Rektor Holger Papieß liebt es rundum bunt: James Rizzi verzierte seinen Wagen
Es ist Freitag, als wir Holger Papieß (44) in seinem Büro an der Alten Hauptstraße treffen. Er telefoniert. „Einen Moment noch, bitte!“ Eine anstrengende Woche liegt hinter dem Schulleiter. Gerade sind die neuen Stundenpläne raus, beginnen die Vorbereitungen auf die Qualitätsanalyse. Halt! Jetzt ist Wochenende, Zeit für Familie, Hobbys und „Frühaufsteher“. Im Garten blühen die ersten Blumen. Scheint dann die Sonne, gibt es nichts Schöneres als eine Landpartie mit dem Käfer-Cabrio.
Der Rektor der Städtischen Grundschule Burgaltendorf liebt den Volkswagen-Klassiker. Schon als Junge nahm er gern in Opas „Auto zum Knuddeln“ Platz, genoss das Knattern des Motors und begeisterte sich für „die schöne runde Form“ des Wagens. „Später schenkte mir mein Großvater viele Ersatzteile, die ich für meine Autos gut gebrauchen konnte“, erzählt Papieß beim Redaktions-Besuch.
Gleich mit 18 machte der gebürtige Rheinländer den Führerschein – wie damals so üblich – und erwarb für 250 DM („alles selbst verdient!“) sein erstes Auto. Natürlich einen Käfer. „Für das Geld kriegt man heute gerade eine Inspektion“, fügt er hinzu. Von den Spritpreisen ganz zu schweigen … 1985 verkündete Wolfsburg das Ende der deutschen Käfer-Produktion. 1986 machte Papieß Abitur am Gymnasium Essen-Überruhr und stieg um ins Karmann-Cabrio mit Stoffverdeck. Der heutige Oldtimer begleitete ihn von 1988 bis 1992 durchs Studium in Essen. 1997, hübsch herausgeputzt, war er für Anja (ebenfalls Lehrerin an einer Grundschule) der Brautwagen. Das treue Gefährt ersetzte beiden Töchtern Lea (8) und Amelie (5) in den ersten Lebensjahren die Wiege. Klarer Fall: Der alte Wolfsburger gehört zur Familie. Das besiegelt ein Emaille-Schild in der beheizten Garage.
Der lange Winter konnte dem gut gepflegten 50-PSler nichts anhaben. „Das ist das Schöne an diesem Auto!“, lobt ihn sein Besitzer. „Man lädt nur eben die Batterie etwas auf, zweimal zünden, dann ist er wieder flott.“ Es ist wie im wohl bekanntesten Käfer-Werbe-Slogan: Er läuft und läuft und läuft … Die robuste Technik machte das deutsche Erfolgsmodell weltweit beliebt. Falls das Cabrio doch einmal streikt, kümmert sich Kfz-Meister Karl-Heinz Scheppein von der Total-Tankstelle im Deipenbecktal um das Schätzchen. „Er hat bei VW gelernt und kennt den Käfer noch in- und auswendig. Er kann jede Schraube besorgen!“, so Papieß.
Für einen Sammler ist ein Käfer zu wenig. Ein zweiter musste her. 2008 bekam das Cabrio einen modernen Bruder, einen New Beetle mit Blechdach, Zahlenmuster-Sitzpolstern („Mathe ist mein Lieblingsfach!“) und Blumenvase am Armaturenbrett. Der Knallrote im Retro-Look gefiel auf Anhieb, ebenso die Bilder von James Rizzi. „Seine Werke habe ich zuerst 1987 in der Galerie am Stern in Rüttenscheid gesehen.“ Der 1950 in New York geborene Künstler ist für seine fröhlich-bunten Motive bekannt, die nicht nur Leinwände zieren. Neben Telefonkarten und Briefmarken gestaltete er unter anderem die Außenhaut einer Boing 757, eine Kühlschranktür, ein 15-bändiges Lexikon, Porzellan, Platten- und CD-Cover. Für Volkswagen designte Rizzi 1999 drei New Beetle. Auf Papieß Oldtimer hinterließ der „Hundertwasser von Manhattan“ im Mai 2008 zwei seiner berühmten Love Birds – samt Unterschrift. „Rizzi hatte wieder eine Ausstellung in Rüttenscheid. Ich habe ihn einfach gefragt, ob er mir mein Auto signiert.“ Überwältigt von dieser Spontanität zückte der Künstler den Stift und erfüllte den Wunsch. Damit das seltene Andenken nicht der nächsten Wäsche zum Opfer fiel, ließ es der Lehrer durch eine Lackschicht schützen.
Zum Frühling gehört für ihn die „Techno Classica“. Wenn die Essener Messe vom 30. März bis 3. April zum 23. Mal ihre Tore öffnet, bewundert er am Stand von Brabus die Mercedes-Klassiker. Das Mekka für Oldtimer- und Classic-Fans lockt Besucher aus aller Welt ins Ruhrgebiet. Als Aushilfe beim Security-Service jobbte er als Student oft in der Messe, am liebsten auf der „Techno Classica“ und der „Essen Motor-Show“. „Wenn keine Besucher da waren, durfte man ganz nah an die Fahrzeuge heran“, erinnert er sich. Einmal konnte er sogar in einen Rolls Royce der englischen Königin steigen. Ein Highlight für jeden Autofreund! Käfermodelle in allen Farben und Größen schmücken sein Haus. „Was hier zuviel war, steht in der Schule“, sagt Ehefrau Anja (40). Hinzu kommen etliche Bücher, Plakate und Kurioses wie ein Aschenbecher in Käfer-Form mit eingebautem Dunstabzug.
Von den Kult-VWs kann der Autofan nicht genug bekommen. Die morgendlichen Blechlawinen vor Schulbeginn auf der Alten Hauptstraße bereiten ihm allerdings Sorge: Verkehrschaos, weil viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen und gegenüber parken. Hier müsste dringend ein Zebrastreifen oder eine Insel zum sicheren Überqueren her. Schule und Eltern fordern es schon lange. Papieß: „Die Ampel an der katholischen Kirche liegt zu abseits!“
addi
Ganz privat
Lieblingsmusik: Queen
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: Rheinischer Sauerbraten
Hobbys: Gartenarbeit, FC Schalke 04, Radfahren
schönster Urlaub: Immer wieder Nordsee
beste Eigenschaften: Optimismus und Lebensfreude

