Felicitas Quint ist Leiterin bei den Heisinger Pfadfindern
Mit Pfadfinderblut in den Adern schloss sich Felicitas Quint (31) schon als Neunjährige dem Stamm Philipp Neri, Essen-Horst, an. Sie blieb dabei. Seit 1998 betreut sie als Leiterin bei Sankt Georg den Nachwuchs in Heisingen.
Mädchen oder Frauen gibt es bei den Pfadfindern nicht mehr so selten. Doch an höherer Stelle sind sie immer noch rar. Auf zehn männliche Leiter kommen im Schnitt etwa bis zwei bis drei Frauen. „Meine Eltern waren beide bei den Pfadfindern aktiv. Da war es keine Frage: Nach der Erstkommunion trat ich sofort bei“, erzählt Felicitas Quint im Frühaufsteher-Interview. Bei den Wölflingen (Altersgruppe 7 bis 10 Jahre) schnupperte die gebürtige Essenerin einen ersten Hauch von Abenteuer, Freiheit und großer, weiter Welt. 1989 leistete sie am Lagerfeuer ihr Versprechen. „Wir waren damals zwölf Mädchen und zehn Jungen in der Gruppe.“ Auch bei den Jungpfadfindern (10 bis 13 Jahre) fühlte sich die Naturliebhaberin zuhause, lernte mit Begeisterung das Fährtensuchen und Feuermachen. In besonderer Erinnerung ist ihr das Sommerlager in Großbritannien geblieben, bei dem sie das Land mit dem Fahrrad unsicher machte. Nach drei Jahren bei den Pfadfindern (Altersgruppe 13 bis 16) wurde sie 1996 Rover. So heißen die Ältesten mit 16 bis 20 Jahren. Danach schied sie nicht wie viele andere aus, sondern wurde Leiterin. „Das ergänzte sich prima mit meiner Ausbildung zur Erzieherin“, sagt sie.
Der Stamm Sankt Georg ist einer von acht im Bezirk Essen-Süd und wurde am 30. Oktober 1978 nach längerer Pause wieder gegründet. Mit rund 120 Mitgliedern sind die Heisinger „Scouts“ gut aufgestellt. Pfadfinder zu sein, ist wieder in. Themen wie Umweltschutz und Klimawandel sorgen für Zulauf. Passend zur Jahresaktion arbeiten Kinder und Jugendliche an Projekten. „Die Leiter begleiten sie dabei. Die Ideen entwickeln sie selbst“, so Quint. Ihre zehn Pfadfinder etwa haben sich ein Rollenspiel nach dem Vorbild der „Siedler von Catan“ ausgedacht.
Jeden Tag eine gute Tat: Gutes zu tun für andere, lautet eine der Grundregeln.
„Der wahre Weg, das Glück zu erlangen, besteht darin, andere Menschen glücklich zu machen. Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als ihr sie vorgefunden habt“, hatte der Gründer der Pfadfinderbewegung, der Brite Lord Robert Baden-Powell (* 22. Februar 1857, † 8. Januar 1941) kurz vor seinem Tod in einem Brief an die Pfadfinder formuliert. Diesem Leitspruch haben sich auch die Mädchen und Jungen vom Stamm Sankt Georg verschrieben.
Was die Wölflinge, Juffis, Pfadfinder oder Rover unternehmen, im Mittelpunkt steht die Gemeinschaft, das Wir-Gefühl. Quint: „Jede Gruppe ist so stark wie ihr schwächstes Glied!“ So wird bei längeren Wanderungen zum Beispiel immer Rücksicht auf die Kleineren genommen. Auch Gerechtigkeit und Menschenrechte sind den Pfadfindern ein Anliegen. „Aktion 12 – Abenteuer möglich machen!“, heißt die Losung der 1929 gegründeten Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) für das kommende Jahr. Ziel ist es, Kinder- und Jugendarmut in Deutschland unter die Lupe zu nehmen, durch Projekte im Stamm darauf aufmerksam zu machen und nach eigenen Möglichkeiten aktiv zu werden. Neben all dem kommt natürlich auch der Spaß nicht zu kurz! Quint: „Leistungsdruck gibt es bei uns nicht. Damit haben die Kinder in der Schule genug zu kämpfen.“
Im Sommer zieht es die Pfadfinder immer in die Ferne. Kinder und Jugendliche aus aller Welt treffen sich zum Zeltlager und finden neue Freunde. Da machen auch die Heisinger keine Ausnahme. In Südschweden, in der Nähe der Universitätsstadt Väjxö, lag ihr Ziel. Zwei Wochen campierten sie auf Blindingsholm, direkt am See. Damit bei der nächtlichen Ankunft nichts schief ging, stand im Juli der Zeltaufbau auf der Vorbereitungsliste. In der Gruppenstunde hatten die Kids auf der Wiese neben dem katholischen Pfarrheim an der Heisinger Straße 480 fleißig geübt. Felicitas Quint, seit Jahren ein Skandinavien-Fan, bereitete sich mit einer kurzen Rucksackwanderung um den Baldeneysee auf die Reise vor. Wir waren dabei.
addi
Die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG)
Die DPSG zählt rund 95.000 Mitglieder und ist der größte katholische Pfadfinderverband in der Bundesrepublik. Pädagogisches Ziel ist die Erziehung zu Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Pfadfinder entdecken die Umwelt durch bewusstes Handeln. Ihre Weltsicht basiert auf den Grundsätzen des christlichen Glaubens. Mitglied wird man im Stamm vor Ort. Der Jahresbeitrag beträgt zurzeit 33,50 Euro pro Mitglied. Weitere Infos unter: www.dpsg.de.
Ganz privat
Lieblingsmusik: Roxette
Lieblingsfarbe: Blau und Pink
Lieblingsessen: Griechischer Salat
Hobbys: Pfadfinder, kreatives Gestalten
schönster Urlaub: Immer am Meer
beste Eigenschaften: Einfühlungsvermögen und gute Beobachtungsgabe

