[Portrait von Schulleiterin, Russisch-Expertin und Optimistin Gabriele von Heymann.]
Der Großvater war schuld – und Dostojewski
Gabriele von Heymann
„Vor allem bin ich verantwortungsbewusst – und auch immer optimistisch.“
Die rheinischen Wurzeln lassen sich eben nicht verleugnen. Geboren am 2. August 1954 in Köln-Riehl, empfand die großstädtisch geprägte Schülerin den Umzug mit ihren Eltern nach Engelskirchen ins Bergische Land „beinahe als Strafversetzung“. An jedem Wochenende pendelte sie also in ihre Geburtsstadt, um (unter anderem) in der dortigen Lotto-Zentrale unzählige Gewinnscheine auszuwerten (und dabei das eigene Taschengeld völlig risikolos aufzubessern). Das Abitur hat sie zwar 1973 in Engelskirchen absolviert, doch schon zog es die angehende Studentin wieder zurück an den Rhein. Französisch und Russisch, dazu Philosophie und Pädagogik, waren die Fächer der Wahl, woran Großvaters Literatursammlung nicht ganz unschuldig war. „Mit Dostojewski bin ich erstmals eingetaucht in die faszinierende Welt russischer Kultur. Und diese Leidenschaft ist bis heute geblieben.“ Nach Lehrveranstaltungen im „slawistischen Seminar“ beispielsweise hörte man dann gerne Duke Ellington oder bereitete sich auf eine Demonstration vor. „Wir waren politisch ziemlich engagiert, gegen Atomenergie bin ich übrigens heute noch, die Risiken sind meiner Meinung nach nicht einschätzbar“, so die bekennende Sozialdemokratin.
Die „rasende Lehrerin“
Die Referendarzeit führte die Lehramtsanwärterin zunächst nach Leverkusen, es folgte der Ruf an die Luisenschule nach Essen. Der Bedarf an Französisch- oder Russischunterricht war zu der Zeit allerdings noch gering, das erste Angestelltenvertragsangebot stellte von Heymann gleich vor eine organisatorische Herausforderung. „Ich hatte den „Zentralkurs Russisch“ für die ganze Stadt zu übernehmen. Schüler aus zwanzig Gymnasien kamen nachmittags für je drei Stunden zusammen. Dass Russisch an der Luisenschule zum Abiturfach wurde, habe ich damals initiiert“, sagt sie nicht ohne Stolz. „Nach Einstellung der Zentralkurse 1985, inzwischen war ich bereits einige Jahre verbeamtet, konnte ich endlich vormittags unterrichten und bekam so auch zum ersten Mal regelmäßig alle Kollegen zu Gesicht. Um den Bedarf im Fach Russisch abzudecken, musste ich 1999 parallel am Mädchengymnasium Borbeck unterrichten. Die Hin- und Herfahrerei zwischen den Arbeitsstätten hat den WDR seinerzeit zu einer Reportage inspiriert. Sie hieß „Der rasende Lehrer“ und war tatsächlich schnell „versendet“, erinnert sich die Pädagogin mit gemischten Gefühlen. Wirklich rasant war allerdings die weitere Karriereentwicklung. 2003 wurde von Heymann stellvertretende Schulleiterin an der Alfred-Krupp-Schule in Frohnhausen, seit 2006 leitet sie die Geschicke am Gymnasium Essen-Überruhr – kurz GEÜ genannt. „Ich bin jetzt am Ziel meiner Wünsche angekommen“, bringt sie ihre Sympathie für die Ruhrhalbinsel auf den Punkt. Mit Ehemann Winfried, ebenfalls Pädagoge, lebt sie am Stadtwald unweit ihres Arbeitsplatzes (und wundert sich so täglich über die Beschaffenheit der Frankenstraße).
Das Projekt
Aber so ganz wunschlos ist man dann ja doch nie. So liegt ihr die Weiterentwicklung des GEÜ zur modernen, zeitgemäßen Ganztagschule am Herzen: „Das GEÜ ist – wie der Frühaufsteher selbst miterleben konnte – seit der Gründung komplett umgekrempelt worden, wobei sich die Stadt Essen immer verantwortungsbewusst gezeigt hat. Die Kosten für einen notwendigen Neubautrakt wurden mit Hilfe des Konjunkturpaketes II geschultert. Dabei werden auch die Erfordernisse einer gebundenen Ganztagsschule berücksichtigt. Wenn aber die Schüler den ganzen Tag bei uns sind, dann muss Schule zum Lebensraum werden, und dazu gehört insbesondere für junge Menschen Bewegung. Unter dem Slogan „Bewegte Schule“ wollen wir dafür einen Außenbereich schaffen, schülerorientiert und ökologisch nachhaltig gestaltet, wie es sich für eine UNESCO-Schule gehört. Und deshalb stellt sich jetzt die 100.000 Euro-Frage. Denn soviel Geld wird benötigt, um unsere „Wunschrealisierung“ finanzieren zu können. Die Anregungen zur Gestaltung des Geländes stammen von Kunst-Schülern des GEÜ und sind von den von der Stadt beauftragten Landschaftsarchitekten in die Planungen einbezogen worden. Schließlich wollen wir nicht irgendein Stück Land begrünen. Nur leider fehlt das Geld.“
Unser Gymnasium
Um die wirklich gelungenen Gestaltungspläne in die Tat umsetzen zu können, sind Lehrer, Eltern, Schüler, Ehemalige und alle engagierten Mitbürger gleichermaßen gefordert. Und natürlich auch Frühaufsteher. Deshalb unsere Bitte: Helfen Sie mit beim Projekt „Bewegte Schule“. Spenden können Sie unter dem gleichnamigen Stichwort auf das Konto 136 55 16 bei der Sparkasse Essen, BLZ 360 501 05, einzahlen. Die Ruhrhalbinsel hat 27.000 Haushalte. Wenn jeder Haushalt nur 4 Euro „opfert“, ist das Problem gelöst. (Da hat der Mathe-Unterricht am GEÜ sich doch noch gelohnt.) Und so ganz nebenbei würde sich der Leitspruch der unermüdlich-optimistischen Schulleiterin Gabriele von Heymann bestätigen: „Et hätt noch immer jot jejange“.
sk

