Archive for 'NUR: Ruhrhalbinsel'

Voller Energie!

[ Portrait von Jörn Lorenzen, Geschäftsführer der Elektro Brinkmann GmbH. ]

„Und täglich versinkt die Konkurrenz!“

Jörn Lorenzen

Jörn Lorenzen

Jörn Lorenzen

Dass die Sonne täglich untergeht, freut Jörn Lorenzen natürlich ganz besonders, denn wer bräuchte schon eine seiner schönen Leuchten oder seine Installationskünste, wenn es immer hell bliebe! Und wer kann von seinem Konkurrenten schon behaupten, dass er ihm nicht nur Absatzmöglichkeiten in Sachen Lampen verschafft, sondern auch noch die Energie für neue Technologien. Das schafft wohl nur mein norddeutsch-ruhrdeutscher Gesprächspartner.

Schuld war nur die Brieffreundin

Sein sympathischer norddeutscher Akzent ist nicht zu überhören. Wie kam es denn eigentlich dazu, dass er die Menschen an der Ruhr nun für  seinen guten Dienst am Kunden begeistern kann?
Jörn Lorenzen lacht: „Zuerst durch meine damalige Brieffreundin!“ So zog es Anfang der 1990-er Jahre den gebürtigen Helgoländer, der auf „seiner“ Insel aufwuchs und die Schule mit anschließender Ausbildung absolvierte, nach Ratingen.

Der für die Kälte kam

„Als gelernter Elektriker“, berichtet der freundliche Geschäftsführer, „hatte ich von meinem alten Meister sehr viel über Kälteanlagenbau gelernt, da dieser häufig mit Schiffskälte zu tun hatte. Und da sich zu dieser Zeit nur wenige damit auskannten – das begann erst Mitte der 1980-er Jahre – fing ich in Breitscheid bei einem Klimaanlagen-Unternehmen an“.
Mit Klimaanlagen hat Jörn Lorenzen heute noch zu tun – das Klima in der damaligen Beziehung verschlechterte sich jedoch. Nach fünf Jahren fragte sich der junge Mann, wie es denn nun mit ihm weitergehen sollte. Die zündende Idee kam ihm in den Sinn: Die Meisterschule sollte es sein. Nach einem Jahr gab es 1995 einen Elektromeister mehr.

Neuer Titel, alte Heimat – und die ganz große Liebe

Als Meister ließ sich Jörn Lorenzen 1996 auf Helgoland nieder und führte seinen Laden samt Installationsbetrieb zehn Jahre lang sehr erfolgreich. Nur privat sprang der Funke nicht mehr so richtig über. Zum Glück gab es noch einen Kontakt zum Rhein-und Ruhrgebiet: Über einen guten Freund in Duisburg lernte der Wanderer zwischen Nordrhein und Nordsee endlich Katja aus Moers kennen, seine jetzige Frau. Das hieß zunächst eine Fernbeziehung zu führen und jedes Wochenende zu pendeln – viel Zeit blieb so natürlich nicht übrig. Zwischen Helgoland und Moers liegt schließlich nicht nur eine Menge Wasser, sondern auch noch ein großes Stück Land.

Irgendwas ist immer: Neuer Job gesucht

Ein Zwischenspiel als Angestellter in Meerbusch folgte. Stimmte nun das Privatleben, so gefiel es ihm nun beruflich nicht mehr ganz so gut. Nachfolger gesucht, heißt es ja häufig, wenn ein Betrieb seine Zukunft plant. So auch bei Elektro Brinkmann: Man lernte sich kennen, Jörn Lorenzen arbeitete probehalber – alles sah gut aus. Nach dem ersten Kontakt 2007 und einer zweijährigen gemeinsamen Übergangszeit ist der Mann von der Waterkant seit 2010 Inhaber und sorgt mit dem insgesamt 10-köpfigen Team dafür, dass den Ruhris weiterhin ein Licht auf-, wenn die Sonne untergeht.

Was das elektrische Kundenherz begehrt

Neben den Leuchten und der Elektroinstallation saniert das Team Brinkmann auch Rohbauten und leistet von der Klimatechnik bis zur Lampenmontage alles, was der Kunde wünscht. Das weiß man hier übrigens oft ziemlich genau und kann beim Einkaufen auf Messen schon einmal an den einen oder anderen Kundengeschmack denken. Wer kann schon von sich sagen, dass „sein“ Elektrofachhändler für ihn persönlich Lampen aussucht. Nun,  auf die Kunden von Brinkmann trifft das durchaus zu.
„Gegenseitige Sympathie, ob hier im Betrieb oder beim Kunden, finde ich ganz wichtig“, sagt der immer gut gelaunte Elektromeister. Ich glaube ihm sofort, dass das nicht nur eine Worthülse ist.

Hilfsbereit und musikalisch

Wer am 31. August „stern TV“ geguckt hat, konnte Jörn Lorenzen übrigens live erleben, wie er gemeinsam mit anderen Handwerkern das Haus der Familie Swoboda rettete – der Vater hatte in die Kreissäge gegriffen, das Bauvorhaben war bedroht.
Hilfsbereit ist der 39-Jährige sowieso gerne. Was macht er gerne, wenn die Arbeit es zulässt? „Immer mal wieder norddeutsche Luft tanken“, antwortet er spontan. Hund Lilly, ein Malteser-Havaneser-Mix, sorgt dafür, dass auch Essener Luft getankt und die Akkus von Frauchen und Herrchen wieder aufgeladen werden.
„Früher habe ich in verschiedenen Bands, den Red Rocks oder Offshore, Schlagzeug gespielt. Da habe ich als Andenken nur noch die Snare behalten“, fügt er in Sachen Interessen hinzu. Wer weiß, vielleicht kommt sie ja eines Tages doch noch einmal zum Einsatz.

Beruflich und privat angekommen

Außer Frau Katja gehört Tochter Lisa, 16, zur Familie. Doch auch beruflich passen Katja und Jörn hervorragend zusammen. „Katja bringt einen ganz eigenen Akzent in den Laden“, findet er. „Sie interessiert sich sehr fürs Einrichten und Gestalten, klar, dass das auch auf das Geschäft abfärbt.“ Das kann ich nur bestätigen, als ich zu Gast bin: Die schönen Accessoires sind äußerst beliebt.
Auch ein Leuchtturm ist auf manchen schönen Dingen zu sehen. Ob der auch aus Helgoland stammt?
Der Frühaufsteher wünscht weiterhin ein gutes Klima für alle Lebenslagen. Es sieht aber schon ganz nach einem Dauerhoch aus. Und Ihr Wettbewerb? Der wird auch weiterhin täglich untergehen!

pgs

Info
Elektro-Brinkmann GmbH, Kupferdreher Straße 180, 45257 Essen, Telefon 0201/484343, Telefax 487421. E-Mail: info@elektrotechnik-brinkmann.de, Internet: www.elektrotechnik-brinkmann.de. Jörn Lorenzen und sein Team freuen sich auf Sie: Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr und 15 bis 18.30 Uhr, Samstag von 9 bis 13 Uhr.

Ganz privat
Lieblingsmusik: Phil Collins
Lieblingsfarbe: Hellgrau
Lieblingsessen: Argentinisches Rumpsteak
Hobbys: Tennis, Schlagzeug
schönster Urlaub: Gran Canaria
beste Eigenschaften: Kompromissfähig, gleichbleibend freundlich, hilfsbereit, sozial

Festhalten für die Ewigkeit

Willi Wachtendonk fängt die Schönheit des Augenblicks mit der Kamera ein

„Erzgebirge“ – Fotografie von Willi Wachtendonk

„Erzgebirge“ – Fotografie von Willi Wachtendonk

Wer das Altenkrankenheim Kupferdreh bewohnt oder besucht, kann seit Anfang August bewundern, wie gelungen der technische Leiter des Hauses, Willi Wachtendonk, „Momente des Glücks und Schönheiten des Augenblicks“ festgehalten hat.
„Das bedeutet nämlich Fotografieren für mich“, erklärt der freundliche Fotograf. Hobbyfotograf möchte ihn die Frühaufsteherin wirklich nicht nennen. Wenn er nicht schon einen Beruf hätte, könnte er problemlos eine Profession daraus machen. Eine Kunst ist es auf jeden Fall.

Kein großer Redner – aber ein ausgezeichneter Fotograf!

„Ich bin kein großer Redner“, stellt er gleich zu Beginn unseres Gespräches klar. Wie läuft es denn mit seiner Ausstellung? „Die Resonanz ist sehr positiv, da hätte ich gar nicht mit gerechnet“, wundert er sich, doch da steht er allein auf weiter Flur, denn wer die Aufnahmen sieht, der wundert sich kein bisschen! Ja, selbst schuld, lieber Herr Wachtendonk, wenn Sie jetzt so viele begeisterte E-Mails erhalten. Er selbst hat Spaß daran, dass die Bewohner des Hauses sich an seinen Bildern freuen.
Schon lange fotografiert der verheiratete Vater einer Tochter und Großvater eines Enkelkindes. Seit drei Jahren geht er es etwas professioneller an. Und welche Bilder sind ihm am liebsten? „Ich bin ein so genannter Landschaftsfotograf“, erläutert Willi Wachtendonk. „Wo ich gerade bin, am Wasser, in den Bergen – meine Kamera ist natürlich immer dabei.“

Per Motorrad zum Motiv

Wie praktisch, dass der Herr über die Haustechnik des St. Josef-Krankenhauses und des Altenkrankenheims St. Josef nicht nur gerne fotografiert, sondern auch leidenschaftlicher Motorradfahrer ist – „seit dem 41. Lebensjahr“, lacht er. Klar, dass ihm auf seinen Touren, die er einmal jährlich unternimmt, unendlich viele Motive begegnen. Zurzeit fährt er übrigens eine Honda CB 1000.
„Wenn drei Leute das Gleiche fotografieren, dann kommen drei verschiedene Fotos dabei heraus; jeder hat seine eigene Art. Eine besonders gute hat, wie wir sehen, Willi Wachtendonk – dazu gehört natürlich auch das „Auge für Motive.“ Was nutzt die ganze Technik, wenn man nicht weiß, welcher Augenblick ein besonders schöner ist! Der Motorrad fahrende Fotokünstler weiß es.

Und schreiben kann er auch noch

Der vielseitig begabte Mann, der in diesem Jahr seinen sechzigsten Geburtstag feiern wird, hat auch noch ein Talent für Worte: Jedes Bild bekommt einen Titel. Und ein Büchlein, das außer seinen Fotos Texte von ihm selbst und von einigen anderen Autoren – von seinem Großvater Heinrich Köster bis zu Friedrich Nietzsche – enthält, hat er seiner Enkelin gewidmet.

Neue Seh-Lust auf den Baldeneysee

Eines liegt Willi Wachtendonk noch am Herzen: Die Schönheiten unseres Landes hervorzuheben – sei es die Ostsee oder der Baldeneysee, den er gerne so zeigt, wie man ihn noch nicht gesehen hat. Der Frühaufsteher wünscht Ihnen viele weitere inspirierende Fotoreisen – ob in die Dolomiten oder ins Ruhrtal!

Aus dem „Kleinen Begleiter auf dem Weg deines Lebens“:

Das Schönste an einer Freundschaft ist nicht die ausgestreckte Hand, sondern das Gefühl, jemanden zu haben, der an einen glaubt. Willi Wachtendonk

pgs

Willi Wachtendonks Fotografien sind noch bis Dezember 2011 im Altenkrankenheim St. Josef während der Öffnungszeiten der Cafeteria zu sehen: Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 12.30 bis 18 Uhr.

Ganz privat
Lieblingsmusik: breit gefächert
Lieblingsfarbe: Grün und Blau
Lieblingsessen: Italienisch
Hobbys: Fotografieren, Motorrad fahren, Schreiben
schönster Urlaub:    die See, besonders die Ostsee – und die Berge fürs Motorrad
beste Eigenschaften: keine Angabe

Felicitas Quint ist Leiterin bei den Heisinger Pfadfindern

Felicitas Quint

Felicitas Quint

Mit Pfadfinderblut in den Adern schloss sich Felicitas Quint (31) schon als Neunjährige dem Stamm Philipp Neri, Essen-Horst, an. Sie blieb dabei. Seit 1998 betreut sie als Leiterin bei Sankt Georg den Nachwuchs in Heisingen.
Mädchen oder Frauen gibt es bei den Pfadfindern nicht mehr so selten. Doch an höherer Stelle sind sie immer noch rar. Auf zehn männliche Leiter kommen im Schnitt etwa bis zwei bis drei Frauen. „Meine Eltern waren beide bei den Pfadfindern aktiv. Da war es keine Frage: Nach der Erstkommunion trat ich sofort bei“, erzählt Felicitas Quint im Frühaufsteher-Interview. Bei den Wölflingen (Altersgruppe 7 bis 10 Jahre) schnupperte die gebürtige Essenerin einen ersten Hauch von Abenteuer, Freiheit und großer, weiter Welt. 1989  leistete sie am Lagerfeuer ihr Versprechen. „Wir waren damals zwölf Mädchen und zehn Jungen in der Gruppe.“ Auch bei den Jungpfadfindern (10 bis 13 Jahre) fühlte sich die Naturliebhaberin zuhause, lernte mit Begeisterung das Fährtensuchen und Feuermachen. In besonderer Erinnerung ist ihr das Sommerlager in Großbritannien geblieben, bei dem sie das Land mit dem Fahrrad unsicher machte. Nach drei Jahren bei den Pfadfindern (Altersgruppe 13 bis 16) wurde sie 1996 Rover. So heißen die Ältesten mit 16 bis 20 Jahren. Danach schied sie nicht wie viele andere aus, sondern wurde Leiterin. „Das ergänzte sich prima mit meiner Ausbildung zur Erzieherin“, sagt sie.
Der Stamm Sankt Georg ist einer von acht im Bezirk Essen-Süd und wurde am 30. Oktober 1978 nach längerer Pause wieder gegründet. Mit rund 120 Mitgliedern sind die Heisinger „Scouts“ gut aufgestellt. Pfadfinder zu sein, ist wieder in. Themen wie Umweltschutz und Klimawandel sorgen für Zulauf. Passend zur Jahresaktion arbeiten Kinder und Jugendliche an Projekten. „Die Leiter begleiten sie dabei. Die Ideen entwickeln sie selbst“, so Quint. Ihre zehn Pfadfinder etwa haben sich ein Rollenspiel nach dem Vorbild der „Siedler von Catan“ ausgedacht.
Jeden Tag eine gute Tat: Gutes zu tun für andere, lautet eine der Grundregeln.
„Der wahre Weg, das Glück zu erlangen, besteht darin, andere Menschen glücklich zu machen. Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als ihr sie vorgefunden habt“, hatte der Gründer der Pfadfinderbewegung, der Brite Lord Robert Baden-Powell (* 22. Februar 1857, † 8. Januar 1941) kurz vor seinem Tod in einem Brief an die Pfadfinder formuliert. Diesem Leitspruch haben sich auch die Mädchen und Jungen vom Stamm Sankt Georg verschrieben.
Was die Wölflinge, Juffis, Pfadfinder oder Rover unternehmen, im Mittelpunkt steht die Gemeinschaft, das Wir-Gefühl. Quint: „Jede Gruppe ist so stark wie ihr schwächstes Glied!“ So wird bei längeren Wanderungen zum Beispiel immer Rücksicht auf die Kleineren genommen. Auch Gerechtigkeit und Menschenrechte sind den Pfadfindern ein Anliegen. „Aktion 12 – Abenteuer möglich machen!“, heißt die Losung der 1929 gegründeten Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) für das kommende Jahr. Ziel ist es, Kinder- und Jugendarmut in Deutschland unter die Lupe zu nehmen, durch Projekte im Stamm darauf aufmerksam zu machen und nach eigenen Möglichkeiten aktiv zu werden. Neben all dem kommt natürlich auch der Spaß nicht zu kurz! Quint: „Leistungsdruck gibt es bei uns nicht. Damit haben die Kinder in der Schule genug zu kämpfen.“
Im Sommer zieht es die Pfadfinder immer in die Ferne. Kinder und Jugendliche aus aller Welt treffen sich zum Zeltlager und finden neue Freunde. Da machen auch die Heisinger keine Ausnahme. In Südschweden, in der Nähe der Universitätsstadt Väjxö, lag ihr Ziel. Zwei Wochen campierten sie auf Blindingsholm, direkt am See. Damit bei der nächtlichen Ankunft nichts schief ging, stand im Juli der Zeltaufbau auf der Vorbereitungsliste. In der Gruppenstunde hatten die Kids auf der Wiese neben dem katholischen Pfarrheim an der Heisinger Straße 480 fleißig geübt. Felicitas Quint, seit Jahren ein Skandinavien-Fan, bereitete sich mit einer kurzen Rucksackwanderung um den Baldeneysee auf die Reise vor. Wir waren dabei.

addi

Die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG)
Die DPSG zählt rund 95.000 Mitglieder und ist der größte katholische Pfadfinderverband in der Bundesrepublik. Pädagogisches Ziel ist die Erziehung zu Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Pfadfinder entdecken die Umwelt durch bewusstes Handeln. Ihre Weltsicht basiert auf den Grundsätzen des christlichen Glaubens. Mitglied wird man im Stamm vor Ort. Der Jahresbeitrag beträgt zurzeit 33,50 Euro pro Mitglied. Weitere Infos unter: www.dpsg.de.

Ganz privat
Lieblingsmusik: Roxette
Lieblingsfarbe: Blau und Pink
Lieblingsessen: Griechischer Salat
Hobbys: Pfadfinder, kreatives Gestalten
schönster Urlaub: Immer am Meer
beste Eigenschaften: Einfühlungsvermögen und gute Beobachtungsgabe

50 Jahre als Pastor in Gottes Diensten

Gerhard Witzel vertraut auf seinen Wegen St. Christophorus

Gerhard Witzel

Gerhard Witzel

Gleich zwei große Feste konnte Pastor Gerhard Witzel in diesem Jahr feiern: Seinen 75. Geburtstag am 21. Mai und das Goldene Priesterjubiläum am 23. Juli. Der rüstige Geistliche wohnt seit 2004 in Burgaltendorf. Zuvor war er 38 Jahre in der Thomas-Morus-Gemeinde Vogelheim aktiv.
Am 23. Juli 1961 war Gerhard Witzel von Ruhrbischof Dr. Franz Hengsbach in der Münsterkirche zum Priester geweiht worden. Von 1961 bis 1966 war der in Altena (Sauerland) geborene Jubilar als Vikar in St. Bonifacius Bochum-Langendreer tätig, danach 38 Jahre in der Gemeinde St. Thomas Morus, im Essener Norden. „Das waren andere Welten“, sagt er beim Frühaufsteher-Gespräch in seiner Wohnung an der Worringstraße. In Vogelheim hat er viel bewegt, für Kinder, Jugendliche und Familien. Sein Vorgänger Pfarrer Albert Schmidt hatte 1968 angeregt, eine Freizeit- und Bildungsstätte an der B 225 zwischen Dorsten und Marl aufzubauen. Witzel folgte dem Ruf. Mit Hilfe vieler ehrenamtlicher Mitarbeiter konnten Tausende Besucher aus Essen und Umgebung von 1968 bis 1989 im Stöckmannskamp erlebnisreiche Tage genießen. „1989 musste das Camp leider geschlossen werden, weil das gepachtete Grundstück für eine Straße zur neuen Bergehalde gebraucht wurde“, erinnert sich der Pastor im Ruhestand (i.R.).
Trotz des „i.R.“ ist Witzel stets beschäftigt. In der Großpfarrei St. Josef-Ruhrhalbinsel weiß man es sehr zu schätzen, dass er immer ansprechbar ist. Witzel zeigt uns einen gut gefüllten Terminkalender, ohne Auto nicht zu bewältigen. Damit er sicher ankommt, vertraut er auf Christophorus. „Er ist mein Lieblings-Heiliger“, sagt er und zeigt die Tonfigur, die er zur Primiz (1. Messe) am 30. Juli 1961 bekommen hat. Eines seiner größten Hobbys ist die Psychologie. Über die „Seelenkunde“ hat er etliche Bücher gelesen. Seit einigen Jahren gehört er der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge an, die im hessischen Frankenberg beheimatet ist. „Die Gesellschaft fördert Begegnungen und den Erfahrungsaustausch zwischen Psychotherapeuten und Seelsorgern.“ In der Praxis setzt Witzel sein psychologisches Wissen unter anderem jeden Dienstag ein: Dann ist er von 14 bis 15 Uhr Beichtvater in der Anbetungskirche neben dem Dom in der Innenstadt. Auch Taufen, Krankenbesuche, Brautämter und Gottesdienste, zum Beispiel donnerstags um 7 Uhr bei den Karmeliterinnen in Stoppenberg. Der Frauenorden feiert die Messen in der von Äbtissin Swanhild gegründeten und 1074 eingeweihten Stiftskirche Maria in der Not.
Keine Frage – Pastor Witzel tut viel Gutes. Für Menschen in nächster Nähe und in weiter Ferne, etwa für „Nangina“. Das Wort kommt aus einer afrikanischen Stammessprache und bedeutet übersetzt „Ort der Steine“. So heißt ein Dorf in Kenia, aber auch ein Verein, der 1988 in Witten gegründet wurde. Firmlinge, Eltern und einige Pfarrer unterstützen im Nangina e.V. seitdem erfolgreich das kenianische Krankenhaus Heilige Familie. „2010 konnten 170.000 Euro für das Hospital gesammelt werden!“, freut sich der Geistliche.
Auf der Ruhrhalbinsel fühlt sich Gerhard Witzel wohl, seit nunmehr sieben Jahren. Was er besonders zu schätzen weiß? „Ohne, dass ich darum bitten musste, hat man in der Gemeindekirche Herz Jesu kurz nach meinem Zuzug einen Handlauf angebracht, damit ich die Stufen zum Altar sicher bewältigen kann.“ Mittlerweile wurden in der Groß-Pfarrei St. Josef Essen-Ruhrhalbinsel in allen Kirchen Geländer für Pastor Witzel nachgerüstet. „Als ich 15 Jahre alt war, erkrankte ich an Kinderlähmung. Seit etwa zehn Jahren leide ich an Muskelschwäche als Spätfolge. Das Treppensteigen fällt mir schwer.“ In einer Post-Polio-Syndrom-Selbsthilfegruppe tauscht er sich regelmäßig mit anderen aus.
Eine ganz besondere Verbindung hat er zum Siegerland. Geschätzte 20 bis 25 Mal verbrachte er mit Gruppen aus seinen Gemeinden in der „Arche Noah Marienberge“, einer Einrichtung für Familienferien. Sein Vorgänger in Vogelheim, Pastor Albert Schmidt, stammte aus einem Dorf in der Nähe von Elkhausen, wo sich das Heim befindet. Schmidt brachte nach dem Krieg die ersten Jugendgruppen aus Essen aufs Land. Witzel trat in seine Fußstapfen. Bis heute setzt er sich für die Einrichtung ein, als Vorstandsmitglied und Rector ecclesiae (Kirchenrektor). Familien, Senioren, Schüler, Chöre und Orchester, Behinderte und Kommunionkinder finden in der „Arche Noah“ Ruhe und Erholung.
Mit rund 500 Gästen aus nah und fern feierte Witzel am 23. Juli in der Kirche Herz Jesu einen Dankgottesdienst. Die Festpredigt hielt Thomas Zander, Direktor des Kardinal-Hengsbach-Hauses. Der Kirchenchor bewies wieder einmal sein Können. „Volles Haus“ auch beim anschließenden Treffen im Pfarrheim. Die Schlange der Gratulanten war lang. Seine Gäste verwöhnte der Jubilar unter anderem mit seiner Lieblingsspeise. Die deftige Linsensuppe fand allgemeinen Anklang, ebenso wie die vielen leckeren Kuchen, Gaben von Frauen aus der Gemeinde. Die Kollekte der Messe ging auf Witzels Wunsch an die Missio-Aktion Schutzengel. Statt Geschenke hatte er um Geldspenden für den guten Zweck gebeten.

addi

Ganz privat
Lieblingsmusik: Alte und neue Kirchenmusik
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: Linsensuppe
Hobbys: Lesen (Fachliteratur), Spaziergänge
schönster Urlaub: Gröbming in der Steiermark
beste Eigenschaften: Fantasie

Wenn nicht jetzt, wann dann?

[ Portrait von Meike Sinnig, Kupferdreher Mädel, Kauffrau – und demnächst selbstständig als „DiWa“. ]

Zurück zu den Wurzeln

Meike Sinnig

Meike Sinnig

Meike Sinnig

„So ein bisschen wahnsinnig muss man wohl sein, um sich gerade in der heutigen Zeit selbstständig zu machen“, erklärt Meike Sinnig das „W“ im Firmennamen „DiWa“, im September soll das neue Fachgeschäft für Damenoberbekleidung an der Kupferdreher Straße 178 feierlich eröffnet werden.
„Auf welche Zeit sollte ich denn auch warten?“ fragt die Neu-Unternehmerin weiter, und wenn man ihren bisherigen Lebensweg betrachtet, gibt es auf diese Frage tatsächlich keine gescheite Antwort.

Ein Leben in Kupferdreh

Geboren am 23. Juli 1965 in Kupferdreh, hat sie an die Kinder- und Jugendzeit „nur schöne Erinnerungen“. „Meine Mutter war immer für mich da und eigentlich war man, anders als die Computer-Kids heute, so oft es ging mit Freunden draußen“. Nach den Grundschuljahren in der Dilldorfschule absolvierte sie die „Mittlere Reife“ an der jetzigen Hinsbeckschule. Bereits im Alter von 15 Jahren begann ihre Lehrzeit zur „Schmuckfachverkäuferin im Einzelhandel“ in denselben Räumlichkeiten, in denen in Kürze der Startschuss für das eigene Unternehmen fallen wird. „Liane und Michael Hübers waren damals meine Ausbilder – genau hier an der Kupferdreher Straße 178. Demnächst befinden sich meine Geschäftsräume also gegenüber von „Juwelier Hübers – Brillen und Kontaktlinsen“, die inzwischen die Straßenseite gewechselt haben und mit Birthe und Björn in nächster Generation ihre Firmentradition fortsetzen“, erklärt Meike Sinnig den besonderen Reiz dieser Entwicklung.  Nach zunächst fünf Jahren im besagten Familienunternehmen, einem ersten Ausflug ins Modefach sowie weiteren Berufsjahren in der EDEKA-Verwaltung – natürlich alles in Kupferdreh – kam es zu einer folgenschweren Begegnung ausgerechnet in Essen-Rüttenscheid.

Thomas, Max und Sammy

„Es war sein ansteckendes Lachen, das mir zuerst aufgefallen ist“. Thomas Sinnig, als Immobilienkaufmann heute weit über die Grenzen der Ruhrhalbinsel bekannt, punktete zudem mit gutem Erinnerungsvermögen: „Obwohl ich zwischenzeitlich eine brünette Haarfarbe ausprobiert habe, hat er mich bei einer späteren Zufallsbegegnung sofort wiedererkannt, das fand ich schon beeindruckend für einen Mann“, zwinkert Meike Sinnig. Geheiratet wurde 1992, am 22. Oktober 1993 erblickte Sohn Max das Licht der Welt. Seit vier Jahren komplettiert Hütehund Sammy das Familienbild. „Bei den gemeinsamen Spaziergängen mit dem Hund kann mein Mann am besten von seinem oft anstrengenden Job abschalten“.

Der Kreis schließt sich

Ihrem Mann „den Rücken freizuhalten“ und ihrem Sohn „eine gute Kindheit zu geben“, stand für Meike Sinnig, dem Vorbild der eigenen Mutter folgend, immer außer Frage. So „begnügte“ sie sich mit einem Halbtagsjob – selbstverständlich erneut bei der Familie Hübers – und verschob den Traum von der Selbstständigkeit. Vorläufig. „Nun ist meine Zeit gekommen. Im Oktober wird Max volljährig, ihn zieht es ebenfalls in die Immobilienbranche. Die für mich so bedeutungsvollen Geschäftsräume, praktischerweise auch direkt neben dem Büro meines Mannes gelegen, sind gerade frei geworden. Nach kompletter Modernisierung ist es nun Zeit für „DiWa“, freut sie sich „wahnSINNIG“ auf eine neue Lebensphase.

Das Konzept

„Die Kundinnen (und natürlich auch die Herren der Schöpfung) sollen sich wohlfühlen, beim Getränk, beim Plausch, ganz ohne Zeit- und Kaufdruck. Mir zur Seite steht Natascha Pagelsdorf, sie ist äußerst fachkompetent, immer gut gelaunt – und eine gute Freundin seit Jahren. Gemeinsam haben wir die Startkollektion ausgesucht. Und da ist für jeden Geschmack und alle Altersstufen von 20 bis 70 etwas dabei. Von klassisch über sportiv bis verspielt-trendy ist das Sortiment individuell und qualitativ hochwertig. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ein Einkauf zum finanziellen Abenteuer wird. Geschickt kombiniert mit preisgünstigen Accessoires kann zum Beispiel ein dominierender Eyecatcher – wertvoll und langlebig – den Gesamteindruck abrunden. Die Mischung macht’s“, fasst die stilsichere Modefachfrau zusammen. Und zur Abrundung des Warenangebotes bei „DiWa“ tragen deshalb auch Handschuhe, Mützen, Schuhe und Handschuhe bei. „Was Frauen gefällt“, sagt sie und ist davon überzeugt, dass die Kupferdreher Straße zur Kö der Ruhrhalbinsel werden könnte. „Neben unseren bekannten Vorzügen am Baldeneysee wird die Stadtteilerneuerung unsere Heimat noch attraktiver machen“, blickt sie optimistisch in die Zukunft. Und wir erkennen: Das „W“ steht in Wirklichkeit für Weiblichkeit und Weitsicht.

sk

Ganz privat
Lieblingsmusik: die Charts rauf und runter
Lieblingsfarbe: Pink
Lieblingsessen: Italienisch
Hobbys: mein Hund
schönster Urlaub: Südtirol/Dolomiten
beste Eigenschaften: authentisch

Mit Fußball groß geworden

Bianca Ophaus vom FC Blau-Gelb Überruhr 1974 e.V.

Bianca Ophaus

Bianca Ophaus

Frisch gebrüht mag sie Kaffee am liebsten. Richtig heiß muss das Getränk sein. Abends entspannt sie gern auf dem Balkon. Bei einem Glas Wein und etwas Musik. Für den FC Blau-Gelb Überruhr 1974 e.V. schwingt sie seit anderthalb Jahren als Jugendleiterin die Fußballfahne. Treu an ihrer Seite ist Border-Collie Lady: Im Frühaufsteher-Fokus steht Bianca Ophaus (41).
Fußball nimmt seit ihrer Kindheit in Mannheim eine wichtige Rolle ein. „Mein Bruder ist sechs Jahre älter und spielte im Verein. An den Wochenenden fuhr die ganze Familie zu Turnieren“, erzählt sie beim Besuch in Überruhr. Wurde vor dem Haus gebolzt, war sie „Balljunge“ und „ganz stolz darauf“. Bianca Ophaus kennt sich mit Fußball aus, obwohl sie nie selbst in einer Mannschaft spielte. Seit 1994 wohnt sie in Essen, seit 1996 in Überruhr, wo der FC Blau-Gelb an der Bezirkssportanlage an der Überruhrstraße 250 trainiert. Durch ihren Mann ist sie zum Verein gekommen.
Ihre knappe Freizeit verbringt die Mutter eines Teenagers (Sohn Tim ist 12 Jahre) am liebsten beim Sport oder an der frischen Luft. Mit Border Collie Lady unternimmt sie lange Spaziergänge oder erholt sich auf dem gemütlichen Balkon. Von dort genießt sie die herrliche Aussicht ins Grüne. Dazu hört sie Musik. Die Beatles, Tracy Chapman, Pink Floyd oder Simon & Garfunkel, und das ganz stilvoll-altmodisch vom Plattenspieler. Dass die alten, schwarzen Scheiben bei ihr gut aufgehoben sind, hat sich herumgesprochen. „Die Sammlung wächst. Immer mal wieder geben mir Freunde ihre alten Platten!“, freut sich Bianca, die beim FC Blau-Gelb für die Bambinis und sechs Jugendmannschaften von F bis D zuständig ist.
Die Jugendleiterin erstellt die Spielerpässe und Ergebnislisten, organisiert Turniere, pflegt den Kontakt zu anderen Vereinen, erledigt die An- und Abmeldungen, kauft Bälle und Trikots. Vor allem aber ist sie erste Ansprechpartnerin für Kinder und Eltern. Das Amt bereitet ihr Freude, wie sie uns versichert. Die kaufmännische Angestellte liebt Campingurlaub. „Früher ging’s mit den Eltern zum Zelten. Heute verreise ich gern im VW-Bus“, sagt sie und berichtet von ihren neuesten Urlaubsplänen. Die Bretagne und Portugal stehen auf dem Programm. „Bei hoffentlich schönem Wetter!“ Strahlend-blau der Himmel, gelb die Sonne – so lassen sich die Vereinsfarben auch deuten. Doch Ophaus ist wetterfest und feuert den Fußball-Nachwuchs notfalls selbst im Regen an. Ihren Balkon nutzt sie auch im Herbst und Winter. Kuscheldecke und Heizstrahler geben die nötige Wärme.

addi

Ganz privat
Lieblingsmusik: Rock & Pop, Exotisches wie Indi
Lieblingsfarbe: Rosa
Lieblingsessen: Nudeln mit Scampis
Hobbys: Radfahren, Badminton, Kiten, Skilaufen
schönster Urlaub: Dubai, Camping mit VW-Bus
beste Eigenschaften: spontan, zuverlässig, humorvoll, kinderlieb

Gastwirtin mit Herz feiert Jubiläum

Edith Thöne

Edith Thöne

Mit 34 Jahren übernahm Edith Thöne die Gaststätte an der Kupferdreher Straße 225. Seitdem sind 35 Jahre vergangen. Viele Stammgäste sind sich einig: So herzlich wie „bei Edith“ ist es nicht überall. Sie kommen von der Ruhrhalbinsel und sogar aus Borbeck. Das Tambour-Corps Grün-Weiß Essen-Kupferdreh fand dort seine zweite Heimat.
Wie es der Name des Lokals bereits verrät, heißt seine Wirtin Edith. Den Nachnamen Thöne kennen nicht alle Gäste. Macht nichts – wer zu Edith möchte, findet sie. Die gebürtige Lübeckerin kam 1957 mit ihrer Familie aus dem hohen Norden in den Kohlenpott. In Essen fand der Vater der damals 15-Jährigen wieder eine Arbeit. Mit 21 wurde Edith zum ersten Mal Mutter. Zur Tochter (48) pflegt sie bis heute ein gutes Verhältnis. „Sabine wohnt in Duisburg und arbeitet in Langenberg. Sie schaut oft hier vorbei“, sagt Edith. Sabines Tochter hat zwei Kinder, Edith ist somit stolze Uroma. Sohn Bernd (44) wohnt in Essen und ist immer zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht wird.
Seit 1976 betreibt Edith Thöne die Kneipe, die vorher „Möllneys Nocken“ hieß. „Ich kannte die Gaststätte bereits. Manchmal war ich mit meiner Freundin hier, wenn unsere Männer zum Kegeln gingen“, erzählt sie. Als die Vorbesitzer aufhörten, griff sie zu. „Fünf Jahre wollte ich Wirtin sein, nicht länger!“ Mit ihrem Lebensgefährten Hugo Schroer zog sie in die Wohnung über der Wirtschaft. Mittlerweile sind 30 Jahre hinzugekommen. Ans Aufhören denkt Edith nicht, auch wenn „Urlaub“ für sie ein Fremdwort ist. Seit 35 Jahren. Die Arbeit hinter dem Tresen füllt sie aus, der tägliche Plausch mit den Gästen würde ihr fehlen. Sie kennt die meisten sehr gut und weiß als aufmerksame Zuhörerin von deren Sorgen und Nöten. Seit sechs Jahren hilft ihre Schwester Uschi bei der Bewirtung. Bei Edith wird an den zünftigen Tischen auch Skat gespielt oder eifrig gewürfelt. Eine gut gelaunte Damenrunde aus Kupferdreh kommt regelmäßig zum Stammtisch, die Sänger von „Cäcilia“ stimmen ihre Lieder an, der Reiterverein Zieten e.V. Essen-Kupferdreh trifft sich dort einmal im Monat.
„Bei ihr sind wir immer herzlich willkommen!“, lobt Nicole Marker, Schriftführerin beim Tambour-Corps Grün-Weiß die Gastfreundlichkeit. „Sie ist praktisch die Mutter des Vereins. Zwei- bis dreimal pro Woche sind einige Mitglieder da.“ Seit 1982 gehört Edith dem Corps an. Vor ein paar Jahren wurde sie Ehrenmitglied. Mit ihren treuesten Gästen unternimmt die rüstige Wirtin bisweilen Ausflüge. Gemeinsam fuhr man an Rhein und Mosel. Mit 63 Personen ging’s zum Brauhaus nach Velbert. „Im Herbst wird es wieder eine Fahrt geben. Das Ziel ist noch geheim“, sagt sie. Ebenso unbekannt zu Redaktionsschluss waren kleine und größere Überraschungen zum 35. Bestehen. Es wäre nicht das erste Mal, dass plötzlich das komplette Tambour-Corps samt Instrumenten vor der Gaststätte aufmarschiert oder unangemeldet ein E-Gitarrist erscheint, um Edith ein Konzert zu geben. Mit solchen Aktionen muss sie zu besonderen Anlässen rechnen. Wir sind bereits gespannt, was zum nächsten runden Geburtstag im Februar 2012 aus dem Hut gezaubert wird.

addi

DFB-Pokal-Ausgabe

Christian Ruthenbeck

Christian Ruthenbeck

Kerl inne Kiste, sowatt wie letzten Freitach habe ich schon lange nich mehr anne Hafenstraße erlebt.
Die alte Bruchbude im Essener Norden war picke packe voll und die letzten zwei maroden Tribünen platzten aus allen Nähten. Grund der Massenwanderung Richtung Bergeborbeck war dat Pokalspiel zwischen Waldis wilden Fußballkerlen von RWE und den Eisernen Unionern aus Berlin Köpenick! Durch dat 1:0 im Niederrheinpokalfinale inne letzten Saison gegen Velbert hatte RWE nen Ticket fürn DFB-Pokal gebucht. Getz stand also der Zweitligist vor der Tür.
Et war für uns Essener ne willkommene Abwechslung gegenüber dem bevorstehenden Liga-Alltag gegen die zig Reserveteams und endlich wieder mal die Gelegenheit, sich mit nem Proficlub zu messen. Auch der Berliner Anhang war über den Gegner RWE offenbar nich grade unglücklich, denn gut 2000 angereiste Fans sind gemessen am Termin und der Distanz ne absolute Hausnummer!
Apropos Hausnummer: In der Hausnummer 97a auf der Hafenstraße ging et dann auch gut zur Sache – auf dem Platz versteht sich! Die gut 13000 Zuschauer ham unter Flutlicht einen packenden Pokalfight geliefert bekommen! Die Roten, die im übrigen zwei Klassen tiefer als die Berliner Gäste inne Regionalliga kicken, gingen dabei durch Capitano Timo Brauer und Edeljoker Benedikt Koep nich ganz unverdient mit 2:0 in Führung. Die Stimmung kochte über im altehrwürdigen Georg-Melches Stadion. Extase pur und eine Stimmung, die einem ne Entenpelle vom Scheitel bis zur Sohle verpasst. Die Berliners dürften sich im falschen Film gefühlt haben.
Doch Rot-Weiss wär nich Rot-Weiss, wennset nich nochma spannend machen würden. Also gab et kurz vor Toreschluss noch zwei Gegentore. Überstunden waren angesacht. Aber auch inne Verlängerung konnte kein Gewinner ermittelt werden. Also ging et vom umkämpften Rasen über zur Lotterie, dem Elfer ballern! Mit 11.000 Fußballbekloppten Rot-Weissen im Rücken hatten die Spieler von RWE ein bisken mehr Glück vom Punkt. Quasi dat Glück der Tüchtigen! Mit 6:5 wurde schlussendlich Uwe Neuhaus mit seinen Eisernen vonne Wuhlheide wieder zurück inne Hauptstadt geschickt.
Seit Freitach träumen die Fans also wieder von Berlin. Diesmal nich von Union, sondern vom Finale im Olympiastadion! 1994 hatten die Roten dat zuletzt erreicht und Stand heute sind et nur noch vier Siege bis zum Finale. Wer der nächste Gegner von RWE wird is mir eigentlich total Schnuppe, denn seit Freitag weis nich nur Union Berlin: Gegen Essen kann man mal verliern!

In diesem Sinne,
nur der RWE

Hintergrund-Info
Name: Christian Ruthenbeck
Alter: 29 Jahre, geboren in Essen, aufgewachsen in Stadtwald, wohnhaft in Altendorf. Seit über 20 Jahren treue RWE-Seele. Seit 5 Jahren arbeitet er in der Mobilfunkbranche im Servicebereich als Kundenbetreuer und seit Februar 2010 ehrenamtlich bei Radio Hafenstrasse.
www.radio-hafenstrasse.de

Held der Straße und Gelber Engel

Christian Berszat: Burgaltendorfer Kfz-Mechaniker erhielt  Auszeichnung für Rettungsaktion

Christian Berszat

Christian Berszat

Helden gibt es nicht nur im Kino. Einige leben mitten unter uns, auch auf der Ruhrhalbinsel. Christian Berszat (31) aus Burgaltendorf ist einer von ihnen. Der Kfz-Mechaniker hat im Januar zwei schwer verletzte Frauen nach einem Verkehrsunfall gerettet und durch sein beherztes Eingreifen Schlimmeres verhindert.
Der Automobilclub AvD und der Reifenhersteller Goodyear haben den Gelben Engel im Juni bei einer Feier in Mülheim zum „Held der Straße“ gekürt. Im Rahmen der Aktion werden das ganze Jahr über Menschen ausgezeichnet, die besonnen, mutig und selbstlos andere Verkehrsteilnehmer vor Schaden bewahrt und so für mehr Sicherheit gesorgt haben.
Am 29. Januar war Christian in seinem BMW zwischen Wuppertal und Velbert auf der Asbrucher Straße unterwegs. Am Ende einer scharfen Kurve bemerkte er plötzlich einen völlig demolierten Renault Twingo im Graben, ein Mercedes stand zerbeult auf der Gegenfahrbahn. „Die Straße war an diesem Morgen leicht glatt. Außerdem stand die Sonne sehr tief“, erinnert sich der 31-Jährige beim Frühaufsteher-Interview. Sofort anzuhalten, war für ihn keine Frage. „Ich hätte niemals einfach weiterfahren können!“, sagt er. Auf der Rückbank saßen seine beiden Töchter (4 und 5 Jahre alt). Um den nachfolgenden Verkehr zu warnen, stellte Berszat sofort ein Warndreieck auf. Außerdem parkte er sein Auto so, dass die Kinder möglichst wenig von dem schlimmen Unfall sehen konnten. „Eine der beiden beteiligten Frauen blutete sehr stark.“
Berszat alarmierte die Rettungskräfte. „Sie waren zum Glück schnell vor Ort. Es war ein wirklich schwerer Unfall, von den beteiligten Autos war fast nichts mehr zu erkennen“, erzählt er weiter. Nach Angaben der Polizei war der aus Richtung Wuppertal kommende Renault am Ende der Kurve ins Schleudern geraten, nach rechts von der Fahrbahn abgekommen und von dort zurück auf die Straße geprallt. Der entgegenkommende Pkw konnte nicht mehr ausweichen. So prallten beide Autos frontal zusammen. Die Mercedes-Fahrerin lag bewusstlos auf der Straße.
Christian lief zu ihr, wenig später kam die Frau wieder zu Bewusstsein. „Wegen der Kälte setzte ich sie ins Auto, um sie dort zu versorgen. Dann bemerkte ich, dass Rauch aus dem Motorraum des Renaults aufstieg.“ Er rief seinen Vater an, mit dem er sich treffen wollte. „Er hat immer einen Feuerlöscher an Bord, und ich lotste ihn zur Unfallstelle.“ Nur wenig später traf der Vater ein. Beide konnten verhindern, dass der Wagen komplett in Flammen aufging. Die verletzten Frauen hatte inzwischen ein Arzt betreut, der zufällig vorbeigekommen war. Ende gut, alles gut: Beide Schwerverletzten wurden schließlich ins Krankenhaus gebracht und haben den Zusammenstoß überlebt.
Wenn Berszat, der in Überruhr aufwuchs und bei VW in Kupferdreh gelernt hat, nicht gerade als Lebensretter oder Pannenhelfer für den ADAC unterwegs ist, schlägt sein Herz für den Motorsport. Drei Jahre schraubte er für eine Essener Firma als Mechaniker an den Boxen. „15 Wochen war ich im Rahmen der DTM im Sommer unterwegs, am Nürburgring und anderen Rennsportpisten im In- und Ausland“, berichtet er. Der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft kehrte Berszat vor kurzem den Rücken. Privat hat er nach wie vor ein Faible für schnelle Autos, auch wenn er selbst kein Raser ist. Fürs Frühaufsteher-Foto stellt ein Freund seinen Lotus Elise zur Verfügung. Gekonnt schraubt Christian an dem seltenen Sportwagen herum. Dem Halter schlägt das Herz bis zum Hals. Doch am Ende bleiben keine Teile übrig …

addi

Ganz privat
Lieblingsmusik: elektronische Rock-Musik
Lieblingsfarbe: Schwarz
Lieblingsessen: Steak im „Landgasthaus Brandenburg“
Hobbys: Motorsport, Kino
schönster Urlaub: Dänemark 2006 mit Tochter
beste Eigenschaften:„Ein Freund in allen Lebenslagen“, loyal und treu

Dat „Sommerloch-Spätzial“

Christian Ruthenbeck

Christian Ruthenbeck

Ker, wo du auch hingucken tus, siehse nur Löcher: Dat Loch inne Haushaltskasse, ein Loch inne Socke, dat Ozonloch … aber dat allerschlimmste is dat Sommerloch!
Erst diese Rot-Weisse Party-Saison mit Aufstieg und Niederrheinpokalsieg und getz gähnende Langeweile. Et is aber auch jedes Jahr dat Gleiche. Kaum is die Spielzeit rum, wirse nach zwei Wochen hibbelich und kanns den Start der neuen Serie kaum abwarten. Und weil einem die Presse nur so wenige Häppchen von seinem Lieblingsclub vor die Nase werfen kann, saugt der gemeine Fußballbekloppte nahezu alle News in sich hinein, die er rund um dat runde Leder nur bekommen kann. Dat geht manchmal soweit, dass die Frau zu Hause genervt fragt, wann denn endlich die Sommerpause vorbei is!
Diesmal kam im Sommerloch bisher so einiges aufn Tisch. Ob Ballack gegen Löw, Neuer gegen die Bayernfans, Effe gegen Eberl – es rappelte im Karton. Zwischendurch warf einem der DFB höchst persönlich noch ein paar Appetitmacher zu. Zum einen mit der Bekanntgabe des neuen Spielplans und zum anderen mit der DFB-Pokalauslosung inne Sportschau.
Am Tach der Pokalauslosung war RÜ-Fest und et regnete aus Kübeln so groß wie Abrahams Wurstkessel. Ich hatte et mir mit nen paar Kumpels in einer Rüttenscheider Kneipe nen bisken abseits vom Trubel gemütlich gemacht, um dat Spektakel der Auslosung gebührend zu feiern, denn unsre Roten hatten es nach zwei Jahren Abstinenz mal wieder geschafft, in die Erste Runde einzuziehen.
Wir hatten uns grade gesetzt und noch nichma dat erste Pils aufm Tisch stehen, da zog die junge Nationalspielerin als zweites Los schon die ungeliebten Nachbarn aus Herne-Ost aus ihrem Bottich.  Und tschüss Vorfreude! Gerne hätten wir die Blauen noch ein letztes Mal im alten Stadion begrüßt. Noch immer stand kein Pils aufm Tisch, die Kehlen waren noch trocken, da war Los Nummer 3 auch schon unser RWE. Zugelost wurde Union Berlin. Nochmal: Und tschüss – getz war die Spannung auch weg. Wir haben trotzdem die Gelegenheit nich ausgelassen, um dat ordentlich zu feiern und zu begießen, denn schließlich is Union mit unserem Ex-Trainer Uwe Neuhaus auch nicht das schlechteste Los.
Die angenehmste Nachricht war für mich aber bisher dat Ende des Insolvenzverfahrens anne Hafenstraße. Der Club is getz schuldenfrei, hat aber auch keine Kohle inne Tasche. Trotzdem sieht die Zukunft nich düster, sondern eher heiter aus. Der Doc will aufpassen, dat nich mehr Zaster rausgehauen wird, als wir haben und Trainer Waldi Wrobel hat nen paar intressante neue Kicker zu den Roten geholt. Wenn et nach mir ginge, könnte et losgehen mit die neue Saison – ich bin heiß wie Frittenfett! Leider müssen wir noch ein bisken warten. Noch sind wir gefangen im Sommerloch, aber dat Licht am Ende des Tunnels is schon zu sehen. Bis dahin werde ich mir noch die Zeit mit der U17 und den Spielen der deutschen Mädels bei der WM im eigenen Land vertreiben. Dat is mir auch tausendmal lieber als diese ganzen Sommerlochgeschichten. Denn ma ganz im Ernst, wen juckt et schon, ob getz der Jogi oder der Ballack gelogen hat!? Also mich nicht! Wir werden aber auch davon sicherlich demnächst ganz neue Details bekommen – ob wir wollen oder nich.

Wie immer – abwarten und Pilsken trinken. Schönet Sommerloch noch!

Hintergrund-Info
Name: Christian Ruthenbeck
Alter: 29 Jahre, geboren in Essen, aufgewachsen in Stadtwald, wohnhaft in Altendorf. Seit über 20 Jahren treue RWE-Seele. Seit 5 Jahren arbeitet er in der Mobilfunkbranche im Servicebereich als Kundenbetreuer und seit Februar 2010 ehrenamtlich bei Radio Hafenstrasse.
www.radio-hafenstrasse.de

Fußball ist auch ganz klar Frauensache

Rudi Knöß vom Heisinger SV holte Manchester City an die Uhlenstraße

Rudi Knöß

Rudi Knöß (mit Ute Buchalik)

Dass Fußball nicht nur eine Männerdomäne ist, weiß Rudolf Knöß (62) aus eigener Erfahrung. Beim 1. FC Heisingen hat der heutige 1. Jugendleiter von 1979 bis 1990 auch eine Damen-Elf trainiert. Erfolgreich: 1985 stieg er mit dem weiblichen Team in die Landesliga auf.
Es gibt sie wirklich, die wahren Fans des Frauenfußballs. Wir haben sie gefunden! Rudolf (Rudi) Knöß, Ehefrau Susanne (44) und Sohn Lukas (8) fiebern mit den deutschen Spielerinnen mit. „Die ganze Familie verfolgt die Weltmeisterschaft und drückt der Elf von Silvia Neid kräftig die Daumen. Natürlich wünschen wir uns, dass die Spielerinnen – wie schon 2003 und 2007 – wieder Weltmeister werden!“, sagt der 1. Jugendleiter des Heisinger SV 1952/96 e.V. beim Frühaufsteher-Besuch. Wir treffen ihn auf der Anlage an der Uhlenstraße 4, wo circa 440 Fußballer regelmäßig ihrem Hobby nachgehen. Der Verein, 1996 aus dem Zusammenschluss des DJK Aufwärts Heisingen und 1. FC Heisingen entstanden, hat 14 Jugendmannschaften, vier Herren-Teams sowie eine Alte-Herren-Mannschaft.
„Die Förderung der Jugend liegt uns besonders am Herzen“, sagt Knöß. Allerbestes Beispiel dafür ist die Ferrostaal Soccer School mit Manchester City. Zu dieser zungenbrecherischen Veranstaltung nahmen Profi-Trainer aus Großbritannien jeweils 50 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 14 Jahren an drei Tagen Anfang Juni in Sachen Fußball unter ihre Fittiche. Von 9 bis 15 Uhr besuchte der hoch motivierte Nachwuchs die Kickerschule. Wo bereits Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann das Leder über den Rasen beförderte, gaben die sympathischen Coaches des englischen Pokalsiegers, Gavin Mikel, Simon Hewitt, Gareth Hughes, Daniel Landström und Conrad Pendergast, ihr Wissen an die Heisinger Jugend weiter. Angriff und Abwehr, passen, dribbeln und schießen standen auf dem Stundenplan. Für Dolmetscher hatte man gesorgt. „Die Veranstaltung war ein Riesen-Erfolg! Wir sind stolz, dass unser Verein dafür ausgewählt wurde“, schwärmt Knöß. Mächtig stolz sind die Teilnehmer auf die signierten, hellblauen Original-Trikots von Manchester City, die sie zur Erinnerung als Geschenk überreicht bekamen. Braunbär und Vereinsmaskottchen Tino trägt ebenfalls eins.
Zum 1. Jugendleiter beim Heisinger SV wurde Knöß im Februar 2011 gewählt. Zur Seite stehen ihm Michael Wanke und Christian Hobucher. „In der Jugendabteilung spielen derzeit etwa 220 Kinder und Jugendliche, insgesamt 14 Mannschaften. Seit Jahren können wir von den Bambinis bis zur A-Jugend alle Altersklassen besetzen, einige sogar mit mehr als einer Mannschaft.“ Zum Training stehen ein großer und ein kleiner Platz zur Verfügung. Für den Fußball schlägt Rudis Herz von Kindesbeinen an. Der gebürtige Dortmunder kam 1959 nach Essen, seit 1976 lebt er gern in Heisingen. „In der Zeit von 1979 bis 1990 war ich im 1. FC Heisingen als Jugendtrainer und Trainer der Damenmannschaft tätig“, sagt er. Bis dahin hatte Rudi, wie ihn alle nennen, als Torhüter beim Kray 04 sowie zuvor beim TBV Frillendorf gespielt.
Es ist Mittwoch. Wie immer an diesem Wochentag verbringt der Rentner – 40 Jahre war Knöß bei der RAG tätig – einige Stunden an der Uhlenstraße. Nach einem kurzen Plausch mit Vereinswirtin Ute Buchalik verfolgt er aufmerksam das Training der Jugend auf dem Kunstrasen. Auch Sohn Lukas ist mit von der Partie. „Er tritt als Torwart in meine Fußstapfen“, freut sich Rudi. Ehefrau Susanne kann ebenso stolz auf den Jungen sein. Immerhin hat auch sie ihm ihr Fußballerinnenblut vererbt. Unter Knöß als Trainer erlebte sie 1985 beim 1. FC Heisingen mit dem Aufstieg des Damen-Teams „das Wunder von der Uhlenstraße“. (Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft bestritt 1982 ihr erstes Länderspiel.) Susanne war die Nummer 6, also defensive Mittelfeldspielerin. Jetzt ist sie zuhause natürlich die Nummer 1. Somit ist Fußball auch ganz klar Frauensache. Nicht nur beim Frühaufsteher …

addi

Ganz privat
Lieblingsmusik: Schlager quer Beet
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: Hausmannskost, zum Beispiel „anständige Bratkartoffeln“
Hobbys: Fußball, Boxer(hunde)-Club, Bogensport
schönster Urlaub: Schiffsreise mit der Aida
beste Eigenschaften: Teamgeist

Danke für fünf prickelnde Jahre

[ Porträt von Hotel- und Restaurantfachmann, Bartender und TheaterKlause-Wirt, Edin Smaka. ]

… und auf die nächsten fünf Jahre in der TheaterKlause

Edin Smaka

Edin Smaka

Edin Smaka

„Auf der Ruhrhalbinsel gibt es so viele nette, offene und treue a, das habe ich während meiner ganzen Laufbahn noch nicht erlebt“, beteuert Edin Smaka. Er ist Inhaber des Restaurants „TheaterKlause“ in Kupferdreh und kann bereits auf eine für sein Alter erstaunlich lange und erfolgreiche Laufbahn zurückblicken.
Geboren am 8. September 1977 in einem kleinen Küstenort im ehemaligen Jugoslawien, ist er seit seiner Kindheit mit dem Thema „Gastfreundlichkeit“ vertraut, denn schon die Eltern betrieben in dem bei Touristen beliebten Ort eine Pension mit Gastronomie. „Ich habe ein tolles Verhältnis zu meinen Eltern, aber wenn sie uns heute besuchen, dann wissen sie natürlich immer noch alles besser“, zwinkert der sympathische Gastgeber. Als jüngstes von drei Geschwistern ist er gewohnt, unter „besonderer Beobachtung zu stehen“. Auch die
(g)astronomischen Arbeitszeiten sind für Smaka seitdem selbstverständlich.
1991, kurz vor Kriegsbeginn, zog er im Alter von gerade 14 Jahren zu Verwandten nach Deutschland, in Bochum beendete er die Schulausbildung mit der Fachoberschulreife. Zum Jugoslawienkrieg äußert er sich knapp – aber vielsagend: „In meiner Familie hat immer der Charakter gezählt, nie die Religion oder Herkunft“.

„Diplom-Gastgeber“

Im Bochumer „Holiday Inn“ absolvierte Smaka eine Ausbildung zum Hotelfachmann und wurde anschließend im Kölner Haus im Service- und Restaurantbereich eingesetzt. In dieser Zeit erwarb er das Diplom zum „geprüften Bartender“ (… und ein profundes Wissen in Sachen „Cocktails“). Doch das reichte dem ehrgeizigen Barchef nicht, er machte den Ausbilderschein und stieg erst zum Restaurantleiter und schließlich zum „Food & Beverage-Manager“ auf. So gerüstet leitete er in den folgenden Jahren diverse Gastronomiebetriebe, unter anderem das „Mongo’s“ in Köln sowie das „Fiege’s Stammhaus“ in Bochum, bis sich 2006 in Essen die Chance zur Selbstständigkeit bot.

Die TheaterKlause

Nach intensiver Planungsphase wurde vor fünf Jahren die „TheaterKlause“ an der Kupferdreher Straße 114 feierlich (neu)eröffnet und steht seither sowohl für geselligen Thekenbetrieb als auch für ein originelles und hochwertiges Speisenangebot. Einzigartig ist sicher die „Essener Schnitzelparade“ mit 28 Stadtteil-Varianten. Das „Schnitzel Überruhr“ wird zum Beispiel mit Tomaten-Paprikawürfeln und Schafskäsesauce serviert. (Schauen Sie doch einfach mal, wie IHR Stadtteil schmeckt.)
Mit einer jährlichen Spendenaktion (zuletzt mit dem Ronald Mc Donald Kinderhaus) für karitative Zwecke möchte der Jungunternehmer „etwas von seinem Glück zurückgeben“.

Amela und Elena

Es geschah 2005 in einer Düsseldorfer Diskothek: „Eine schöne, junge Frau ist mir auf den Fuß getreten. Dafür musste sie mir ihren Namen verraten“. Nun, ihr Name ist Amela, die gelernte Friseurin hat zufälligerweise ebenfalls jugoslawische Wurzeln – kurzum – ein Jahr nach dem Fußtritt wurde geheiratet. 2008 kam das temperamentvolle Töchterlein Elena zur Welt. „Die beiden sind wirklich alles für mich. Ohne meine Frau könnte ich die beruflichen He­rausforderungen gar nicht stemmen. Allein die vielen kaputten Wochenenden … Amela ist einfach phänomenal“, sagt Edin mit belegter Stimme.

„Zur Krone“ und weitere Pläne

Seit zwei Jahren führt Smaka auch das Restaurant „Zur Krone“ in Essen-Steele. „Wenn wir hier in Kupferdreh Gesellschaften bedient haben, mussten andere Essens-Gäste leider vertröstet werden, das hat mir nie so recht gefallen. In der Krone steht ein Saal für 200 Personen zur Verfügung. Schon viele Stammgäste sind extra für größere Feierlichkeiten zur Dahlhauser Straße 178 gewechselt, denn sie sind ja unseren Service gewohnt und fühlen sich deshalb sicher“, erklärt er nicht ohne Stolz.
Doch auch für die TheaterKlause gibt es neue Pläne: „Ein ganz besonderes Catering ist angedacht – mit Live-Shows, Live-Cooking und Bartending, aber mehr möchte ich noch nicht verraten. Außerdem erfahren eure Leser ja alle Neuigkeiten über den Frühaufsteher.“ Wo der Mann Recht hat …

sk

Ganz privat
Lieblingsmusik: Jazz
Lieblingsfarbe: Schwarz
Lieblingsessen: Steak
Hobbys: Fußball
schönster Urlaub: kommt noch
beste Eigenschaften: fair

Tequila Sunrise „TheaterKlause“
Der „Tequila Sunrise wird „geschichtet/aufgebaut“.
2 cl Granatapfelsirup
2 cl Zitronensaft
12 cl Orangensaft
4 cl Tequila
Schicht für Schicht über Eiswürfel, so entsteht der namensgebende Sonnenaufgang. Edins Tipp: Wenn man den Strohhalm mit dem Mund langsam nach oben bewegt, kann man die Geschmacksrichtung mit jedem Zug variieren.

Liebt Gaudí und Vulkan-Inseln

Elvira Blümel, First Lady der Realschule Essen-Überruhr

Elvira Blümel

Elvira Blümel

Lehrerin wollte sie schon immer werden. Mitte Juni übernahm sie offiziell die Leitung der Realschule Essen-Überruhr von Jürgen Volkmer: Elvira Blümel (56) lebt für ihren Beruf und ihre 520 Schülerinnen und Schüler. Im sechsten Jahr ist sie als Lehrerin und stellvertretende Schulleiterin auf der Ruhrhalbinsel tätig. Beim Malen, Lesen und Reisen findet sie Ausgleich. Sie wohnt in Ratingen und schwärmt für Vulkan-Inseln.
„Sie gehören zu den Ersten, die mein neues Büro sehen“, begrüßt uns Elvira Blümel strahlend. Hell und freundlich wirkt der große Raum am Dellmannsweg, farbenfrohe Bilder schmücken die weißen Wände. Eine herzlich engagierte Schulleiterin gewährt uns Einblicke in ihr Leben. „Als Kind habe ich oft mit meinen beiden kleinen Geschwistern Schule gespielt. Ich war ihre Lehrerin. Manchmal streng, aber immer konsequent“, erzählt die gebürtige Warburgerin und lächelt. Aus dem streng katholischen Paderborner Land zog die Familie 1956 nach Kettwig, das erst seit 1975 zur Stadt Essen gehört. An der Ruhr lernte Elvira mit Eifer das Lesen und Schreiben an der Albertus-Schule auf dem Schmachtenberg, besuchte anschließend die Realschule „im gar nicht so weit entfernten Heiligenhaus“, um dann zum Mariengymnasium nach Werden zu wechseln, wo sie 1974 das Abitur meisterte. „Ich bin immer gern zur Schule gegangen“, erinnert sie sich, „und habe schnell meinen Weg gefunden.“
Sie studierte Kunst und Geschichte an der Universität Essen. Auf Lehramt, keine Frage. Beide Fächer unterrichtet sie bis heute. „Nebenbei jobbte ich bei P&C, schnupperte ein wenig in die Textilbranche.“ 1981 legte Elvira, die seit 1984 den Nachnamen Blümel trägt, das Examen ab und freute sich über ihre erste Festanstellung an der Helene-Lange-Realschule in Steele. Dort blieb sie 15 Jahre, bevor sie zur Bertha-Krupp-Realschule wechselte. Wie viele Schüler sie in dieser langen Zeit schon unterrichtet hat, wäre in Ruhe auszurechnen. Das Erstaunliche: „Ich erinnere mich an viele meiner Ehemaligen. Mittlerweile erlebe ich die nächste Generation, vor mir sitzen die Kinder früherer Schüler.“ Das bringt nette Begegnungen. Angst muss niemand haben: Die Notenbücher aus alten Zeiten hat Elvira Blümel längst vernichtet. „Niemand soll gegen Vorurteile kämpfen müssen!“
Ihre Fächer vermittelt die Lehrerin mit Herz und Seele. Ihr Beruf bereitet ihr nach wie vor Freude, wie wir im Gespräch spüren. Als Mutter kennt sie die Höhen und Tiefen der Schulzeit. Weder Sohn noch Töchter waren Überflieger, haben aber ihren Weg gemacht. „Das hilft mir bei den Elterngesprächen, weil ich weiß, wie belastend zum Beispiel die täglichen Hausaufgaben für Familien sein können.“ Der Chefin von 32 Lehrern und Referendaren ist ein harmonisches Schulklima wichtig, und sie möchte Traditionen in der Schule entwickeln. „Wir sind noch eine recht junge Einrichtung“, sagt sie. So gibt es bereits ein Sommer- und ein Weihnachtskonzert und die Teilnahme an vielen kulturellen Veranstaltungen in Essen. In der zertifizierten MINT-Realschule ist man in Mathe, Informatik, Technik sowie in den naturwissenschaftlichen Fächern sehr gut ausgestattet, es wird viel experimentiert und praktisch gearbeitet. Von Seifenkistenbau über die Gestaltung eines Bauwagens bis zum eigenen Salat aus dem Schulgarten reicht das MINT-Programm.
Die Realschule mit den zwei Standorten (Überruhrstraße 115 und Dellmannsweg 14) setzt auf eine Verbindung von Kunst und Musik und den Naturwissenschaften mit den übrigen Fächern. Ein Konzept, das sich im Privaten bestens bewährt hat. „Mein Mann ist Chemiker. Er sorgt für den nötigen Ausgleich und ist nicht zu bezahlen!“ Ein dickes Lob für Siegfried (56), der seit 26 Jahren erfolgreich Wege findet, Elvira in ferne Länder zu entführen. „Wir reisen leidenschaftlich gern“, sagt sie. Demnächst sollen Fotografien aus La Palma, Namibia und Island die Wände zieren. „Die meisten sind von meinem Mann, aber ich fotografiere inzwischen auch.“
Mehr Freude macht der Schulleiterin jedoch das Malen. Anregungen findet sie im Urlaub. So entstand nach den Osterferien in Spanien ein leuchtend-buntes Acryl-Gemälde, das Eindrücke aus Barcelona spiegelt. Als Vorbild dienten farbenprächtige Keramik-Bänke und Scherben-Skulpturen, wie sie die Familie im zwischen 1900 und 1914 erbauten Parc Güell von Antoni Gaudí gesehen hatte. Wie der spanische Architekt Gaudí (1852–1926) liebt Elvira Blümel hügelige Landschaften. Und Vulkane. Die Kanareninseln La Palma und Gomera, aber auch Island faszinieren sie. Im Sommer fliegt sie nach Tansania und Kenia. Wir sind sicher, dass der Besuch in Ostafrika Spuren im neuen Büro hinterlassen wird. Noch gibt es genügend Platz an den Wänden …

addi

Ganz privat
Lieblingsmusik: Bob Dylan, Janis Joplin, Marc Knopfler
Lieblingsfarbe: Kombination aus Rot und Grünblau-Tönen
Lieblingsessen: italienische Vorspeisen
Hobbys: Malerei, Garten, Wandern, Lesen
schönster Urlaub: La Palma
beste Eigenschaften: Freude am Umgang mit Menschen

Elisabeth Gibas setzt sich für Menschen, Tiere und Pflanzen ein

Elisabeth Gibas

Elisabeth Gibas

„Wenn ich für alle Ehrenämter bezahlt würde, wäre ich längst Millionärin“, sagt Elisabeth Gibas und lacht. Die gelernte Erzieherin und Mutter von vier Kindern engagiert sich regelmäßig für den Tierschutz, betreut Senioren und ist in der Kirche ökumenisch aktiv. In Heisingen, wo die Emsländerin seit fast 30 Jahren lebt, stellt sie am 19. Juni mit Pfarrerin Sabine Grüneklee-Herrmann den 7. Tierschutzgottesdienst auf die Beine.
Dann versammeln sich auf dem Platz neben der Pauluskirche in Heisingen um 10 Uhr junge und alte Tierfreunde und halten unter dem Motto „Brennpunkt Schöpfung“ einen ganz besonderen Gottesdienst ab. Hund, Katze, Kaninchen oder Meerschweinchen – Vierbeiner aller Art sind willkommen. „Sofern es für die Tiere keinen Stress bringt, dürfen sie gern mitgebracht werden“, sagt Elisabeth Gibas (54) beim Frühaufsteher-Interview. Fest steht: Pudeldame Colin sowie Pfarrers Dackel Pauline sind mit von der Partie. Das Thema ist aktuell. „Es geht in Zeiten von Fukushima um den Umgang mit der Erde, um die Ehrfurcht vor dem Leben und darum, was der Einzelne für Mensch, Tier und Pflanze tun kann.“
Schon rund 20 Jahre mischt sie kräftig bei den Vorbereitungen zum Weltgebetstag der Frauen mit und gehört der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) seit 25 Jahren an. Viele Jahre leitete sie verschiedene Kindergruppen und arbeitete in der örtlichen Tierarztpraxis. Seit 1995 setzt sie sich offiziell für den Tierschutz im Albert-Schweitzer-Tierschutzverein Groß-Essen ein, ab 2009 ist sie im Vorstand. Privat haben bereits einige Nager, Katzen, Schildkröten und Hunde den Alltag der großen Familie bereichert. Vier mittlerweile erwachsene Kinder wuchsen mit Haustieren auf und lernten früh den verantwortungsvollen Umgang damit. „Leider ist nicht jedem klar, dass Tiere regelmäßig Pflege und Zuwendung und damit Zeit brauchen. Ein Hund etwa muss dreimal am Tag ausgeführt werden. Wer das nicht einrichten kann, sollte keinen halten!“ Was herauskommt, wenn sich Menschen überschätzen, weiß Elisabeth Gibas nur zu gut. Hund, Katze oder Maus landen im Tierheim, manchmal direkt, bisweilen über leidvolle Umwege. „Bei Nacht und Nebel werden sie ausgesetzt, über den Zaun geworfen oder in Kartons vor die Tür gestellt.“ Rund 3.900 Tiere nahm das Albert-Schweitzer-Team allein im Jahr 2010 auf, viele von ihnen konnten vermittelt werden.
Ihre Liebe zu Gottes Kreaturen macht auch vor Insekten nicht halt. In der Tierheim-Jugendgruppe „Die Frettchen“ haben Elisabeth Gibas, andere ehrenamtliche Helfer sowie ein äußerst einsatzfreudiger Hausmeister vor kurzem Insektenhotels gebaut, die am Tag der offenen Tür verkauft wurden. Alle zwei Wochen donnerstags treffen sich Mädchen und Jungen an der Grillostraße zu verschiedenen Aktivitäten. Die hübschen Holzhäuser bieten zum Beispiel Wildbienen, Hummeln, Schmetterlingen und Marienkäfern ein artgerechtes Zuhause im Garten. Die 5-Sterne-Unterkünfte sind mit natürlichen Nisthilfen wie Holz, Stroh, Bambus, Schilf oder getrockneten Pflanzen gefüllt. Kräuter und andere Duftpflanzen locken die geflügelten Freunde an.
Ehemann Bernd (64, Medienpädagoge) unterstützt die tierischen Hobbys seiner Elisabeth. Auf Twinky, die zugelaufene Katze, möchte auch er nicht mehr verzichten. Die schwarze Samtpfote beherrscht einige Tricks, rollt sich auf Kommando auf dem Boden, macht „Give me five“ und springt in die Höhe. Wir haben uns davon überzeugt. (Ein Beutel Leckerlies darf allerdings nicht fehlen.) Nach so vielen Kunststücken ruht sich die Mieze stets aus. Sie streicht an uns vorbei und steuert zielstrebig auf Bernd zu. „Zum Kuscheln geht Twinky meist zu meinem Mann!“, kommentiert es Elisabeth.
„Füße heben!“, heißt es, wenn das Schildkröten-Quartett Cassiopeia, Cäsar, Amanda und Agathe schnurstracks am Kräuterbeet vorbei, über den Rasen marschiert. Dann sind die Gepanzerten auf dem Weg zum „Beach-Ressort“. Elisabeth hat es in einer sonnigen Ecke angelegt: ein kleiner Strand zur Erinnerung an ihren bisher schönsten Urlaub. Auf den Galapagos-Inseln kraulte sie 2007 einige Riesenschildkröten. Je nach Art erreichen frei lebende Exemplare eine Panzerlänge von maximal 80 cm (Weibchen) bis 95 cm bei einem Gewicht bis zu 450 kg. Landleguane, Pelikane, Seelöwen und Meeresechsen – für Tierforscher sind die zu Ecuador gehörenden Inseln im Pazifik ein Traum. „Das letzte Paradies“ hat auch Ehepaar Gibas begeistert. „Es war ein Naturerlebnis pur!“, schwärmt Elisabeth.
Nicht immer zieht es sie so weit fort von der Ruhrhalbinsel. Vom Baldeneysee verreist sie mit Bernd gern mit dem Wohnmobil. Fahrten nach Italien, Kroatien, Frankreich, Dänemark und quer durch Deutschland, das treue Gefährt hat schon 60.000 km absolviert. Stets mit an Bord ist Colinchen. Demnächst geht’s nach Mecklenburg-Vorpommern. „Wir möchten um die Seen radeln.“ Laufen wäre für den altersschwachen Pudel zu beschwerlich. So darf der Hund die Ausflüge im Fahrradkorb genießen.

addi

Ganz privat
Lieblingsmusik: Alles zwischen Klassik und Pop
Lieblingsfarbe: Bunt
Lieblingsessen: Gemüse und Salate
Hobbys: Tierschutz, Reisen, Kräuter, Werkeln, Radfahren
schönster Urlaub: Galapagos-Inseln (2007)

[ Porträt von Optikermeister, Radfahrer und Teamworker Peter Bellendorf. ]

Alles, nur nicht kompliziert

Peter Bellendorf

Peter Bellendorf

Peter Bellendorf

Auf der Ruhrhalbinsel kann es passieren, dass der „Erstkontakt“ mit Optikermeister Peter Bellendorf via Zuckertütchen erfolgt.
Denn die süßen, kleinen Werbegeschenke hat der pfiffige Unternehmer aus Kupferdreh scheinbar in sämtlichen Cafés und Restaurants der Region platziert. Doch auch wer seinen Kaffee schwarz trinkt hat gute Chancen auf eine Begegnung, wenn nämlich das Firmenlogo „Peter Bellendorf Optik“ mit einer Spitzengeschwindigkeit von circa 30 km/h an ihm vorbeituckert. Dann macht der Chef persönlich Hausservice mit seiner „Ape“ – und es ist vermutlich Dienstag. „Diesen Service biete ich schon seit Jahren für Alten- und Krankenheime beziehungsweise für Mitbürger, die aus verschiedenen Gründen nicht mobil sind. Ob Brillenvermessung, Augenglasbestimmung oder – gerade bei älteren Menschen sehr beliebt – die Bestückung mit beleuchteten Lupen oder elektronischen Lesegeräten, in so eine Ape passt eine Menge Instrumentarium“, erläutert der Dreiradpilot den tieferen Sinn seiner „Ausflüge“.
Geboren am 24. September 1959 in Essen-Mitte als jüngster von vier Söhnen – zwei Brüder sind heute Metzgermeister, zwei Optikermeister – hat Peter Bellendorf direkt nach dem Schulabschluss (Mittlere Reife) eine Optikerlehre absolviert. Warum? „Ich wollte kein Metzger werden“, schmunzelt er. Nach sieben Berufsjahren in Heisingen zog es den „Preiß“ nach München, wo er, parallel zur Arbeit, seine Meisterprüfung ablegte. „Der Beruf hat mir von Anfang an Spaß gemacht, vor allem der direkte Umgang mit Kunden“, erinnert sich Bellendorf. Nach einem Intermezzo als Filialleiter in Wattenscheid kehrte er zurück auf die Ruhrhalbinsel, seit Februar 1998 ist die Kupferdreher Straße 128 Firmensitz der „Peter Bellendorf Optik“. „Mit dem ‚Kupfertor‘ habe ich den idealen Standort für meine Selbstständigkeit gefunden und mit der Familie Stemm die wahrscheinlich besten Vermieter der Welt. Auch der freundlich-hilfsbereite Umgang der hier ansässigen Unternehmer untereinander ist außergewöhnlich“, lobt er. Als Mitglied der Werbegemeinschaft sowie der Bürgerschaft und als Förderer des FKK (Festausschuss Kupferdreher Karneval) möchte er „etwas zurückgeben“. Auch beim DLRG ist der drahtige Sportsmann seit zehn Jahren angemeldet, und wenn er im Stadtbad Kupferdreh seine Runden dreht – dann ist vermutlich Mittwoch.

Rückendeckung

„Zur Selbstständigkeit gehört für mich vor allem ein gut ausgebildetes und eingespieltes Team – und die Rückendeckung seitens des Partners“.
Vor 31 Jahren hat es auf einer Party gefunkt: Felizitas heißt die Frau an seiner Seite, seit dem 8. August 1987 mit Nachnamen Bellendorf. Im nächsten Jahr wird Silberhochzeit gefeiert. „Felizitas sorgt dafür, dass der Spagat zwischen Geschäft und Privatleben gelingt. Ohne sie hätte ich das nie geschafft“, nickt er mit versonnenem Blick auf das Familienfoto, auf dem auch ein Hund abgebildet ist. „Seit meinem zwölften Lebensjahr hatte ich immer einen Hund, zuletzt eine Airedale-Hündin namens „Holly“. Leider ist sie im Mai letzten Jahres gestorben. Ob das Kapitel „Hund“ damit für uns endgültig abgeschlossen ist, wissen wir aber noch nicht“.

TOP 100 Optiker

„Ich lebe den Service, und das ist ganz sicher ein großer Unterschied zu den Billiganbietern im Internet. Kontaktlinsen sollten zum Beispiel unbedingt individuell angepasst werden. Wir haben sogar die Möglichkeit, mittels eines „Topografie-Geräts“ die jeweilige Hornhautkrümmung mit einer Messung an 4.300 Punkten exakt bestimmen und protokollieren zu können. Wollt ihr mal sehen, was mit den Augen passieren kann, wenn eine Linse viel zu eng sitzt?“ (Anm. d. Red.: Es sieht so scheußlich aus, dass die Augen beim Betrachten des Fotos schon getränt haben.)
Nicht von ungefähr ist die Kupferdreher Firma bereits zum zweiten Mal zu den „TOP 100 Optikern“ gewählt worden. Dazu ermittelt eine unabhängige Jury, bestehend aus Vertretern aus Wissenschaft und Marketing und repräsentiert durch Professor Fortmann (Fachhochschule Gelsenkirchen) sowie dem BGW (Institut für innovative Marktforschung/Essen), „besonders kundenorientiert denkende und handelnde Optiker“. Neben der Anerkennung für die tägliche Arbeit hat solch eine Auszeichnung den „Nebeneffekt“, dass man Prominente wie Birgit Schrowange und Simone Thomalla einmal persönlich kennenlernen kann. Ist man dann an irgendeinem Punkt glücklich und zufrieden? Was wünscht sich ein TOP 100 Optiker von der berühmten, guten Fee? „Die könnte gerne mal meinen Schreibtisch aufräumen“. Peter Bellendorf ist wirklich nicht kompliziert – auch an einem Montag nicht.

sk

Ganz privat
Lieblingsmusik: Blues
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: Tellerfleisch (Rindfleisch mit Meerrettichsauce)
Hobbys: Fahrrad- und Motorrad fahren, Schwimmen, Wandern
schönster Urlaub: eigentlich alle
beste Eigenschaften: ehrlich

Workout und Aqua-Discs

Tag der offenen Tür – 40 Jahre Stadtbad Kupferdreh

„Auf die obligaten Festreden haben wir bewusst verzichtet. Wir zeigen lieber, was wir so alles machen“, sorgte die IG-Vorsitzende Brigitte Wawrowsky gleich zu Beginn für entspannte (Journalisten)-Gesichter.
Und das Angebot „unseres“ Bades ist bekanntlich bunt und vielfältig. Aqua-Jogging und Workout mit Flexi-Bars gehören zum Programm. „Ein wenig Englisch sollte man schon können“, zwinkert Lore Grimm. Sie ist für das „Eltern-Kind-Turnen“ zuständig.
Zahlen sprechen ja bekanntlich eine besonders deutliche Sprache: Genau 509.100 Euro Kurseinnnahmen konnten unter der Betriebsführung durch die IG seit 1997 in das beliebte Bad investiert werden. (Das dokumentiert unter anderem eine interessante Dauerausstellung zur Geschichte des Stadtbades, falls Sie den Tag der offenen Tür verpasst haben sollten.) Doch genug der Worte, lassen wir Bilder sprechen.

sk

Denkfabrik für Energieeffizienz

Neues Netzwerk für ökologisch sinnvolles Bauen und Wohnen in Kupferdreh

Energiefabrik

Energiefabrik

 

„Einen passenderen Standort für unser Konzept kann ich mir kaum vorstellen“, strahlt Ulrich Ehlert.
Er ist Eigentümer des ehemaligen Bahnhofgebäudes an der Hinsbecker Löh 46 und „Erfinder“ des Netzwerkes, das unter dem Namen „Energiefabrik“ von hier aus das Leben von Hausbesitzern und zukünftigen Bauherren leichter machen will. Auch wenn noch nicht alle Renovierungsarbeiten an dem 1890 erbauten Haus abgeschlossen sind, ist schon deutlich erkennbar, wozu ein solch starker Firmenverbund in der Lage ist. Dabei geht es nicht allein um die Vernetzung von Architekten, Ingenieuren und Handwerkern, sondern auch um gemeinsame Planung und Umsetzung besonders energieschonender und individueller Lösungen.

Ulrich Ehlert

Ulrich Ehlert

„Offenheit und Umweltbewusstsein sind die verbindenden  Eigenschaften“, erklärt Ehlert und verweist auf den sogenannten „Bürgerraum“ im Erdgeschoss. Das stil- und liebevoll restaurierte Konferenzzimmer dient den Netzwerkern als Treffpunkt. Zukünftig sollen hier auch Vorträge zum Thema „Energieeffizienz“ gehalten werden. Und wenn ich mir meine aktuelle Stromrechnung so ansehe, wird es Zeit für den nächsten Termin in der „Energiefa­brik“.

sk

Die Netzwerker
• Solar Tim Döpper
• Objektservice Martin Keusch
• Bautischlerei Jörg Eicker
• Elektrotechnik Kohlmann
• Zimmerei Marcus Paul Temming
• Heidrich, Dach und Fassade
• Nolte Holzbau
• Architekt Holger Jesberg
• Thomas Klabbers Bauphysik
• Malermeister Alfred Herschbach
• Hendrik Wortberg Lehmbau
• Bauunternehmung Stephan Dunker
• Gärtnermeister Peter Kieckbusch
• Feng Shui Silke Kieckbusch

Dat Frühaufsteher Spätzial zum Saisonfinale

Christian Ruthenbeck

Christian Ruthenbeck

Kerl inne Kiste, oder soll ich doch lieber „Mein lieber Herr Gesangverein“ sagen?
Auch dat wär nämlich unheimlich passend, denn vor kurzem haben Waldis wilde Fußballkerle noch brav im Chor mit den „Café Nova Staudertrinkers“ eine neue Vereinshymne aufgenommen, die et seit der Release-Party Mitte Mai im Fanshop zu kaufen gibt. Für nen schlappen Heierman bekommse da ne astreine Entenpelle beim Genießen von diese schönen Klänge. Hinter den Kulissen wurden bis vor kurzem aber ganz andere Töne angeschlagen! Der Insolvenzverwalter „Frankie“ Kebekus hat nämlich getz fast ein Jahr lang die Erste Geige gespielt. Unter seiner Aufsicht lief et schön Piano ab in Sachen Geld ausgeben, und dat Ende vom Lied war, dat am 17. Mai die Gläubigerversammlung dem Insolvenzplan zugestimmt hat. Damit is RWE schuldenfrei, aber im Konzert der Großen können die Jungs vonne Hafenstraße noch lange nicht mitspielen. Da schwingen nämlich neben dem Medienstar Kloppo auch noch die Bayern den Taktstock!
Apropos Lederhosen: Am letzten Sonntach war Party angesacht! Von Mittachs bis abends 19.07 Uhr gabs Programm am altehrwürdigen Georg-Melches-Stadion! Tausende Fans feierten den Niederrheinpokalsieg und den Meistertitel in der NRW-Liga. Neben der Ehrung durch den Verband hatte eine kleine Gruppe aus Bayern unter großem Applaus den ersten RWE-Fanclub in Bayern gegründet. Gruß nach Bodenmais – dat nenn ich ma Einsatz!
Vollen Einsatz haben auch die Fans von unsre Roten diese Saison gezeicht! Weit über 100.000 Fußballkloppte wie ich haben sich die Spiele anne Hafenstrasse angetan, trotz Liga 5 ! Ein fast tragischer Rekord, und trotzdem zeicht et, dat RWE nich irgendein Dorfclub is, sondern tatsächlich dat schützenswerte Kulturgut, von dem zuletzt immer wieder die Rede war.
In der kommenden Saison is Regionalliga angesacht. Et wird die letzte komplette Saison sein, die im alten Stadion ausgetragen wird. Bald hat der alte Karbachel ausgedient und muss dem viele Jahre lang herbeigesehnten Neubau weichen.
Mich packt so nen bisken Wehmut, wenn ich daran denke. Aber allet andere macht kein Sinn! Zum neuen, schuldenfreien RWE gehört auch eine ordentlich Spielstätte. Und damit nächstes Jahr die Party mit den Bengels um Capitano Timo Brauer weiter geht, sind die meisten Verträge verlängert worden, und so kann der gemeine RWE-Fan in aller Seelenruhe in die Sommerpause gehen.
Wer nich weis, wat er im Sommerloch mit seine überschüssigen Zeit anstellen soll, kann ja ma bei den Mädels ihre Fußball WM reingucken! Die haben nämlich gute Chancen, den Titel zu verteidigen und wer weis, vielleicht bekommen wir diesmal ja tatsächlich nen Sommermärchen. Ich würde mir nen Ast abfreuen! Ich sach ja, fußballbekloppt muss man sein! Aber ich will da getz auch nich hier inne Medien hochsterilisieren (frei nach Bruno Labbadia), sondern wie immer lieber nochwatt abwarten und Pilsken trinken.
Bis die Tage
Wir sehen uns anne Hafenstraße 97a – inne Regionalliga!

Hintergrund-Info
Name: Christian Ruthenbeck
Alter: 29 Jahre, geboren in Essen, aufgewachsen in Stadtwald, wohnhaft in Altendorf. Seit über 20 Jahren treue RWE-Seele. Seit 5 Jahren arbeitet er in der Mobilfunkbranche im Servicebereich als Kundenbetreuer und seit Februar 2010 ehrenamtlich bei Radio Hafenstrasse.
www.radio-hafenstrasse.de

Aber sicher ist: Sie reitet nicht nur im Kreis

Anne Sümnik

Anne Sümnik

Eines ist Anne Sümnik ganz wichtig. „Wir reiten nicht nur im Kreis!“ Dieses Vorurteil ist es, was Voltigierer unendlich nervt.
Denn um in dieser Sportart erfolgreich zu sein, braucht es viel mehr. „Der große Reiz besteht erst einmal im Miteinander. Es gilt Rücksicht zu nehmen, auf die Gruppe und das Pferd“, beschreibt die Chef-Trainerin die sozialen Anforderungen, „alle müssen an einem Strang ziehen“. Und dazu kommen natürlich auch noch die körperlichen Voraussetzungen (beim Menschen) und die charakterlichen beim Pferd: Beweglich sollte der Zweibeiner sein und ein möglichst großes Maß an Körperbeherrschung besitzen, ein ruhiges Gemüt sollte das schweiftragende Lebewesen besitzen, und nicht schreckhaft sein.
„Obwohl“, schränkt Anne Sümnik ein, „im Grunde jeder Mensch zum Voltigieren in der Lage ist.“ Die 48-Jährige selbst hat im zarten Alter von acht Jahren angefangen, nachdem sie schon zuvor im Leistungsturnen erste Erfahrungen mit dem sportlichen Wettkampf und körperlicher, geschmeidiger Bewegung gemacht hatte. Über die eigene sportliche Karriere mit Erfolgen auf Stadt- und Landesebene und einer Teilnahme an Deutschen Meisterschaften, ging es für Anne Sümnik dann schon im Alter von 18 Jahren in die Trainerrolle, die sie gleichzeitig mit der entsprechenden Abteilung beim RSV Essen übernahm. Heute gibt es sechs Teams mit 20 Übungsleitern, 180 Voltigiererinnen und Voltigierern („Allerdings ist das eine echte Mädchen-Domäne, Jungs sind nur wenige da“), sechs Turnierteams, Oldie- bis hin zu Mini-Gruppen ab vier Jahren und sogar ein Duo, das sich große Hoffnungen macht, bei den nächsten Europameisterschaften starten zu dürfen (siehe Extra-Kasten). Und natürlich schon zahlreiche Erfolge mit den Gruppen: Rheinischer Meister, Siege in Stuttgart, in Paris, beim Preis der Besten in Darmstadt 2011 durch das Doppel-Paar.
So dreht sich viel im Leben von Anne Sümnik also um Pferde, Wettkampf, Leistungsklassen, Training, Pflicht und Kür – dabei hat sie natürlich auch noch einen „echten“ Beruf. Als Lehrerin ist sie in der Schule für Kranke an der Ruhrlandklinik tätig und befasst sich dort mit Kindern, die chronisch erkrankt sind, oder einen längeren stationären Aufenthalt benötigen. Dort begegnen sich aber auch schon wieder Beruf und Hobby, denn mit psychisch erkrankten Kindern ist es beispielsweise auch möglich, auf die Wirkung des therapeutischen Reitens zurückzugreifen. Und so eine Gruppe gibt es auch beim RSV Essen.
Kinder hat Anne Sümnik im übrigen auch eigene. Fünf an der Zahl, von denen der weibliche Teil (natürlich) auch mehr oder weniger vom Voltigieren begeistert ist. Genauso wie die Trainerin davon, neue Talente zu finden und zu fördern. Und ihnen dann natürlich die erste Lektion zu vermitteln, die als Grundlage für alles andere dient: „Wir reiten nicht nur im Kreis!“

greis

Talente

Anna und Florian Kraft.

Anna und Florian Kraft.

Anne Sümnik hat ein hochtalentiertes Duo unter ihren Fittichen, das hofft, die Qualifikation zu den Europameisterschaften in diesem Jahr zu erlangen. Anna und Florian Kraft sammelten erst auf Kilmore Quay, und jetzt auf Rokko große Erfolge, so wie mit dem Sieg beim Preis der Besten in Darmstadt. Nun sind sie zur Teilnahme am Wettbewerb beim CHIO in Aachen eingeladen worden, eine Art Sichtungsrunde für die EM. Anne Sümnik: „Die Aussichten der beiden, das zu schaffen, sind ziemlich gut. Sie haben bisher schon viel Eindruck gemacht.“

 

RSV im Vorprogramm des Wildpferdefangs in Dülmen
So eine große Kulisse hatten die Voltigierer des RSV Essen noch nie. Mit 60 Mädchen und Jungen, den drei Pferden Alsace, Kilmore Quay und Lancelot waren sie nach Dülmen gereist, um dort im Vorprogramm des Wildpferdefangs in der großen Arena aufzutreten. Auf Rasen, eine aufregend neue Erfahrung für Pferd und die biegsamen Reiter. Alles lief bestens, die Zuschauer waren begeistert, und Anne Sümnik, die vorher etwas skeptisch war angesichts des durchaus manchmal etwas gewalttätig anmutenden Niederringens der Dülmener Wildpferde durch blaugekleidete Bauernburschen. „Das war ein unvergesslicher Tag für uns alle und auch das Fangen der Pferde ist nicht so brutal, wie es den Anschein hat“, so die Fachfrau.

Ganz privat
Lieblingsmusik: Amy McDonald
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: Nudeln, Schokoküsse
Hobbys: mein Friesenhengst Julius
schönster Urlaub: Kalifornien
beste Eigenschaften: ausgeglichenes Wesen, Sinn für das Gute

Zechen, Ballone, Sprachrohr für Senioren und der eigene Stammbaum – Walter Müller hat viel zu erzählen

Walter Müller

Walter Müller

Walter Müller. Mit Verlaub, Herr Müller, ein Allerweltsname. Doch was sich so alles hinter der Person Walter Müller verbirgt, das kam für den Frühaufsteher in einem langen Gespräch zum Vorschein. Walter Müller hat viel zu erzählen. Und das macht er gern und mit viel Enthusiasmus. Der 72-Jährige hat viel erlebt – in positiver und negativer Hinsicht – und auch in Zukunft noch vor, weiter sehr aktiv zu sein.
Geboren in Calbe an der Saale kam Müller mit knapp 18 Jahren ins Ruhrgebiet. Dort nahm er den damals üblichen Weg vieler junger Männer: Berglehrling, Bergknappe, Hauer, Sprengmeister, Grubensteiger – im Braunkohlen- und Steinkohlenbergbau. Bis zum Jahr 1965. Ein großer Grubenbrand, der viele Opfer forderte, darunter auch zahlreiche Mitarbeiter der Grubenrettung, machte es nötig, dass für diese verantwortungsvolle Aufgabe Nachwuchs gesucht und rekrutiert wurde. Bei damals 153 Schachtanlagen in Betrieb passierte viel – Walter Müller wurde dazu angehalten und auch von seiner Überzeugung geleitet, nun bei der „Rettung“ seinen weiteren Weg zu gehen. So sammelte er in den nächsten Jahren Fachwissen (unter anderem als Strahlenschutzbeauftragter, Diplom-Ingenieur bei der Hauptstelle für das Grubenrettungswesen, Berater im englischen und indischen Bergbau, wo er insgesamt 47 Schachtanlagen befuhr), verrichtete umsichtig und engagiert seine Arbeit und wurde zum leitenden Angestellten. Unter anderem belohnt für seine besonderen Verdienste durch das Ehrenzeichen in Silber der Bundesrepublik Deutschland, verliehen von Bundespräsident Gustav Heinemann im Jahr 1973, die Ausführung in Gold folgte 1977 aus den Händen von Walter Scheel.
Doch 1975 passierte dann, was in einem solchen Beruf nicht auszuschließen ist: Eine Formaldehyd-Vergiftung, die ihn zwang, seine Tätigkeit unter Tage zu beenden. Doch an der Erdoberfläche zurück, war er noch bis 1986 im aktiven Dienst tätig, unter anderem als Sachverständiger des Landes im Oberbergamt Dortmund.
Aber schon, nachdem er Mitte der 70er-Jahre der Arbeit unter Tage Lebewohl sagen musste, erfasste ihn ein ganz anderer Virus, der ihn hoch hinaus führen sollte: Der Luftsport, genauer formuliert das Ballon fahren. 1977 stieg er erstmals auf, ab 1981 konnte er sich Pilot für Gas- und Heißluftballone nennen. Und auch in diesem Bereich ging es stetig nach oben (nicht nur im Korb) und viel herum – von Mexiko und Japan angefangen, bis hin zu Kanada und Skandinavien: Walter Müller wurde unter anderem Präsident des Deutschen Freiballonsport Verbandes, Präsident des Deutschen Aero Clubs und Fluglehrer. Er organisierte Weltmeisterschaften und kam bei diesen Gelegenheiten mit vielen Menschen zusammen, die sich ebenfalls dem Ballonsport verschrieben hatten: Wie dem US-Verleger Malcolm Forbes und seiner damaligen Lebensgefährtin Elizabeth Taylor, dem Fußball-„Kaiser“ Franz Beckenbauer, aber auch mit der bundesdeutschen Polit-Prominenz, der er vor allem auf zahlreichen Kanzler-Festen begegnete, an denen regelmäßig Ballone in die Lüfte stiegen.
Und so beschreibt er neben dem Reiz, „sich in der Luft mit der dritten Dimension auseinandersetzen zu können und nur vom Wind getrieben zu werden“, das Besondere am Ballonfahren mit der Möglichkeit zahlreicher neuer Bekanntschaften: „Man lernt viele Menschen kennen, da wo man landet.“ Auch Beruf und Hobby verstand Müller zu verbinden: So richtete er auf vielen Zechenanlagen Hubschrauberlandeplätze ein, um im Notfall für eine schnelle Behandlung von Verletzten sorgen zu können.
Und was macht Walter Müller, der seit 1973 in Heisingen beheimatet ist, heute? Neben seiner Tätigkeit als sachkundiger Bürger für die FDP ist er verantwortlich für die Produktion eines vom Seniorenbeirat herausgegebenen Magazins für die älteren Menschen in der Stadt: Essen. On Top. „Wir sehen uns als Sprachrohr des Seniorenbeirates und wollen interessant sein für 25 Prozent der Essener Bevölkerung, die in einem Alter ab 60 Jahren aufwärts sind“, beschreibt Müller die Ziele des vor einigen Wochen erstmals und nun alle vier Monate erscheinenden Magazins. Auch dort wird Walter Müller seine Spuren hinterlassen. Denn hinter diesem Allerweltsnamen verbirgt sich ein hochinteressanter Mensch.

greis

Ganz privat
Lieblingsmusik: Meine Frau Heike und ich haben ein Abo in der Philharmonie. Ich höre sehr gern Sinfoniekonzerte und bin ein Fan der Dresdener Semper-Oper.
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: Salate aller Art, am liebsten mit Kürbisöl.
Hobbys: Ich habe mich eingehend mit meinem Familienstammbaum beschäftigt, meine Recherchen reichen bis ins Ende des 18. Jahrhunderts zurück, hauptsächlich durch die Eintragungen in Kirchenbüchern. Ich habe sogar ein eigenes Wappen entwickeln lassen.
schönster Urlaub: Da kann ich eigentlich sagen: Die ganze Welt. Aber ganz besonders: Bad Wörishofen mit dem Ballon.
beste Eigenschaften: Ich bin immer zukunftsträchtig ausgerichtet. Stehenbleiben bringt nichts.