[ Porträt von Rainer Becker, Kaffee-Kenner, Globetrotter und Einzelhändler auf den Seiten 4 und 5. ]

Der Mensch steht bei mir immer im Mittelpunkt

Rainer Becker

Rainer Becker

Rainer Becker

„Ich lebe das Thema ‚Kaffee‘ in allen Facetten“, beschreibt Rainer Becker, Unternehmer aus Hattingen, seine Profession, die ihn seit rund zehn Jahren beschäftigt. Und das geschieht so intensiv, dass dem neugierigen Texter vom Frühaufsteher ganz schnell eines klar wird: Selbst Beckers aktuell liebstes Hobby, das Reisen auf Kreuzfahrtschiffen, beinhaltet einen kleinen, raffiniert-symphatischen Hintergedanken.
Denn so hat der Inhaber von „Espresso Becker“ an der Thingstraße 42 in Welper beste Aussichten, den Ländern, in denen der Kaffee geerntet wird, beispielsweise Brasilien, sogar auf ganz entspannende Weise nahe zu kommen.
Dass es dazu einmal kommen könnte – sowohl zur eigenen Firma, als auch zum Kreuzen in exotischen Gewässern – war vor rund zehn Jahren allerdings eher nicht zu erwarten. Als Servicetechniker für Verpackungsmaschinen war Becker lange Zeit tätig, als ihn das Schicksal Arbeitslosigkeit traf. Und das im Alter von knapp 50 Jahren, in dem potentielle neue Arbeitgeber lieber erst einmal abwinken und sich nach einem Jüngeren umsehen. Doch nun standen für den heute 58-Jährigen der Zufall und seine große Neugier auf technische Abläufe und Zusammenhänge Pate. Sein Lebensweg wurde in eine ganz neue Richtung gelenkt, seitdem ist es bis heute eine Art erfolgreiche „Kaffeefahrt“.
„Aus Langeweile, als ich zuhause saß und nach meiner Entlassung nicht viel zu tun hatte, habe ich mir im Internet einen defekten Kaffeevollautomaten ersteigert, ihn auseinander gebaut und repariert“, erzählt Becker, der damit – erst einmal in seiner direkten Umgebung – einen Nerv getroffen hatte. Er begann als Autodidakt, um sich dann auf von Automatenfirmen angebotenen Lehrgängen fortzubilden: „Denn dann bat mich ein Freund, seine Maschine wieder in Gang zu bringen, nach und nach wurde es immer mehr und sprach sich rum. Und bei der fünften Maschine, die bei uns in der Wohnung stand, sagte meine Frau Angelika, dass es nun Zeit sei, sich eine Werkstatt zu suchen.“

Leben und leben lassen

Die Idee, sich selbstständig zu machen, war geboren, der Mut zur Umsetzung bei Rainer Becker vorhanden und auch die Rückendeckung durch die staatliche Möglichkeit „Ich-AG“ gegeben. Und das Konzept brachte Erfolg: Die Reparatur von Maschinen aller Hersteller und der Verkauf von Kaffee-Vollautomaten, neu, oder auch generalüberholt, sorgt bis heute dafür, dass er mittlerweile einige Angestellte hat, die sich bei ihm rundum wohlfühlen sollen (und das offensichtlich auch tun). Für den Herbst ist auch die Einstellung des ersten Auszubildenden geplant.
Für Rainer Becker, Vater eines leiblichen Sohnes und zweier Stiefsöhne, ist eines in seiner Rolle als Chef selbstverständlich: „Hauen und Stechen gibt es bei uns nicht. Das ist nicht meine Welt. Für mich heißt es ganz einfach: Leben und leben lassen, geben und nehmen. Der Begriff Familie wird zwar oft überstrapaziert, aber bei uns ist das wirklich so etwas Ähnliches. Und wenn einer der Mitarbeiter mal schlecht drauf ist, oder private Sorgen hat, wird er auch in Ruhe gelassen. Oder kann sich frei nehmen. Der Mensch steht einfach im Mittelpunkt.“
Warum er diese Einstellung entwickelt hat, die ihm so völlig selbstverständlich erscheint, weiß Becker ganz genau: „Ich habe in meinem Leben unter so vielen schlechten Vorgesetzten gelitten. Für mich ist auch im Beruf das Wichtigste die Menschlichkeit.“ So kommt er also mit seinen Mitarbeitern bestens klar und kann sich nach und nach langsam etwas mehr aus dem Tagesgeschäft zurücknehmen. Denn der gebürtige Castrop-Rauxeler weiß, dass er sich auf sein Team verlassen kann, so dass einfach auch mal mehr Zeit bleibt für das Familienleben und die Freizeit. Die genießt er zum einen im heimischen Garten („Meinen Rasenmäher könnte ich auch reparieren. Klar, einmal Handwerker, immer Handwerker“), und zunehmend eben auch auf hoher See.

Mit eigener Kaffeemarke

Was er zudem noch sehr genießt, ist sein eigener Kaffee. Die Hausmarke Beckpresso, die es seit 2006 gibt, und von der mittlerweile 300 bis 400 Kilo im Monat umgesetzt werden. „Das ist eine sehr hochwertige Arabica-Mischung, mit der man alles machen kann“, ist Becker zufrieden mit seinem Werk, das in Zusammenarbeit mit einem Röster entstand. Genauso zufrieden wie seine Kunden in Privathaushalten, Firmen, oder Büros, die ihren Gästen Kaffee anbieten. Den Kaffee von Rainer Becker. Wenn das keine Erfolgsgeschichte ist!
Doch eine Frage ist natürlich bis jetzt noch unbeantwortet geblieben: Wie trinkt denn Rainer Becker seinen Kaffee selbst? „Ganz klar, schwarz. Schwarz, wie die Nacht.“ Und er schwört dabei auf seine Kaffeevollautomaten: „Denn durch den nur kurzen Kontakt zwischen Kaffee und Wasser entsteht wenig Säure. Aber viel Geschmack!“

greis

Ganz privat
Lieblingsmusik: Queen und Tina Turner
Lieblingsfarbe: Rottöne
Lieblingsessen: Steaks
Hobbys: Im Garten entspannen, aber auch etwas arbeiten, und natürlich die Reisen auf Kreuzfahrtschiffen.
schönster Urlaub: Momentan die Kreuzfahrten, früher war es ein Club­urlaub im Senegal in einer Anlage, die es aber leider heute nicht mehr gibt.
beste Eigenschaften: Die Zuverlässigkeit, und auf Menschen zugehen zu können.