Die Leiterin der Patientenbücherei bringt den Patienten im Evangelischen Krankenhaus den Lesestoff nahe
„Das Wort Ehrenamt mag ich nicht so sehr. Was ich hier mache, das ist ein freiwilliger Dienst. Etwas, das mir Spaß macht. Und was viel, viel besser ist, als zuhause zu sitzen und Däumchen zu drehen“.
Renate Mooren wirkt sehr entschlossen, wenn sie ihre Meinung äußert. Ganz weit oben, dort in der zwölften Etage des „EvK“ Hattingen an der Bredenscheider Straße, wo sie ihr kleines Reich verwaltet, hegt und pflegt. Die Patientenbücherei des evangelischen Krankenhauses, in der sie seit 1986 tätig ist – erst auf beruflicher Basis als „Büchereiassistentin im kirchlichen Dienst“, heute nun als Leiterin auf ehren… – nein, freiwilliger Basis.
Über 2.500 Bücher
Und selbst, wenn sie sich aufgrund eines „verknacksten“ Fußes, wie in diesen Tagen, nur leicht humpelnd fortbewegen kann, lässt sie es sich nicht nehmen, in der kleinen Bücherei, einem länglichen, schmalen Raum, nach dem Rechten zu sehen. Mehr als 2.500 Bücher stehen dort in den Regalen und damit den Patienten zur Verfügung. Natürlich kostenlos, und an die kranke Frau oder den frisch operierten Mann mit einem ganz besonderen Service gebracht: Denn zweimal in der Woche zieht Renate Mooren mit ihrem Bücherwagen los und macht die große Runde durch die Stationen. Dort können die Patienten dann in Ruhe sehen, ob etwas für sie dabei ist, oder auch die zuletzt ausgeliehenen Bücher wieder zurückgeben.
Auch Gruseliges im Repertoire
Geboten wird alles, rein literarisch gesehen. Quer durch den Garten, aber auch oft in aktuellster Auflage. Von Sachbüchern über Reiseliteratur, von Krimis bis zu Gruselromanen, von Klassikern bis zu Hörbüchern, von Novellen bis zu Gedicht- oder Fotobänden. „Das Krankenhaus stellt mir einen Etat zur Verfügung“, kann Renate Mooren auch mal „einkaufen“ gehen, doch der Hauptteil der neu hereinkommenden Bücher stammt aus Spenden, oft von ehemaligen Patienten, oder aber aus dem Erlös des jährlich stattfindenden Bücherbasares, den sie kürzlich auch wieder mit ihrer Kollegin Sabine Keiderling ausgerichtet hat.
Renate Mooren, die eigentlich als Chemotechnikerin durchs Berufsleben ging und auch noch „in der Röntgenabteilung des damaligen, alten Krankenhauses“ gearbeitet hat, sammelte selbst als Patientin erste Erfahrungen mit dem „Bücherbus“ im Evangelischen Krankenhaus. „Da hat mir das Buch Drachenblut von Christoph Hein sehr geholfen. Das war die richtige Lektüre zum richtigen Zeitpunkt“, erinnert sich die 70-Jährige, die den Sinn und Nutzen ihres Tuns klar formulieren kann: „Ein Buch kann für ein bisschen Ablenkung sorgen, den Menschen auf andere Gedanken bringen.“
Krimis liegen vorne
Dabei kann Renate Mooren, die auch noch Betreuungsaufgaben für die Alzheimer-Gesellschaft wahrnimmt, aus ihrem reichen literarischen Erfahrungsschatz auch Anregungen und Tipps geben: „Aber ich versorge auch jeden einfach mit dem Lesestoff, den er haben möchte.“ Die geborene Helmstedterin, die Anfang der 60er Jahre nach Hattingen kam, sieht im Augenblick vor allem Krimis in der Gunst der erkrankten Leser vorne liegen, auch heitere Romane, oftmals im Großdruck aufgelegt, die für bessere Stimmung im Krankenbett sorgen können.
Doch auch ernste Themen können die therapeutische Wirkung eines Buches nach Meinung von Renate Mooren bestens erfüllen: „Dann, wenn ich als Patient im Bett liege und lese, dass es anderen möglicherweise noch viel schlechter geht als mir.“ Sie selbst bevorzugt bei ihrer privaten Lektüre momentan Reiseberichte und Novellen, was sie eher wenig mag, sind Liebes- und Familienschnulzen. Früher stand besonders Theodor Fontane bei der Mutter zweier Söhne hoch in der Lesergunst. Und sie ist auch immer wieder auf der Suche nach neuen Autoren, neuen Themen, die sie für sich entdecken und auch den Hattinger Patienten empfehlen kann. Denn eines ist ganz klar. Das Engagement von Renate Mooren für die Bücherwelt im Evangelischen Krankenhaus ist noch lange nicht beendet. Selbst die Frage danach überhört die bescheidene „Freiwillige“ geflissentlich. Doch letztlich können sich Fragesteller und Befragte einigen: Ende offen.
greis
Ganz privat
Lieblingsmusik: Klassische Musik, früher auch Schlager
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: Spargel
Hobbys: Tai Chi und natürlich ganz viel lesen
schönster Urlaub: Costa Rica
beste Eigenschaften: Man sagt mir nach, dass ich gut zuhören kann.

