Anleitung zur Igelrettung

Igel

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„Alle Jahre wieder“ bedürfen Igel unserer Aufmerksamkeit. Der Igel gilt als ein unter Naturschutz stehendes Wildtier, darf somit nicht als Haustier gehalten werden. Doch ist es erlaubt, hilfsbedürftige Igel im Sinne des BNATSchG § 43 aufzunehmen, aufzuziehen und gesund zu pflegen.

Wann ist ein Igel hilfebedürftig?

Igel, die verletzt, verwirrt und abgemagert am Tage herumwandern, sollten unsere Aufmerksamkeit erregen. Ein kranker Igel kann apathisch daliegen, er rollt sich kaum ein. Igelwaisen, die eigentlich noch von der Mutter gesäugt werden, findet man oft noch mit geschlossenen Augen und Ohren frühestens ab Juni/Juli, meist jedoch im August/September. Bitte prüfen Sie bei Babyigeln stets, ob bereits Zähne vorhanden sind. Die Kleinen sind meist unterkühlt und bedürfen der Wärme und Aufzucht. Anfang des Winters, also im Dezember, sollten Jungtiere, die über 400 g wiegen, möglichst ihr Futter und das Winterlager selbstständig bewältigen. Als Hilfestellung sollte man rechtzeitig gut zufüttern, damit das nötige Schlafgewicht von etwa 600 g bis 700 g erreicht wird. Wiegt ein Tier Anfang Dezember weniger als 400 g, ist es krank oder verletzt, sollte es in die menschliche Obhut genommen, medizinisch behandelt, gepflegt, sprich in die Überwinterung genommen werden.

Checkliste:

• Funddatum und Gewicht sollten notiert werden. Ab jetzt sollten Sie das Tier täglich wiegen.
• Untersuchen Sie den Igel auf Verletzungen.
• Unterkühlt ist das Tier, wenn sich die Bauchseite deutlich kälter anfühlt als die eigenen Hände. Liegt eine Unterkühlung vor, bedarf das Tier einer Wärmflasche, welche man in ein Handtuch wickelt. Das Tier wird auf die Wärmflasche gesetzt und mit einem weiteren Handtuch zugedeckt.
• Geben Sie dem Igel keine Milch!
• Ist das Tier sehr schwach, können Sie warmen, ungesüßten Fencheltee oder Kamillentee einflößen. Danach baut man es mit Breinahrung (z. B. Rindfleisch-Babybrei ab dem 4. Monat von der Firma Hipp) auf.
• Flöhe, Zecken, und Maden sollten Sie möglichst von einem Tierarzt/Tierheilpraktiker entfernen lassen. Hier wird auch eine eventuelle Kotprobe veranlasst.
• Baden Sie den Igel nicht!
Igel, die selbstständig fressen, bekommen einmal täglich ein Rührei, oder ein gekochtes Eigelb. Einen gehäuften Esslöffel Katzenfutter (Fisch oder Geflügel ohne Soße). In jedes Futter sollte etwas Futterkalk und Vitamin B gegeben werden. Geflügelfleisch, gerne auch Hühnerhälse oder Flügel (dienen den Zähnen), werden von Igeln gerne gefressen. Gekochtes Rindfleisch mit Möhren ist sehr gut portionierbar. Als Ballaststoffe eignen sich Weizenkleie, Futterhaferflocken und Igeltrockenfutter, welches, auch wenn Sie wenig Zeit zum Kochen haben, als Hauptfutter gegeben werden kann.

Speisenkarte

Menü 1: Gut geeignet für die Vorratshaltung. 1 Poularde oder Hähnchen und 1 kg Möhren kochen. Das Fleisch enthäuten und von den Knochen trennen. Die Möhren mit dem Stabmixer zerkleinern. 200 g Futterhaferflocken unterrühren und das Ganze zu einem Brei vermischen. Der Igel benötigt täglich 2–3 Esslöffel des Futters.
Menü 2: Katzenfutter mit Weizenkleie und 3 Tropfen Sonnenblumenöl, sowie Futterhaferflocken vermischen, sodass ein geschmeidiger Brei entsteht.
Menü 3: Rinderhack mit Möhren kochen, Futterhaferflocken untermischen. Auch zum Einfrieren geeignet.
Die Unterbringung des Igels sollte aus Holz sein. Es eignet sich auch ein Ställchen von Kaninchen oder Meerschweinchen. Wichtig ist, dass es die Mindestmaße von 60 cm x 1,80 m hat und ausbruchsicher ist. Igel sind Weltmeister im Ausbrechen!
Den Boden sollten Sie mit einigen Lagen Zeitungspapier auslegen. Ein kleiner Schlafkarton mit den Maßen 30 cm x 25 cm x 25 cm mit einem Schlupfloch sollte etwas vom Rand entfernt gestellt werden. Futter und Wassernapf stellen Sie bitte in die Mitte des Geheges. Das Schlafhäuschen wird gesäubert, wenn es sehr verdreckt ist, der Rest der Behausung täglich. Das Gehege wird – bis der Igel sein Schlafgewicht von etwa 600 g bis 700 g erreicht hat – in einem Raum mit Zimmertemperatur gehalten. Danach stellen Sie es bitte in einen kühleren Raum, um es anschließend in die Kälte im Garten, oder auf dem Balkon zu platzieren. Manchmal wachen besonders jüngere Tiere aus ihrem Schlaf auf, um etwas zu fressen, oder um sich zu entleeren, danach schlafen sie wieder ein. Kranke Igel sollten nicht in den Winterschlaf. Sie bleiben bei Zimmertemperatur weiter in Pflege.

Die Auswilderung

Im nahen Wald, einem naturnahen Garten, oder – wenn geeignet – am Fundort wird der Igel im nächsten Frühjahr etwa im April/Mai in die Freiheit entlassen. Spätesten da wird Ihnen ein unbeschreibliches Gefühl zuteil. Jeder Aufwand, den Sie in den vergangen Monaten betrieben haben, wird belohnt durch den Anblick eines freien Igels, dem Sie eventuell das Leben gerettet haben.

Benötigen Sie weitere Informationen oder Hilfe, wenden Sie sich bitte an den Igelschutz, an Ihren Tierarzt oder an Ihre Tierheilpraktikerin.

Eva R. Pütz.

www.naturheilbehandlung-fuer-tiere.de