Kleingarten Carl-Funke ist für Sigfrid Göretz das Paradies
Erbsen, Bohnen, Tomaten, Gurken, Kartoffeln, Kohlrabi und Kürbisse: Im Garten von Sigfrid und Monika Göretz wächst fast jedes Gemüse. Auch Obst gibt es mehr als reichlich. Ein Blumenmeer erfreut das Auge. Im Kleingartenverein Carl-Funke e.V. in Heisingen hat das Ehepaar sein Paradies gefunden.
„Hier geht keiner mit dem Zollstock rum, um die Höhe der Hecken zu messen.“ Das betont Sigfrid Göretz, seit rund acht Jahren Schriftführer des Vereins, gleich zu Beginn unseres Treffens. Eine herrliche Ruhe liegt über der 1991 errichteten Gartenanlage. Das parkartige Gelände liegt am Ende der Carl-Funke-Straße auf dem ehemaligen Gelände der Zeche, die 1973 stillgelegt wurde. Oberhalb des Baldeneysees, wo heute Radfahrer, Spaziergänger und Inlineskater ihre Freizeit genießen, erinnern noch ein Fördergerüst zwischen hohen Bäumen sowie eine Reihe schmucker Zechenhäuser an die Kohleförderung. Und eine Zechenlore am Eingang. Den Turm kann Göretz von seinem Garten sehen. „Einige Mitglieder haben selbst noch unter Tage gearbeitet, wie der erste Vorsitzende, Reinhold Schick.“ Über den alten Stollen sind alle Berufszweige vertreten – Arzt, Chemie-Professor, Handwerker und Lehrer bis zum Kommissar im Ruhestand.
31 Gärten mit einer Größe zwischen 290 und 400 Quadratmetern werden von den Mitgliedern liebevoll gepflegt. Die Holzgartenhäuschen ähneln sich und bieten ein harmonisches Bild. Rund 250 Kleingarten-Siedlungen gibt es auf Essener Stadtgebiet. Die in Heisingen gehört zu den kleinsten. „Hier darf jeder spazieren gehen“, sagt Göretz. Der 71-Jährige genießt die Vorzüge des Gartens seit 1997. Rechtzeitig vor seiner Pensionierung entdeckte er mit Ehefrau Monika und Tochter Sonja sein „kleines Paradies“. Fürs Blumenmeer sorgt Moni. Ein Drittel der Fläche ist reserviert für den Anbau von Obst- und Gemüse – so will es die Satzung. Im Treibhaus wachsen Blattsalat, Tomaten und schmackhafte Gurken, im Freiland gedeihen Bohnen, Erbsen, Fenchel, Möhren, Kartoffeln, Kohlrabi, Kürbis, Sellerie, Zucchini und Zwiebeln. Ganz zu schweigen vom Obst: Äpfel, Beeren, Birnen, Pflaumen und Zwetschgen stammen aus eigenem Anbau. „Angst vor EHEC hatte hier keiner!“, sagt er. Der Boden wurde in einer Tiefe von 80 cm versiegelt, um Belastungen zu vermeiden. „Tiefer darf niemand graben!“
Jährlich leisten die Pächter 15 Stunden Gemeinschaftsarbeit. Man kommt gut miteinander aus, feiert gern, trifft sich spontan am Grill oder auf eine Runde Skat beim Nachbarn. Geboren wurde Göretz in Erfurt. Die Familie stammte aus dem Saarland und wurde im 1. Kriegsjahr evakuiert. „Mit 5 kam ich zurück. Wir wohnten bei Saarbrücken.“ Nach der Schule folgte eine Lehre als Heizungsmonteur, mit 19 entdeckte er den Polizeidienst. Er verließ die Heimat, wurde in Münster, Wuppertal und Essen ausgebildet. In dieser Zeit lernte er Monika im Rhein-Ruhr-Café am Dom kennen. Sie hatte es aus Cuxhaven in den Pott verschlagen. „Von da an hätte mich nichts in der Welt wieder ins Saarland bringen können. Mein Vater schlug damals die Hände über dem Kopf zusammen, verstand nicht, wie einer freiwillig ins Ruhrgebiet zieht!“, erinnert er sich. Viele Jahre später überzeugte sich der alte Herr selbst davon, wie „schön grün man hier leben kann.“
Beim Personen- und Objektschutz in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn fühlte sich Göretz nicht wohl. „Das war nicht mein Ding! Ich wollte mit Menschen zu tun haben.“ Er bat um Versetzung und landete in Essen. Geheiratet wurde 1964, zwei Jahre später kam Sonja zur Welt. Auf Streife erlebte er so ziemlich alles, was einem Polizisten begegnen kann. Tragik, Gewalt, aber auch immer wieder Herzliches. Als Hauptkommissar bekämpfte er die „mittlere Kriminalität“ – untersuchte unter anderem Betrugs- und Diebstahlsdelikte sowie Körperverletzungen. Im Jahr 2000 gab er als Leiter der Polizei in Werden Dienstmarke und Waffe ab und tauschte das Büro gegen die lauschige Terrasse.
„Ich bin Frühaufsteher“, sagt Göretz und lacht. Als zweifacher, engagierter Opa hat der Hobbygärtner ein volles Programm, entsprechend früh beginnt sein Tag. Er ist zudem treuer Fan von Rot-Weiß-Essen und besucht alle Heimspiele. „Nur der RWE! Das ist keine Frage!“ Sportliches Radfahren um den See und gelegentliches Joggen mit Monika halten den begeisterten Leser der Venedig-Krimis von Donna Leon fit. Doch sein Haupt-Tatort ist und bleibt der Garten.
addi
Ganz privat
Lieblingsmusik: Operetten, Strauß-Melodien
Lieblingsfarbe: „Bunt, wie unsere Blumen!“
Lieblingsessen: Saarländische Küche, Deftiges wie Leberknödel
Hobbys: Garten, Radfahren um den See, Joggen, Lesen
schönster Urlaub: Mit dem Hurtigruten-Schiff zum Nordkap
beste Eigenschaften: kontaktfreudig und interessiert

