Elvira Blümel, First Lady der Realschule Essen-Überruhr
Lehrerin wollte sie schon immer werden. Mitte Juni übernahm sie offiziell die Leitung der Realschule Essen-Überruhr von Jürgen Volkmer: Elvira Blümel (56) lebt für ihren Beruf und ihre 520 Schülerinnen und Schüler. Im sechsten Jahr ist sie als Lehrerin und stellvertretende Schulleiterin auf der Ruhrhalbinsel tätig. Beim Malen, Lesen und Reisen findet sie Ausgleich. Sie wohnt in Ratingen und schwärmt für Vulkan-Inseln.
„Sie gehören zu den Ersten, die mein neues Büro sehen“, begrüßt uns Elvira Blümel strahlend. Hell und freundlich wirkt der große Raum am Dellmannsweg, farbenfrohe Bilder schmücken die weißen Wände. Eine herzlich engagierte Schulleiterin gewährt uns Einblicke in ihr Leben. „Als Kind habe ich oft mit meinen beiden kleinen Geschwistern Schule gespielt. Ich war ihre Lehrerin. Manchmal streng, aber immer konsequent“, erzählt die gebürtige Warburgerin und lächelt. Aus dem streng katholischen Paderborner Land zog die Familie 1956 nach Kettwig, das erst seit 1975 zur Stadt Essen gehört. An der Ruhr lernte Elvira mit Eifer das Lesen und Schreiben an der Albertus-Schule auf dem Schmachtenberg, besuchte anschließend die Realschule „im gar nicht so weit entfernten Heiligenhaus“, um dann zum Mariengymnasium nach Werden zu wechseln, wo sie 1974 das Abitur meisterte. „Ich bin immer gern zur Schule gegangen“, erinnert sie sich, „und habe schnell meinen Weg gefunden.“
Sie studierte Kunst und Geschichte an der Universität Essen. Auf Lehramt, keine Frage. Beide Fächer unterrichtet sie bis heute. „Nebenbei jobbte ich bei P&C, schnupperte ein wenig in die Textilbranche.“ 1981 legte Elvira, die seit 1984 den Nachnamen Blümel trägt, das Examen ab und freute sich über ihre erste Festanstellung an der Helene-Lange-Realschule in Steele. Dort blieb sie 15 Jahre, bevor sie zur Bertha-Krupp-Realschule wechselte. Wie viele Schüler sie in dieser langen Zeit schon unterrichtet hat, wäre in Ruhe auszurechnen. Das Erstaunliche: „Ich erinnere mich an viele meiner Ehemaligen. Mittlerweile erlebe ich die nächste Generation, vor mir sitzen die Kinder früherer Schüler.“ Das bringt nette Begegnungen. Angst muss niemand haben: Die Notenbücher aus alten Zeiten hat Elvira Blümel längst vernichtet. „Niemand soll gegen Vorurteile kämpfen müssen!“
Ihre Fächer vermittelt die Lehrerin mit Herz und Seele. Ihr Beruf bereitet ihr nach wie vor Freude, wie wir im Gespräch spüren. Als Mutter kennt sie die Höhen und Tiefen der Schulzeit. Weder Sohn noch Töchter waren Überflieger, haben aber ihren Weg gemacht. „Das hilft mir bei den Elterngesprächen, weil ich weiß, wie belastend zum Beispiel die täglichen Hausaufgaben für Familien sein können.“ Der Chefin von 32 Lehrern und Referendaren ist ein harmonisches Schulklima wichtig, und sie möchte Traditionen in der Schule entwickeln. „Wir sind noch eine recht junge Einrichtung“, sagt sie. So gibt es bereits ein Sommer- und ein Weihnachtskonzert und die Teilnahme an vielen kulturellen Veranstaltungen in Essen. In der zertifizierten MINT-Realschule ist man in Mathe, Informatik, Technik sowie in den naturwissenschaftlichen Fächern sehr gut ausgestattet, es wird viel experimentiert und praktisch gearbeitet. Von Seifenkistenbau über die Gestaltung eines Bauwagens bis zum eigenen Salat aus dem Schulgarten reicht das MINT-Programm.
Die Realschule mit den zwei Standorten (Überruhrstraße 115 und Dellmannsweg 14) setzt auf eine Verbindung von Kunst und Musik und den Naturwissenschaften mit den übrigen Fächern. Ein Konzept, das sich im Privaten bestens bewährt hat. „Mein Mann ist Chemiker. Er sorgt für den nötigen Ausgleich und ist nicht zu bezahlen!“ Ein dickes Lob für Siegfried (56), der seit 26 Jahren erfolgreich Wege findet, Elvira in ferne Länder zu entführen. „Wir reisen leidenschaftlich gern“, sagt sie. Demnächst sollen Fotografien aus La Palma, Namibia und Island die Wände zieren. „Die meisten sind von meinem Mann, aber ich fotografiere inzwischen auch.“
Mehr Freude macht der Schulleiterin jedoch das Malen. Anregungen findet sie im Urlaub. So entstand nach den Osterferien in Spanien ein leuchtend-buntes Acryl-Gemälde, das Eindrücke aus Barcelona spiegelt. Als Vorbild dienten farbenprächtige Keramik-Bänke und Scherben-Skulpturen, wie sie die Familie im zwischen 1900 und 1914 erbauten Parc Güell von Antoni Gaudí gesehen hatte. Wie der spanische Architekt Gaudí (1852–1926) liebt Elvira Blümel hügelige Landschaften. Und Vulkane. Die Kanareninseln La Palma und Gomera, aber auch Island faszinieren sie. Im Sommer fliegt sie nach Tansania und Kenia. Wir sind sicher, dass der Besuch in Ostafrika Spuren im neuen Büro hinterlassen wird. Noch gibt es genügend Platz an den Wänden …
addi
Ganz privat
Lieblingsmusik: Bob Dylan, Janis Joplin, Marc Knopfler
Lieblingsfarbe: Kombination aus Rot und Grünblau-Tönen
Lieblingsessen: italienische Vorspeisen
Hobbys: Malerei, Garten, Wandern, Lesen
schönster Urlaub: La Palma
beste Eigenschaften: Freude am Umgang mit Menschen

