[ Porträt von Frank Schwätzer, Inhaber der Schwätzer GmbH Sanitär- und Heizungsbau in Hattingen. ]
Frank Schwätzer
Wenn die Sonne scheint, freut sich Frank Schwätzer noch mehr als andere Menschen – denn der Heizungsinstallateur-Meister denkt an die Wärmeenergie, die viele seiner Kunden jetzt dadurch gewinnen.
Die Solarenergie ist jedoch nur eines der Steckenpferde, denen seine berufliche Leidenschaft gilt. Auch vielen anderen innovativen Technologien widmet er seine Schaffenskraft. Dabei steht vor allem eins im Vordergrund: Energie sparen.
Dass Frank Schwätzer sich einmal mit seinem eigenen Betrieb selbstverwirklichen würde, wagte er als junger Mann kaum zu hoffen. „Eigentlich wollte mich mein Vater in die Stahlfabrik schicken“, lacht der humorvolle Unternehmer, der heute eine feste Größe in Hattingen ist. „Aber zum Glück konnte ich mich durchsetzen und meine Lehre machen. Mein Vater war zwar erst sauer, aber als er merkte, wie sehr ich in diesem Beruf aufgehe, war es für ihn in Ordnung.“
Auch sein Fachabitur holte er noch nach und machte sich Ende der achtziger Jahre früh selbstständig, weil es damals wenig Arbeit gab und sich die meisten einen Meister nicht leisten konnten. Heute ist der erfolgreiche Handwerker, der zu 98 Prozent Privatkunden hat und durch persönliche Weiterempfehlung an neue zufriedene Kunden kommt, selbst Meister und führt einen anerkannten Ausbildungsbetrieb. Viele seiner Mitarbeiter sind schon lange mit dabei – teilweise seit 17 Jahren. Gemeinsam haben Frank Schwätzer und sein Team einen zukunfts- und kundenorientierten Betrieb aufgebaut, in dem er seit April diesen Jahres modernste Heizkessel, vorrangig von der Firma Vaillant, ausstellt.
Das hehre Ziel: Energie und Kosten sparen
„Wer versucht, verantwortungsvoll mit unserer Umwelt umzugehen, sollte sich mit effizientem Heizen beschäftigen“, erklärt Frank Schwätzer auf die Frage, weshalb er sich so für den Einsatz erneuerbarer Energien und anderer innovativer Heizsysteme engagiert. Und weist auch gleich darauf hin, dass sich dabei auch einiges an Geld sparen lässt – langfristig, versteht sich.
„Schließlich gibt es die Energie der Sonne sogar gratis“, lacht der Unternehmer verschmitzt. „Und die moderne Brennwerttechnik zum Beispiel holt so viel aus jedem Tropfen Öl beziehungsweise Gasmolekül heraus, dass sich ein Nutzungsgrad von bis zu 99 Prozent ergibt!“ Seine Begeisterung für energiesparende Technologien ist ansteckend – und macht Frank Schwätzer bei seinen Kunden zu einem glaubhaften Ansprechpartner, der die Themen erneuerbare Energien und effiziente Heiztechnik auch selbst lebt.
Kein Wunder, dass auch Sohn Jan-Hendrik seit seinem 17. Lebensjahr mit im Betrieb arbeitet. Der Versorgungstechnik-Student soll das Geschäft später erfolgreich weiterführen. Ob auch sein zweiter Sohn, Malte, einmal diesen Weg einschlagen wird, steht noch in den Sternen – er macht erst noch sein Abitur. Gut für die Schwätzer GmbH wäre es allemal, denn den Fachkräftemangel im Handwerk bekommt Frank Schwätzer zu spüren und merkt, wie schwer es ist, gutes Personal zu finden.
Umso wichtiger ist es ihm, dass die bestehenden Mitarbeiter immer auf dem neuesten Stand sind, wenn es um modernste Technologien und fortschrittliche Heizsysteme geht. Daher durchläuft die gesamte Belegschaft ein regelmäßiges Schulungs- und Weiterbildungsprogramm speziell für Sanitär- und Heizungsfachbetriebe.
Moderne Technik für eine saubere Zukunft
Als Frank Schwätzer den Betrieb am 1. August 1988 gründete, steckten viele der heute eingesetzten Technologien noch in den Kinderschuhen. Doch auch damals stand Energie sparen für ihn im Vordergrund. Heute verwundert es niemanden mehr, dass die Schwätzer GmbH eines der modernsten Unternehmen der Branche und Spezialist für die Nutzung regenerativer Energie in unserer Region ist. Das 2007 verliehene Qualitätssiegel „Vaillant Innovationspartner 2007“ bezeugt das auch schwarz auf weiß.
„Das bedeutet, dass wir unseren Kunden von der Beratung über die Planung bis zur fachgerechten Umsetzung alles bieten, was sie für den Umstieg auf energiesparende Heizsysteme mit erneuerbaren Energien brauchen“, erklärt Antje Schwätzer, die den Betrieb heute gemeinsam mit ihrem Mann führt und für die Buchhaltung verantwortlich ist.
„Wir wollen viele Menschen dafür begeistern – was besser geht, wenn sie die neuen Technologien in der Praxis erlebt haben. Und genau das machen wir möglich“, betonen die Heizungsexperten und präsentieren stolz den neuen Showroom, in dem seit letztem Frühling verschiedene Produkte zur Nutzung regenerativer Energie und Erzeugung effizienter Wärme in Aktion zu sehen – und anzufassen – sind.
Für drei vielfältig einsetzbare modernste Heizungstechnologien kann sich Frank Schwätzer besonders erwärmen: Das sind neben der bereits erwähnten Solarenergie erstens die Wärmepumpen-Technik – die Wärme aus Luft, Wasser und Erde nutzbar macht – und zweitens die Kraft-Wärme-Kopplung. Diese wirklich bahnbrechende Technologie ist seit kurzem auch für Ein- und Zweifamilienhäuser einsetzbar. Im Showroom der Schwätzer GmbH können sich am Energiesparen interessierte Hausbesitzer das sogenannte Familienkraftwerk ecoPOWER 1.0 von Vaillant in Ruhe ansehen und von Frank Schwätzer oder einem seiner Mitarbeiter erklären lassen.
„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass nichts das persönliche Gespräch ersetzt, um gemeinsam herauszufinden, was der Kunde braucht und welche die beste Lösung für ihn ist“, erklärt der Heizungsinstallateur-Meister und betont, dass es sinnvoll sei, zur Besichtigung des Showrooms einen Termin zu vereinbaren: „So können wir uns dann richtig Zeit für die Beratung nehmen.“
Einmal in jedem Frühjahr und Herbst veranstaltet Frank Schwätzer auch einen Schausonntag in seinem 350 m2 großen Betrieb, wo Kunden und Interessierte sich über innovative, energiesparende Technologien für ihr Zuhause informieren können. „Unserem Ziel, dass möglichst viele Haushalte in unserer Region mit erneuerbaren Energien heizen, kommen wir damit jedes Jahr ein Stückchen näher“, freut sich das Ehepaar Schwätzer – und strahlt mit der Herbstsonne um die Wette.
Ganz privat
Lieblingsmusik: alles Rhythmische, Fox
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: Grünkohl mit Mettwurst
Hobbys: Angeln, Motorradfahren
schönster Urlaub: Dänemark
beste Eigenschaften: loyal
… der SuS ist überall! / SuS Niederbonsfeld feiert sein 75-jähriges Jubiläum
Am Samstag, den 8. Oktober feierte der SuS Niederbonsfeld sein 75-jähriges Bestehen. Passend zum Gründungsjahr öffneten sich um 19.36 Uhr die Pforten der vereinseigenen Turnhalle an der Kohlenstraße 436. Der Startschuss für ein rauschendes Fest.
Die blauweißen Teufel hatten zu diesem Anlass keine Kosten und Mühen gescheut, um den circa 350 Gästen den Abend mit Tombola und jeder Menge Programm so bunt wie möglich zu gestalten.
Die Spielerfrauen und -mütter hatten sich ins Zeug gelegt und ein Buffet organisiert, das jedem Geschmack gerecht wurde. Die Turnhalle wurde – aufwendig dekoriert – kurzerhand zu einem Festsaal umgewandelt und bot neben zahlreichen Sitzgelegenheiten und Tischen auch eine Theke, eine Bühne und eine Tanzfläche.
Der Geräteraum, in dem sonst Bälle und Trikots lagern, wurde in mühevoller Kleinstarbeit mit Kunstrasen ausgelegt und zur „Kunstrasenbar“ umfunktioniert. SuS-Trikots aus den Siebzigern und zahlreiche Zeitungsartikel aus vergangenen Zeiten schmückten die Wände. Auch die Getränkekarte im liebevollen Ambiente der „Kunstrasenbar“ hatte es in sich. Neben einigen Standard-Cocktails befanden sich Eigenkreationen mit den klangvollen Namen wie „Lattenknaller“, „Blutgrätsche“ und „Freistoß“ auf der Karte.
„Die Kunstrasenbar ist mein Baby. Wir haben hier viel Arbeit reingesteckt. Hoffentlich wird das von den Gästen auch angenommen.“ sagte Uwe Lachmann wenige Minuten vor dem Start des Abendprogramms um 20.15 Uhr.
Nach einem ersten Stimmungslockerer der gut aufgelegten Band „Just 4 Fun“ und einer stürmischen Rede, in der vor allem zunächst den zahlreichen freiwilligen Helfern gedankt wurde, ließ es sich Wolfgang Scherff nicht nehmen, auch das Kunstrasenprojekt in den höchsten Tönen zu loben. Immerhin hat das 2.500-Seelen-Dorf Niederbonsfeld es geschafft, in nur einem Jahr einen Kunstrasen nur durch Spenden zu finanzieren. Es gab also doppelten Grund zu feiern.
Anschließend gaben sich mehrere Laudatoren das Mikro in die Hand. Auch Hattingens Bürgermeisterin Dagmar Goch ließ sich nicht lang bitten und hob in Ihrer Rede besonders die Jugendarbeit und das Engagement im Frauenfußball des SuS hervor und überreichte Christian Kolz (1. Vorsitzender) einen Scheck in Höhe von 250 Euro für die Selbige.
Sogar von Fortuna Düsseldorf erreichte die SuS ein Gratulationsschreiben. Als Geschenk gab es 40 Freikarten für ein Spiel des Zweitligisten.
Wenig später schallte das Vereinslied des SuS aus den Kehlen der Chorgemeinschaft Deilbachtal und spätestens als es dort hieß „Hurra Hurra, die blauweißen Teufel vom SuS sind da“, stimmte der ganze Saal mit ein.
Auch die noch junge Inline-Skater-Abteilung beteiligte sich am Jubiläumsprogramm. Für die jungen Mädchen zwischen 11 und 15 war es der erste Auftritt vor so großem Publikum. Mit selbst gebastelten Kostümen boten sie auf ihren Skates eingeübte Choreographien zu den Songs „Black or White“, „Pretty Women“ und „Starlight Express“ und ernteten stehende Ovationen.
Abgerundet wurde das Programm vom Auftritt der Tanzgruppe „Dancing Fire“. Mit blitzschnellen Kostümwechseln und perfekten Tanzschritten begeisterte die aktuelle Nummer 3 im deutschen Dance Floor das Publikum an der Kohlenstraße.
Nach tosendem Applaus für „Dancing Fire“ übernahmen „Just 4 Fun“ wieder die Initiative. Mit einer Reihe Klassikern aus den Sechzigern wie „Daydream believer“ oder „San Francisco“ füllte sich um kurz nach 22 Uhr allmählich die Tanzfläche und mit ihr auch die „Kunstrasenbar.“ Bei dem Anblick konnte sich der mittlerweile beruhigte Uwe Lachmann ein Lächeln nicht verkneifen. Nun ging die Veranstaltung bei leckeren Speisen und guten Getränken in den gemütlichen Teil über, der bis lang in die Nacht reichen sollte. Dem stand auch nichts im Wege, denn am Sonntag, den 9. Oktober, hatte der Club, in dem auch Willi Lippens (Rot-Weiss Essen, Borussia Dortmund) und Andreas Luthe (VfL Bochum) aktiv waren, schließlich spielfrei. Und zu feiern gab es an diesem Samstag Abend beim SuS Niederbonsfeld wahrlich genug.
Christian Ruthenbeck
Horst Schmerbeck und die Hattinger Imker bestellen den Bredenscheider Bienengarten
Wenn Horst Schmerbeck nicht gerade die Schüler der Gesamtschule Welper für Mathe und Physik begeistert, ist es sehr wahrscheinlich, dass er sich gerade in der einen oder anderen Art und Weise mit seinen Bienen beschäftigt. Er ist Erster Vorsitzender des Imkervereins Hattingen e. V., der „Am Zippe“ in Bredenscheid einen Bienengarten betreibt.
Wie kommt man darauf, Bienengärtner zu werden? „Ein Kollege hat mich angesteckt“, erzählt der Vater dreier Kinder, die den elterlichen Bienenstock bereits verlassen haben. „Der hat mich mitgenommen, ich habe zunächst mitgeholfen und bin dabei geblieben.“
Nachwuchs – die königliche Aufgabe
Die Bienen haben Horst Schmerbecks Interesse also erfolgreich befruchtet. Ich erfahre, dass die Königin aus allen „ganz normalen“ Eiern gezogen werden kann, diese aber nach 1, 2 Tagen im Gegensatz zu den zukünftigen Arbeiterinnen weiterhin etwas Besonderes zu essen bekommt: das so genannte Gelée Royale.
Wer die verantwortungsvolle Aufgabe hat, für den Nachwuchs zu sorgen, der darf sich wohl auch königlich darauf vorbereiten!
Ist die Königin „fertig“, fliegt sie zur Paarung, kommt zurück und legt bis zu 2.000 Eier am Tag. „Innerhalb eines Jahres kann man ernten“, erklärt mir der Hattinger Imker, der naturnah am Hattinger Stadtwald lebt und in der Nähe von Lüdenscheid aufgewachsen ist.
Bienen sind hervorragende Baumeister
Neben Honig und Gelée Royale hat sicher schon mancher etwas über „Propolis“ gehört. Was genau verbirgt sich denn dahinter? „Mit diesem harzartigen Stoff dichten die Bienen kleine Öffnungen ab und hemmen das Wachstum von Keimen, die bei 35 Grad Celsius natürlich beste Bedingungen vorfinden.“ Die Natur bringt schon Erstaunliches hervor. Mich fasziniert, was die Bienen auf die Beine und Flügel stellen: Ein Bienenstaat kann 40.000 Bienen beherbergen. Ohne jedes „Werkzeug“ bauen die Bienen in totaler Finsternis tausende Wabenzellen – und alle werden gleich groß.
Was meinen Sie, liebe Leser, wie viele Blüten die Arbeiterinnen für 500 g Honig anfliegen? Beeindruckende 1.000.000 sind es.
Ich könnte noch stundenlang erfragen, wie das alles genau funktioniert. Wem es auch so geht, der kann sich gerne an die Hattinger Imker wenden. Was sollte man eigentlich mitbringen, wenn man selbst Hand an den Honig legen will?
Honig aus dem Schleudergang
„Ruhe und Geduld braucht man, wenn man sich mit den Bienen befasst“, klärt mich der sympathische Schüler- und Bienenbetreuer auf. „Allzu eilig sollte man es nicht haben.“ Belohnt wird man dafür natürlich mit dem Honig: Pro Bienenvolk und „Schleudergang“ erhält man circa 20 kg. Horst Schmerbeck hat Ende Juni zum zweiten Mal in diesem Jahr geschleudert. Was er wohl später als Lieblingsessen angeben wird?
Auf Tuchfühlung mit der Biene
Der hauptberufliche Pädagoge findet es besonders wichtig, Menschen – vor allem Kinder und Jugendliche – an die Vorgänge in der Natur heranzuführen. „Viele bekommen so einen natürlichen ‚Produktionsprozess‘ heute ja gar nicht mehr mit.“
Ein Stück Natur erfahren kann man bei ihm und seinen Mit-Imkern: Der Bredenscheider Bienengarten bietet Informationen, einen Schaukasten und führt durch die Welt der Bienen. Bei der Begegnung mit der Biene gehen mutige Exemplare der Spezies Mensch auf Tuchfühlung. „Bienen werden heute auf Sanftmut gezüchtet“, erläutert Horst Schmerbeck. Aggressive Zeitgenossen sind weder bei menschlichen noch bei tierischen Völkern gefragt – auch relativ wenige Randalierer sorgen für schlechte Stimmung.
Wer schon jetzt oder vielleicht nach einer Führung beschließt, unter die Imker zu gehen: „Ab Ende März schulen wir gerne Neu-Imker“, freut sich Horst Schmerbeck auf viele weitere Bienenfreunde.
pgs
Imkerverein Hattingen e. V.
Bienengarten Am Zippe,
Am Zippe 50, · 45529 Hattingen,
E-Mail: info@imkerverein-hattingen.de,
Internet: www.imkerverein-hattingen.de,
Telefon (Horst Schmerbeck): 02324/27345
Die Führungen: Bienen, Flora und Fauna
Der Bienengarten zeigt Besuchern anschaulich, wie notwendig Bienen für Vielfalt und Fortbestand von Flora und Fauna sind. Kindergartengruppen, Schulklassen, Vereine und Kleingruppen können für 0,50 Euro pro Kopf Führungen buchen. Einige Male im Jahr zeigen die Aktiven Arbeiten an den Bienenvölkern, Honigschleudern oder Wachsverarbeitung. Einfach die Website besuchen, auf die Tagespresse achten oder anrufen und Termin vereinbaren!
Für Imker und die es werden wollen:
Vereinssitzungen gibt es an jedem ersten Mittwoch im Monat um 19 Uhr im Schulungsraum im Bienengarten.
Gut zu wissen: Expertise von Erfahrenen
Den Jungimkern stehen erfahrene „Bienengärtner“ als Paten zur Seite, die Neulinge Schritt für Schritt anleiten. Auch die „Vereinsvölker“ und die Möglichkeit, Ausrüstung zunächst zu leihen, erleichtern den Einstieg.
Ganz privat
Lieblingsmusik: Rolling Stones, Bob Dylan
Lieblingsfarbe: Hat er nicht
Lieblingsessen: Honigbrot (!)
Hobbys: Imkern, AG Robotersteuerung
schönster Urlaub: Immer wieder anderswo
beste Eigenschaften: Beständig
Sabine Zumsande führt Buch und berät in allen unternehmerischen Lebenslagen
„Die meisten Menschen wenden mehr Zeit und Kraft daran, um die Probleme herumzureden, als sie anzupacken“. Diese Einsicht von Henry Ford hat sich die selbstständige Buchhalterin, Unternehmens- und Schuldnerberaterin Sabine Zumsande zu eigen gemacht und füllt sie tagtäglich mit Leben.
Sie empfängt mich in der „Praxis“; so heißt ihre Firma mit „Unternehmen für Unternehmen“ im Untertitel. Schon nach wenigen Minuten ahne ich: Der Name ist nicht darauf zurückzuführen, dass hier tatsächlich einmal eine Praxis war, wie viele Hattinger wissen. Eine so pragmatische Frau wie Sabine Zumsande kann ihren „Laden“ gar nicht anders nennen.
„Die Rächerin der Enterbten“
Niemand freut sich, wenn er Schwieriges mit dem Finanzamt oder der Krankenkasse zu verhandeln hat, zumal es sich für die meisten Normalsterblichen um Terra Incognita handelt. Doch sollte dieser Fall eintreten, tut man gut daran, sich von Sabine Zumsande an die Hand nehmen zu lassen. Für ihre Klienten tut sie fast alles: „Ich bin die Rächerin der Enterbten“, bringt sie es humorvoll auf den Punkt.
Am besten ist es allerdings, wenn es gar nicht erst soweit kommt. Daher berät Sabine Zumsande in Sachen Existenzgründung von Anfang an. Wie kam die engagierte Dienstleisterin zu ihrer Berufung?
Strukturgewandelt: Sabine Zumsande
„Gelernt habe ich Bürogehilfin bei Thyssen“, berichtet die 42-jährige Hattingerin. Es folgte eine lehrreiche Zeitarbeitsphase; anschließend arbeitete sie für die Vereinigten Schmiedewerke. „Durch den Strukturwandel ging es dann zum Bildungswerk Witten/Hattingen“, fährt Sabine Zumsande fort. Und wovor viele zurückschrecken, begeisterte sie geradezu: Die Buchführung. Inzwischen hatte sie den Ausbildereignungsschein gemacht. Ihre Azubis, Industriekaufleute, fragten sie, wenn sie das alles so genau wisse, warum sie denn nicht selbst die Prüfung ablege? Lachend erzählt sie, dass sie genau das dann getan habe – sie ließ sich extern prüfen und bestand. Keine Frage – was Sabine Zumsande anpackt, das macht sie gründlich. Davon zeugen auch die freundlich renovierten Räume an der August-Bebel-Straße, die sie sich mit Mitarbeitern und Kollegen teilt.
Familien- und Existenzgründung
Vielseitig wie Sabine Zumsande ist, beschränkte sie sich nicht aufs Berufliche. 1996 kam Laura zur Welt, 1998 Hanna. In dieser Zeit betreute sie Projekte bei einer Computerfirma. Ihr Steuerberater brachte sie dann auf die Idee: Warum nicht selbstständig Buchhaltung anbieten? 2004 war es soweit: Vor Ort bei ihren Kunden oder zu Hause sorgte sie dafür, dass die Zahlen stimmten. Sensibilisiert durch eine Kundeninsolvenz ließ sie sich zur Schuldnerberaterin ausbilden, denn „ich will ständig dazulernen“, beschreibt sie sich. Gemeinsam mit ihrem Steuerberater kümmerte sie sich fortan um insolvente Unternehmen, um diese möglichst fortzuführen.
Rundum-Beratung …
In ihrer Praxis bietet sie nun mit ihren Partnern vom Rechtsanwalt über den Versicherungsmakler bis zum kreativen Team das richtige Beratungspaket für jeden Kunden, denn „ich bin nur bedingt teilbar“. Und bei aller Vielseitigkeit ist auch immer sehr viel Spezialwissen gefragt. Was für jeden Einsatz gilt: Höflichkeit, Respekt, Vertrauen – und der Blick nicht nur auf die Zahlen.
… aber ohne Weichspülgang:
Sabine Zumsande ist auch Fachberaterin für Existenzgründungen und in der KfW-Börse gelistet. „Bei mir gibt es keinen Weichspülgang“, erklärt sie. Wer schlecht gerüstet und mit allzu naiven Vorstellungen ans Gründen geht, den erwarten klare Worte – alles andere wäre ja auch nicht hilfreich. „Ich arbeite mit meinen Klienten immer authentisch, individuell und auf gar keinen Fall ‚von oben herab‘.“
Manchmal wächst sie auch mit ihren Kunden: „Einer fing mit einem Gemüsestand an und setzt heute eine Million Euro im Jahr um.“ Ein schöner Erfolg auch für Sabine Zumsande, die großen Wert auf Nachhaltigkeit legt.
Behandlung für gesunde und kranke Unternehmen
Wer viel weiß, gibt sein Wissen gerne weiter. In der „Praxis“ geht das nicht nur per Beratung, hier können die Kunden auch in Seminaren selbst lernen, was sie für ihre Betriebsführung brauchen.
Als ich mich verabschiede, denke ich daran, dass hier nun statt behandelter Menschen verarztete Unternehmen in guten Händen sind. Der Frühaufsteher wünscht weiterhin frohes Schaffen!
pgs
Info
Die Praxis,
Unternehmer für Unternehmen:
Sabine Zumsande,
zumsande@unternehmerpraxis.com;
www.unternehmerpraxis.com,
Telefon 02324/5862000,
Fax 02324/5960438,
Mobil 01577/4984541
Ganz privat
Lieblingsmusik: Elton John
Lieblingsfarbe: Schwarz
Lieblingsessen: Spaghetti Bolognese
Hobbys: Die Familie samt Tieren, Kreatives, Theater
schönster Urlaub: Borkum
beste Eigenschaften: Temperamentvoll (selbst erlebt – die Redakteurin)
Vom Geisterhund zu Blankenstein
Nach meinem äußerst beeindruckenden Gespräch mit dem Germanengott Wodan im Hattinger Hügelland habe ich mich mit meinem Interviewpartner für die Oktober-Ausgabe ganz in der Nähe des Treffpunkts mit Roswitha zu Blankenstein verabredet.
Doch dieses Mal wird es sozusagen ein Walking Act: Er möchte sich mit mir beim Laufen unterhalten. Auch gut – ich bin gerne draußen unterwegs. Und noch etwas ist anders: „Er“ ist weder menschlich noch göttlich, sondern tierisch – der so genannte „Knüppelrüer“.
Was trug sich vor Urzeiten an der Sprockhöveler Straße in Blankenstein zu?
Eigentlich hatte der Knüppelrüer keine große Lust dazu, schon wieder von diesem „alten Zeugs“ zu berichten. Doch auch für sagenhafte Hunde sind neuzeitliche Leckerchen durchaus begehrenswert; schließlich ließ er sich überreden, als ich ihm versprach, jedes Mal, wenn ich an seinem Revier vorbeikomme, eine große Packung davon mitzubringen. Ich murmelte leise etwas von „Wegezoll“ vor mich hin, fügte mich aber in diese freundliche Erpressung. Nach Menschen und Göttern wollte ich Ihnen eben gerne einmal ein historisches Tier aus Hattingen vorstellen. Und Georgs Drachen kennen Sie ja alle zur Genüge.
Verabredet haben wir uns an der Bushaltestelle vor der Klinik. „Nicht dass du eingefangen wirst, weil jemand denkt, du hast dein Herrchen oder Frauchen verloren“, gab ich zu bedenken, als wir Ort und Zeit vereinbarten.
„Das lass mal meine Sorge sein“, sagte der Knüppelrüer. „Meinst du nicht, ich hab schon ganz andere Dinge bewältigt?“
„Da hast du auch wieder Recht“, stimmte ich zu. Und so holte er mich ab, wir begrüßten uns und liefen Richtung Sprockhöveler Straße.
„Hier riecht es sehr verführerisch“, meint er mit einem bedauernden Blick Richtung Supermarkt.
„Kann ich mir vorstellen“, antworte ich, wobei menschliches Riechvermögen aus Hundesicht natürlich geradezu lächerlich sein muss.
„Hast du daran gedacht?“, fragt er plötzlich.
„Klar, hab ich doch versprochen“, lache ich und raschele mit der Tüte in meiner Jackentasche. Beruhigt trabt er neben mir her.
„Schon bewundernswert, wie du einen auf ‚normaler Hund 2011‘ machen kannst“, finde ich.
„Danke, danke, ich bin sehr wandlungsfähig. Ist ja sozusagen mein Job. Wenn man so durch die Jahrhunderte wandern will, geht das ja auch gar nicht anders. Meine eigene Evolution“, brüstet er sich stolz.
„Hatte ich auch mal in der Schule“, erinnere ich mich. Doch diese Art der Anpassung kam nicht vor. Das eigentlich Interessante wird einem ja oft vorenthalten! Übrigens schon das zweite Mal bei dieser Ausgabe, dass ich an die Schulzeit denke – mein Deutschlehrer hat mit den Hattinger Imkern zu tun, und jetzt sprechen wir über Biologie …
Doch zurück in die Gegenwart.
„Wieso wolltest du eigentlich, dass wir uns beim Spazierengehen besprechen?“, frage ich den Knüppelrüeren. Das wäre jetzt übrigens eine Frage für den Deutschlehrer: Hat schon jemand erforscht, wie der plattdeutsche Akkusativ geht? Heißt es den Rüer oder den Rüeren?
Meinem vierbeinigen Interviewpartner ist es völlig egal, keine Frage.
„Am besten ist es, wenn ich mich – jedenfalls, wenn es hell ist – als ganz normaler Hund hier bewege, was meinst du denn!“, erklärt er. „Hätten wir uns miteinander in ein Café setzen sollen?“, lacht er mich aus. „Wenn wir also hier auf den Wanderwegen zwischen Holthausen und Blankenstein herumlaufen, fallen wir nicht so auf.“
Das stimmt allerdings. Und außerdem ist es so ein Heimspiel für ihn, denn hier in der Gegend spielte sich das Ganze ab.
„Dann erzähl doch mal“, bitte ich das sagenhafte Tier.
Gespenst auf vier Beinen
„Also, ich wohne schon immer hier. ‚Gespensterhaft groß mit glühenden Augen‘, so beschrieben sie mich damals, aber guck doch mal selbst, findest du mich gespensterhaft?“, fragt der eigentlich ganz normal wirkende Hund.
„Ich weiß nicht, vielleicht sahst du früher anders aus? Ist ja lange her“, überlege ich laut.
„Nee, nee, genauso wie heute“, behauptet der Knüppelrüer. „Klein bin ich ja nicht gerade und vielleicht etwas strubbelig, aber gespensterhaft, so ein Quatsch!“, regt er sich auf.
„Möglich, dass die Menschen da auch Lust hatten sich zu gruseln, wenn sie im Dunkeln deinen Schatten sahen“, schlage ich vor. Und verschweige ihm, dass ich ihn nicht für besonders groß halte.
„Kann sein. Vor allem die Kinder wollten im Dunkeln nicht so gerne hier vorbeigehen. Dabei tat ich niemanden was, wenn man mich in Frieden ließ. Der Knüppel an meinem Hals scharrte über den Boden, das hörte sich auch nicht so vertrauenerweckend an“, erinnert er sich und schenkt mir einen so treuen Blick, dass ich ihm glaube.
„Wer wirklich böse war, das war ein Herrscher im Ruhrtal, der viele Kaufleute ins Burgverließ sperrte – vor allem Kaufleute, die er Pfeffersäcke nannte – und die er dann gegen ein hohes Lösegeld wieder frei ließ.“
„Freiheit gegen Geld – und Interview gegen Leckerchen“, kichere ich.
„Har har“, bellt er mich an und fährt fort:
Von bösen Rittern und armen Bauern
„Das war zwar schlecht für die Kaufleute, doch noch schlimmer traf es die armen Bauern und Tagelöhner. Die hatten ja eh nix, und ihr bisschen Eigentum raubte er ihnen nachts aus ihren armseligen Wohnungen. Taler und Vieh nahm er mit, mit den Leuten trieb er bösen Unfug.“
„So ein Verbrecher“, ereifere ich mich. „Und weißt du was? So böse Typen gibt es heute auch noch. Doch berichte weiter.“
„Einer der Bauern hatte einen besonders treuen Hund. Kannst dir wohl denken, wer gemeint ist, oder?“ fragt der Knüppelrüer.
„Meinst du, ich bin blöd?“
„Nee, das nicht, aber du bist ja nur ein Mensch“, muss ich mir anhören.
„Der hätte seine beste Kuh für mich hergegeben. So lieb war ich dem Bauern. Dem gemeinen Ritter blieb das nicht verborgen. Habgierig wie der Kerl nun einmal war, wollte er auch mich besitzen. Irgendwann standen der Bauer und ich in den Wiesen des Ruhrtals dem fiesen Kerl mit seinen Knechten gegenüber.“
„Musste ja so kommen“, bedauere ich.
Verdammt zum ruhelosen Knüppelrüeren
„Früher oder später, klar. Meinen lieben Bauern schlugen sie und verletzten ihn schwer. Mich schnappten sie – es waren einfach zu viele. Ich wehrte mich natürlich, biss um mich, und einer von den Knechten hat wirklich ganz schön was abbekommen. Da haben sie mir dann den dämlichen Knüppel an den Hals gebunden. Das sollte mich ruhigstellen.“
„Und? Hat es das?“, will ich wissen.
„Der Bauer sah, was die mit mir gemacht hatten. Vor Wut war er dann noch einmal in der Lage, sich aufzurichten und dem Ritter zuzurufen, dass er verdammt sein solle und als Hund mit einem Knüppel ruhelos durch das Ruhrtal wandern.“
„Verdammt“, entfährt auch mir. „Verdammt gemein und verdammt spannend.“
„Sofort wurde es stockfinster und plötzlich wieder taghell. Der Ritter war weg. Die Knechte suchten wie verrückt, fanden ihn aber nicht. Mein armer Bauer starb an seinen Verwundungen. Als er beerdigt wurde, war zum ersten Mal ein Bellen und Heulen zu hören, abends sah man einen riesigen Hund durch die Ruhrwiesen rennen.“
„Und alle Menschen dachten, das sei der verfluchte Ritter. Klar, dass die Knechte es überall herumerzählt hatten.“ Vielleicht stand es ja sogar im Frühaufsteher!
„Wer soll das auch sonst gewesen sein“, grinst mein felliger Interviewpartner.
„Wie ging es weiter?“ begehre ich zu wissen.
„Man sagt, der Knüppelrüer eile über die Weiden auf beiden Ruhrseiten. Und wer ihm begegnet, also als Mensch, der müsse sofort das Kreuz schlagen. Sonst war es das, niemand wird ihn wiedersehen. Wer den Hund fangen will, den führt er in die Ruhr, weil er selbst sich dahin flüchtet, wenn einer hinter ihm her ist.“
„Heute auch noch?“, frage ich ihn.
„Probier es doch aus“, feixt er.
„Mmh, ich weiß nicht. Aber wenn, dann erst im nächsten Sommer, wenn das Ruhrwasser nicht so kalt ist. Wir sehen uns ja sowieso ab und zu.“
„Ich freu mich schon auf die Leckerchen. Und auf dich natürlich auch“, fällt ihm noch schnell ein.
„Ja, ist schon okay! Mach’s gut und erschrecke niemanden!“
Wenn Sie ihm begegnen, grüßen Sie ihn bitte von mir!
pgs
Inspiriert von www.sagenhaftes-ruhrgebiet.de, Hattinger Sagen. Der Knüppelrüer ist auch zu finden in Jan Westwebers Buch „Sagenhaftes Hattingen“.
Ganz privat
Lieblingsmusik: Das Rascheln der Futtertüte
Lieblingsfarbe: Die Schwärze der Nacht
Lieblingsessen: Arme(r) Ritter
Hobbys: Schwimmen in der Ruhr, für Grusel sorgen
schönster Urlaub: Eine Fahrt mit der Ruhrtalbahn
beste Eigenschaften: Treue
30-Jährige orientierte sich nach schwerem Unfall völlig um / „Durchgeknallte Kuschelmonster“
Mit leicht hängenden Lidern schauen sie den Besucher verschmitzt an. Auch mal mit nur einem Auge, wenn das andere durch eine Piratenklappe verdeckt ist. Auf der Couch, auf der Lehne und dem Kissen haben sie es sich bequem gemacht, dahinter lugen sie neugierig hervor.
„Meine liebenswerten, durchgeknallten Kuschelmonster“, wie sie ihre „Erzeugerin“ Katrin Fechter nennt. Und die vieles, das sei schon einmal vorweg vom Frühaufsteher-Gesprächspartner angemerkt, mit ihren kleinen Lieblingen gemeinsam hat. Die kleinen, weichen Wesen heißen Smörmelz. Und so knuffig, wie sie sich anhören, sind sie auch.
Ein schwerer Sturz – ein neues Leben
Allerdings verdanken sie ihre Entstehung einem alles andere als erfreulichen Ereignis. Katrin Fechter, aufgewachsen mit einem älteren und einem jüngeren Bruder und mit ihren 30 Jahren Ur-Burgaltendorferin und nach eigenem Bekunden mit einer tollen Kindheit beschenkt, war in Sachen Sportarten nichts zu wild und abenteuerlich.
Bis vor sieben Jahren. Skateboard fahren mit Freunden stand auf dem Programm, Downhill in Velbert, also naturgemäß schnell und rasant bergab sollte es sein. „Und wie das so ist im jugendlichen Überschwang, bin ich ohne Helm gefahren“, erinnert sich Katrin Fechter.
Der Start mit dem Board, eine kurze Fahrt, ein schwerer Sturz – und urplötzlich ein ganz neues Leben.
Das allerdings nach einem sechsfachen Schädelbruch erst einmal gerettet werden musste. „Sie müssten eigentlich tot sein“, hörte die heute 30-Jährige nicht nur einmal von Ärzten und Personen, mit denen sie später zu tun hatte. Doch tot ist sie nicht. Sondern lebhafter denn je; und voller Tatendrang. Auch wenn die Auswirkungen ihrer schweren Verletzung alles veränderten, was sie bis zu diesem Zeitpunkt als ihr Leben kannte. Denn die im Gespräch immer zum Lachen aufgelegte Blondine behielt durch den mehrfachen Schädelbruch eine üble Nachwirkung. Sie leidet an Kakosmie, einer posttraumatischen Störung des Geruchssinns.
Was sich so wissenschaftlich anhört, hat für Katrin Fechter eine ganz einfache, im wahrsten Sinne des Wortes wirklich üble Auswirkung: Alle Gerüche, die sie wahrnimmt, riechen für sie schlecht. „Das fängt schon morgens unter der Dusche an. Wenn ich Shampoo benutze muss ich mir einreden, hey, jetzt duftest Du nach Gänseblümchen. Aber was ich tatsächlich rieche, ist sehr unappetitlich.“ Diese Erkrankung ist äußerst selten, auch die Ärzte wussten zuerst nicht, was sie davon halten sollten. Der Geruchssinn ganz weg, klar, das ist nicht unbedingt selten. Aber nur noch Gerüche, bei denen sich andere einfach die Nase zuhalten und weglaufen würden … ?
„Jetzt ist die Kakosmie bei mir austherapiert, mehr kann man nicht machen“, weiß Katrin Fechter, die allerdings ihren grenzenlosen Optimismus bewahrt und sich immer wieder im Internet informiert, ob es neue Ansätze zur Behandlung gibt. Was allerdings nichts daran ändern kann, dass sie ihren ursprünglichen Berufswunsch Maskenbildnerin nicht ausüben kann. „Ich hatte gerade eine Friseurlehre, die als Voraussetzung dafür nötig ist, abgeschlossen. Doch das konnte ich dann ganz schnell vergessen. Allein schon das Haarspray und die anderen Gerüche, die für mich einfach nur übel waren – das ging und geht nicht mehr.“
Huakaloha und Smörmelz
Doch ein Tipp, einfach nur mal von einem Berufsberater hingeworfen, brachte sie auf den richtigen Weg: „Ihnen hilft jetzt nur noch eine ordentliche Portion Glück oder Vitamin B bei der Wahl eines Berufes. Oder sie müssen sich einen erfinden.“ Das nahm Katrin Fechter wörtlich, spornte sie an. Sie kreierte eine Tätigkeit im Ausschlussverfahren, bei der sie darauf achtete, dass Gerüche keine Rolle spielen. Zeichnen, malen, nähen – autodidaktisch eignete sie sich die nötigen Fähigkeiten an, in drei verschiedenen „Rollen“ hat sie sich nun selbstständig gemacht. Gerade eben hat die Burgaltendorferin ein Kinderbuch illustriert, die eigene Modelinie Huakaloha steht in den Startlöchern, und die Smörmelz sollen ihren Weg rund um die Welt machen. Von der haben sie sogar schon einiges gesehen, erste Exemplare sind schon in Kanada, Italien, Japan und Neuseeland aufgetaucht …
Ihren Namen haben die kleinen Wilden im Übrigen vom Sohn einer Freundin, auf den sie abends aufpasste und der zu dieser Zeit das Ö in den Mittelpunkt seiner gerade aufkeimenden sprachlichen Fähigkeiten gestellt hatte.
So versucht Katrin Fechter nun auf drei beruflichen Standbeinen zu stehen, auch wenn ihr fast täglich noch Kopfschmerzen und Gleichgewichtsstörungen zu schaffen machen. Doch „aufgefangen“ wird sie dabei immer von ihrer Familie und ihrem Freundeskreis. „Ich bin jetzt sehr, sehr glücklich. Und mein Beruf ist meine Passion“, fasst sie zusammen. Und sammelt ihre Schar von Smörmelz um sich, die geduldig zugehört haben. Übrigens als ganz brave Kuschelmonster.
greis
Ganz privat
Lieblingsmusik: Westküsten-Zuckerwatten-Hardcore – was das heißt? Surfmusik, Soul, Jazz, Punkrock
Lieblingsfarbe: ganz klar: Bunt
Lieblingsessen: Hauptsache, Spinat und Kartoffelpüree sind dabei
Hobbys: „Ich bin eine Wasserratte. Tauchen und Schwimmen ist großartig“
schönster Urlaub: Antibes in Südfrankreich
beste Eigenschaften: Kreativität, Optimismus
Malerin Isabel Friedrich zeigt „crystal polka & co“
In Überruhr wuchs sie auf, in Steele machte sie 1996 am Carl-Humann-Gymnasium Abitur. Dann zog es sie fort: zunächst nach Bochum, wo sie Theaterwissenschaften, Englisch und Französisch studierte, weil die Kunstakademie Düsseldorf sie abgelehnt hatte. Isabel Friedrich ließ sich nicht entmutigen. Sie malte weiter und bewarb sich erneut. In Frankfurt a. M. besuchte sie ab 1999 die Städelschule, die sie 2005 als Meisterschülerin von Ayse Erkmen verließ. Zurzeit stellt sie auf der Ruhrhalbinsel aus.
„Ich freue mich, wieder einmal in meiner Heimat zu sein!“, sagt die sympathische 34-Jährige beim Frühaufsteher-Besuch an der Langenberger Straße. In der Halle 505, der ehemaligen Werkzeughalle der Zeche Heinrich, zeigt sie bis zum 25. November 15 Acrylgemälde unter dem Titel „crystal polka & co“. Bei unserem Treffen vor der Eröffnung hängen die Bilder ein wenig schief, aber bereits am richtigen Platz. Reinhold Roth, Inhaber von Bauart & Designstudio, steht auf der Leiter. „Ist diese Höhe jetzt gut?“, fragt er. Der Künstlerin gefällt’s. „Meine Bilder sind wie Traumszenen“, erklärt sie und unterbricht den Aufbau.
Vertrautes vermischt sich mit Unbekanntem, Menschen, Tiere und kristallene Strukturen treffen aufeinander. Immer wieder finden sich Raubvögel, die eine Harmonie stören. „Aus dem Bauch heraus“, so Isabel Friedrich schlicht, male sie. Das kommt an. „Vor ein paar Jahren nahm ich an einer Ausstellung im Museum Folkwang teil.“ Im Anschluss daran kaufte die Stadt Essen eines ihrer Bilder. Mitgewirkt hat Friedrich bislang an rund 30 Ausstellungen und Kunstprojekten in Frankfurt a. M., Berlin, Stuttgart sowie im Ausland. Wer es genauer wissen will, findet unter www.isabelfriedrich.com ihre Vita.
Poetisch klingen die Namen der Acrylbilder aus dem von 2010 bis 2011 entstandenen Zyklus „crystal polka & co“: „Ich hab dich so gebeten“, „Der Richtungswechsel war vorhersehbar“, „Die richtigen Worte hast du nicht gefunden“, oder „Ich lag in deinen Armen und schaute zum Himmel“, um nur ein paar zu nennen. Fünf Betrachter haben fünf verschiedene Meinungen zu ihren Gemälden. „Das freut mich“, sagt sie. Ihre Bilder sollen zum Denken anregen, in eine Traumwelt entführen, die unwirklich und zugleich real ist.
Schon im Kindergarten in Überruhr hat sie viel und gern gemalt. „Mein Fach war immer voll“, erinnert sie sich. Die in Rüttenscheid lebende Schwester sagt, dass Isabel bereits mit dem Pinsel auf die Welt gekommen sei. Wenn die zwischen Frankfurt und Essen pendelnde Malerin nicht an der Staffelei steht, zieht es sie in die Ferne. Als Flugbegleiterin in Teilzeit hat sie das Hobby Reisen zum Beruf gemacht. „Früher bin ich oft umgezogen“. Nun stillen die Flüge ihr Fernweh und geben Gelegenheit, Kunstausstellungen im In- und Ausland zu besuchen. Demnächst steht Buenos Aires auf dem Plan. In Argentinien freut sich Friedrich vor allem auf den Stadtteil San Telmo mit seiner wachsenden kreativen und umtriebigen Szene. Von jeder Reise bringt sie Eindrücke mit, die in ihre Kunst einfließen. „Vorbilder, beziehungsweise Maler, die mich auf meinem Weg beeindruckt haben, sind Luc Tuymans und Michael Borremans.“ Als Herzenssache betrachtete es Norbert Mering, Vorsitzender der Überruhrer Bürgerschaft, für die junge Künstlerin eine geeignete Ausstellungsfläche in der Nähe zu finden. Die rund 100 qm große Halle 505 lag nahe. „Unser Umfeld bietet viel Raum für Kreativität, auch aus der Nachbarschaft“, erklärt Reinhold Roth. Nicht nur auf Zollverein hat ein Strukturwandel stattgefunden, auch die Ruhrhalbinsel hat ihr Gesicht verändert und den Wechsel von der Kohle zur Kultur vollzogen.
addi
Info
Die Ausstellung „crystal polka & co“ ist bis zum 25. November dienstags 18–20 Uhr sowie nach Absprache geöffnet. Adresse: Langenberger Straße 505 (gegenüber von Zeche Heinrich), 45277 Essen, www.halle505.de.
Ganz privat
Lieblingsmusik: Robert Plant & Alison Krauss, Red Hot Chili Peppers
Lieblingsfarbe: Rosé-Jägergrün-Bordeauxrot in Kombination
Lieblingsessen: Fleischgerichte
Hobbys: „Mein Leben ist mein Hobby!“
schönster Urlaub: Immer wieder die Atlantikküste bei Bordeaux
beste Eigenschaften: mutig und souverän
[ Portrait von Patrick Schröer, Leiter der 2. Hauptstelle der GENO BANK ESSEN in Burgaltendorf. ]
Wer das „Reich“ von Patrick Schröer und seinen Mitarbeitern betritt, fühlt sich sofort wahrgenommen und wertgeschätzt. Hier wartet kein Kunde, bis jemand auf ihn aufmerksam wird – im Gegenteil, ein ausgesprochen herzliches Team nimmt jeden, der die ebenso freundlichen Räume an der Hauptstraße 3 in Essen-Burgaltendorf betritt, sofort in Empfang und heißt ihn willkommen.
Die „Frühaufsteherin“ staunt, als sie später im Gespräch erfährt, dass das kein Zufall war, sondern ganz normaler Dienst am Kunden. Und der fängt eben schon bei der Begrüßung an – ob Bankkunde, ob Redakteurin.
Marketing beginnt beim Menschen
Für Patrick Schröer ist Kundenfreundlichkeit Chefsache. Kein Wunder: Wer sie so vorlebt, hat auch ein fähiges und aufgeschlossenes Team. Und für Patrick Schröer, Leiter der 2. Hauptstelle der GENO BANK ESSEN in Burgaltendorf, ist es natürlich kein Geheimnis, dass Marketing beim Menschen beginnt.
Doch für mich steht heute Patrick Schröer selbst im Mittelpunkt. Nicht allzu weit von seinem jetzigen Einsatzort entfernt kam er 1976 zur Welt: In Kupferdreh, wo er die ersten drei Lebensjahre verbrachte. Die nächste Station war die Hattinger Winzermark; zur Grundschule ging er ins Nachbardorf Niederwenigern. Lieber Herr Schröer, da hatten Sie, ohne es zu wissen, schon früh etwas mit Ihrem heutigen „Tatort“ gemeinsam: In Niederwenigern wurde schließlich „Ihre“ Bank gegründet.
Ein Hattinger Essener
„In den benachbarten Essener Stadtteilen hatte ich schon immer Freunde“, erzählt der sympathische Vater von Louis, zwei Jahre, und Mila, acht Monate. „Und bis zur letzten Saison war ich im SUS Niederbonsfeld seit meinem neunten Lebensjahr aktiv im Fußball.“ Dieser Hattinger Verein profitiert zum Glück immer noch von Patrick Schröers vielseitigen Talenten: Seit 2010 ist er dort im Vorstand und leitet die Fußball-Abteilung.
Schuld war nur das Praktikum
Und wie kamen nun Patrick Schröer und die GENO BANK ESSEN zusammen? „Ich machte als Schüler der Helene-Lange-Realschule in Steele ein Praktikum in Überruhr.“ Der junge Patrick nutzte die drei Wochen, um einen guten Eindruck zu hinterlassen: Bitte bewerben Sie sich doch, hieß es anschließend. Es folgten Ferieneinsätze, zum Beispiel während der „heißen Phase der Freistellungsaufträge“, wie Patrick Schröer sich lachend erinnert. „Ich konnte dort unheimlich viel lernen und auch schon selbst Kunden bedienen.“
Zivildienst und Studium
Im August 1993 ging es dann endlich richtig mit seiner Ausbildung los. Der „fertige“ Bankkaufmann arbeitete ein Jahr im Service und Kassenbereich. Eine ganz andere Richtung gab dann der Zivildienst vor: Im Krankenhaus Niederwenigern im technischen Dienst. „Was viel Fahrdienst bedeutete“, denkt Patrick Schröer zurück.
Doch wer schon viel weiß, will meistens noch mehr wissen: Das gilt auch für Patrick Schröer, der schon kurz nach der Ausbildung ein berufsbegleitendes Studium an der VWA Essen angefangen und während des Zivildienstes fortgesetzt hatte. Wieder in seinem Heimathafen Überruhr, beriet Patrick Schröer Kunden und wurde im Oktober 2000 Betriebswirt der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie.
Angekommen in Burgaltendorf
„Mit diesem Hintergrund kann ich die Sicht der Kunden viel besser verstehen, wir betreuen ja auch viele Selbstständige“, erläutert Patrick Schröer, der damalige Team-Leiter, der im Juli 2001 Geschäftsstellenleiter Überruhr wurde. Nach Einsätzen in Steele, Freisenbruch und der Innenstadt leitet er nun seit 2009 die 2. Hauptstelle der GENO BANK ESSEN in Burgaltendorf.
„Den Kunden direkt zu betreuen, das ist das Schöne an meiner Arbeit“, findet Patrick Schröer, und die Freude daran strahlt er auch aus. „Es ist sehr vielseitig, wir begleiten Private, Firmen, Selbstständige – langweilig wird es nie!“ Wie gut für Sie und Ihr Institut, dass es „passt“. Wozu so ein Schülerpraktikum doch gut sein kann …
„Wir haben sehr fähige Mitarbeiter vor Ort“, weist Patrick Schröer auf diejenigen hin, die zum Erfolg beitragen. Er selbst ist als Filialleiter natürlich auch so eine Art Coach seiner Mitarbeiter. Die sind naturgemäß ebenso unterschiedlich wie die Kunden – hier wie dort sind immer individuelle Lösungen gefragt. Und das schon seit einer ganzen Weile:
125 Jahre – Gutes tun für 125.000 Euro
Die GENO BANK ESSEN wurde in diesem Jahr stolze 125 Jahre alt. Am Erfolg der Bank sollten, so entschied der Vorstand, Essener Bürger und Vereine teilhaben. Deshalb hat die GENO BANK 125.000 Euro für soziale und gesellschaftliche Projekte gestiftet – tausend Euro für jedes Jahr seit ihrem Bestehen. In Burgaltendorf wurde der Marktplatz renoviert (wir berichteten). Am Wettbewerb „Jugend und Bildung“ beteiligten sich zahlreiche Vereine und Organisationen. Projekte, die sich um Jugend- und Bildungsarbeit kümmern, freuten sich über finanzielle Zuwendungen – vom Rollstuhl-Sportverein über sozial benachteiligte Musiktalente bis zu Integrationsprojekten. Eine Genossenschaft denkt eben an die Bürger, keine Frage.
Modernste Technik ganz persönlich
Wir kommen noch einmal auf den netten Empfang zurück; Patrick Schröer erklärt das Konzept: „Jeder hat einen festen Ansprechpartner, wir setzen auf die Verbindung modernster Technik mit persönlicher Betreuung. Soeben wurde die letzte Geschäftsstelle renoviert; die Kunden bestätigen uns, wie schön sie das finden.“ So macht natürlich auch das Arbeiten mehr Spaß. Und der Kunde weiß es zu würdigen, dass er von ausgebildeten Bankkaufleuten „an die Hand genommen“ wird, und das von Anfang an.
Die Familie GENO BANK ESSEN
„Das System der Genossenschaft bedeutet ja auch, dass Kunden, Mitarbeiter und Mitglieder zusammen eine Art Familie bilden“, ist Patrick Schröer überzeugt. „Und auch wenn wir einmal ein Vorhaben nicht begleiten können, gibt es bei uns nicht einfach ein ‚Nein‘, sondern einen Dialog.“ Das will die GENO BANK ESSEN bewahren, auch wenn die Zeiten seit der Gründung in Niederwenigern-Dumberg, wie es damals hieß, völlig anders geworden sind: Dass die Kunden sich wohlfühlen bei „ihrer“ Bank, ist einfach zeitlos.
Patrick Schröers private Filiale
Bei aller Arbeit am Kunden und Kollegen hat auch ein Filialleiter ein Privatleben. Die ganz private Filiale von Patrick Schröer und Nina liegt in Nierenhof. Nina ist keine Bankerin, sondern gelernte Speditionskauffrau und dank Zusatzstudium Diplom-Kauffrau FH. Ihr Metier ist die Mode-Logistik, doch zurzeit sind die vielen Dienstreisen und die Betreuung ihrer in ganz Deutschland verteilten Mitarbeiter ein wenig in den Hintergrund geraten: Ihre Logistikleistung dreht sich augenblicklich in der Hauptsache um Louis und Mila.
Was wünscht sich Patrick Schröer privat? Eigentlich ist er wunschlos glücklich mit seinen zwei gesunden Kindern und seinem Beruf. So soll es auch bleiben, und „seine“ Bank will er weiterhin erfolgreich mit entwickeln.
Der Frühaufsteher wünscht Patrick Schröer, dass er beruflich und privat glücklich und zufrieden bleibt – und der GENO BANK ESSEN mindestens 125 weitere erlebnis- und ertragsreiche Jahre!
pgs
Für Kupferdreher Kunden
Eine elektronische „Filiale“ ist der Bankautomat im Foyer des St. Josef-Krankenhauses in Kupferdreh am Heidbergweg, der rund um die Uhr für seine Kunden da ist.
Info
Patrick Schröer und sein Team empfangen Sie gerne in seiner Filiale der GENO BANK ESSEN: Alte Hauptstraße 3, 45289 Essen, Telefon 0201/56031000, Fax 0201/56031050. Per E-Mail und Internet erreicht man die Bank natürlich auch: info@genobank.de, www.genobank.de. Öffnungszeiten in Burgaltendorf: Montag bis Freitag von 8.30 bis 13 Uhr und von 14 bis 16 Uhr; Donnerstag: 8.30 bis 13 Uhr und 14 bis 18.30 Uhr – weitere Termine nach Vereinbarung.
Ganz privat
Lieblingsmusik: Schlager
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: Polenta mit Champignons und Käse
Hobbys: Die Familie, Fußball, Laufen
schönster Urlaub: Südfrankreich und Südtirol – die spezielle Familien-Kombination
beste Eigenschaften: Zuverlässig, ausdauernd
Dat VIP-Spätzial
Kerl inne Kiste, ich sach Euch, heute hab ich ma ne ganz andere Seite von nem RWE-Heimspiel kennen gelernt.
Ich bin ja nun mal ein Kind der Stehtribüne, da machse nix. Als mein Opa mich seine Zeit dat erste Mal mit auffe West genommen hat, war ich ja schon Feuer und Flamme für RWE. Dat erste Mal Stehtribüne hatte aber die Messlatte noch wat höher gelecht und seitdem geh ich zum Fußball mit mein Opa sein Leitspruch im Hinterkopp! „Sitzen is fürn Arsch“, hat der Opa imma gesacht. Und dat Gegenteil kann mir auch bis heute keiner beweisen …
Beim Heimspiel gegen VFL Bochum II war et so, dat ich in nem Gewinnspiel zwei Karten für den neuen VIP-Bereich „Anno 1907“ gewonnen hatte. Ganz ehrlich: bis auf nen Piccolöchen bei ner Tombola auffen Straßenfest in Essen-Stadtwald hab ich mein Lebtach noch nix gewonnen – und getz direkt VIP-Karten für den Verein meines Herzens – ich hab mir nen Knubbel in Arsch gefreut!
Sonntach, den 18. September, waret dann soweit. Wegen die Romantik und so hab ich als Begleitperson meine bessere Hälfte auserkoren. Wir sind dann auch recht zeitich losgedüst, wir wollten dat gebotene Spektakel ja auch richtig auskosten.
Die Anreise zum Stadion hätte auch schon gar nich geschmeidiger laufen können. Kaum ausm Haus und Richtung Haltestelle losgejuckelt, kommt die RWE-Straßenbahn vonne EVAG umme Ecke. Dat gute Stück fuhr auch noch zum gewünschten Zielort – also alles tutti! Unterwegs wurde ich dann noch per SMS bestens aufn laufenden gehalten, wat bei die U19 grade los is. (Am Ende ein 2:0 Sieg im DFB-Pokal gegen VFB Stuttgart.) So darf ein Spieltach gerne anfangen wenne mich frachs …
Wie imma auf die letzten Meter – wenn ich die silbernen Buchstaben „Georg-Melches Stadion“ an der Außenwand der ollen Haupttribüne lese – bekomme ich ne astreine Entenpelle!
Dieses Mal geht et aber nich ersma an Bierstand und dann ne Bratwurst schnabulieren, sondern direkt Richtung Haupttribüne. Im ehemaligen Pressebereich ham die Jungs vonne „VIP-Hosptality“ einige Euros investiert und einen echt schicken VIP-Raum geschaffen. Nach einer freundlichen Begrüßung von zwei echt knackigen Ladys im RWE-Dress gab et erstmal ne Sitzplatzkarte und nen Armbändchen. Nach der langen Anreise hatte ich mir ne geschmeidige Tüte Pils verdient. Kaum standen wir mit nem kühlen Gläschen Stauder an einem der zahleichen nett dekorierten Tische kam die zweite Begrüßung! Nochmal wurde zum Gewinn gratuliert, noch mal Hände schütteln und dann das Highlight des Tages: Dat goldenen Nikolausbuch vonne VIP-Hospitality! Gut, ich geb zu, et war silbern und vor allem standen da keine Nikolausklamotten drin à la „Lieber Meik Kuta, ich hab gehört, du wars nich artig …“ , sondern viel mehr war et ein Gästebuch! Der ein oder andere Fußball-Promi wie Otto Rehhagel oder Ben Redlings hatte sich bereits darin verewigt. Da hat meine Wenigkeit noch gefehlt. Also hab ich in dem Buch auch noch ein vom Stapel gelassen, dat könnta mir glauben!
Nach nem kurzen Pläuschken mit Tim Dodt ham wa dann ersma dat kulinarische etwas genauer unter die Lupe genommen. Et gab lecka deftige Klamotten zu spachteln. Der Kartoffel-Gurkensalat sah nach Geschmacksnervenextase aus. Weil et dazu aber Leberkäse gab (und da bin ich einfach kein Freund von) hab ich mir ne ordentliche Schweinshaxe mit Sauerkraut und Knödeln geben lassen. Dazu ein St. Auder-Pilsbräu wie immer!
Ausgerüstet mit nem schwatten Sitzkissen ging et dann auf die Plätze. Neben mir saß son Öpaken, dat skurrilerweise irgenzwie kaum ein Wort deutsch sprach und trotzdem offenbar sein Herz anne Hafenstraße verloren hatte. Manchmal versuchte er mir mit ein paar Brocken Deutsch zu erklären, dass er entweder die Frisur oder die Flanken von Kuta nich so prickelnd fand. Wat er getz genau meinte, weis ich bis heute nich.
Dat Spiel gegen die Bochumer Bengels plätscherte derweil vor sich hin. Günni Kaya hatte in der ersten Hälfte einmal nur knapp die Kiste verfehlt und auch die Reviernachbarn hatten vorne mehr Aussetzer als goldene Momente. Es sah nach einem 0:0 zur Halbzeit aus, da pustete der Schiri urplötzlich in sein Arbeitsgerät. Der schrille Pfiff ertönte und et gab nen Elfer für die Gäste. Dat Öpaken neben mir erhob sich plötzlich und kam aus dem Fluchen nicht mehr raus. Ich schwöre Euch, ich weis nich wat er gesacht hat oder welche Sprache dat war, aber et war auf keinen Fall ne Liebeserklärung an den Schiedsrichter!
Den folgenden Elfer hielt Lamczyk, zwar aber der Nachschuss zappelte im Netz. Grund genug für unseren Keeper mal ganz nach Oli-Kahn-Manier auszurasten und seine Vorderleute ordentlich zusammen zu scheißen, weil sich offenbar keiner verpflichtet gefühlt hatte, sofort in den 16er zu rennen, um den Nachschuss zu verhindern. Mit 1:0 für Bochum ging et inne Pause.
Wir nutzten die 15 Minuten, um in den netten „Anno 1907“-Bereich zurück zu kehren. Kaum kamen wir durch die Tür wurde, mir mit einem Lächeln und den netten Worten „Extra für Sie!“ ein kühles Blondes gereicht. Dat nenn ich Service! Im bereits erwähnten Nikolausbuch hatte Ben Redlings von der leckeren Halbzeit-Currywurst geschwärmt. Da lag et nah, dat ich dat Mopped auch ma probieren muss. Ich ließ mir noch fleißich Currypuder extra drüberstreuen, nen roten Pommespikser (bloß kein blauen!) und ab dafür. Und wat soll ich sagen!? Die Wurst war echt gut! Auf meiner persönlichen Currywurst-Skala ganz locker im oberen Tabellendrittel!
Da wollten sich Waldis wilde Fußballkerle auch gerne festsetzen. Damit dat klappt musste aber dat Spiel gegen die Bochumers gedreht werden.
Zu Beginn der 2. Halbzeit sah et aber ma gar nich danach aus. Bochum kam nen paar mal gefährlich vor den Essener Kasten. Aber wie schon in Halbzeit 1 kam nix dabei rum. RWE konnte sich dann aber etwas befreien und kam durch Marcus Heppke zum Ausgleich. Der erhoffte Sturmlauf auf dat Bochumer Tor blieb aber aus. Der ungeliebte Schiri tat sein Übriges dazu. In der 90 Minute machten sich aber die 6.800 Zuschauer nochmal zum Jubeln bereit. RWE bekam einen Elfer der Kategorie „kann man geben, muss man aber nicht“ zugesprochen. Der Capitano Timo schnappte sich die Pille und knallte sie volles Rohr an den Pfosten. Prost Mahlzeit! Dat Spiel endete 1:1 und hätte eigentlich auch keinen Sieger verdient gehabt. Also wat solls!
Ein weiteres Mal ging et in den „Anno 1907“-Bereich. Wieder wartete frisch Gezapftes auf einen neuen Besitzer. Mit nem Strücksken Donauwelle haben meine bessere Hälfte und ich dann dort den Fußballnachmittag ausklingen lassen.
Alles in allem war et trotz des unnötigen Remis gegen einen schlagbaren VFL ein toller Spieltach für mich im „Anno 1907“. Dat Ambiente war modern und ansprechend, der Service war freundlich und zuvorkommend und auch dat Essen war allererste Sahne! So lange unsern alten Karbachel noch anne Hafenstraße steht, kann ich jedem nur raten, dat mindestens einmal auszuprobieren.
Jedes Spiel so zu verfolgen, dat wär nix für mich! Ich bin nunmal ein Kind der Stehtribüne. Aber et war ne herrliche Abwechslung und et is nich ausgeschlossen, dat ich mir dat zu nem gegebenen Anlass nochmal gebe.
Danke für den alles in allem gelungen Sonntag! Nur der RWE!
Euern
Opa Luscheskowski sein Enkel – der RWExperte
Christian Ruthenbeck
Elisabeth Backes und ihre vielen Kinder
„Mein Tag müsste 48 Stunden haben“, sagt Elisabeth Backes (41) beim Frühaufsteher-Besuch. Vermutlich wäre auch das nicht genug für Beruf, Hausarbeit, Kindererziehung und Ehrenämter. Die Lehrerin und Mutter von drei Töchtern (2, 5 und 7 Jahre) setzt sich in der Kinderhilfe PASSO FUNDO für Armutsfälle in Brasilien ein. Am 16. Oktober feiert der Verein in Heisingen sein 30-jähriges Bestehen.
Ein Ausspruch des italienischen Dichters Dante Alighieri dient Elisabeth Backes als Ansporn: „Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder.“ Von Kindern ist das Leben der Heisingerin geprägt. So hatte sie es sich immer gewünscht. Selbst mit vier älteren Geschwistern aufgewachsen, träumte auch sie von der Großfamilie. Noch im Lehramtsstudium (Biologie, Kunst, Philosophie) an der Universität Essen lernte sie 1995 Frank Harlinghaus kennen. Es folgte das Referendariat in Köln (1999-2001), wonach sie 2001 den Duisburger heiratete. Schnell überzeugte sie ihn von der Schönheit der Ruhrhalbinsel, wo die Familie bis heute gern lebt. „Ohne die tatkräftige Unterstützung meines Mannes wäre vieles von dem, was ich mache, nicht möglich.“
Der Verein Kinderhilfe PASSO FUNDO entstand aus der Freundschaft zwischen dem deutschen Pfarrer Ulf Brodowski und dem brasilianischen Militärerzbischof Dom Osvino Both, die sich im Studium kennen lernten. „Die Hilfe war von Beginn an unbürokratisch und direkt“, erzählt Backes. Seit 1997 gehört sie der am 17. Oktober 1981 gegründeten Organisation an und unterstützt mit derzeit rund 25 Mitgliedern Kinder und Jugendliche aus den Orten Passo Fundo und Porto Alegre. In 30 Jahren holte der Verein unzählige Kinder aus der Armutsfalle. „Sie werden morgens und nachmittags in Kinderkrippen und Jugendzentren betreut oder besuchen die Berufsschule, erhalten eine warme Mahlzeit, Bildung und ärztliche Versorgung. So können die Eltern einem Beruf nachgehen, ohne dass die Kinder sich selbst überlassen sind“, erklärt die Studienrätin in Teilzeit. Seit wenigen Wochen unterrichtet sie Kunst am Gymnasium Essen-Überruhr.
Auf einer Reise in den Süden Brasiliens hat sich Backes 2003 selbst ein Bild gemacht. Für europäische Wohlstandsbürger unfassbar sind die Zustände in den Favelas. In den Slums leben von der Gesellschaft ausgestoßene Familien mit durchschnittlich sechs Personen auf engstem Raum. „Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist nirgendwo so groß wie in Brasilien. Nirgendwo sonst liegen der Luxus und das Elend so dicht beieinander. Die Unterkünfte sind erbärmlich!“, betont sie. In qualvoller Enge und unter miserablen Hygienebedingungen kämpfen die Bewohner ums Überleben. Am Rande der Städte und Schnellstraßen errichten die Armen ihre Hütten auf staatlichem Grund und Boden aus allem, was sie finden können: Bretter, Schrott, Wellblech, Pappen und Kartons. Wer innerhalb von 24 Stunden eine Behausung mit vier Wänden errichtet hat, darf bleiben. Dabei dienen oftmals die Wände des Nachbarn als erster Bauansatz. In den Favelas gelten eigene Regeln und Gesetze. Schießereien, Raub und Vergewaltigungen gehören zur Tagesordnung. Nicht selten dienen Alkohol und Drogen dazu, das Elend zu vergessen.
Durch Patenschaften befreit PASSO FUNDO Kinder und Jugendliche aus diesem Teufelskreis. Mit den Spenden werden in der Diözese etwa 3.500 Heranwachsende zwischen 0 und 14 Jahren betreut. Sie leben weiter in ihren Familien, können aber die Schule besuchen und erhalten genug Essen und Kleidung. Familie Backes hat bereits drei Patenkinder. Man schreibt sich regelmäßig und schickt Fotos. „Ein Euro pro Tag kann einem Kind eine Perspektive für die Zukunft schenken“, sagt Elisabeth.
Wenn der Verein am 16. Oktober sein 30-jähriges Bestehen feiert, steht auch der traditionelle Bohneneintopf Feijoada auf dem Speiseplan. Elisabeth und Frank (ebenfalls Lehrer) kochen gern. In ihrer Küche finden wir eine beachtliche Sammlung von Gewürzen aus aller Welt.
Das Jubiläum beginnt um 11.30 Uhr mit einem Festgottesdienst mit Erzbischof Dom Osvino Both in St. Georg Heisingen. Nach dem Empfang ist Zeit für ein gemütliches Beisammensein im Gemeindesaal. Gäste sind natürlich herzlich willkommen, sollten sich aber nach Möglichkeit vorher anmelden.
addi
Kinderhilfe PASSO FUNDO e. V.
Gemeinnützige Körperschaft
Ottostraße 1 · 45307 Essen · Telefon: 0201/555564
Bürozeiten: Montag 9–16 Uhr, Dienstag bis Freitag 9–12 Uhr
1. Vorsitzender: Heinrich Lanius
2. Vorsitzende: Beate Oladeji
Ganz privat
Lieblingsmusik: von Samba über Rock und Pop bis Klassik
Lieblingsfarbe: alle Farben dieser Welt
Lieblingsessen: Salat, Gemüse, internationale Küche
Hobbys: Kinder, Familie, Lesen, Kunst
schönster Urlaub: Brasilien
beste Eigenschaften: empathisch, engagiert, hilfsbereit