Gerhard Witzel vertraut auf seinen Wegen St. Christophorus
Gleich zwei große Feste konnte Pastor Gerhard Witzel in diesem Jahr feiern: Seinen 75. Geburtstag am 21. Mai und das Goldene Priesterjubiläum am 23. Juli. Der rüstige Geistliche wohnt seit 2004 in Burgaltendorf. Zuvor war er 38 Jahre in der Thomas-Morus-Gemeinde Vogelheim aktiv.
Am 23. Juli 1961 war Gerhard Witzel von Ruhrbischof Dr. Franz Hengsbach in der Münsterkirche zum Priester geweiht worden. Von 1961 bis 1966 war der in Altena (Sauerland) geborene Jubilar als Vikar in St. Bonifacius Bochum-Langendreer tätig, danach 38 Jahre in der Gemeinde St. Thomas Morus, im Essener Norden. „Das waren andere Welten“, sagt er beim Frühaufsteher-Gespräch in seiner Wohnung an der Worringstraße. In Vogelheim hat er viel bewegt, für Kinder, Jugendliche und Familien. Sein Vorgänger Pfarrer Albert Schmidt hatte 1968 angeregt, eine Freizeit- und Bildungsstätte an der B 225 zwischen Dorsten und Marl aufzubauen. Witzel folgte dem Ruf. Mit Hilfe vieler ehrenamtlicher Mitarbeiter konnten Tausende Besucher aus Essen und Umgebung von 1968 bis 1989 im Stöckmannskamp erlebnisreiche Tage genießen. „1989 musste das Camp leider geschlossen werden, weil das gepachtete Grundstück für eine Straße zur neuen Bergehalde gebraucht wurde“, erinnert sich der Pastor im Ruhestand (i.R.).
Trotz des „i.R.“ ist Witzel stets beschäftigt. In der Großpfarrei St. Josef-Ruhrhalbinsel weiß man es sehr zu schätzen, dass er immer ansprechbar ist. Witzel zeigt uns einen gut gefüllten Terminkalender, ohne Auto nicht zu bewältigen. Damit er sicher ankommt, vertraut er auf Christophorus. „Er ist mein Lieblings-Heiliger“, sagt er und zeigt die Tonfigur, die er zur Primiz (1. Messe) am 30. Juli 1961 bekommen hat. Eines seiner größten Hobbys ist die Psychologie. Über die „Seelenkunde“ hat er etliche Bücher gelesen. Seit einigen Jahren gehört er der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge an, die im hessischen Frankenberg beheimatet ist. „Die Gesellschaft fördert Begegnungen und den Erfahrungsaustausch zwischen Psychotherapeuten und Seelsorgern.“ In der Praxis setzt Witzel sein psychologisches Wissen unter anderem jeden Dienstag ein: Dann ist er von 14 bis 15 Uhr Beichtvater in der Anbetungskirche neben dem Dom in der Innenstadt. Auch Taufen, Krankenbesuche, Brautämter und Gottesdienste, zum Beispiel donnerstags um 7 Uhr bei den Karmeliterinnen in Stoppenberg. Der Frauenorden feiert die Messen in der von Äbtissin Swanhild gegründeten und 1074 eingeweihten Stiftskirche Maria in der Not.
Keine Frage – Pastor Witzel tut viel Gutes. Für Menschen in nächster Nähe und in weiter Ferne, etwa für „Nangina“. Das Wort kommt aus einer afrikanischen Stammessprache und bedeutet übersetzt „Ort der Steine“. So heißt ein Dorf in Kenia, aber auch ein Verein, der 1988 in Witten gegründet wurde. Firmlinge, Eltern und einige Pfarrer unterstützen im Nangina e.V. seitdem erfolgreich das kenianische Krankenhaus Heilige Familie. „2010 konnten 170.000 Euro für das Hospital gesammelt werden!“, freut sich der Geistliche.
Auf der Ruhrhalbinsel fühlt sich Gerhard Witzel wohl, seit nunmehr sieben Jahren. Was er besonders zu schätzen weiß? „Ohne, dass ich darum bitten musste, hat man in der Gemeindekirche Herz Jesu kurz nach meinem Zuzug einen Handlauf angebracht, damit ich die Stufen zum Altar sicher bewältigen kann.“ Mittlerweile wurden in der Groß-Pfarrei St. Josef Essen-Ruhrhalbinsel in allen Kirchen Geländer für Pastor Witzel nachgerüstet. „Als ich 15 Jahre alt war, erkrankte ich an Kinderlähmung. Seit etwa zehn Jahren leide ich an Muskelschwäche als Spätfolge. Das Treppensteigen fällt mir schwer.“ In einer Post-Polio-Syndrom-Selbsthilfegruppe tauscht er sich regelmäßig mit anderen aus.
Eine ganz besondere Verbindung hat er zum Siegerland. Geschätzte 20 bis 25 Mal verbrachte er mit Gruppen aus seinen Gemeinden in der „Arche Noah Marienberge“, einer Einrichtung für Familienferien. Sein Vorgänger in Vogelheim, Pastor Albert Schmidt, stammte aus einem Dorf in der Nähe von Elkhausen, wo sich das Heim befindet. Schmidt brachte nach dem Krieg die ersten Jugendgruppen aus Essen aufs Land. Witzel trat in seine Fußstapfen. Bis heute setzt er sich für die Einrichtung ein, als Vorstandsmitglied und Rector ecclesiae (Kirchenrektor). Familien, Senioren, Schüler, Chöre und Orchester, Behinderte und Kommunionkinder finden in der „Arche Noah“ Ruhe und Erholung.
Mit rund 500 Gästen aus nah und fern feierte Witzel am 23. Juli in der Kirche Herz Jesu einen Dankgottesdienst. Die Festpredigt hielt Thomas Zander, Direktor des Kardinal-Hengsbach-Hauses. Der Kirchenchor bewies wieder einmal sein Können. „Volles Haus“ auch beim anschließenden Treffen im Pfarrheim. Die Schlange der Gratulanten war lang. Seine Gäste verwöhnte der Jubilar unter anderem mit seiner Lieblingsspeise. Die deftige Linsensuppe fand allgemeinen Anklang, ebenso wie die vielen leckeren Kuchen, Gaben von Frauen aus der Gemeinde. Die Kollekte der Messe ging auf Witzels Wunsch an die Missio-Aktion Schutzengel. Statt Geschenke hatte er um Geldspenden für den guten Zweck gebeten.
addi
Ganz privat
Lieblingsmusik: Alte und neue Kirchenmusik
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: Linsensuppe
Hobbys: Lesen (Fachliteratur), Spaziergänge
schönster Urlaub: Gröbming in der Steiermark
beste Eigenschaften: Fantasie

