Aber sicher ist: Sie reitet nicht nur im Kreis
Eines ist Anne Sümnik ganz wichtig. „Wir reiten nicht nur im Kreis!“ Dieses Vorurteil ist es, was Voltigierer unendlich nervt.
Denn um in dieser Sportart erfolgreich zu sein, braucht es viel mehr. „Der große Reiz besteht erst einmal im Miteinander. Es gilt Rücksicht zu nehmen, auf die Gruppe und das Pferd“, beschreibt die Chef-Trainerin die sozialen Anforderungen, „alle müssen an einem Strang ziehen“. Und dazu kommen natürlich auch noch die körperlichen Voraussetzungen (beim Menschen) und die charakterlichen beim Pferd: Beweglich sollte der Zweibeiner sein und ein möglichst großes Maß an Körperbeherrschung besitzen, ein ruhiges Gemüt sollte das schweiftragende Lebewesen besitzen, und nicht schreckhaft sein.
„Obwohl“, schränkt Anne Sümnik ein, „im Grunde jeder Mensch zum Voltigieren in der Lage ist.“ Die 48-Jährige selbst hat im zarten Alter von acht Jahren angefangen, nachdem sie schon zuvor im Leistungsturnen erste Erfahrungen mit dem sportlichen Wettkampf und körperlicher, geschmeidiger Bewegung gemacht hatte. Über die eigene sportliche Karriere mit Erfolgen auf Stadt- und Landesebene und einer Teilnahme an Deutschen Meisterschaften, ging es für Anne Sümnik dann schon im Alter von 18 Jahren in die Trainerrolle, die sie gleichzeitig mit der entsprechenden Abteilung beim RSV Essen übernahm. Heute gibt es sechs Teams mit 20 Übungsleitern, 180 Voltigiererinnen und Voltigierern („Allerdings ist das eine echte Mädchen-Domäne, Jungs sind nur wenige da“), sechs Turnierteams, Oldie- bis hin zu Mini-Gruppen ab vier Jahren und sogar ein Duo, das sich große Hoffnungen macht, bei den nächsten Europameisterschaften starten zu dürfen (siehe Extra-Kasten). Und natürlich schon zahlreiche Erfolge mit den Gruppen: Rheinischer Meister, Siege in Stuttgart, in Paris, beim Preis der Besten in Darmstadt 2011 durch das Doppel-Paar.
So dreht sich viel im Leben von Anne Sümnik also um Pferde, Wettkampf, Leistungsklassen, Training, Pflicht und Kür – dabei hat sie natürlich auch noch einen „echten“ Beruf. Als Lehrerin ist sie in der Schule für Kranke an der Ruhrlandklinik tätig und befasst sich dort mit Kindern, die chronisch erkrankt sind, oder einen längeren stationären Aufenthalt benötigen. Dort begegnen sich aber auch schon wieder Beruf und Hobby, denn mit psychisch erkrankten Kindern ist es beispielsweise auch möglich, auf die Wirkung des therapeutischen Reitens zurückzugreifen. Und so eine Gruppe gibt es auch beim RSV Essen.
Kinder hat Anne Sümnik im übrigen auch eigene. Fünf an der Zahl, von denen der weibliche Teil (natürlich) auch mehr oder weniger vom Voltigieren begeistert ist. Genauso wie die Trainerin davon, neue Talente zu finden und zu fördern. Und ihnen dann natürlich die erste Lektion zu vermitteln, die als Grundlage für alles andere dient: „Wir reiten nicht nur im Kreis!“
greis
Talente
Anne Sümnik hat ein hochtalentiertes Duo unter ihren Fittichen, das hofft, die Qualifikation zu den Europameisterschaften in diesem Jahr zu erlangen. Anna und Florian Kraft sammelten erst auf Kilmore Quay, und jetzt auf Rokko große Erfolge, so wie mit dem Sieg beim Preis der Besten in Darmstadt. Nun sind sie zur Teilnahme am Wettbewerb beim CHIO in Aachen eingeladen worden, eine Art Sichtungsrunde für die EM. Anne Sümnik: „Die Aussichten der beiden, das zu schaffen, sind ziemlich gut. Sie haben bisher schon viel Eindruck gemacht.“
RSV im Vorprogramm des Wildpferdefangs in Dülmen
So eine große Kulisse hatten die Voltigierer des RSV Essen noch nie. Mit 60 Mädchen und Jungen, den drei Pferden Alsace, Kilmore Quay und Lancelot waren sie nach Dülmen gereist, um dort im Vorprogramm des Wildpferdefangs in der großen Arena aufzutreten. Auf Rasen, eine aufregend neue Erfahrung für Pferd und die biegsamen Reiter. Alles lief bestens, die Zuschauer waren begeistert, und Anne Sümnik, die vorher etwas skeptisch war angesichts des durchaus manchmal etwas gewalttätig anmutenden Niederringens der Dülmener Wildpferde durch blaugekleidete Bauernburschen. „Das war ein unvergesslicher Tag für uns alle und auch das Fangen der Pferde ist nicht so brutal, wie es den Anschein hat“, so die Fachfrau.
Ganz privat
Lieblingsmusik: Amy McDonald
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: Nudeln, Schokoküsse
Hobbys: mein Friesenhengst Julius
schönster Urlaub: Kalifornien
beste Eigenschaften: ausgeglichenes Wesen, Sinn für das Gute


