Dat Frühaufsteher-Spätzial
Wir schreiben dat Jahr 2011 nach Christus. Ganz Bayern is von den „Kunden“ des Marktführers FC Hollywood besetzt … Ganz Bayern? Nö, schief gewickelt! Ein von unbeugsamen „Pottkindern“ besiedeltes Dorf hört nich auf, den Lederhosen Widerstand zu leisten. Und eins is ma sicher: Tief im bayrischen Wald – im beschaulichen Bodenmais – isset nich leicht für die Anhänger des großen FCB.
In Bodenmais regieren zwar auch die Farben Rot und Weiß, allerdings – für uns Essener – auf eine angenehme Weise. Wer vor kurzem noch dachte, die Bayern ham alle nen komischen Geschmack, weil sie ihre Würste auslutschen und dabei komplett auf Currysoße und Pommes verzichten, der sollte sich die folgenden Zeilen genau durchlesen!
Denn ob Ihr et glaubt oder nich, in Bodenmais hamse nen RWE-Fanclub gegründet, und dat wiederum zeugt durch meine Brille geguckt, von nem guten Geschmack!
Mir selber is auch erst die Kauleiste runna geklappt, als ich Wind von die Schose bekommen hab. Ich dachte: „Getz wollnse uns veräppeln, die Zipfelklatscher!“. Aber is nich, dat is ernst gemeint!
Angefangen hatte alles damit, dat Bodenmais vor einigen Jahren zum „offiziellen Ferienort“ von RWE wurde. Auch in Zeiten der Insolvenz, als et so richtich dreckich um unsren RWE stand, blieb Bodenmais ein starker Partner von unsre Roten. Alleine dat is ja schon knorke!
Getz kam et so, dat nen Fan bei uns im Stadionheft (die „Kurze Fuffzehn“, auch da kann man meine geistigen Ergüsse lesen) von dem kleinen Städtchen gelesen hat und direkt ma im Urlaub vor Ort die Lage gecheckt hat. Und weil wir Jungens ausm Pott immer wat zu meckern brauchen – auch wenn der Urlaub allererste Sahne is – gab et ne Beschwerde an die „Passauer Neue Presse“! Weil et keinen Spielbericht von RWE inne Zeitung gab!
Wer getz aber dachte, dem dortigen Chefredakteur fällt dat Kruzifix vonne Wand bei so eine bekloppte Beschwerde, der weis nich, wo in Bodenmais der Frosch die Locken hat! Kerl inne Kiste, ich sach Euch, die haben dat direkt in ihre Agenda aufgenommen und quasi ganz nebenbei mit dem Bürgermeister nen Fanclub gegründet!
Auch den Zeitpunkt hätte man nich besser wählen können, denn Waldis Wilde Fußballkerle haben letztens den Aufstieg in die Regionalliga klar gemacht. Mit dem 2:1 über die Sportfreunde Siegen gibbet nämlich nix mehr dran zu rütteln – RWE hat einen der beiden Aufstiegsplätze im Sack! Und wenn dann am letzten Spieltag gegen Fortuna Köln die Fanclub-Abgeordneten aus Bodenmais in Essen sind, um den Fanclub den vielen tausend Bekloppten im altehrwürdigen Georg-Melches-Stadion vorzustellen, wird sich bestimmt der eine oder andere dazu entscheiden, seinen nächsten Urlaub im Bayerischen Wald zu verbringen.
Ich und meine Uschi, wir überlegen auch schon, ob wir mal da hin fahren. Und wenn ich da keine Currywurst mit Pommes rot-weiss bekomme, schreib ich einfach ne Beschwerde an den örtlichen Gastronomieverband!
Bis et soweit is, kauf ich mir meinen Manta-Teller in der örtlichen Fritten-Ranch und feier noch nen paar Spieltage den Aufsteig meiner Roten.
Wir sehn uns anne Hafenstraße 97a.
Nur der RWE
Hintergrund-Info
Name: Christian Ruthenbeck
Alter: 29 Jahre, geboren in Essen, aufgewachsen in Stadtwald, wohnhaft in Altendorf. Seit über 20 Jahren treue RWE-Seele. Seit 5 Jahren arbeitet er in der Mobilfunkbranche im Servicebereich als Kundenbetreuer und seit Februar 2010 ehrenamtlich bei Radio Hafenstrasse.
www.radio-hafenstrasse.de
Zur Erklärung
Opa Luscheskowski ist eine fiktive Urgestalt des RWE-Fans. Ob am Tag der eigenen Goldenen Hochzeit oder während des Urlaubes – Opa Luscheskowski besuchte jedes RWE Spiel. Die Kolumne „Dem Opa sein Enkel – ein Blick durch die Rot-Weisse Brille“ erscheint seit August 2010 auf der Internetseite des privaten Web-Radios „Radio Hafenstrasse“, für das der Autor Christian Ruthenbeck ehrenamtlich in der Redaktion und als Live-Moderator tätig ist. Seit Beginn des Jahres ist die Kolumne auch in der Vereinszeitschrift von Rot-Weiss Essen „Kurze Fuffzehn“ zu lesen.

