Dat „Sommerloch-Spätzial“
Ker, wo du auch hingucken tus, siehse nur Löcher: Dat Loch inne Haushaltskasse, ein Loch inne Socke, dat Ozonloch … aber dat allerschlimmste is dat Sommerloch!
Erst diese Rot-Weisse Party-Saison mit Aufstieg und Niederrheinpokalsieg und getz gähnende Langeweile. Et is aber auch jedes Jahr dat Gleiche. Kaum is die Spielzeit rum, wirse nach zwei Wochen hibbelich und kanns den Start der neuen Serie kaum abwarten. Und weil einem die Presse nur so wenige Häppchen von seinem Lieblingsclub vor die Nase werfen kann, saugt der gemeine Fußballbekloppte nahezu alle News in sich hinein, die er rund um dat runde Leder nur bekommen kann. Dat geht manchmal soweit, dass die Frau zu Hause genervt fragt, wann denn endlich die Sommerpause vorbei is!
Diesmal kam im Sommerloch bisher so einiges aufn Tisch. Ob Ballack gegen Löw, Neuer gegen die Bayernfans, Effe gegen Eberl – es rappelte im Karton. Zwischendurch warf einem der DFB höchst persönlich noch ein paar Appetitmacher zu. Zum einen mit der Bekanntgabe des neuen Spielplans und zum anderen mit der DFB-Pokalauslosung inne Sportschau.
Am Tach der Pokalauslosung war RÜ-Fest und et regnete aus Kübeln so groß wie Abrahams Wurstkessel. Ich hatte et mir mit nen paar Kumpels in einer Rüttenscheider Kneipe nen bisken abseits vom Trubel gemütlich gemacht, um dat Spektakel der Auslosung gebührend zu feiern, denn unsre Roten hatten es nach zwei Jahren Abstinenz mal wieder geschafft, in die Erste Runde einzuziehen.
Wir hatten uns grade gesetzt und noch nichma dat erste Pils aufm Tisch stehen, da zog die junge Nationalspielerin als zweites Los schon die ungeliebten Nachbarn aus Herne-Ost aus ihrem Bottich. Und tschüss Vorfreude! Gerne hätten wir die Blauen noch ein letztes Mal im alten Stadion begrüßt. Noch immer stand kein Pils aufm Tisch, die Kehlen waren noch trocken, da war Los Nummer 3 auch schon unser RWE. Zugelost wurde Union Berlin. Nochmal: Und tschüss – getz war die Spannung auch weg. Wir haben trotzdem die Gelegenheit nich ausgelassen, um dat ordentlich zu feiern und zu begießen, denn schließlich is Union mit unserem Ex-Trainer Uwe Neuhaus auch nicht das schlechteste Los.
Die angenehmste Nachricht war für mich aber bisher dat Ende des Insolvenzverfahrens anne Hafenstraße. Der Club is getz schuldenfrei, hat aber auch keine Kohle inne Tasche. Trotzdem sieht die Zukunft nich düster, sondern eher heiter aus. Der Doc will aufpassen, dat nich mehr Zaster rausgehauen wird, als wir haben und Trainer Waldi Wrobel hat nen paar intressante neue Kicker zu den Roten geholt. Wenn et nach mir ginge, könnte et losgehen mit die neue Saison – ich bin heiß wie Frittenfett! Leider müssen wir noch ein bisken warten. Noch sind wir gefangen im Sommerloch, aber dat Licht am Ende des Tunnels is schon zu sehen. Bis dahin werde ich mir noch die Zeit mit der U17 und den Spielen der deutschen Mädels bei der WM im eigenen Land vertreiben. Dat is mir auch tausendmal lieber als diese ganzen Sommerlochgeschichten. Denn ma ganz im Ernst, wen juckt et schon, ob getz der Jogi oder der Ballack gelogen hat!? Also mich nicht! Wir werden aber auch davon sicherlich demnächst ganz neue Details bekommen – ob wir wollen oder nich.
Wie immer – abwarten und Pilsken trinken. Schönet Sommerloch noch!
Hintergrund-Info
Name: Christian Ruthenbeck
Alter: 29 Jahre, geboren in Essen, aufgewachsen in Stadtwald, wohnhaft in Altendorf. Seit über 20 Jahren treue RWE-Seele. Seit 5 Jahren arbeitet er in der Mobilfunkbranche im Servicebereich als Kundenbetreuer und seit Februar 2010 ehrenamtlich bei Radio Hafenstrasse.
www.radio-hafenstrasse.de

