FEUER.WEHRKer Christoph Peters im Brennpunkt
Oldtimer haben Christoph Peters schon immer fasziniert. Er liebt das Flair alter Fahrzeuge und schraubt gern daran herum. Im Hattinger Verein FEUER.WEHRK an der Henrichshütte findet der 41-Jährige genug Spielraum für kreative Ideen. Mit anderen Aktiven baut der Industriemeister an einem Museum für rote Riesen.
„Der Tank war undicht“, sagt Christoph Peters und zeigt auf einen schmucken Rundhauber, ein Löschfahrzeug aus der mobilen Abteilung. Um das Problem zu beheben, ist er am Samstag zur Halle an der Henrichsallee 2 gekommen. Auf einer Fläche von gut 4.000 m2 warten sie, die ruhmreichen roten Riesen von Magirus & Co. Nicht auf Hochglanz poliert, sondern so, als wären sie gerade von ihrem letzten Einsatz gekommen. Bei den meisten der gut 60 Fahrzeuge ist der schon eine Weile her. Davon erzählt der Staub auf Kühlern, Stoßstangen und Scheinwerfern. In der alten Halle riecht es nach Metall, Öl und Farbe.
Eine Etage höher, in der Feuerwache, entstehen weitere Aufenthalts- und Ausstellungsräume. „Ein Mann aus der Region hat uns seine Sammlung vererbt. Wir sind von ein bis zwei Kartons ausgegangen. Am Ende füllten die Feuerwehrandenken einen 7,5-Tonner“, erzählt Peters beim Frühaufsteher-Rundgang. Rostige Abzeichen, Auto-Modelle, Fotos, Helme, Plakate, Postkarten und Spielzeuge warten darauf, entdeckt zu werden. Zahllose Ausrüstungsgegenstände sowie geschätzte 15.000 Kleinteile verlangen nach Sichtung und Pflege. Vieles muss noch katalogisiert werden.
Seit 1985 wird die Museumsidee von einem eingetragenen Verein unter Vorsitz von Holger Ertel verfolgt. Derzeit gibt es rund 80 Mitglieder. Ende 2006 ist das FEUER.WEHRK in eine Industriehalle der ehemaligen Henrichshütte gezogen. Das Gebäude gehörte zum Hüttenwerk, dessen letzter Hochofen 1987 ausgeblasen wurde. Gute zehn Jahre mischt Peters mit. Bei den „roten Riesen“, wie die Mitglieder die alten Löschfahrzeuge nennen, findet der Familienvater seinen Ausgleich. „Wer hier mitmacht, tut es freiwillig, allein aus Spaß und Freude. Keiner muss jedes Wochenende eine feste Stundenzahl ableisten!“. Gemeinsam stellen die Aktiven Etappenziele auf. Zu richten gibt es reichlich und für jeden. Das reicht von handwerklichen Arbeiten am und im Gebäude bis hin zum Reparieren der Fahrzeuge. Decken müssen gespachtelt und gestrichen, Bodenbelege verlegt und Fenster ausgetauscht werden. Dazu braucht es keinen Feuerwehrmann, aber fachliches Geschick. „FEUER.WEHRKer können fast alles!“, lobt Museumsleiter Hartmut Schlüter (53) den tatkräftigen Einsatz der Mitglieder.
Engagiert für andere haben sich auch unzählige Feuerwehrmänner aus der Region. Sie retteten Leben, schützen Hab und Gut. Sie halfen denen, die Feuer gefangen hatten. Mut, Angst, Schmerz, Freude und Erfolg begleiteten die Einsätze der Rettungskräfte. Ihre Geschichte wird in der Halle lebendig. Zunächst per Muskelkraft bedienten sie in grauer Vorzeit schwere Pumpen. Peters: „Wenn es früher irgendwo brannte, musste die Bevölkerung mithelfen. Jeder Haushalt hatte einen Ledereimer, der im Notfall mit Wasser gefüllt und zum Einsatzort gebracht werden musste.“ Acht bis 14 Liter fasste ein Eimer. Männer und Frauen bildeten eine Kette zwischen Wasser-Entnahmestelle und Brandplatz und reichten die Gefäße weiter. Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Freiwilligen Feuerwehren gegründet. Egal in welcher Zeit: Hinter allen Urkunden, Utensilien und Gerätschaften stehen Menschen. Helden ohne Sockel. Und die möchte der Verein würdigen. Themen werden aus unterschiedlichen Blickwinkeln in den Brennpunkt gestellt: Wache, Rüstzeug, Rettungswesen, Werksfeuerwehren, um nur einige zu nennen.
In Hattingen entsteht ein riesiges Museum des Feuers. Nach und nach. Bis zur Eröffnung mit regelmäßigen Öffnungszeiten wird noch eine Weile vergehen, einen festen Termin gibt es nicht. Eines ist klar: „Unsere Sprossen sind sicher!“, ruft Schlüter, lacht und führt uns in die Ecke der 1000 rettenden Leitern. Die ältesten sind noch aus Holz. Derzeit ist das FEUER.WEHRK eine lebendige Baustelle. Nicht nur Schlüter träumt von bunten Ausstellungstafeln, digitalen Feuerimpressionen und spannenden Spielstationen.
Manchmal gehen ein paar rote Riesen auf Reisen. Die Mobilen bereichern Stadtteilfeste in der Umgebung, rollen rumpelnd nach Ruhrort, Riemke oder Remscheid, um dort ihre Geschichten zu erzählen. Wer sie in der Halle besuchen will, bringt am besten die Familie oder auch gleich alle Nachbarn mit. Es gibt bisher nur Baustellen-Führungen für Gruppen ab zehn Personen (Dauer: ca. 70 Minuten, Eintritt inkl. Führung: 6 Euro pro Person). Nicht nur Kinder klettern begeistert in die Fahrzeuge. „Wir haben auch schon Hochzeitspaare im Tanklöschzug zum Standesamt gebracht“, erzählt Schlüter. „Wer Veranstaltungen wie Geburtstage oder Empfänge in der Museumshalle ausrichten möchte, kann mit uns sprechen. Vieles ist möglich!“
„Feuerwehrmann wollte ich nie werden!“, sagt Peters zum Abschluss. Zum Museum rollt er am liebsten im Unimog, Baujahr 1973. Der ist übrigens himmelblau und nicht etwa RAL-Rot.
addi
Kontakt
FEUER.WEHRK – Das Feuerwehrmuseum e.V.
Henrichsallee 2 · 45527 Hattingen
www.FeuerImRevier.de · post@FeuerimRevier.de
Telefon: 0234/2984685
Ganz privat
Lieblingsmusik: 80er Jahre, Rock und Heavy Metal
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: „Ne Pommes geht immer!“
Hobbys: Feuerwehrmuseum, Oldtimer
schönster Urlaub: Wandern mit Freunden, USA-Reise
beste Eigenschaften: zuverlässig und ideenreich

