Betriebe in Essen, doch längst bestimmt ausschließlich das Hattinger Unternehmen das (Arbeits-)leben der Beckers. Neben Reifen und Felgen für fast alles, was fahren kann, vom „normalen“ PKW über LKW, Motorräder, Trecker bis zum Oldtimer versorgt das Team Becker die Kunden natürlich mit, wie der Name schon sagt, allem rund ums Auto. Hans-Hermann Becker ist Vulkaniseurmeister wie sein Vater.
Es ist sicherlich eines der schönsten Firmengelände in Hattingen, das nicht nur verkehrsgünstig in der Nähe der Bochumer Straße liegt, sondern auch noch auf dem Weg zum Leinpfad. An der Ruhr kommt man in Hattingen eben nicht vorbei.
Eine Familienleidenschaft: Mofa-Oldies
Vielleicht ist Familie Becker durch den guten Platz darauf gekommen, aus ihrer Leidenschaft für Oldtimer ein regelmäßiges Treffen zu machen? Petra Becker lacht: „Unser Sohn Carl hat das Ganze initiiert. Mit 10 Jahren schon entdeckte er seine Liebe zu Mofas. Da hat er mich dann irgendwann angesteckt. Im Laufe der Zeit kam ein Mofa zum anderen, die Sache entwickelte sich immer weiter.“ Zündapp, Kreidler, NSU aus Baujahren zwischen 1960 und 1970 gehören zum Fuhrpark.
Zweiräder und Reifen, das passt ja auch gut zusammen, finde ich, und die Mofa-Freundin ergänzt: „So hat sich Carl auch viel selbst beigebracht; er ist jetzt auch ausgebildeter KFZ-Mechatroniker.“
Auf zum Oldtimer-Treffen bei Beckers
Der Beckersche Oldtimer-Spaß beschränkt sich nicht auf Mofas. Zum jährlichen Treffen auf dem Betriebsgelände kommen Zweiräder, Autos, Trecker – rund tausend Gäste freuen sich jedes Jahr darauf zu sehen, was Familie Becker sich wieder ausgedacht hat.
Man sieht Petra Becker die Freude daran an: Sie strahlt vor Vergnügen, wenn sie erzählt, wie sie sich immer wieder etwas Neues überlegt, um ihre Kunden zu überraschen.
Und jeder kennt es von sich selbst: Interessiert man sich gerade für eine bestimmte Sache, dann begegnet sie einem, wo man geht und steht. Petra Becker sind schon viele schöne Dinge für ihre Oldies zugelaufen: Eine wunderschöne Tasse mit Treckermotiven, ein Stoff mit Treckern, aus dem sie für ihr Fest Kinderschürzen nähen ließ – die Erwachsenen durften sich mit einem John-Deere-Motiv schmücken – kaum zu glauben, was es alles gibt und nur darauf wartet, von den kreativen Oldtimer-Fans entdeckt zu werden.
Bulli, Buggy und Wild-West
Sehr begehrt sind alle Jahre wieder die Plaketten, die das erlebnisreiche Treffen noch nachwirken lassen, und etwas ganz Besonderes ist das „Käfer-T-Shirt“. Auch Lebkuchen-Herzen erinnern an Beckers Feste. Mir geht es schon wie den Moderatoren von „Wunderschön“ im WDR: Mein Rucksack füllt sich mit Lebkuchenherz, Plaketten und den liebevoll gestalteten Einladungen.
„Zum Markenzeichen geworden sind unsere Sonnenblumen“, begeistert sich die „Event-Managerin“ – den Job-Titel hat sie mit ihrer Erfahrung rund ums Organisieren der Treffen längst verdient. Wer ihr Fest besucht, soll es schön haben. In der Vergangenheit gab es Musik der „Melker aus Norderstedt“, Ponyreiten, eine Wild-West-Welt, einen Falkner, einen „Kartoffel-Mann“ aus der Nachbarschaft … ich sehe mir die Bilder an, es ist einfach stimmig, auch im Detail: Der antike Herd zum Beispiel, der stilecht zu den Oldtimern passt. Da ist alles dabei: Richtig alte Schätze, VW-Bullis, ein Buggy, ein US-Fahrzeug und ein Trabi, der witzigerweise einen Mini-Trabi aufs Dach geschnallt hat. Und natürlich Trecker. Ein Deutz und ein Lanz gehören zum Familieninventar.
Wer Trecker kennt, kennt Hermann von Grebe: „Ein alter Fuchs“, sagt Petra Becker, der die Veranstaltung moderiert und die Fahrzeuge vorstellt. Das Fachblatt „Die Schlepper-Post“ berichtete übrigens auch schon einmal.
Hier wird es niemals langweilig – auch nicht im Alltag
Was die Gäste im September 2011 erwartet, verrät sie noch nicht, nur so viel: Ein alter „Klümchenstand“ ist dabei. Der zieht sicher nicht nur Kinder an. Wer etwas anderes essen möchte, wird bestens versorgt. „Das Kochen überlassen wir aber anderen“, erfahre ich, „Alfred Schulte-Stade übernimmt das für uns.“
Auch wenn das Oldtimer-Treffen seine Schatten vorauswirft – schließlich gibt es ja noch das Tagesgeschäft. Was gefällt den Beckers daran am meisten? „Es wird niemals langweilig, der Kontakt mit den Kunden macht unglaublich viel Spaß“, sind sie sich einig. Haben sie einen Wunsch? „Dass es uns immer gut geht“. Liebe Familie Becker und Mitarbeiter: Genau das wünscht Ihnen der Frühaufsteher auch. Und ein ganz gelungenes siebtes Oldtimer-Treffen. Doch bei Ihrem Organisationstalent, Petra Becker, haben wir da überhaupt keine Bedenken.
pgs
Ganz privat
Lieblingsmusik: Lieder von der Waterkant
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: Hausmannskost
Hobbys: Segeln
schönster Urlaub: Ostsee
beste Eigenschaften: Zitat Petra Becker: „Mein Mann hat nur gute Eigenschaften.“
Der Kunstrasen beim SuS Niederbonsfeld „wächst und gedeiht“
Die Fußballer des SuS Niederbonsfeld ziehen, zusammen mit den Hallensport-Abteilungen ihres Vereins, an einem Strang. Aus gutem Grund, vor allem in diesem Sommer: Es gilt, eine auch für erfahrene Sportler sehr schwierige Aufgabe zu stemmen. Konkret heißt das: Ein Kunstrasenspielfeld entsteht an der Kohlenstraße, finanziell steuert die Stadt Hattingen insgesamt „nur“ 158.000 Euro zu diesem Projekt bei.
Doch das schreckte und schreckt die Niederbonsfelder Verantwortlichen und Vereinsmitglieder nicht: Die Summe von 135.000 Euro, die so zu Beginn der Planungen noch zur Vollendung fehlte, wurde an die Spitze eines Spendenbarometers als Ziel geschrieben. Und siehe da: Der größte Teil der Barometersäule erstrahlt auf der Homepage des Vereins schon im sattesten Grün, lediglich noch rund 15.000 Euro stehen im „roten Bereich“ offen. „Und auch die werden wir zur Verfügung haben, wenn es nötig ist“, ist sich Vereins-Vorsitzender Christian Kolz sicher. Denn auch die Möglichkeit eines Kredites für eventuell noch fehlende Euro-Beträge sind ausgelotet und für den Verein machbar.
Die Kosten für das Kunstrasenprojekt sieht Kolz in vielerlei Hinsicht gerechtfertigt, wie er beim Ortstermin mit dem Frühaufsteher erklärt: „Zum einen bekommen wir von der Firma Desso einen Rasen, bei dem die modernsten Erkenntnisse und Innovationen in Sachen Belastbarkeit und Haltbarkeit umgesetzt sind (Hinweis der Redaktion: Sogar die Profis von Real Madrid trainieren auf einem Untergrund dieser Firma). Zum anderen wird sich dieses neue Angebot auch sicher positiv auf unsere Mitgliederzahl, vor allem im Nachwuchsbereich auswirken. Und das ist, durch dann höhere Beiträge, auch wieder gut für den gesamten Verein.“ Denn heutzutage, so weiß Kolz zu berichten, sei für die Eltern hoffnungsvoller Nachwuchskicker nicht mehr nur der Trainer, die Spielklasse oder das Vereinsumfeld an sich maßgeblich, sondern: „Viele Mütter und Väter finden es schon wichtig, dass ihr Sprössling nicht auf Asche spielen und trainieren muss.“ Auf Kunstrasen tut die Grätsche eben nicht ganz so weh …
Fast ausschließlich aus den eigenen Reihen der fast 600 Mitglieder kommen die finanziellen Zuschüsse für den Kunstrasen als Spenden, doch auch beispielsweise die CDU Niederbonsfeld ließ sich nicht lumpen, und steuerte 1000 Euro bei. Neben dem Geld hat der Verein aber noch ein großes Pfund, mit dem er wuchern kann. Denn eine Menge der Arbeiten, die zu erledigen sind, werden in Eigeninitiative erledigt, wie beispielsweise auch die Renovierung der Tribüne und der darüber liegenden Bereiche. „Das ist einfach auch in Zusammenhang mit dem neuen Platz nötig, weil ansonsten bei starkem Wind oder Regen der Dreck von da oben auf das neue Spielfeld gespült werden würde.“
So beherrschen also momentan Bagger, Erdhügel und eine richtig stabile „Abwehrmauer“ den Raum zwischen den Toren. Also keineswegs die besten Voraussetzungen für die Senioren- und Nachwuchsteams, sich auf die beginnende Saison vorzubereiten. Doch in Fußballerkreisen ist es – zumindest in Hattingen und der benachbarten Ruhrhalbinsel – offensichtlich Ehrensache, kickende Sportkameraden nicht im Stich zu lassen. „Dort, wo Kapazitäten vorhanden waren, sind wir mit offenen Armen empfangen worden, um während der Zeit des Umbaus zu trainieren. Dafür auch ein großes Dankeschön.“
Im Gegenzug will der SuS Niederbonsfeld im Übrigen auch Essener Mädchen und Jungen in Zukunft auf dem neuen Kunstrasenplatz eine sportliche Heimat bieten. Christian Kolz: „Auch fußballbegeisterter Nachwuchs aus der Nachbarstadt ist bei uns herzlich willkommen.“ Dass der in Scharen kommt, hoffen die Niederbonsfelder. Und vielleicht schon allein aus dem Grund, sich beim Training ein wenig wie in Madrid zu fühlen.
greis
Weitere Informationen
Für den weiblichen Nachwuchsbereich: 02052/80209 (Kolz), für männliche Jugendkicker 02052/8351971 (Bangert).
Michael Stein, Inhaber der Agentur Bambule Webdesign
Im Juli-Frühaufsteher haben wir ihn schon „angedroht“: Unseren Neuzugang Michael Stein. Er ist sozusagen verwandt mit Friedrich Graf von Isenberg, dem ganz besonderen Gesprächspartner, den wir kürzlich interviewen durften. Wie der Stein auf den Isenberg kam, das werden wir Ihnen gleich noch verraten.
Ein digitaler Lebenslauf
Michael Stein wurde bereits frühzeitig „digitalisiert“. Unser Gespräch beginnt mit seinem, wie er es lachend nennt, digitalen Lebenslauf. „Meine Eltern“, erzählt der freundliche Inhaber der Web-Agentur Bambule Webdesign in Hattingen-Niederwenigern, „haben mir zum Glück von Anfang an Computer erlaubt und gekauft.“ Das war zu Beginn der 1980-er Jahre. Wie kann man sich denn diese ein wenig dinosaurierartigen Geräte vorstellen, auf die der damals 12-jährige Michael sich begeistert stürzte?
Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft
„Das erste Modell war ein ZX81 Sinclair, das Einsteigergerät vor dem PC“, erinnert er sich genauso leidenschaftlich. Es folgte der Commodore, der sicherlich vielen noch bekannt ist. „Man muss sich vorstellen“, erfährt die Frühaufsteherin, „dass man nicht einfach in den nächsten Laden gehen und sich einen PC kaufen konnte. Wir sind bis nach Aachen und Mönchengladbach gefahren.“ Wir amüsieren uns gemeinsam über das lange Abtippen von Programmen aus Zeitschriften oder das Einschleusen mittels Kassettenrekorder.
Die technische Neugier prägte den jugendlichen Michael, der ahnte, dass „da etwas Großes hinter steckt.“ Von seiner Person könne man das nicht trennen – der Beginn einer lebenslangen Liebe, von der heute natürlich die Kunden seiner Agentur profitieren.
Technik und Publizistik vs. Uni
Doch Michael Stein ist vielseitig. Neben der Technik treibt ihn auch die Publizistik: Anfang der 1990-er Jahre versorgt er mit einer Zwei-Mann-Redaktion die Menschen in Niederwenigern und Niederbonsfeld mit dem „Wennischen“. Das Blatt erscheint zwei Jahre lang monatlich mit einer Auflage von 3.500 Stück.
Liebe Leser, Sie ahnen es bereits: Auf das Internet hat unser Gesprächspartner nur gewartet. 1993 ist es soweit – eine ganz neue IT-Welt eröffnet sich. Eigentlich studiert Michael Stein nach Abitur und Bundeswehr in Bochum Geographie, doch in die tiefsten Schichten der Universität dringt er nicht ein, zu spannend sind Internet und auch das Schreiben. Glossen und Kurzprosa für Radio EN und den Wennischen fordern eben ihren Tribut. Die Geographie muss auf den vielfältig Talentierten verzichten.
Ein Stück Humor für Hattingens runden Geburtstag
Wir schreiben das Jahr 1995: Die kleine Stadt Hattingen wird 500. Michael Stein und seinem Umfeld fehlt ein „humoriges Element“. Beim Brainstormen beschließt man, Friedrich von Isenberg per Comic zu reanimieren. Gemeinsam mit Georg Jorczyk und Holger Pfläging, dem Zeichner, bringen sie witzige Geschichten um den Grafen und seine Familie heraus. Heute kann man auf www.die-isenburger.de sehen, was die kreativen Drei sich überlegt haben. Und natürlich jeden Monat im Frühaufsteher.
Hund Tobby bringt Bewegung ins IT-Leben
Michael Stein lebt mit seiner Frau Bettina Scherff und seinem Hund Tobby, einem Mischling aus dem Tierheim, der täglich eine Stunde lang dafür sorgt, dass der Webdesigner nicht zu lange vor dem Bildschirm sitzt, in Niederwenigern. Falls das doch einmal passiert, kann vielleicht Bettina als Physiotherapeutin für Hunde und Pferde auch einmal einen menschlichen Kunden behandeln. Und wie sieht die digitale Gegenwart und Zukunft für den Bambule-Chef aus? „Ich wünsche mir natürlich viele Kunden, für die ich Internetseiten erstellen oder überarbeiten kann“, hofft er. Die Social-Media-Entwicklung beeindruckt ihn. Selbst ein alter IT-Hase staunt darüber, wie schnell das Ganze in der Gesellschaft angekommen ist. Wo die Reise hingeht? Darauf sind wir beide gespannt.
Über Bambule Webdesign
Bambule Webdesign entwickelt und betreut Internet-Auftritte nach aktuellen Standards. Optimale Suchmaschinenplatzierungen und barrierearmer Zugang für möglichst viele Besucher sichern den Erfolg der Websites. Die Agentur pflegt Ihre Seiten inhaltlich und technisch und hält sie mit frischem Content aktuell. Festgefahrenen Projekten haucht man hier neues Leben ein.
pgs
Webdesign Michael Stein
Kohlenstraße 247 · 45529 Hattingen
Fon: 02324/200477
E-Mail: kontakt@bambule.de
Ganz privat
Lieblingsmusik: Jazz, Miles Davis
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: Mediterranes
Hobbys: Laufen, Badminton
schönster Urlaub: in den Bergen
beste Eigenschaften: guter Zuhörer
Gutes zu tun wird belohnt – früher oder später
Nach dem Heiligen Georg und dem Grafen Friedrich von Isenberg treffen wir uns in diesem Monat mit Roswitha, die normalerweise als Denkmal zu Blankenstein residiert. Für den Frühaufsteher macht sie aber gerne eine Ausnahme. Nur auffallen möchte sie nicht allzu sehr. Treffen wir uns doch auf der Burg Blankenstein, schlage ich vor. Da sieht man ja häufiger gewandete Gäste, und niemand wundert sich.
Roswitha freut sich über die Abwechslung in ihrem Alltag. Wir besteigen den Turm und genießen die wunderbare Aussicht über das Ruhrtal. „Ich sollte öfter mal rausgehen, aber wenn ich meinen angestammten Platz verlasse, irritiert das vielleicht die Blankensteiner“, gibt sie zu bedenken.
Alte und neue Geschichten
„Ach was“, ermuntere ich sie, „dann haben die Menschen wenigstens einmal wieder Anlass, eine neue Sage in die Welt zu setzen. Das gibt es nämlich heute auch noch.“ Sie staunt, als ich hier von dem Germanistik-Professor erzähle, der diese ganzen „wirklich wahren Geschichten“ sammelt und beobachtet, wie sich die Gerüchte über Jahrzehnte hinweg entwickeln. Wer kennt sie nicht, die Gegebenheiten, die immer dem Freund eines Freundes ganz bestimmt genau so passiert sind.
„Würde ich gerne lesen“, sagt Roswitha, und ich verspreche, ihr ein Buch zu bringen.
„Doch jetzt“, bitte ich sie, „erzähle doch einmal deine ganz persönliche Geschichte.“
Kalt, stürmisch und gruselig: Der Stoff, aus dem die Sagen sind
„Es war kalt und dunkel, mitten im Winter, da kam ein junger Handwerker auf unserem Bauernhof vorbei. Wo der genau lag, kann ich gar nicht sagen, es hat sich hier ja alles ganz schön verändert.“
„Ist ja auch lange her“, pflichte ich Roswitha bei.
„Mein Vater fand es nicht gut, dass der hereinkommen und was essen wollte. Er war nicht sehr menschenfreundlich, muss ich zugeben, und wollte sogar den Hund auf ihn hetzen.“
„Das gibt es heute wohl auch noch“, denke ich laut. „Was hast du dann getan?“
„Ich hab meinen Vater gebeten, nicht so grausam zu sein. Aber er ließ sich nicht erweichen!“ Das betrübt sie anscheinend immer noch.
„Der junge Mann war mir sehr dankbar, auch wenn es nichts gebracht hatte, und schlich sich traurig davon. Er schlief dann in einer Scheune.“
„Wenigstens ein Dach über dem Kopf“, tröste ich meine Gesprächspartnerin.
„Um Mitternacht donnerte es dann plötzlich, natürlich wurde er wach und erschrak“, fährt sie fort.
„Woher“, wundere ich mich, „weißt du das denn eigentlich?“
Sie lächelt fein: „Warts ab!“
Teufel, Schatz und Ziegenbock
„Jedenfalls sah unser ‚Gast‘, wie mein Vater eine Kiste in die Erde versenkte und dabei den Teufel um Beistand bat: Er möge den Schatz bewahren – bei einem schwarzen Ziegenbock als Pfand.“
„Gruselig“, finde ich.
„Oh ja“, sagt Roswitha, „es wird noch gruseliger: Es blitzte und donnerte wie verrückt, ein rotes Licht tanzte auf der Kiste, und auf einmal: Alles finster. Kein Wunder, dass der junge Kerl morgens so schnell wie möglich von dannen zog, um Blankenstein weit hinter sich zu bringen.“
„Werde ich jetzt auch mit ganz anderen Augen sehen“, lache ich. „Wie ging es weiter?“
Ein Déjà-Vu
„Jahre später gab es ein Riesenfest auf der Burg hier. Ein Jäger kam zufällig vorbei und hatte, wie ihr heute sagt, ein Déjà-Vu. Sehr merkwürdig kam ihm das vor. Er klopfte an die Tür eines verfallenen Bauernhauses und staunte, dass ich ihm öffnete.“
„Boah …“, verfalle ich vor lauter Staunen ins Ruhrdeutsche.
„Der Jäger erzählte mir, wie der böse Hofherr damals einen Wanderer verjagte. Er sah mich an und meinte, dass sei er gewesen und er sei mir unendlich dankbar, auch wenn das ja alles nichts genutzt hatte.“
„Der gute Wille zählt ja auch“, meine ich.
„Ich sagte ihm, wie sehr ich mich freue. Meinen Vater fanden wir nach der stürmischen Nacht tot unter einem Birnbaum. Die Leute quatschten nur noch Böses über unseren Hof, es sei nicht geheuer, und die mieden mich, wo sie nur konnten. Und auch wenn der Alte manchmal hartherzig war, so ganz alleine sein war auch schwer.“
„Klar“, sage ich.
Tief in Roswithas Schuld
„Der Jäger meinte, er wolle meine Schuld tilgen und er wisse von einem Schatz. Dafür brauche er aber einen schwarzen Bock.“
„Wie eigenartig!“
„Kam mir auch so vor, aber er klang sehr überzeugend, der gute Mann. Also besorgte ich einen Bock, den wir abends unter den Baum stellten. Sofort wurde er zerrissen, der Bock, meine ich. Blitz und Donner und eine schwefelgelbe Flamme verschlangen das arme Viech.“
„Und?“
„Plötzlich sahen wir eine Kiste. Du kannst dir denken, was drin war? Der Schatz natürlich! Gold und Silber – und alles für mich, sagte der Jäger.“
„Nicht schlecht!“ Das war sohl so eine Art historischer Lottogewinn, denke ich.
Zwei Schätze für Roswitha: Und wenn sie nicht gestorben sind …
„Das fand ich auch, sage ich dir! Aber für mich alleine wollte ich das auch nicht haben. So ein Schatz nützt mir nur was, wenn ich ihn mit einem Menschen teilen kann, das sagte ich auch meinem Begleiter. Dass ich den Schatz mit ihm teilen wollte, war wohl klar, sonst war ja niemand da“, kichert Roswitha. „Und er gefiel mir auch gut, so ist es nicht.“
„Glückwunsch, auch wenn es schon lange vorbei ist!“, gratuliere ich Roswitha nachträglich. Und jetzt verstehe ich natürlich, wieso sie die ganze Geschichte so genau kennt.
„Vor lauter Freude wollte mein neuer Mann den Schatz auch mit den Armen teilen.“ Da hat er sich wohl gleich ein Beispiel an seiner weichherzigen Frau genommen.
„Nett von ihm, geteilte Freude ist eben doch doppelte Freude, das gilt heute auch noch“, beschließe ich unser Gespräch und begleite Roswitha noch zurück zu ihrem Denkmal. Nicht dass sie schon gesucht wird.
Angeregt wurde der Frühaufsteher durch eine Erzählung aus „750 Jahre Burg Blankenstein“. Und wer Roswitha besuchen will – die wohnt an der gleichnamigen Straße, Am Roswitha-Denkmal. Wenn sie nicht gerade Interviews gibt.
pgs
Ganz privat
Lieblingsmusik: Jagdhorn
Lieblingsfarbe: Ziegenbockschwarz
Lieblingsessen: Bocksbraten
Hobbys: Schätze finden
schönster Urlaub: im Wald und auf der Heide
beste Eigenschaften: mitfühlend
Felicitas Quint ist Leiterin bei den Heisinger Pfadfindern
Mit Pfadfinderblut in den Adern schloss sich Felicitas Quint (31) schon als Neunjährige dem Stamm Philipp Neri, Essen-Horst, an. Sie blieb dabei. Seit 1998 betreut sie als Leiterin bei Sankt Georg den Nachwuchs in Heisingen.
Mädchen oder Frauen gibt es bei den Pfadfindern nicht mehr so selten. Doch an höherer Stelle sind sie immer noch rar. Auf zehn männliche Leiter kommen im Schnitt etwa bis zwei bis drei Frauen. „Meine Eltern waren beide bei den Pfadfindern aktiv. Da war es keine Frage: Nach der Erstkommunion trat ich sofort bei“, erzählt Felicitas Quint im Frühaufsteher-Interview. Bei den Wölflingen (Altersgruppe 7 bis 10 Jahre) schnupperte die gebürtige Essenerin einen ersten Hauch von Abenteuer, Freiheit und großer, weiter Welt. 1989 leistete sie am Lagerfeuer ihr Versprechen. „Wir waren damals zwölf Mädchen und zehn Jungen in der Gruppe.“ Auch bei den Jungpfadfindern (10 bis 13 Jahre) fühlte sich die Naturliebhaberin zuhause, lernte mit Begeisterung das Fährtensuchen und Feuermachen. In besonderer Erinnerung ist ihr das Sommerlager in Großbritannien geblieben, bei dem sie das Land mit dem Fahrrad unsicher machte. Nach drei Jahren bei den Pfadfindern (Altersgruppe 13 bis 16) wurde sie 1996 Rover. So heißen die Ältesten mit 16 bis 20 Jahren. Danach schied sie nicht wie viele andere aus, sondern wurde Leiterin. „Das ergänzte sich prima mit meiner Ausbildung zur Erzieherin“, sagt sie.
Der Stamm Sankt Georg ist einer von acht im Bezirk Essen-Süd und wurde am 30. Oktober 1978 nach längerer Pause wieder gegründet. Mit rund 120 Mitgliedern sind die Heisinger „Scouts“ gut aufgestellt. Pfadfinder zu sein, ist wieder in. Themen wie Umweltschutz und Klimawandel sorgen für Zulauf. Passend zur Jahresaktion arbeiten Kinder und Jugendliche an Projekten. „Die Leiter begleiten sie dabei. Die Ideen entwickeln sie selbst“, so Quint. Ihre zehn Pfadfinder etwa haben sich ein Rollenspiel nach dem Vorbild der „Siedler von Catan“ ausgedacht.
Jeden Tag eine gute Tat: Gutes zu tun für andere, lautet eine der Grundregeln.
„Der wahre Weg, das Glück zu erlangen, besteht darin, andere Menschen glücklich zu machen. Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als ihr sie vorgefunden habt“, hatte der Gründer der Pfadfinderbewegung, der Brite Lord Robert Baden-Powell (* 22. Februar 1857, † 8. Januar 1941) kurz vor seinem Tod in einem Brief an die Pfadfinder formuliert. Diesem Leitspruch haben sich auch die Mädchen und Jungen vom Stamm Sankt Georg verschrieben.
Was die Wölflinge, Juffis, Pfadfinder oder Rover unternehmen, im Mittelpunkt steht die Gemeinschaft, das Wir-Gefühl. Quint: „Jede Gruppe ist so stark wie ihr schwächstes Glied!“ So wird bei längeren Wanderungen zum Beispiel immer Rücksicht auf die Kleineren genommen. Auch Gerechtigkeit und Menschenrechte sind den Pfadfindern ein Anliegen. „Aktion 12 – Abenteuer möglich machen!“, heißt die Losung der 1929 gegründeten Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) für das kommende Jahr. Ziel ist es, Kinder- und Jugendarmut in Deutschland unter die Lupe zu nehmen, durch Projekte im Stamm darauf aufmerksam zu machen und nach eigenen Möglichkeiten aktiv zu werden. Neben all dem kommt natürlich auch der Spaß nicht zu kurz! Quint: „Leistungsdruck gibt es bei uns nicht. Damit haben die Kinder in der Schule genug zu kämpfen.“
Im Sommer zieht es die Pfadfinder immer in die Ferne. Kinder und Jugendliche aus aller Welt treffen sich zum Zeltlager und finden neue Freunde. Da machen auch die Heisinger keine Ausnahme. In Südschweden, in der Nähe der Universitätsstadt Väjxö, lag ihr Ziel. Zwei Wochen campierten sie auf Blindingsholm, direkt am See. Damit bei der nächtlichen Ankunft nichts schief ging, stand im Juli der Zeltaufbau auf der Vorbereitungsliste. In der Gruppenstunde hatten die Kids auf der Wiese neben dem katholischen Pfarrheim an der Heisinger Straße 480 fleißig geübt. Felicitas Quint, seit Jahren ein Skandinavien-Fan, bereitete sich mit einer kurzen Rucksackwanderung um den Baldeneysee auf die Reise vor. Wir waren dabei.
addi
Die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG)
Die DPSG zählt rund 95.000 Mitglieder und ist der größte katholische Pfadfinderverband in der Bundesrepublik. Pädagogisches Ziel ist die Erziehung zu Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Pfadfinder entdecken die Umwelt durch bewusstes Handeln. Ihre Weltsicht basiert auf den Grundsätzen des christlichen Glaubens. Mitglied wird man im Stamm vor Ort. Der Jahresbeitrag beträgt zurzeit 33,50 Euro pro Mitglied. Weitere Infos unter: www.dpsg.de.
Ganz privat
Lieblingsmusik: Roxette
Lieblingsfarbe: Blau und Pink
Lieblingsessen: Griechischer Salat
Hobbys: Pfadfinder, kreatives Gestalten
schönster Urlaub: Immer am Meer
beste Eigenschaften: Einfühlungsvermögen und gute Beobachtungsgabe
Gerhard Witzel vertraut auf seinen Wegen St. Christophorus
Gleich zwei große Feste konnte Pastor Gerhard Witzel in diesem Jahr feiern: Seinen 75. Geburtstag am 21. Mai und das Goldene Priesterjubiläum am 23. Juli. Der rüstige Geistliche wohnt seit 2004 in Burgaltendorf. Zuvor war er 38 Jahre in der Thomas-Morus-Gemeinde Vogelheim aktiv.
Am 23. Juli 1961 war Gerhard Witzel von Ruhrbischof Dr. Franz Hengsbach in der Münsterkirche zum Priester geweiht worden. Von 1961 bis 1966 war der in Altena (Sauerland) geborene Jubilar als Vikar in St. Bonifacius Bochum-Langendreer tätig, danach 38 Jahre in der Gemeinde St. Thomas Morus, im Essener Norden. „Das waren andere Welten“, sagt er beim Frühaufsteher-Gespräch in seiner Wohnung an der Worringstraße. In Vogelheim hat er viel bewegt, für Kinder, Jugendliche und Familien. Sein Vorgänger Pfarrer Albert Schmidt hatte 1968 angeregt, eine Freizeit- und Bildungsstätte an der B 225 zwischen Dorsten und Marl aufzubauen. Witzel folgte dem Ruf. Mit Hilfe vieler ehrenamtlicher Mitarbeiter konnten Tausende Besucher aus Essen und Umgebung von 1968 bis 1989 im Stöckmannskamp erlebnisreiche Tage genießen. „1989 musste das Camp leider geschlossen werden, weil das gepachtete Grundstück für eine Straße zur neuen Bergehalde gebraucht wurde“, erinnert sich der Pastor im Ruhestand (i.R.).
Trotz des „i.R.“ ist Witzel stets beschäftigt. In der Großpfarrei St. Josef-Ruhrhalbinsel weiß man es sehr zu schätzen, dass er immer ansprechbar ist. Witzel zeigt uns einen gut gefüllten Terminkalender, ohne Auto nicht zu bewältigen. Damit er sicher ankommt, vertraut er auf Christophorus. „Er ist mein Lieblings-Heiliger“, sagt er und zeigt die Tonfigur, die er zur Primiz (1. Messe) am 30. Juli 1961 bekommen hat. Eines seiner größten Hobbys ist die Psychologie. Über die „Seelenkunde“ hat er etliche Bücher gelesen. Seit einigen Jahren gehört er der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge an, die im hessischen Frankenberg beheimatet ist. „Die Gesellschaft fördert Begegnungen und den Erfahrungsaustausch zwischen Psychotherapeuten und Seelsorgern.“ In der Praxis setzt Witzel sein psychologisches Wissen unter anderem jeden Dienstag ein: Dann ist er von 14 bis 15 Uhr Beichtvater in der Anbetungskirche neben dem Dom in der Innenstadt. Auch Taufen, Krankenbesuche, Brautämter und Gottesdienste, zum Beispiel donnerstags um 7 Uhr bei den Karmeliterinnen in Stoppenberg. Der Frauenorden feiert die Messen in der von Äbtissin Swanhild gegründeten und 1074 eingeweihten Stiftskirche Maria in der Not.
Keine Frage – Pastor Witzel tut viel Gutes. Für Menschen in nächster Nähe und in weiter Ferne, etwa für „Nangina“. Das Wort kommt aus einer afrikanischen Stammessprache und bedeutet übersetzt „Ort der Steine“. So heißt ein Dorf in Kenia, aber auch ein Verein, der 1988 in Witten gegründet wurde. Firmlinge, Eltern und einige Pfarrer unterstützen im Nangina e.V. seitdem erfolgreich das kenianische Krankenhaus Heilige Familie. „2010 konnten 170.000 Euro für das Hospital gesammelt werden!“, freut sich der Geistliche.
Auf der Ruhrhalbinsel fühlt sich Gerhard Witzel wohl, seit nunmehr sieben Jahren. Was er besonders zu schätzen weiß? „Ohne, dass ich darum bitten musste, hat man in der Gemeindekirche Herz Jesu kurz nach meinem Zuzug einen Handlauf angebracht, damit ich die Stufen zum Altar sicher bewältigen kann.“ Mittlerweile wurden in der Groß-Pfarrei St. Josef Essen-Ruhrhalbinsel in allen Kirchen Geländer für Pastor Witzel nachgerüstet. „Als ich 15 Jahre alt war, erkrankte ich an Kinderlähmung. Seit etwa zehn Jahren leide ich an Muskelschwäche als Spätfolge. Das Treppensteigen fällt mir schwer.“ In einer Post-Polio-Syndrom-Selbsthilfegruppe tauscht er sich regelmäßig mit anderen aus.
Eine ganz besondere Verbindung hat er zum Siegerland. Geschätzte 20 bis 25 Mal verbrachte er mit Gruppen aus seinen Gemeinden in der „Arche Noah Marienberge“, einer Einrichtung für Familienferien. Sein Vorgänger in Vogelheim, Pastor Albert Schmidt, stammte aus einem Dorf in der Nähe von Elkhausen, wo sich das Heim befindet. Schmidt brachte nach dem Krieg die ersten Jugendgruppen aus Essen aufs Land. Witzel trat in seine Fußstapfen. Bis heute setzt er sich für die Einrichtung ein, als Vorstandsmitglied und Rector ecclesiae (Kirchenrektor). Familien, Senioren, Schüler, Chöre und Orchester, Behinderte und Kommunionkinder finden in der „Arche Noah“ Ruhe und Erholung.
Mit rund 500 Gästen aus nah und fern feierte Witzel am 23. Juli in der Kirche Herz Jesu einen Dankgottesdienst. Die Festpredigt hielt Thomas Zander, Direktor des Kardinal-Hengsbach-Hauses. Der Kirchenchor bewies wieder einmal sein Können. „Volles Haus“ auch beim anschließenden Treffen im Pfarrheim. Die Schlange der Gratulanten war lang. Seine Gäste verwöhnte der Jubilar unter anderem mit seiner Lieblingsspeise. Die deftige Linsensuppe fand allgemeinen Anklang, ebenso wie die vielen leckeren Kuchen, Gaben von Frauen aus der Gemeinde. Die Kollekte der Messe ging auf Witzels Wunsch an die Missio-Aktion Schutzengel. Statt Geschenke hatte er um Geldspenden für den guten Zweck gebeten.
addi
Ganz privat
Lieblingsmusik: Alte und neue Kirchenmusik
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: Linsensuppe
Hobbys: Lesen (Fachliteratur), Spaziergänge
schönster Urlaub: Gröbming in der Steiermark
beste Eigenschaften: Fantasie
[ Portrait von Meike Sinnig, Kupferdreher Mädel, Kauffrau – und demnächst selbstständig als „DiWa“. ]
Meike Sinnig
„So ein bisschen wahnsinnig muss man wohl sein, um sich gerade in der heutigen Zeit selbstständig zu machen“, erklärt Meike Sinnig das „W“ im Firmennamen „DiWa“, im September soll das neue Fachgeschäft für Damenoberbekleidung an der Kupferdreher Straße 178 feierlich eröffnet werden.
„Auf welche Zeit sollte ich denn auch warten?“ fragt die Neu-Unternehmerin weiter, und wenn man ihren bisherigen Lebensweg betrachtet, gibt es auf diese Frage tatsächlich keine gescheite Antwort.
Ein Leben in Kupferdreh
Geboren am 23. Juli 1965 in Kupferdreh, hat sie an die Kinder- und Jugendzeit „nur schöne Erinnerungen“. „Meine Mutter war immer für mich da und eigentlich war man, anders als die Computer-Kids heute, so oft es ging mit Freunden draußen“. Nach den Grundschuljahren in der Dilldorfschule absolvierte sie die „Mittlere Reife“ an der jetzigen Hinsbeckschule. Bereits im Alter von 15 Jahren begann ihre Lehrzeit zur „Schmuckfachverkäuferin im Einzelhandel“ in denselben Räumlichkeiten, in denen in Kürze der Startschuss für das eigene Unternehmen fallen wird. „Liane und Michael Hübers waren damals meine Ausbilder – genau hier an der Kupferdreher Straße 178. Demnächst befinden sich meine Geschäftsräume also gegenüber von „Juwelier Hübers – Brillen und Kontaktlinsen“, die inzwischen die Straßenseite gewechselt haben und mit Birthe und Björn in nächster Generation ihre Firmentradition fortsetzen“, erklärt Meike Sinnig den besonderen Reiz dieser Entwicklung. Nach zunächst fünf Jahren im besagten Familienunternehmen, einem ersten Ausflug ins Modefach sowie weiteren Berufsjahren in der EDEKA-Verwaltung – natürlich alles in Kupferdreh – kam es zu einer folgenschweren Begegnung ausgerechnet in Essen-Rüttenscheid.
Thomas, Max und Sammy
„Es war sein ansteckendes Lachen, das mir zuerst aufgefallen ist“. Thomas Sinnig, als Immobilienkaufmann heute weit über die Grenzen der Ruhrhalbinsel bekannt, punktete zudem mit gutem Erinnerungsvermögen: „Obwohl ich zwischenzeitlich eine brünette Haarfarbe ausprobiert habe, hat er mich bei einer späteren Zufallsbegegnung sofort wiedererkannt, das fand ich schon beeindruckend für einen Mann“, zwinkert Meike Sinnig. Geheiratet wurde 1992, am 22. Oktober 1993 erblickte Sohn Max das Licht der Welt. Seit vier Jahren komplettiert Hütehund Sammy das Familienbild. „Bei den gemeinsamen Spaziergängen mit dem Hund kann mein Mann am besten von seinem oft anstrengenden Job abschalten“.
Der Kreis schließt sich
Ihrem Mann „den Rücken freizuhalten“ und ihrem Sohn „eine gute Kindheit zu geben“, stand für Meike Sinnig, dem Vorbild der eigenen Mutter folgend, immer außer Frage. So „begnügte“ sie sich mit einem Halbtagsjob – selbstverständlich erneut bei der Familie Hübers – und verschob den Traum von der Selbstständigkeit. Vorläufig. „Nun ist meine Zeit gekommen. Im Oktober wird Max volljährig, ihn zieht es ebenfalls in die Immobilienbranche. Die für mich so bedeutungsvollen Geschäftsräume, praktischerweise auch direkt neben dem Büro meines Mannes gelegen, sind gerade frei geworden. Nach kompletter Modernisierung ist es nun Zeit für „DiWa“, freut sie sich „wahnSINNIG“ auf eine neue Lebensphase.
Das Konzept
„Die Kundinnen (und natürlich auch die Herren der Schöpfung) sollen sich wohlfühlen, beim Getränk, beim Plausch, ganz ohne Zeit- und Kaufdruck. Mir zur Seite steht Natascha Pagelsdorf, sie ist äußerst fachkompetent, immer gut gelaunt – und eine gute Freundin seit Jahren. Gemeinsam haben wir die Startkollektion ausgesucht. Und da ist für jeden Geschmack und alle Altersstufen von 20 bis 70 etwas dabei. Von klassisch über sportiv bis verspielt-trendy ist das Sortiment individuell und qualitativ hochwertig. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ein Einkauf zum finanziellen Abenteuer wird. Geschickt kombiniert mit preisgünstigen Accessoires kann zum Beispiel ein dominierender Eyecatcher – wertvoll und langlebig – den Gesamteindruck abrunden. Die Mischung macht’s“, fasst die stilsichere Modefachfrau zusammen. Und zur Abrundung des Warenangebotes bei „DiWa“ tragen deshalb auch Handschuhe, Mützen, Schuhe und Handschuhe bei. „Was Frauen gefällt“, sagt sie und ist davon überzeugt, dass die Kupferdreher Straße zur Kö der Ruhrhalbinsel werden könnte. „Neben unseren bekannten Vorzügen am Baldeneysee wird die Stadtteilerneuerung unsere Heimat noch attraktiver machen“, blickt sie optimistisch in die Zukunft. Und wir erkennen: Das „W“ steht in Wirklichkeit für Weiblichkeit und Weitsicht.
sk
Ganz privat
Lieblingsmusik: die Charts rauf und runter
Lieblingsfarbe: Pink
Lieblingsessen: Italienisch
Hobbys: mein Hund
schönster Urlaub: Südtirol/Dolomiten
beste Eigenschaften: authentisch
Bianca Ophaus vom FC Blau-Gelb Überruhr 1974 e.V.
Frisch gebrüht mag sie Kaffee am liebsten. Richtig heiß muss das Getränk sein. Abends entspannt sie gern auf dem Balkon. Bei einem Glas Wein und etwas Musik. Für den FC Blau-Gelb Überruhr 1974 e.V. schwingt sie seit anderthalb Jahren als Jugendleiterin die Fußballfahne. Treu an ihrer Seite ist Border-Collie Lady: Im Frühaufsteher-Fokus steht Bianca Ophaus (41).
Fußball nimmt seit ihrer Kindheit in Mannheim eine wichtige Rolle ein. „Mein Bruder ist sechs Jahre älter und spielte im Verein. An den Wochenenden fuhr die ganze Familie zu Turnieren“, erzählt sie beim Besuch in Überruhr. Wurde vor dem Haus gebolzt, war sie „Balljunge“ und „ganz stolz darauf“. Bianca Ophaus kennt sich mit Fußball aus, obwohl sie nie selbst in einer Mannschaft spielte. Seit 1994 wohnt sie in Essen, seit 1996 in Überruhr, wo der FC Blau-Gelb an der Bezirkssportanlage an der Überruhrstraße 250 trainiert. Durch ihren Mann ist sie zum Verein gekommen.
Ihre knappe Freizeit verbringt die Mutter eines Teenagers (Sohn Tim ist 12 Jahre) am liebsten beim Sport oder an der frischen Luft. Mit Border Collie Lady unternimmt sie lange Spaziergänge oder erholt sich auf dem gemütlichen Balkon. Von dort genießt sie die herrliche Aussicht ins Grüne. Dazu hört sie Musik. Die Beatles, Tracy Chapman, Pink Floyd oder Simon & Garfunkel, und das ganz stilvoll-altmodisch vom Plattenspieler. Dass die alten, schwarzen Scheiben bei ihr gut aufgehoben sind, hat sich herumgesprochen. „Die Sammlung wächst. Immer mal wieder geben mir Freunde ihre alten Platten!“, freut sich Bianca, die beim FC Blau-Gelb für die Bambinis und sechs Jugendmannschaften von F bis D zuständig ist.
Die Jugendleiterin erstellt die Spielerpässe und Ergebnislisten, organisiert Turniere, pflegt den Kontakt zu anderen Vereinen, erledigt die An- und Abmeldungen, kauft Bälle und Trikots. Vor allem aber ist sie erste Ansprechpartnerin für Kinder und Eltern. Das Amt bereitet ihr Freude, wie sie uns versichert. Die kaufmännische Angestellte liebt Campingurlaub. „Früher ging’s mit den Eltern zum Zelten. Heute verreise ich gern im VW-Bus“, sagt sie und berichtet von ihren neuesten Urlaubsplänen. Die Bretagne und Portugal stehen auf dem Programm. „Bei hoffentlich schönem Wetter!“ Strahlend-blau der Himmel, gelb die Sonne – so lassen sich die Vereinsfarben auch deuten. Doch Ophaus ist wetterfest und feuert den Fußball-Nachwuchs notfalls selbst im Regen an. Ihren Balkon nutzt sie auch im Herbst und Winter. Kuscheldecke und Heizstrahler geben die nötige Wärme.
addi
Ganz privat
Lieblingsmusik: Rock & Pop, Exotisches wie Indi
Lieblingsfarbe: Rosa
Lieblingsessen: Nudeln mit Scampis
Hobbys: Radfahren, Badminton, Kiten, Skilaufen
schönster Urlaub: Dubai, Camping mit VW-Bus
beste Eigenschaften: spontan, zuverlässig, humorvoll, kinderlieb
DFB-Pokal-Ausgabe
Kerl inne Kiste, sowatt wie letzten Freitach habe ich schon lange nich mehr anne Hafenstraße erlebt.
Die alte Bruchbude im Essener Norden war picke packe voll und die letzten zwei maroden Tribünen platzten aus allen Nähten. Grund der Massenwanderung Richtung Bergeborbeck war dat Pokalspiel zwischen Waldis wilden Fußballkerlen von RWE und den Eisernen Unionern aus Berlin Köpenick! Durch dat 1:0 im Niederrheinpokalfinale inne letzten Saison gegen Velbert hatte RWE nen Ticket fürn DFB-Pokal gebucht. Getz stand also der Zweitligist vor der Tür.
Et war für uns Essener ne willkommene Abwechslung gegenüber dem bevorstehenden Liga-Alltag gegen die zig Reserveteams und endlich wieder mal die Gelegenheit, sich mit nem Proficlub zu messen. Auch der Berliner Anhang war über den Gegner RWE offenbar nich grade unglücklich, denn gut 2000 angereiste Fans sind gemessen am Termin und der Distanz ne absolute Hausnummer!
Apropos Hausnummer: In der Hausnummer 97a auf der Hafenstraße ging et dann auch gut zur Sache – auf dem Platz versteht sich! Die gut 13000 Zuschauer ham unter Flutlicht einen packenden Pokalfight geliefert bekommen! Die Roten, die im übrigen zwei Klassen tiefer als die Berliner Gäste inne Regionalliga kicken, gingen dabei durch Capitano Timo Brauer und Edeljoker Benedikt Koep nich ganz unverdient mit 2:0 in Führung. Die Stimmung kochte über im altehrwürdigen Georg-Melches Stadion. Extase pur und eine Stimmung, die einem ne Entenpelle vom Scheitel bis zur Sohle verpasst. Die Berliners dürften sich im falschen Film gefühlt haben.
Doch Rot-Weiss wär nich Rot-Weiss, wennset nich nochma spannend machen würden. Also gab et kurz vor Toreschluss noch zwei Gegentore. Überstunden waren angesacht. Aber auch inne Verlängerung konnte kein Gewinner ermittelt werden. Also ging et vom umkämpften Rasen über zur Lotterie, dem Elfer ballern! Mit 11.000 Fußballbekloppten Rot-Weissen im Rücken hatten die Spieler von RWE ein bisken mehr Glück vom Punkt. Quasi dat Glück der Tüchtigen! Mit 6:5 wurde schlussendlich Uwe Neuhaus mit seinen Eisernen vonne Wuhlheide wieder zurück inne Hauptstadt geschickt.
Seit Freitach träumen die Fans also wieder von Berlin. Diesmal nich von Union, sondern vom Finale im Olympiastadion! 1994 hatten die Roten dat zuletzt erreicht und Stand heute sind et nur noch vier Siege bis zum Finale. Wer der nächste Gegner von RWE wird is mir eigentlich total Schnuppe, denn seit Freitag weis nich nur Union Berlin: Gegen Essen kann man mal verliern!
In diesem Sinne,
nur der RWE
Hintergrund-Info
Name: Christian Ruthenbeck
Alter: 29 Jahre, geboren in Essen, aufgewachsen in Stadtwald, wohnhaft in Altendorf. Seit über 20 Jahren treue RWE-Seele. Seit 5 Jahren arbeitet er in der Mobilfunkbranche im Servicebereich als Kundenbetreuer und seit Februar 2010 ehrenamtlich bei Radio Hafenstrasse.
www.radio-hafenstrasse.de
Gastwirtin mit Herz feiert Jubiläum
Mit 34 Jahren übernahm Edith Thöne die Gaststätte an der Kupferdreher Straße 225. Seitdem sind 35 Jahre vergangen. Viele Stammgäste sind sich einig: So herzlich wie „bei Edith“ ist es nicht überall. Sie kommen von der Ruhrhalbinsel und sogar aus Borbeck. Das Tambour-Corps Grün-Weiß Essen-Kupferdreh fand dort seine zweite Heimat.
Wie es der Name des Lokals bereits verrät, heißt seine Wirtin Edith. Den Nachnamen Thöne kennen nicht alle Gäste. Macht nichts – wer zu Edith möchte, findet sie. Die gebürtige Lübeckerin kam 1957 mit ihrer Familie aus dem hohen Norden in den Kohlenpott. In Essen fand der Vater der damals 15-Jährigen wieder eine Arbeit. Mit 21 wurde Edith zum ersten Mal Mutter. Zur Tochter (48) pflegt sie bis heute ein gutes Verhältnis. „Sabine wohnt in Duisburg und arbeitet in Langenberg. Sie schaut oft hier vorbei“, sagt Edith. Sabines Tochter hat zwei Kinder, Edith ist somit stolze Uroma. Sohn Bernd (44) wohnt in Essen und ist immer zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht wird.
Seit 1976 betreibt Edith Thöne die Kneipe, die vorher „Möllneys Nocken“ hieß. „Ich kannte die Gaststätte bereits. Manchmal war ich mit meiner Freundin hier, wenn unsere Männer zum Kegeln gingen“, erzählt sie. Als die Vorbesitzer aufhörten, griff sie zu. „Fünf Jahre wollte ich Wirtin sein, nicht länger!“ Mit ihrem Lebensgefährten Hugo Schroer zog sie in die Wohnung über der Wirtschaft. Mittlerweile sind 30 Jahre hinzugekommen. Ans Aufhören denkt Edith nicht, auch wenn „Urlaub“ für sie ein Fremdwort ist. Seit 35 Jahren. Die Arbeit hinter dem Tresen füllt sie aus, der tägliche Plausch mit den Gästen würde ihr fehlen. Sie kennt die meisten sehr gut und weiß als aufmerksame Zuhörerin von deren Sorgen und Nöten. Seit sechs Jahren hilft ihre Schwester Uschi bei der Bewirtung. Bei Edith wird an den zünftigen Tischen auch Skat gespielt oder eifrig gewürfelt. Eine gut gelaunte Damenrunde aus Kupferdreh kommt regelmäßig zum Stammtisch, die Sänger von „Cäcilia“ stimmen ihre Lieder an, der Reiterverein Zieten e.V. Essen-Kupferdreh trifft sich dort einmal im Monat.
„Bei ihr sind wir immer herzlich willkommen!“, lobt Nicole Marker, Schriftführerin beim Tambour-Corps Grün-Weiß die Gastfreundlichkeit. „Sie ist praktisch die Mutter des Vereins. Zwei- bis dreimal pro Woche sind einige Mitglieder da.“ Seit 1982 gehört Edith dem Corps an. Vor ein paar Jahren wurde sie Ehrenmitglied. Mit ihren treuesten Gästen unternimmt die rüstige Wirtin bisweilen Ausflüge. Gemeinsam fuhr man an Rhein und Mosel. Mit 63 Personen ging’s zum Brauhaus nach Velbert. „Im Herbst wird es wieder eine Fahrt geben. Das Ziel ist noch geheim“, sagt sie. Ebenso unbekannt zu Redaktionsschluss waren kleine und größere Überraschungen zum 35. Bestehen. Es wäre nicht das erste Mal, dass plötzlich das komplette Tambour-Corps samt Instrumenten vor der Gaststätte aufmarschiert oder unangemeldet ein E-Gitarrist erscheint, um Edith ein Konzert zu geben. Mit solchen Aktionen muss sie zu besonderen Anlässen rechnen. Wir sind bereits gespannt, was zum nächsten runden Geburtstag im Februar 2012 aus dem Hut gezaubert wird.
addi