Hans Hartung beeindrucken Technik, Darstellungsmöglichkeiten und Themenvielfalt, die in Pop-Ups stecken

Hans Hartung

Hans Hartung

Hans Hartung hat ein Hobby, bei dem es (beinahe) unbegrenzte Möglichkeiten zur Entfaltung gibt. Zum einen die tatsächliche Tätigkeit beim Öffnen von Büchern, in denen sich Pop-Up-(Aufklapp-)Bilder verstecken, zum anderen in den zahllosen Möglichkeiten, die sich phantasievolle Papier-Ingenieure, wie sie tatsächlich heißen, ausdenken und in die Tat umsetzen.
Rund 3.000 Sammlerstücke, darunter auch einige sehr seltene und alte, besitzt der 71-jährige Hattinger, und er hat noch lange nicht genug: „Ich gehe diesem Hobby nun schon bestimmt seit 25 Jahren nach. Doch es gibt immer etwas Neues. So ist die aktuelle Entwicklung, dass es auch Pop-Ups mit Beleuchtung und Musik gibt, mit Hilfe von kleinen Knopf-Batteriezellen. Auch dem Neuen gegenüber bin ich sehr aufgeschlossen und nehme es in meine Sammlung auf.“
Seine Bücher schaut er sich nicht nur im stillen Kämmerlein zuhause an, er lässt auch gerne interessierte Betrachter teilhaben. Sei es in Ausstellungen quer durch Deutschland, oder auch im Rahmen von Vorträgen, wie dem, der am 24. März im Hattinger Stadtmuseum um 18 Uhr auf dem Programm steht – für Fördervereinsmitglieder kostenlos, für alle anderen Interessierten zu einem Eintrittspreis von drei Euro.
„Solche Vorträge sind mir sogar noch lieber, denn da kann ich besser das zeigen und vorführen, was diese lebendigen Bücher, deren Wert von knapp fünf bis bis zu einigen 1.000 Euro – je nach Zustand und Alter – reichen kann, ausmacht: Ihre Bewegung, die auch mich durch die raffinierten Falttechniken immer wieder in Erstaunen versetzen.“
So keilen ganze Esel aus einem Buch hervor, moderne Plastiken entfalten sich vor den Augen des Betrachters, von Urwaldtieren über Märchen, Architekturen bis hin zur Science Fiction sind viele Bereiche vertreten. Und das ist einer der Aspekte, die Hartung an seinem Hobby besonders schätzt: „Die Vielzahl der Themen macht einen Teil des Reizes aus.“ Außerdem ist es die Technik, die ihn fasziniert: „Es ist sehr erstaunlich, was alles zwischen zwei Buchdeckel passt.“ Und angesichts Hartungs beruflicher Vorgeschichte als Sonderpädagoge für Lern-, Sprach- und geistig Behinderte ist es auch die Möglichkeit, mit diesem Mittel komplizierte Themen plausibel darzustellen: „Und wie ich das in meiner Arbeit bemerkt habe, hat das auch eine sehr lang anhaltende pädagogische Wirkung“. Denn so ist er überhaupt erst dazu gekommen, sich für Pop-Ups, wie die Aufklappbilder seit rund 80 Jahren genannt werden, zu interessieren. Als Sprachheillehrer nutzte er diese Bücher, die es schon seit rund 750 Jahren gibt, als Material zur Förderung der Kinder.
Und seitdem haben ihn die geklebten, in Handarbeit hergestellten Kunstwerke nicht mehr losgelassen. Die allerdings alles andere als pflegeleicht sind. So besteht meist der erste Schritt nach dem Erwerb, vornehmlich in modernen antiquarischen Buchhandlungen oder in den letzten Jahren vermehrt im Internet, erst einmal aus Reparaturarbeiten: „Gut erhaltene Exemplare sind sehr schwierig zu bekommen.“ Dabei macht Hartung zwar eine Augenkrankheit einige Probleme, doch er lässt sich davon nicht den Spaß an seiner filigranen Wiederherstellungsarbeit nehmen.
Auch nimmt er auch gerne immer wieder ganz besondere Exponate zur Hand, so wie sein erstes Sammlerstück, ein Werbebuch der Firma Miele, das eine dreidimensionale Darstellung verschiedener Waschvorgänge beinhaltet. Oder auch sein ältestes Exemplar, ein Kinderbuch von Lothar Meggendorfer aus dem Jahre 1886, das bewegliche Schattenspiele zwischen seinen Deckeln verbirgt. Hartung hat sich auch schon selbst daran versucht, eine Karte mit Aufklappbildern zu bestücken, „doch das ist eine sehr schwierige Aufgabe in einem sehr fragilen Bereich.“ Zwei ganze Zimmer, deren Wände mit vollen Bücherregalen bestückt sind, kann er jederzeit nutzen, um einen Abstecher in die phantasievolle Welt zu unternehmen, die zwischen den Buchdeckeln steckt.
Zurück in der realen Welt hat er aber noch eine ganze Menge anderer Dinge zu tun: So gehörte zu seinen beruflichen Tätigkeiten auch die Arbeit als Journalist, unter anderem als Korrespondent für den Bonner Generalanzeiger, im Hattinger Vereinsleben war und ist er sehr aktiv. Auch in der Politik mischte er mit, ebenso wie im Förderverein des Stadtmuseums, aktuell als Stellvertretender Sprecher des Seniorenforums der Stadt und im Heimatverein Blankenstein. Dass er auch mit 71 Jahren noch so umtriebig ist, kann er leicht erklären: „Ich bin gerne mit anderen Menschen zusammen, und ich denke, dass man sich für das Gemeinwohl einbringen sollte. Gerade die Phase nach dem Beruf ist eine sehr lebenswerte Phase. In der kann man machen, was man immer schon machen wollte.“ So war er auch bis vor einiger Zeit Vorsitzender des Vereins „Hattingen hilft!“, und auch in Zukunft wird er dessen Tätigkeiten begleiten, die unter anderem schon für den Bau von Schulräumen in Gambia gesorgt haben, das er auch zweimal jährlich mit seiner Ehefrau besucht.
Vielleicht wird es ja dann in Zukunft auch einmal eine Infobroschüre von „Hattingen hilft!“ geben, aus deren Mitte sich ein Klassenzimmer mit aufmerksamen Schülern auf ihren Bänken und einem Lehrer mit Kreide an der Tafel entfaltet. Hans Hartung würde es mit Begeisterung in seine Sammlung aufnehmen.

greis

Ganz privat
Lieblingsmusik: Miles Davis, Jazz
Lieblingsfarbe: Türkis
Lieblingsessen: Himmel und Erde, besonders dabei die Apfelkartoffeln
schönster Urlaub: Nicht wirklich ein Urlaub, ich bin über ein Jahr als Journalist in Südamerika herumgereist und seitdem ein Fan dieses Erdteils
beste Eigenschaften: mit Menschen zu sprechen – hier und in Afrika

Film-Vorführung zum Thema Demenz
Im Rahmen seiner Tätigkeit für das Seniorenforum der Stadt Hattingen weist Hans Hartung auf eine besondere Veranstaltung hin: Am 17. April wird der Spielfilm „Eines Tages …“, in dem das Thema Demenz äußerst einfühlsam behandelt wird, um 16 Uhr im Stadtmuseum, Marktplatz 1–3, gezeigt.