Christof Degener – Rennfahrer und Architekt

Christof Degener

Christof Degener

Normalerweise genießt es Christof Degener, im Rahmen der Rundstrecken Challenge Nürburgring (RCN) mit Spitzenwerten von bis zu 230 km/h über die traditionelle Rennstrecke in der Eifel zu rasen. Doch beim dritten Lauf in dieser Saison hatte er eine Situation zu bewältigen, die ihm alles abverlangte.
Nach einer kurzfristig notwendig gewordenden Reparatur des Renngetriebes seines aktuellen Gefährtes, eines VW Golf III V16, dessen Getriebeöl dadurch nun zwar gekühlt wurde, musste Fahrer Degener dagegen bei schweißtreibenden Temperaturen und strahlendem Sonnenschein am Steuer sitzen; und das ausnahmsweise nicht im Wechsel mit seinem Stammpartner, Mitautobesitzer und Cousin Lars Grobbink aus Essen. Den gesamten Lauf bestritt Degener allein. Denn Grobbink kam am Morgen des Rennens mit einer Hiobsbotschaft an den Frühstückstisch: Er hatte sich einen Rückennerv eingeklemmt und konnte nicht teilnehmen. Degener bewältigte diese schwierige Aufgabe, immerhin völlig unvorbereitet 15 Runden am Stück, aber sehr überzeugend: Obwohl ihm am Ende etwas die Kondition ausging, wurde er unter 31 Teilnehmern in der stark besetzten Klasse H3 noch Fünfter und wahrte damit seine Chancen auf einen vorderen Rang in der RCN-Meisterschaft. Doch auch anstrengende Herausforderungen dieser Art können dem Hattinger den Spaß an seinem (Motor-)Sport nicht nehmen. Schon seit 2002 ist er in der RCN-Serie aktiv, nachdem er im Freundeskreis über einen Bekannten, der als technischer Kommissar bei Rennen tätig war, einfach mal ins Geschehen hineingeschnuppert hatte. Über Rennslalom und nationale Rallyes fand er dann immer mehr Gefallen an den schnellen Runden, bis er für sich die Rennserie auf dem Nürburgring vor jeweils rund 5.000 bis 6.000 Zuschauern als passend entdeckte.
Mit der Startnummer 100 tritt der 43-jährige Architekt mit seinem gelben Golf 3 Kit Car an, im Hintergrund immer wissend, dass das „Team Benninghofen“ ihm bei technischen Problemen aller Art mit Rat, Tat, Know-how und einer perfekten Ersatzteilversorgung zur Seite steht. Denn dort in Velbert-Nierenhof wird der Wagen immer wieder genau unter die Lupe genommen, verbessert, „in jeder Winterpause eine Evolutionsstufe weiter befördert“, wie Degener die ständige Entwicklung beschreibt. Und die ist auch nötig, denn jedes einzelne der sieben Rennen über die Nürburgring-Nordschleife (das nächste am 23. Juni) und auch der Finallauf über den Komplettkurs stellt eine große Herausforderung für Mensch und Technik dar. „Gerade die Ursachensuche bei Mängeln ist sehr wichtig. Wir lernen immer wieder dazu“, weiß Degener, der 2005 mit drei Meisterschaftstiteln bisher sein erfolgreichstes Jahr verbuchen konnte. So gibt es in Sachen Sport sogar eine kleine Überschneidung mit seinem Beruf: „In beiden Bereichen beschäftige ich mich mit Details.“
Ganz genau hinzuschauen lohnt sich also: Wie auch in Sachen finanzieller Aufwand: Denn pro Saison gilt es, einen nicht zu unterschätzenden Betrag aufzubringen. Kein Wunder, wenn schon allein der Verbrauch von Super Plus-Benzin bei 5,5 Litern pro Runde liegt. Und eine Runde beträgt nur 21 Kilometer … Doch die Faszination seines Sports ist für den 43-Jährigen immer noch so groß, dass er bisher noch nicht daran gedacht hat, sein Auto in absehbarer Zeit in die „ewigen Parkgründe“ zu schicken: „Nein, ein Ende ist bisher noch nicht geplant.“

greis

Ganz privat
Lieblingsmusik: Querbeet, Pop und Charts
Lieblingsfarbe: beim Auto: Grau-Metallic
Lieblingsessen: tagesformabhängig
Hobbys: Squash, Skifahren
schönster Urlaub: eingeschneit in Vorarlberg
beste Eigenschaften: Ich werfe die Flinte nie ins Korn.

Gelassen im Straßenverkehr
Natürlich war der Frühaufsteher auch neugierig darauf, wie sich ein Rennfahrer denn im ganz normalen Straßenverkehr verhält. Christof Degener, Besitzer und Fahrer eines BMW Cabrio, sieht sich als umsichtiger Verkehrsteilnehmer: „Im normalen Straßenverkehr bin ich sicher deutlich ruhiger als so manch anderer. Punkte in Flensburg habe ich auf jeden Fall keine.“