Elisabeth Gibas setzt sich für Menschen, Tiere und Pflanzen ein
„Wenn ich für alle Ehrenämter bezahlt würde, wäre ich längst Millionärin“, sagt Elisabeth Gibas und lacht. Die gelernte Erzieherin und Mutter von vier Kindern engagiert sich regelmäßig für den Tierschutz, betreut Senioren und ist in der Kirche ökumenisch aktiv. In Heisingen, wo die Emsländerin seit fast 30 Jahren lebt, stellt sie am 19. Juni mit Pfarrerin Sabine Grüneklee-Herrmann den 7. Tierschutzgottesdienst auf die Beine.
Dann versammeln sich auf dem Platz neben der Pauluskirche in Heisingen um 10 Uhr junge und alte Tierfreunde und halten unter dem Motto „Brennpunkt Schöpfung“ einen ganz besonderen Gottesdienst ab. Hund, Katze, Kaninchen oder Meerschweinchen – Vierbeiner aller Art sind willkommen. „Sofern es für die Tiere keinen Stress bringt, dürfen sie gern mitgebracht werden“, sagt Elisabeth Gibas (54) beim Frühaufsteher-Interview. Fest steht: Pudeldame Colin sowie Pfarrers Dackel Pauline sind mit von der Partie. Das Thema ist aktuell. „Es geht in Zeiten von Fukushima um den Umgang mit der Erde, um die Ehrfurcht vor dem Leben und darum, was der Einzelne für Mensch, Tier und Pflanze tun kann.“
Schon rund 20 Jahre mischt sie kräftig bei den Vorbereitungen zum Weltgebetstag der Frauen mit und gehört der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) seit 25 Jahren an. Viele Jahre leitete sie verschiedene Kindergruppen und arbeitete in der örtlichen Tierarztpraxis. Seit 1995 setzt sie sich offiziell für den Tierschutz im Albert-Schweitzer-Tierschutzverein Groß-Essen ein, ab 2009 ist sie im Vorstand. Privat haben bereits einige Nager, Katzen, Schildkröten und Hunde den Alltag der großen Familie bereichert. Vier mittlerweile erwachsene Kinder wuchsen mit Haustieren auf und lernten früh den verantwortungsvollen Umgang damit. „Leider ist nicht jedem klar, dass Tiere regelmäßig Pflege und Zuwendung und damit Zeit brauchen. Ein Hund etwa muss dreimal am Tag ausgeführt werden. Wer das nicht einrichten kann, sollte keinen halten!“ Was herauskommt, wenn sich Menschen überschätzen, weiß Elisabeth Gibas nur zu gut. Hund, Katze oder Maus landen im Tierheim, manchmal direkt, bisweilen über leidvolle Umwege. „Bei Nacht und Nebel werden sie ausgesetzt, über den Zaun geworfen oder in Kartons vor die Tür gestellt.“ Rund 3.900 Tiere nahm das Albert-Schweitzer-Team allein im Jahr 2010 auf, viele von ihnen konnten vermittelt werden.
Ihre Liebe zu Gottes Kreaturen macht auch vor Insekten nicht halt. In der Tierheim-Jugendgruppe „Die Frettchen“ haben Elisabeth Gibas, andere ehrenamtliche Helfer sowie ein äußerst einsatzfreudiger Hausmeister vor kurzem Insektenhotels gebaut, die am Tag der offenen Tür verkauft wurden. Alle zwei Wochen donnerstags treffen sich Mädchen und Jungen an der Grillostraße zu verschiedenen Aktivitäten. Die hübschen Holzhäuser bieten zum Beispiel Wildbienen, Hummeln, Schmetterlingen und Marienkäfern ein artgerechtes Zuhause im Garten. Die 5-Sterne-Unterkünfte sind mit natürlichen Nisthilfen wie Holz, Stroh, Bambus, Schilf oder getrockneten Pflanzen gefüllt. Kräuter und andere Duftpflanzen locken die geflügelten Freunde an.
Ehemann Bernd (64, Medienpädagoge) unterstützt die tierischen Hobbys seiner Elisabeth. Auf Twinky, die zugelaufene Katze, möchte auch er nicht mehr verzichten. Die schwarze Samtpfote beherrscht einige Tricks, rollt sich auf Kommando auf dem Boden, macht „Give me five“ und springt in die Höhe. Wir haben uns davon überzeugt. (Ein Beutel Leckerlies darf allerdings nicht fehlen.) Nach so vielen Kunststücken ruht sich die Mieze stets aus. Sie streicht an uns vorbei und steuert zielstrebig auf Bernd zu. „Zum Kuscheln geht Twinky meist zu meinem Mann!“, kommentiert es Elisabeth.
„Füße heben!“, heißt es, wenn das Schildkröten-Quartett Cassiopeia, Cäsar, Amanda und Agathe schnurstracks am Kräuterbeet vorbei, über den Rasen marschiert. Dann sind die Gepanzerten auf dem Weg zum „Beach-Ressort“. Elisabeth hat es in einer sonnigen Ecke angelegt: ein kleiner Strand zur Erinnerung an ihren bisher schönsten Urlaub. Auf den Galapagos-Inseln kraulte sie 2007 einige Riesenschildkröten. Je nach Art erreichen frei lebende Exemplare eine Panzerlänge von maximal 80 cm (Weibchen) bis 95 cm bei einem Gewicht bis zu 450 kg. Landleguane, Pelikane, Seelöwen und Meeresechsen – für Tierforscher sind die zu Ecuador gehörenden Inseln im Pazifik ein Traum. „Das letzte Paradies“ hat auch Ehepaar Gibas begeistert. „Es war ein Naturerlebnis pur!“, schwärmt Elisabeth.
Nicht immer zieht es sie so weit fort von der Ruhrhalbinsel. Vom Baldeneysee verreist sie mit Bernd gern mit dem Wohnmobil. Fahrten nach Italien, Kroatien, Frankreich, Dänemark und quer durch Deutschland, das treue Gefährt hat schon 60.000 km absolviert. Stets mit an Bord ist Colinchen. Demnächst geht’s nach Mecklenburg-Vorpommern. „Wir möchten um die Seen radeln.“ Laufen wäre für den altersschwachen Pudel zu beschwerlich. So darf der Hund die Ausflüge im Fahrradkorb genießen.
addi
Ganz privat
Lieblingsmusik: Alles zwischen Klassik und Pop
Lieblingsfarbe: Bunt
Lieblingsessen: Gemüse und Salate
Hobbys: Tierschutz, Reisen, Kräuter, Werkeln, Radfahren
schönster Urlaub: Galapagos-Inseln (2007)

