Elisabeth Backes und ihre vielen Kinder
„Mein Tag müsste 48 Stunden haben“, sagt Elisabeth Backes (41) beim Frühaufsteher-Besuch. Vermutlich wäre auch das nicht genug für Beruf, Hausarbeit, Kindererziehung und Ehrenämter. Die Lehrerin und Mutter von drei Töchtern (2, 5 und 7 Jahre) setzt sich in der Kinderhilfe PASSO FUNDO für Armutsfälle in Brasilien ein. Am 16. Oktober feiert der Verein in Heisingen sein 30-jähriges Bestehen.
Ein Ausspruch des italienischen Dichters Dante Alighieri dient Elisabeth Backes als Ansporn: „Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder.“ Von Kindern ist das Leben der Heisingerin geprägt. So hatte sie es sich immer gewünscht. Selbst mit vier älteren Geschwistern aufgewachsen, träumte auch sie von der Großfamilie. Noch im Lehramtsstudium (Biologie, Kunst, Philosophie) an der Universität Essen lernte sie 1995 Frank Harlinghaus kennen. Es folgte das Referendariat in Köln (1999-2001), wonach sie 2001 den Duisburger heiratete. Schnell überzeugte sie ihn von der Schönheit der Ruhrhalbinsel, wo die Familie bis heute gern lebt. „Ohne die tatkräftige Unterstützung meines Mannes wäre vieles von dem, was ich mache, nicht möglich.“
Der Verein Kinderhilfe PASSO FUNDO entstand aus der Freundschaft zwischen dem deutschen Pfarrer Ulf Brodowski und dem brasilianischen Militärerzbischof Dom Osvino Both, die sich im Studium kennen lernten. „Die Hilfe war von Beginn an unbürokratisch und direkt“, erzählt Backes. Seit 1997 gehört sie der am 17. Oktober 1981 gegründeten Organisation an und unterstützt mit derzeit rund 25 Mitgliedern Kinder und Jugendliche aus den Orten Passo Fundo und Porto Alegre. In 30 Jahren holte der Verein unzählige Kinder aus der Armutsfalle. „Sie werden morgens und nachmittags in Kinderkrippen und Jugendzentren betreut oder besuchen die Berufsschule, erhalten eine warme Mahlzeit, Bildung und ärztliche Versorgung. So können die Eltern einem Beruf nachgehen, ohne dass die Kinder sich selbst überlassen sind“, erklärt die Studienrätin in Teilzeit. Seit wenigen Wochen unterrichtet sie Kunst am Gymnasium Essen-Überruhr.
Auf einer Reise in den Süden Brasiliens hat sich Backes 2003 selbst ein Bild gemacht. Für europäische Wohlstandsbürger unfassbar sind die Zustände in den Favelas. In den Slums leben von der Gesellschaft ausgestoßene Familien mit durchschnittlich sechs Personen auf engstem Raum. „Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist nirgendwo so groß wie in Brasilien. Nirgendwo sonst liegen der Luxus und das Elend so dicht beieinander. Die Unterkünfte sind erbärmlich!“, betont sie. In qualvoller Enge und unter miserablen Hygienebedingungen kämpfen die Bewohner ums Überleben. Am Rande der Städte und Schnellstraßen errichten die Armen ihre Hütten auf staatlichem Grund und Boden aus allem, was sie finden können: Bretter, Schrott, Wellblech, Pappen und Kartons. Wer innerhalb von 24 Stunden eine Behausung mit vier Wänden errichtet hat, darf bleiben. Dabei dienen oftmals die Wände des Nachbarn als erster Bauansatz. In den Favelas gelten eigene Regeln und Gesetze. Schießereien, Raub und Vergewaltigungen gehören zur Tagesordnung. Nicht selten dienen Alkohol und Drogen dazu, das Elend zu vergessen.
Durch Patenschaften befreit PASSO FUNDO Kinder und Jugendliche aus diesem Teufelskreis. Mit den Spenden werden in der Diözese etwa 3.500 Heranwachsende zwischen 0 und 14 Jahren betreut. Sie leben weiter in ihren Familien, können aber die Schule besuchen und erhalten genug Essen und Kleidung. Familie Backes hat bereits drei Patenkinder. Man schreibt sich regelmäßig und schickt Fotos. „Ein Euro pro Tag kann einem Kind eine Perspektive für die Zukunft schenken“, sagt Elisabeth.
Wenn der Verein am 16. Oktober sein 30-jähriges Bestehen feiert, steht auch der traditionelle Bohneneintopf Feijoada auf dem Speiseplan. Elisabeth und Frank (ebenfalls Lehrer) kochen gern. In ihrer Küche finden wir eine beachtliche Sammlung von Gewürzen aus aller Welt.
Das Jubiläum beginnt um 11.30 Uhr mit einem Festgottesdienst mit Erzbischof Dom Osvino Both in St. Georg Heisingen. Nach dem Empfang ist Zeit für ein gemütliches Beisammensein im Gemeindesaal. Gäste sind natürlich herzlich willkommen, sollten sich aber nach Möglichkeit vorher anmelden.
addi
Kinderhilfe PASSO FUNDO e. V.
Gemeinnützige Körperschaft
Ottostraße 1 · 45307 Essen · Telefon: 0201/555564
Bürozeiten: Montag 9–16 Uhr, Dienstag bis Freitag 9–12 Uhr
1. Vorsitzender: Heinrich Lanius
2. Vorsitzende: Beate Oladeji
Ganz privat
Lieblingsmusik: von Samba über Rock und Pop bis Klassik
Lieblingsfarbe: alle Farben dieser Welt
Lieblingsessen: Salat, Gemüse, internationale Küche
Hobbys: Kinder, Familie, Lesen, Kunst
schönster Urlaub: Brasilien
beste Eigenschaften: empathisch, engagiert, hilfsbereit

