Die Verdienstmedaille für das Multitalent Elfriede Dargatz

Elfriede Dargatz

Elfriede Dargatz

Und wie sie konnte und noch kann! Korrekt heißt es übrigens: Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, was eine der vielen Stufen des Bundesverdienstkreuzes ist.

Dem Bürgermeister Rudolf Jelinek sollte bei der Verleihung gleich klar werden, wen er da im Auftrag des Bundespräsidenten ehrte. Korrigierend und ergänzend griff die 83-Jährige immer mal wieder in die Laudatio ein. Geboren als erstes von fünf Kindern machte sie nach der Schule zunächst eine Lehre bei der Stadtverwaltung Essen und stieg später von einer „einfachen“ Avon-Beraterin zur Support-Managerin, zuständig für die Prüfung und Einstellung von neuen Mitarbeiterinnen, im Unternehmen auf. 1953 zog sie mit Ehemann Alfred und ihrer Tochter nach Überruhr, zwei weitere Kinder wurden geboren, denen sieben Enkel und drei Urenkel folgten. Zeitgleich mit der Kindererziehung und ihrer Berufstätigkeit pflegte sie rund 13 Jahre ihren Schwiegervater und später über sechs Jahre bis Mitte der neunziger Jahre ihren Ehemann. Kein Wunder, dass dabei für Urlaub keine Zeit blieb. Bis zur Silberhochzeit sollte es dauern. 1996 trat sie in die Arbeiterwohlfahrt ein und leitete bereits ein halbes Jahr danach einen Club. Der Anfang war schwer, denn ihre neuen Ideen trafen nicht bei Jedem auf Gegenliebe. Doch ihr Organisationstalent, die zupackende Art und ihre Fähigkeit, zu führen, lies die Kritiker schnell verstummen. Alle ihre Aktivitäten hier aufzuführen, würde, um es mal gesangstechnisch zu sagen, auf einem Atem unmöglich sein. Wo wir dann auch passend dazu beim Singen wären. Seit 31 Jahren ist sie Mitglied im Chor der evangelischen Kirchengemeinde Von 2005 bis 2009 leitete sie den AWO-Singkreis, der unter anderem auch beim Chor- und Musikfestival während der Kulturwoche Überuhr auftrat. Gedächtnistraining, Theateraufführungen, Wanderungen, Ferienfreizeiten und Feierlichkeiten zu jeder Gelegenheit und Jahreszeit gehören ebenfalls zu ihrem Spektrum. Letztere finden im Wesentlichen in dem von ihr 2000 gegründeten Seniorenclub statt. Hier standen auch die Gratulanten Schlange, als sie am Freitag nach der Verleihung im Regenbogenhaus eintraf. Apropos Freitag. Sie hatte im Rathaus darauf bestanden, dass die Verleihung keinesfalls an diesem Wochentag stattfinden könne. Der Club gehe vor. Der Bürgermeister folgte ihr gerne. Was machte diese Frau eigentlich in ihrer so genannten „Freizeit?“ „Weißt du, wenn im Sommer vier Wochen lang nichts stattfindet, fange ich an, mich zu langweilen,“ war die charakteristische Antwort auf meine abschließende Frage.

eak