DFB-Pokal-Ausgabe
Kerl inne Kiste, sowatt wie letzten Freitach habe ich schon lange nich mehr anne Hafenstraße erlebt.
Die alte Bruchbude im Essener Norden war picke packe voll und die letzten zwei maroden Tribünen platzten aus allen Nähten. Grund der Massenwanderung Richtung Bergeborbeck war dat Pokalspiel zwischen Waldis wilden Fußballkerlen von RWE und den Eisernen Unionern aus Berlin Köpenick! Durch dat 1:0 im Niederrheinpokalfinale inne letzten Saison gegen Velbert hatte RWE nen Ticket fürn DFB-Pokal gebucht. Getz stand also der Zweitligist vor der Tür.
Et war für uns Essener ne willkommene Abwechslung gegenüber dem bevorstehenden Liga-Alltag gegen die zig Reserveteams und endlich wieder mal die Gelegenheit, sich mit nem Proficlub zu messen. Auch der Berliner Anhang war über den Gegner RWE offenbar nich grade unglücklich, denn gut 2000 angereiste Fans sind gemessen am Termin und der Distanz ne absolute Hausnummer!
Apropos Hausnummer: In der Hausnummer 97a auf der Hafenstraße ging et dann auch gut zur Sache – auf dem Platz versteht sich! Die gut 13000 Zuschauer ham unter Flutlicht einen packenden Pokalfight geliefert bekommen! Die Roten, die im übrigen zwei Klassen tiefer als die Berliner Gäste inne Regionalliga kicken, gingen dabei durch Capitano Timo Brauer und Edeljoker Benedikt Koep nich ganz unverdient mit 2:0 in Führung. Die Stimmung kochte über im altehrwürdigen Georg-Melches Stadion. Extase pur und eine Stimmung, die einem ne Entenpelle vom Scheitel bis zur Sohle verpasst. Die Berliners dürften sich im falschen Film gefühlt haben.
Doch Rot-Weiss wär nich Rot-Weiss, wennset nich nochma spannend machen würden. Also gab et kurz vor Toreschluss noch zwei Gegentore. Überstunden waren angesacht. Aber auch inne Verlängerung konnte kein Gewinner ermittelt werden. Also ging et vom umkämpften Rasen über zur Lotterie, dem Elfer ballern! Mit 11.000 Fußballbekloppten Rot-Weissen im Rücken hatten die Spieler von RWE ein bisken mehr Glück vom Punkt. Quasi dat Glück der Tüchtigen! Mit 6:5 wurde schlussendlich Uwe Neuhaus mit seinen Eisernen vonne Wuhlheide wieder zurück inne Hauptstadt geschickt.
Seit Freitach träumen die Fans also wieder von Berlin. Diesmal nich von Union, sondern vom Finale im Olympiastadion! 1994 hatten die Roten dat zuletzt erreicht und Stand heute sind et nur noch vier Siege bis zum Finale. Wer der nächste Gegner von RWE wird is mir eigentlich total Schnuppe, denn seit Freitag weis nich nur Union Berlin: Gegen Essen kann man mal verliern!
In diesem Sinne,
nur der RWE
Hintergrund-Info
Name: Christian Ruthenbeck
Alter: 29 Jahre, geboren in Essen, aufgewachsen in Stadtwald, wohnhaft in Altendorf. Seit über 20 Jahren treue RWE-Seele. Seit 5 Jahren arbeitet er in der Mobilfunkbranche im Servicebereich als Kundenbetreuer und seit Februar 2010 ehrenamtlich bei Radio Hafenstrasse.
www.radio-hafenstrasse.de

