Zechen, Ballone, Sprachrohr für Senioren und der eigene Stammbaum – Walter Müller hat viel zu erzählen

Walter Müller

Walter Müller

Walter Müller. Mit Verlaub, Herr Müller, ein Allerweltsname. Doch was sich so alles hinter der Person Walter Müller verbirgt, das kam für den Frühaufsteher in einem langen Gespräch zum Vorschein. Walter Müller hat viel zu erzählen. Und das macht er gern und mit viel Enthusiasmus. Der 72-Jährige hat viel erlebt – in positiver und negativer Hinsicht – und auch in Zukunft noch vor, weiter sehr aktiv zu sein.
Geboren in Calbe an der Saale kam Müller mit knapp 18 Jahren ins Ruhrgebiet. Dort nahm er den damals üblichen Weg vieler junger Männer: Berglehrling, Bergknappe, Hauer, Sprengmeister, Grubensteiger – im Braunkohlen- und Steinkohlenbergbau. Bis zum Jahr 1965. Ein großer Grubenbrand, der viele Opfer forderte, darunter auch zahlreiche Mitarbeiter der Grubenrettung, machte es nötig, dass für diese verantwortungsvolle Aufgabe Nachwuchs gesucht und rekrutiert wurde. Bei damals 153 Schachtanlagen in Betrieb passierte viel – Walter Müller wurde dazu angehalten und auch von seiner Überzeugung geleitet, nun bei der „Rettung“ seinen weiteren Weg zu gehen. So sammelte er in den nächsten Jahren Fachwissen (unter anderem als Strahlenschutzbeauftragter, Diplom-Ingenieur bei der Hauptstelle für das Grubenrettungswesen, Berater im englischen und indischen Bergbau, wo er insgesamt 47 Schachtanlagen befuhr), verrichtete umsichtig und engagiert seine Arbeit und wurde zum leitenden Angestellten. Unter anderem belohnt für seine besonderen Verdienste durch das Ehrenzeichen in Silber der Bundesrepublik Deutschland, verliehen von Bundespräsident Gustav Heinemann im Jahr 1973, die Ausführung in Gold folgte 1977 aus den Händen von Walter Scheel.
Doch 1975 passierte dann, was in einem solchen Beruf nicht auszuschließen ist: Eine Formaldehyd-Vergiftung, die ihn zwang, seine Tätigkeit unter Tage zu beenden. Doch an der Erdoberfläche zurück, war er noch bis 1986 im aktiven Dienst tätig, unter anderem als Sachverständiger des Landes im Oberbergamt Dortmund.
Aber schon, nachdem er Mitte der 70er-Jahre der Arbeit unter Tage Lebewohl sagen musste, erfasste ihn ein ganz anderer Virus, der ihn hoch hinaus führen sollte: Der Luftsport, genauer formuliert das Ballon fahren. 1977 stieg er erstmals auf, ab 1981 konnte er sich Pilot für Gas- und Heißluftballone nennen. Und auch in diesem Bereich ging es stetig nach oben (nicht nur im Korb) und viel herum – von Mexiko und Japan angefangen, bis hin zu Kanada und Skandinavien: Walter Müller wurde unter anderem Präsident des Deutschen Freiballonsport Verbandes, Präsident des Deutschen Aero Clubs und Fluglehrer. Er organisierte Weltmeisterschaften und kam bei diesen Gelegenheiten mit vielen Menschen zusammen, die sich ebenfalls dem Ballonsport verschrieben hatten: Wie dem US-Verleger Malcolm Forbes und seiner damaligen Lebensgefährtin Elizabeth Taylor, dem Fußball-„Kaiser“ Franz Beckenbauer, aber auch mit der bundesdeutschen Polit-Prominenz, der er vor allem auf zahlreichen Kanzler-Festen begegnete, an denen regelmäßig Ballone in die Lüfte stiegen.
Und so beschreibt er neben dem Reiz, „sich in der Luft mit der dritten Dimension auseinandersetzen zu können und nur vom Wind getrieben zu werden“, das Besondere am Ballonfahren mit der Möglichkeit zahlreicher neuer Bekanntschaften: „Man lernt viele Menschen kennen, da wo man landet.“ Auch Beruf und Hobby verstand Müller zu verbinden: So richtete er auf vielen Zechenanlagen Hubschrauberlandeplätze ein, um im Notfall für eine schnelle Behandlung von Verletzten sorgen zu können.
Und was macht Walter Müller, der seit 1973 in Heisingen beheimatet ist, heute? Neben seiner Tätigkeit als sachkundiger Bürger für die FDP ist er verantwortlich für die Produktion eines vom Seniorenbeirat herausgegebenen Magazins für die älteren Menschen in der Stadt: Essen. On Top. „Wir sehen uns als Sprachrohr des Seniorenbeirates und wollen interessant sein für 25 Prozent der Essener Bevölkerung, die in einem Alter ab 60 Jahren aufwärts sind“, beschreibt Müller die Ziele des vor einigen Wochen erstmals und nun alle vier Monate erscheinenden Magazins. Auch dort wird Walter Müller seine Spuren hinterlassen. Denn hinter diesem Allerweltsnamen verbirgt sich ein hochinteressanter Mensch.

greis

Ganz privat
Lieblingsmusik: Meine Frau Heike und ich haben ein Abo in der Philharmonie. Ich höre sehr gern Sinfoniekonzerte und bin ein Fan der Dresdener Semper-Oper.
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: Salate aller Art, am liebsten mit Kürbisöl.
Hobbys: Ich habe mich eingehend mit meinem Familienstammbaum beschäftigt, meine Recherchen reichen bis ins Ende des 18. Jahrhunderts zurück, hauptsächlich durch die Eintragungen in Kirchenbüchern. Ich habe sogar ein eigenes Wappen entwickeln lassen.
schönster Urlaub: Da kann ich eigentlich sagen: Die ganze Welt. Aber ganz besonders: Bad Wörishofen mit dem Ballon.
beste Eigenschaften: Ich bin immer zukunftsträchtig ausgerichtet. Stehenbleiben bringt nichts.