Holger Pfläging, zeichnerischer Vater der „Isenburger“

Holger Pfläging

Holger Pfläging

Er vollendet heute unsere Porträtserie rund um den Grafen Friedrich von Isenberg: Nach dem Titelhelden selbst und Michael Stein erfahren Sie heute, von wem Friedrich sein kantiges Kinn hat.
Als die Band Skiffella Hattingensis einen ihrer Musiker verabschieden musste, sang sie ratlos: „Was ist nur geschehn, wie kann man denn nur aus Hattingen weggehn?“
Auch Holger Pfläging verließ Hattingen – aus gutem Grund, wie er mir während unseres Telefoninterviews erzählt.

Über Geschichte und Italienisch zum Trickfilm

Doch zunächst berichtet mein Gesprächspartner, Jahrgang 1969, aus alten Hattinger Zeiten: „Dem ‚Wennischen‘ (wir berichteten) fehlte noch eine illustre Figur aus der Vergangenheit.“ So kamen die Isenburger zu ihren neuen Jobs als Comic-Darsteller.
„Eigentlich studierte ich Geschichte und Italienisch fürs Lehramt“, erfahre ich von Holger Pfläging, der in Hamburg lebt und während seines Studiums ein Jahr in Bologna verbracht hat. „Das habe ich auch abgeschlossen, doch das Grafische lag mir immer sehr.“ Wie man sieht, lieber Herr Pfläging!
Lust am Italienischen hat er übrigens immer noch. So lerne ich, dass der Name der Band „Baustelle“ ein Wortspiel ist: Bau entspricht dem deutschen „Wau“ – und Stelle heißt Sterne. Die Musiker fanden einfach witzig, was im Deutschen dabei herauskommt.  Und wie kam der Panhas nun zu den Fischköppen?

Talent, Handwerk und Teamarbeit:

Ein Bekannter gab ihm den Tipp mit der „Animation School“ – so kam der Hattinger nach Hamburg, wo er heute mit seiner Frau Aretha und den Töchtern Mira, neun, und Elisa, vier, lebt.
Holger Pfläging bewarb sich noch während des ersten Staatsexamens – geklappt hat es dann im zweiten Durchlauf. „Mit der Mappe, die man einreicht, muss man zeichnerisches Talent beweisen. Das Handwerkliche lernt man dann in der Ausbildung.“ Zeichnen können sei aber nicht alles, erfahre ich. Für das „Gesamtkunstwerk“, das wir später im Trickfilm zu sehen bekommen, sind viele Fähigkeiten nötig, nicht zuletzt muss man gut im Team arbeiten.
Haben die Zeichner ihre Figuren, den Hintergrund und alles, was dazu gehört, fertiggestellt, dann wird das Ganze animiert – dafür sind andere Fachleute da – und die Zeichner schon mit dem nächsten Projekt beschäftigt.

Ritter Trenk und Rabe Socke

„Die Abläufe sind manchmal recht rigide“, sagt Holger Pfläging. „Bei Serien zum Beispiel muss einfach die Schlagzahl stimmen.“ Auf Knopfdruck kreativ zu sein ist eben auch eine Kunst für sich. Da haben sicherlich viele Menschen eine andere Vorstellung vom Alltag eines Trickfilmzeichners.
Woran arbeitet der Hamburger Hattinger zurzeit? „Die zweite Staffel des ‚Kleinen Ritters Trenk‘ nach dem Buch von Kirsten Boie, der ‚Kleine Rabe Socke‘, der bald in die Kinos kommt.“ Holger Pflägings Job ist das Storyboard, er freut sich, wenn trotz harten Zeitdrucks ‚schöne Artwork‘ herauskommt, wie es heißt. Und wir Zuschauer freuen uns natürlich mit.
„Die meisten Trickfilme weltweit muss ich nicht mehr sehen“, lacht Holger Pfläging. Manchmal kommt es aber doch vor: Der schönste Grund war soeben der vierte Geburtstag seiner Tochter Elisa. Auf dem Programm stand Prinzessin Lillifee. Vielleicht wird sie ja auch einmal zur historischen Figur!

Friedrichs Kinn ist einfach zu kantig

Ich frage, ob er nicht Lust hat, die Isenburger animieren zu lassen. „Die würden jeden Animator zur Weißglut bringen“, dämpft er meine Hoffnung. „Allein das kantige Kinn!“
Auch wenn Holger Pfläging heute nicht als Geschichtslehrer arbeitet – mit der mittelalterlichen Geschichte zu spielen macht ihm immer noch Spaß. „Mit den Isenburgern wollten wir zwar das Mittelalter beschreiben, aber keineswegs ohne historisches Sakrileg!“
Der Frühaufsteher wünscht weiterhin frohes kreatives Schaffen und Ihnen, liebe Leser, viel Freude mit Holger Pflägings Isenburgern.

pgs

Ganz privat
Lieblingsmusik: Baustelle, Fabrizio de André, Klassik
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: Linsensuppe
Hobbys: Filme
schönster Urlaub: Dänemark
beste Eigenschaften: Humorvoll