Hanspeter und der Teufel

Der Leibhaftige

Der Leibhaftige

Zum krönenden Abschluss habe ich den Leibhaftigen davon überzeugt, mit dem Frühaufsteher zu sprechen. Wie trifft man sich unauffällig mit dem Teufel? Halloween kam wie gerufen – die perfekte Tarnung! Einmal passierten wir eine Gruppe Jugendlicher, die „ey, geiles Kostüm, Alter!“ riefen. Doch sonst lief alles glatt. Wir sprachen im Hattinger Stadtwald mit dem Teufel:

Hanspeter, ein fast glücklicher Bauer

„Irgendwo hier in Hattingen gab es einen Bauern mit einem kleinen Hof. Er musste alle Arbeit allein machen, eben weil es für Knechte und Mägde keinen Platz gab. Lisette, seine Frau, war fleißig und sparsam. Die Nachbarn sagten, Hanspeter hätte das Glück lebendig bei der Hand. Einen Haken hatte die Sache allerdings. Lisette war sehr rechthaberisch. Selbst wenn es ganz offenkundig war, dass Hanspeter Recht hatte, Lisette blieb stur. Eines Tages saß er auf der Treppe und überlegte, wenn Lisette unterwegs wäre und ihr ein Heuwagen begegnete, dann wäre es am besten, er führe so lange in den Graben, bis Lisette vorüber wäre. Als die beiden dann einmal vom Markt kamen und ihre schwarzbunte Kuh verkauft hatten, waren sie ganz vergnügt über ihre vielen Taler. Sie wollten die alte Scheune abbrechen und eine neue bauen. Hanspeter fürchtete schon, die alte würde gar nicht mehr so lange stehen, so baufällig war sie. Und sie rechneten sich aus, wie viele Taler sie noch bräuchten und wie viele sie bekämen, wenn sie die rotbunte Kuh später auch noch verkaufen und sehr sparsam sein würden.“

Wie der Teufel ins Spiel kam

„Hanspeter und Lisette kamen durch eine große, frisch geschnittene Wiese. Sieh mal, sagte Hanspeter zu Lisette, die Wiese ist schön kurz mit der Sense geschnitten. Quatsch, entgegnete seine Frau, das war keine Sense, das war eine Schere! So wie ich mit der Schere dem Schaf die Wolle abschere. Hanspeter ärgerte sich und fragte seine Frau, wie man denn wohl eine Wiese von 20 Morgen mit einer Schere schneiden könne. Sie stritten sich heftig, schließlich schwieg Hanspeter, und Lisette wurde immer ärgerlicher. Die Haare standen ihr wild vom Kopf, und sie tanzte wie irre vor ihrem Mann herum und schrie in einem fort: Mit der Schere geschnitten, mit der Schere geschnitten! Dabei machte sie mit den Fingern Schneidbewegungen; Hanspeter wurde irgendwann grau und grün vor Augen. Er dachte nur noch daran, dass er ja bald zu Hause sein würde, hörte ein letztes ‚mit der Schere‘ und sah, dass Lisette in einem abgrundtiefen Loch verschwand. Es war ein Tagesbruch, der vor einigen Tagen mitten auf dem Weg entstanden war. Natürlich erschrak Hanspeter. Doch war er auch froh, dass endlich Ruhe war. Er ging nach Hause, drehte sich auch nicht mehr um und erledigte erst einmal die Hofarbeit, legte sich ins Bett und erholte sich. Als der Bauer am nächsten Tag aufwachte, hatte er schwer geträumt. Er dachte nach und befand schließlich, dass es nicht in Ordnung wäre, sie dort verrotten zu lassen. Hanspeter nahm einen langen Strick und wanderte zum Ort des Geschehens. Der Strick war noch nicht ganz unten, als er schon etwas Schweres bemerkte. Er zog, wie er dachte, Lisette hinauf.“

Hanspeter hatte falsch gedacht – ich, der Teufel hing am Strick

„Den Hanspeter hab ich schön erschreckt, mit meinem Bocksfuß aufgestampft und meine Hörner in seine Richtung gestreckt. Guck nicht so verbiestert, habe ich gesagt, du hast mir was Gutes getan, warum sollte ich dich bestrafen. Ich wusste nicht, wie ich aus dem Loch rauskommen sollte, es scheint ein Kreuz oder ein Segen darüber zu liegen. Hanspeter wunderte sich, dass ich so normal mit ihm sprach. Er erzählte mir dann die Geschichte. Und da dämmerte es mir – es war also sein Weib, das mir die ganze Nacht vor der Nase herumgesprungen war und geschrien hatte ‚mit der Schere, mit der Schere‘. Da glotzte Hanspeter erst recht bedröppelt. Ich sagte ihm, dass er sich etwas wünschen dürfe. Aber nur eine Sache! Bei zwei Wünschen wäre er mein! Hanspeter wollte eine neue Scheune. Ich willigte ein und rief ihm nach: ‚Aber das Weib lässt du mir in dem Loch‘. Hanspeter dachte wohl, so käme er billig an die Scheune, besann sich aber nur kurz und holte endlich Lisette ans Tageslicht. Und sofort ging das Gezeter wieder los! Das erfuhr ich später von ihm.“

Die Qual ging weiter

„Was Hanspeter so lange mit mir zu bequatschen hätte, wollte Lisette wissen, und ob der Teufel wohl Wort hielte? Am nächsten Morgen kamen die Maurer. Alles dauerte ziemlich lange. Hanspeter jammerte herum, ich hätte ihn betrogen. Ein paar Tage später schossen die Mauern in die Höhe.  Ich kam in der Nacht, und in drei Tagen war alles fertig. Wenig später wollte Lisette einen neuen Stall. Natürlich sollte ich den bauen. Hanspeter meinte, da könnten sie doch die rotbunte Kuh verkaufen. Er blieb hart, denn er dachte an den zweiten Wunsch und die Folgen, über die er mit Lisette sprach. Sie quälte ihn weiter, er gab nach. Am nächsten Tag war der neue Stall fertig. Ebenso fertig war allerdings auch ihr Mann.
Eines Morgens stellte ich mich neben ihn und fuhr ihn an, er wisse schon … Der arme Kerl zitterte und schob alles auf sein Weib. Da fragte ich ihn, ob er sie denn aus dem Tagesbruch gezogen hätte. Mir fiel die üble Nacht mit Lisette in dem Loch ein, Panik überfiel mich. Wo ist sie denn, fragte ich, und Hanspeter sagte, sie sei im Stall, könne jeden Moment kommen.“

Da fürchten sich selbst Teufel

„Vor lauter Schreck, also, das ist mir jetzt peinlich, mir ist ein F… entfleucht. Ich bin so schnell verschwunden, wie es nur geht. Erstens war mir das unangenehm, zweitens hatte ich Angst vor Lisette. Da hab ich mich mein Lebtag nicht mehr blicken lassen. Danke, dass du darüber schreiben willst“, beschließt der Teufel seine Erzählung.
„Ich danke dir auch, wann kann man schon mal mit dem Teufel persönlich sprechen.“
Und wenn Sie, liebe Hattinger, durch den Schulenberger Wald gehen und sich fragen, ob schon wieder Halloween ist, dann kann das auch ganz teuflische Gründe haben.

pgs

Ganz privat
Lieblingsmusik: das Knistern der Flammen
Lieblingsfarbe: Feuerrot
Lieblingsessen: in der Hölle Geschmortes
Hobbys: Bauern erschrecken
schönster Urlaub: im Hattinger Stadtwald
beste Eigenschaften: einfach teuflisch

Wir ließen uns im Internet von Hattingen – sagenhaft inspirieren. Karl Vaupel hat die Sache nach einer Überlieferung aus dem Hattinger Land erzählt.