Ein flotter Japaner mischt die Mittelklasse auf
Preisgünstige Kleinwagen, Jeeps und Motorräder verbinden die meisten mit der Marke Suzuki. Mit dem Kizashi wollen die Japaner in Deutschland die Mittelklasse erobern. Hat die 4,65 m lange Sport-Limousine das Zeug dazu?
Auf der Essen Motor Show 2010 fand der Kizashi erste Bewunderer. „Viele Besucher blieben stehen und betrachteten ihn von allen Seiten, fast so, als könnten sie es nicht glauben, dass er rundherum gut aussieht. Ein sportlich-eleganter, top-ausgestatteter Suzuki – das war ein Magnet!“, berichtet André Gerschermann beim Frühaufsteher-Portrait. Der Essener Vertragshändler ist überzeugt, dass die neue Limousine ein Trumpf ist. „Und den Händlern sicher einige neue Kunden bescheren wird“.
Wir begegnen dem Kizashi im Autohaus an der Ottilienstraße. Schwarz, breit und stark parkt er neben zierlichen Kleinwagen und blickt uns dynamisch lächelnd entgegen. „Wann darf ich endlich auf die Straße?“, scheint er zu fragen. Auf der Autobahn möchte der 178 PS-Asiate sprinten. Kaum erwarten kann er den Vergleich mit Konkurrenten wie Peugeot 407, VW Jetta, Mazda 6, Opel Astra Sports Tourer, Skoda Octavia und Audi A4. Sogar dem 3er BMW will es die schicke Limousine zeigen. „Im Rückspiegel erkennt ihr mich an der tiefen Frontlippe, ich schnuppere den Asphalt. Beim Überholen zeige ich meine dicken Backen, die schicken, serienmäßigen 18-Zoll-Leichtmetallfelgen und den 2,70-Meter-Radstand. Ich beweise meine Kraftreserven. Bin ich eingeschert, bewundert die beiden dreieckigen Auspuffendrohre unter meinem wuchtigen Stufenheck. Ein kurzer Wink mit dem Spoiler, dann will mein drehmomentfreudiger 2,4-Liter-Vierzylinder unter der Haube aber weiter und wuuuumm – schon bin ich weg!“
An Selbstbewusstsein fehlt es dem Fronttriebler nicht. Schon sein Name verheißt Außergewöhnliches. „In Erwartung großer Dinge, Vorgeschmack auf etwas Großes“ bedeuten die Silben. Den Japanern sei Dank! Der Name lässt sich diesmal erstaunlich leicht aussprechen, erst „Ki“ (ohne ein „a“…), dann „zashi“ (wie „sushi“, nur eben mit einem „a“). Fertig! Ohne langes Geqashqai oder Gequatsche, mit dem uns andere den Alltag erschweren. Wie heißt der Wagen noch? Dass Papa jetzt einen Kizashi fährt, kann Erna schon im Kindergarten aussprechen. Nicht nur das: Im geräumigen Fond des Viertürers fährt sie bequem und sicher mit. „Unter meinem Kofferraumdeckel habe ich Platz für 461 Liter Gepäck. Skier und andere sperrige Dinge transportiere ich mit umgeklappter Sitzbank“, flüstert uns der Neue aus Nippon zu. Als Kombi-Variante, die geplant ist, würde er uns für Familien noch besser gefallen. Zwei Ausstattungsvarianten stehen zur Wahl, dann ist der Kizashi bestellt. Mit oder ohne Allrad-Antrieb lautet die Frage. Preislich liegen 3.000 Euro dazwischen.
Wir nehmen auf dem sportlichen Fahrersitz Platz. „Mein maximales Drehmoment liegt bei 230 Newtonmetern. Ich erreiche es bei 4.000 Umdrehungen in der Minute“, hören wir den höflichen Japaner reden, als wir das Multifunktionslenkrad umfassen. Mit dieser Power beschleunigt er in 7,8 Sekunden von Tempo 0 auf 100 km/h. Als Höchstgeschwindigkeit gibt Suzuki 215 km/h an. Der Verbrauch soll bei 7,9 Liter Benzin für 100 Kilometer liegen, was einem CO2-Ausstoß von 183 g/km entspricht. Sportliche Paare oder viel reisende Alleinfahrer werden sich auf den langen Probefahrtlisten eintragen. „Schon jetzt ist die Nachfrage groß“, weiß Gerschermann.
Sein Urteil: „Der Kizashi ist einfach klasse, innen wie außen!“ Nicht alle Suzukis schloss er gleich derart ins Herz, beim knackigen Sportler aber war es Liebe auf den ersten Blick. Echter Wermutstropfen: An Sonderausstattung und Zubehör lässt sich wenig verdienen, der Kizashi ist von Hause aus für unter 30.000 Euro fast komplett. Komponenten wie das elektronische Stabilitätsprogramm ESP, Zweizonen-Klimaautomatik, Xenon-Scheinwerfer, sieben Airbags, schlüsselloses Zugangssystem oder elektrisch einstellbare und beheizbare Ledersitze suchen wir vergebens im Katalog. „Alles an Bord“, verrät Gerschermann und lächelt zufrieden. Einzig der Metallic-Lack (490 Euro extra) und das passende Einbau-Navi von Pioneer (rd. 1600 Euro inkl. Montage) müssen oben drauf gerechnet werden. Frühaufsteher-Fazit: Der Kizashi bietet eine gute Balance zwischen Preis und Nutzwert und muss damit die Konkurrenz nicht fürchten. Sein dynamisches Styling macht ihn zum attraktiven Hingucker, der nicht zuletzt durch eine üppige Ausstattung überzeugt.
addi

