Dat VIP-Spätzial
Kerl inne Kiste, ich sach Euch, heute hab ich ma ne ganz andere Seite von nem RWE-Heimspiel kennen gelernt.
Ich bin ja nun mal ein Kind der Stehtribüne, da machse nix. Als mein Opa mich seine Zeit dat erste Mal mit auffe West genommen hat, war ich ja schon Feuer und Flamme für RWE. Dat erste Mal Stehtribüne hatte aber die Messlatte noch wat höher gelecht und seitdem geh ich zum Fußball mit mein Opa sein Leitspruch im Hinterkopp! „Sitzen is fürn Arsch“, hat der Opa imma gesacht. Und dat Gegenteil kann mir auch bis heute keiner beweisen …
Beim Heimspiel gegen VFL Bochum II war et so, dat ich in nem Gewinnspiel zwei Karten für den neuen VIP-Bereich „Anno 1907“ gewonnen hatte. Ganz ehrlich: bis auf nen Piccolöchen bei ner Tombola auffen Straßenfest in Essen-Stadtwald hab ich mein Lebtach noch nix gewonnen – und getz direkt VIP-Karten für den Verein meines Herzens – ich hab mir nen Knubbel in Arsch gefreut!
Sonntach, den 18. September, waret dann soweit. Wegen die Romantik und so hab ich als Begleitperson meine bessere Hälfte auserkoren. Wir sind dann auch recht zeitich losgedüst, wir wollten dat gebotene Spektakel ja auch richtig auskosten.
Die Anreise zum Stadion hätte auch schon gar nich geschmeidiger laufen können. Kaum ausm Haus und Richtung Haltestelle losgejuckelt, kommt die RWE-Straßenbahn vonne EVAG umme Ecke. Dat gute Stück fuhr auch noch zum gewünschten Zielort – also alles tutti! Unterwegs wurde ich dann noch per SMS bestens aufn laufenden gehalten, wat bei die U19 grade los is. (Am Ende ein 2:0 Sieg im DFB-Pokal gegen VFB Stuttgart.) So darf ein Spieltach gerne anfangen wenne mich frachs …
Wie imma auf die letzten Meter – wenn ich die silbernen Buchstaben „Georg-Melches Stadion“ an der Außenwand der ollen Haupttribüne lese – bekomme ich ne astreine Entenpelle!
Dieses Mal geht et aber nich ersma an Bierstand und dann ne Bratwurst schnabulieren, sondern direkt Richtung Haupttribüne. Im ehemaligen Pressebereich ham die Jungs vonne „VIP-Hosptality“ einige Euros investiert und einen echt schicken VIP-Raum geschaffen. Nach einer freundlichen Begrüßung von zwei echt knackigen Ladys im RWE-Dress gab et erstmal ne Sitzplatzkarte und nen Armbändchen. Nach der langen Anreise hatte ich mir ne geschmeidige Tüte Pils verdient. Kaum standen wir mit nem kühlen Gläschen Stauder an einem der zahleichen nett dekorierten Tische kam die zweite Begrüßung! Nochmal wurde zum Gewinn gratuliert, noch mal Hände schütteln und dann das Highlight des Tages: Dat goldenen Nikolausbuch vonne VIP-Hospitality! Gut, ich geb zu, et war silbern und vor allem standen da keine Nikolausklamotten drin à la „Lieber Meik Kuta, ich hab gehört, du wars nich artig …“ , sondern viel mehr war et ein Gästebuch! Der ein oder andere Fußball-Promi wie Otto Rehhagel oder Ben Redlings hatte sich bereits darin verewigt. Da hat meine Wenigkeit noch gefehlt. Also hab ich in dem Buch auch noch ein vom Stapel gelassen, dat könnta mir glauben!
Nach nem kurzen Pläuschken mit Tim Dodt ham wa dann ersma dat kulinarische etwas genauer unter die Lupe genommen. Et gab lecka deftige Klamotten zu spachteln. Der Kartoffel-Gurkensalat sah nach Geschmacksnervenextase aus. Weil et dazu aber Leberkäse gab (und da bin ich einfach kein Freund von) hab ich mir ne ordentliche Schweinshaxe mit Sauerkraut und Knödeln geben lassen. Dazu ein St. Auder-Pilsbräu wie immer!
Ausgerüstet mit nem schwatten Sitzkissen ging et dann auf die Plätze. Neben mir saß son Öpaken, dat skurrilerweise irgenzwie kaum ein Wort deutsch sprach und trotzdem offenbar sein Herz anne Hafenstraße verloren hatte. Manchmal versuchte er mir mit ein paar Brocken Deutsch zu erklären, dass er entweder die Frisur oder die Flanken von Kuta nich so prickelnd fand. Wat er getz genau meinte, weis ich bis heute nich.
Dat Spiel gegen die Bochumer Bengels plätscherte derweil vor sich hin. Günni Kaya hatte in der ersten Hälfte einmal nur knapp die Kiste verfehlt und auch die Reviernachbarn hatten vorne mehr Aussetzer als goldene Momente. Es sah nach einem 0:0 zur Halbzeit aus, da pustete der Schiri urplötzlich in sein Arbeitsgerät. Der schrille Pfiff ertönte und et gab nen Elfer für die Gäste. Dat Öpaken neben mir erhob sich plötzlich und kam aus dem Fluchen nicht mehr raus. Ich schwöre Euch, ich weis nich wat er gesacht hat oder welche Sprache dat war, aber et war auf keinen Fall ne Liebeserklärung an den Schiedsrichter!
Den folgenden Elfer hielt Lamczyk, zwar aber der Nachschuss zappelte im Netz. Grund genug für unseren Keeper mal ganz nach Oli-Kahn-Manier auszurasten und seine Vorderleute ordentlich zusammen zu scheißen, weil sich offenbar keiner verpflichtet gefühlt hatte, sofort in den 16er zu rennen, um den Nachschuss zu verhindern. Mit 1:0 für Bochum ging et inne Pause.
Wir nutzten die 15 Minuten, um in den netten „Anno 1907“-Bereich zurück zu kehren. Kaum kamen wir durch die Tür wurde, mir mit einem Lächeln und den netten Worten „Extra für Sie!“ ein kühles Blondes gereicht. Dat nenn ich Service! Im bereits erwähnten Nikolausbuch hatte Ben Redlings von der leckeren Halbzeit-Currywurst geschwärmt. Da lag et nah, dat ich dat Mopped auch ma probieren muss. Ich ließ mir noch fleißich Currypuder extra drüberstreuen, nen roten Pommespikser (bloß kein blauen!) und ab dafür. Und wat soll ich sagen!? Die Wurst war echt gut! Auf meiner persönlichen Currywurst-Skala ganz locker im oberen Tabellendrittel!
Da wollten sich Waldis wilde Fußballkerle auch gerne festsetzen. Damit dat klappt musste aber dat Spiel gegen die Bochumers gedreht werden.
Zu Beginn der 2. Halbzeit sah et aber ma gar nich danach aus. Bochum kam nen paar mal gefährlich vor den Essener Kasten. Aber wie schon in Halbzeit 1 kam nix dabei rum. RWE konnte sich dann aber etwas befreien und kam durch Marcus Heppke zum Ausgleich. Der erhoffte Sturmlauf auf dat Bochumer Tor blieb aber aus. Der ungeliebte Schiri tat sein Übriges dazu. In der 90 Minute machten sich aber die 6.800 Zuschauer nochmal zum Jubeln bereit. RWE bekam einen Elfer der Kategorie „kann man geben, muss man aber nicht“ zugesprochen. Der Capitano Timo schnappte sich die Pille und knallte sie volles Rohr an den Pfosten. Prost Mahlzeit! Dat Spiel endete 1:1 und hätte eigentlich auch keinen Sieger verdient gehabt. Also wat solls!
Ein weiteres Mal ging et in den „Anno 1907“-Bereich. Wieder wartete frisch Gezapftes auf einen neuen Besitzer. Mit nem Strücksken Donauwelle haben meine bessere Hälfte und ich dann dort den Fußballnachmittag ausklingen lassen.
Alles in allem war et trotz des unnötigen Remis gegen einen schlagbaren VFL ein toller Spieltach für mich im „Anno 1907“. Dat Ambiente war modern und ansprechend, der Service war freundlich und zuvorkommend und auch dat Essen war allererste Sahne! So lange unsern alten Karbachel noch anne Hafenstraße steht, kann ich jedem nur raten, dat mindestens einmal auszuprobieren.
Jedes Spiel so zu verfolgen, dat wär nix für mich! Ich bin nunmal ein Kind der Stehtribüne. Aber et war ne herrliche Abwechslung und et is nich ausgeschlossen, dat ich mir dat zu nem gegebenen Anlass nochmal gebe.
Danke für den alles in allem gelungen Sonntag! Nur der RWE!
Euern
Opa Luscheskowski sein Enkel – der RWExperte
Christian Ruthenbeck

