[ Porträt von Jörg Künzel, Pflegedienstleister und Turniertänzer. ]

„Wenn wir Gutes bewirken können, sind wir auch glücklich“

Jörg Künzel

Jörg Künzel

Jörg Künzel

In den freundlichen Geschäftsräumen des Pflegedienstes Künzel an der Marxstraße 37 in Hattingen-Welper konnte man vor kurzem noch Drogerie-Artikel kaufen. Gepflegt ging es hier also schon länger zu. In den allerbesten Händen sind die Kunden nun bei Jörg Künzel und seinem Team, wenn es darum geht, für ein Familienmitglied oder auch sich selbst Rat und Tat rund um die menschliche Pflege zu erhalten.
Von menschlicher Pflege können wir hier im doppelten Sinn sprechen. Erstens pflegt man hier Menschen – und zweitens ist es für Jörg Künzel und seine Mitarbeiter ganz wichtig, bei der täglichen Grund- und Behandlungspflege so menschlich wie möglich vorzugehen.

Kindheitstraum Taxifahrer

„Eigentlich wollte ich als Kind Taxi- oder Busfahrer werden“, lacht der freundliche Inhaber des Pflegedienstes.  Auch mich hat er mit einem Glas Wasser bestens versorgt und erzählt mir nun, wie es dazu kam, dass die Taxen und Busse nun doch ohne seine Hilfe klarkommen müssen.
„Es fing in der Grundschule an“, beginnt Jörg Künzel, 1964 in Hattingen geboren und in Welper zur Schule gegangen. „In der siebten Klasse musste ich Französisch lernen. Sprachen waren nicht so mein Ding, Sport und Naturwissenschaften jedoch auch nicht. Also wählte ich ab dem achten Schuljahr den sozialpädagogischen Zweig.“ Eine gute Idee, wie sich später zeigen sollte.
„Vorgesehen waren Praktika im Altenheim, Krankenhaus und Kindergarten“, erinnert sich Jörg Künzel weiter. „Da ich als Kind einmal mit meiner Mutter eine Bekannte in einem ziemlich, wie ich damals fand, abschreckenden Heim besuchte, wollte ich auf gar keinen Fall in ein solches Haus.“ Und auch seine Eltern, so beschloss er zugleich, sollten dort keineswegs untergebracht werden.

In wenigen Stunden begeistert von der Pflege

Sie ahnen es bereits? Der junge Jörg kam zwar nicht ins Altenheim, praktizierte allerdings im Krankenhaus Niederwenigern – und musste sofort einer Schwester helfen, einen alten Herrn zu waschen. Das war, zugegeben, keineswegs leicht für den Schüler. „Doch schon wenige Stunden später kam der Wandel – ich durfte dem gleichen Mann Essen reichen – zu der Zeit sagte man noch ‚füttern‘ – und war von dieser Aufgabe völlig begeistert. Ich weiß noch genau, was es zu essen gab, es war Spinat mit Rührei!“
Jörg Künzel war so beeindruckt, dass er nach Hause kam und seinen Eltern seinen Berufswunsch Krankenpflege mitteilte. Später arbeitete er freiwillig an so manchem Wochenende in Niederwenigern.
„Vor meiner Ausbildung war ich in Niederwenigern in der Urologie und in der Orthopädie und habe unglaublich viel gelernt. Ausbilden ließ ich mich dann im Bochumer Bergmannsheil“, berichtet Jörg Künzel. „Das war von 1982 bis 1985. Als ich mich in Niederwenigern für die Innere bewarb, wollte ein Kollege von mir in die Psychiatrische. Es kam genau umgekehrt! Mit der Oberin baute ich in einer Woche die gesamte Station auf, die damals neu eröffnet wurde.“

2008 in die Selbständigkeit

„Zwischen den einzelnen Stationen leistete ich dort noch meinen Zivildienst ab. Doch so gut ich mit den Ordensschwestern auch zurecht kam, eine leitende Position konnte ich nicht übernehmen. Die hatte ich dann in einem ganz neuen Altenheim in Gelsenkirchen. Nach zwölf Jahren wurde ich krank und war anderthalb Jahre ‚außer Gefecht‘.“
Nach ambulanten Pflegeeinsätzen fragte sich Jörg Künzel Ende 2007, wie es denn nun mit ihm weitergehen solle. Also rief er kurzerhand die AOK an, um sich zu erkundigen, wie er einen eigenen Pflegedienst auf die Beine stellen könne. Was Jörg Künzel macht, das macht er gründlich: er war der Erste, der alle Unterlagen komplett hatte laut BKK Landesverband!

Mit sieben Patienten angefangen

„Angefangen haben wir 2008 mit sieben Patienten“, beschreibt er den Beginn seiner Selbstständigkeit. „Das erste halbe Jahr war schwer. Wer sagt mir denn, dass Sie in einem halben Jahr noch da sind, fragten sich manche Kunden.“ Zum Glück konnte Jörg Künzel überzeugen: „Der siebte Monat war dann endlich gut. Und im ersten Jahr haben wir den Umsatz um 237 Prozent gesteigert.“ Das erste Personal stellte er nach drei Monaten ein; jetzt gehören 19 Mitarbeiter zum Team Künzel.
„Wir sind ein Wald- und Wiesen-Pflegedienst“, erklärt mein netter Gesprächspartner. „Grund- und Behandlungspflege sowie Betreuung haben wir ihm Angebot.“ Eigentlich wollte er an der Marxstraße Tagespflege betreiben. Das ist räumlich nicht möglich, doch Tagesbetreuung schon: ein 35 Quadratmeter großes Wohnzimmer, eingerichtet ganz wie zu Hause, beherbergt zweimal wöchentlich Gäste, die es sich bei Jörg Künzel und Kollegen gut gehen lassen.

Ein wohlverdienter guter Ruf

Eingezogen sind sie Ende Oktober 2011. Die Hauptaufgabe des Inhabers ist inzwischen natürlich die Administration. Ist Not am Patienten, hilft er auch bei der Pflege, betreut aber auch zwei Kunden selbst. „Meine Stellvertreterin kümmert sich um das Qualitätsmanagement und nimmt mir überhaupt viel ab“, lobt er sie. Gemeinsam „pflegen“ sie die Mitarbeiter. „Nicht immer sind wir einer Meinung“, sagt Jörg Künzel, „doch wir einigen uns immer und ziehen an einem Strang. Das überträgt sich auch auf das Team.“ Und auf die Patienten, versteht sich.
„Menschlichkeit, die man spürt“ ist eben keine werbende Worthülse, sondern wird hier gelebt.
„Wir haben fest zugeordnete Patienten, das ist die so genannte Bezugspflege. Früh- und Spätdienstmitarbeiter kommunizieren ständig miteinander.“ Ich dachte, das sei selbstverständlich, erfahre aber, dass dem nicht so ist.
„Der Ruf, den wir uns erschaffen haben, ist mehr als positiv“, freut sich Jörg Künzel.

Von Schalke und Turniertanz

Wenn es sich ergibt, ist er auch für ungewöhnliche Aktionen zu haben. So waren sie mit einem alten Herrn auf Schalke, der so gerne einmal die Arena sehen wollte. In Jörg Künzels Büro hängt ein Bild, das ihn im Schalke-Trikot vor seinem Privatwagen zeigt. „Das ist damals entstanden“, lächelt er, der eigentlich mit Fußball nicht so viel am Hut hat. „Und der Aufkleber ist nur auf dem Glas, nicht auf meinem Auto. Das war ein Scherz einer Kollegin.“ Hier ist also auch das Betriebsklima gut gepflegt. „Der Mann war glücklich bis zum Geht-nicht-mehr.“
Andere glücklich zu machen  ist für Jörg Künzel sowieso lebensnotwendig. „Ich will für die Patienten da sein, etwas bewirken. Wenn alte und kranke Menschen zu Hause bleiben können, dann ist viel gewonnen.“
Und wie pflegt Jörg Künzel seine eigene Kraft? Er ist begeisterter Tänzer, wollte mit 18 sogar Tanzlehrer werden. Das war seinerzeit zu kostspielig, und so wurde er „nur“ aktiver Turniertänzer in der zweiten Bundesliga, Formation Standard. Als lizenzierter Turnierleiter moderiert er aber regelmäßig beim Tanz-Turnier-Club ROT-WEISS-SILBER Bochum e.V. „Das ist nur sieben Kilometer entfernt und lässt sich ganz gut einrichten.“ Neben dem Tanzen erholt er sich gemeinsam mit seiner Mutter im Wohnwagen am Harkortsee. Eines liegt ihm noch am  Herzen: „Ich habe alles meinen Eltern zu verdanken.“  Diesem Schlusswort fügen wir nur noch hinzu: Weiterhin frohes Pflegen und viele glückliche Patienten!

pgs

Ganz privat
Lieblingsmusik: Standard – wie der Tanz
Lieblingsfarbe: „ich habe einen Rot-Knall“
Lieblingsessen: Currywurst mit Pommes
Hobbys: Camping, Tanzen
schönster Urlaub: Fuerteventura
beste Eigenschaften: vielseitig