Sensation vertagt

Christian Ruthenbeck

Christian Ruthenbeck

Kerl inne Kiste, ich sach Euch, sonne lange Durststrecke ham wa schon lange nich mehr gehabt. Seit dem fünften Spieltach wartet RWE auf einen Dreier und dat schlimmste daran is, dat man Waldi seine wilden Fußballkerle nichma Vorwürfe machen kann. Die Reihe der Verletzten is lang wie der Bart von mein Opa  – Gott hab ihn selich.
Aber weder er noch der Boss werden sich grade im Grabe umdrehen. Denn eines kann man den Jungens um Capitan Timo Brauer nicht absprechen: Die Einstellung! Nachdem die ganze Innenverteidigung im Lazarett liecht, musste jeder quasi ma ran. Mittlerweile hat sich Thommy Denker scheinbar fest gespielt. Der Lümmel hat zuletzt eine ordentliche Leistung gezeicht. Selbst am vorletzten Mittwoch.
Zu Gast in unsrer altehrwürdigen Ruine war die alte Dame aus der Hauptstadt. DFB-Pokal, zweite Runde. Und nach dem 1. FC Union wollte RWE allet geben, um den zwoten Berliner Club in Folge aus dem Wettbewerb zu kegeln.
15.000 Zuschauer, ausverkaufte Hütte und Pokal unter Flutlicht anne Hafenstraße – Fußballherz, wat willse mehr? Natürlich is Hertha BSC keine Laufkundschaft, sondern immerhin als Aufsteiger inne 1. Bundesliga aktiv. Die Schangsen standen also von Anfang an nich so gut für unsere Truppe. Aber dat mit dem Pokal und seine eigenen Gesetze kennta ja alle selber. Also wurde kräftich von der nächsten Pokalsensation geträumt. Mein Opa hat früher schon imma gesacht: „So lange da noch 11 Rote auf dem Grünen stehen, is nix verloren!“
Lange sah et auch so aus, als wenn dat nen längerer Pokalabend würde. Aber ab der 65 Minute lief dat Spiel so, wie man et – realistisch betrachtet – erwarten konnte und die alte Dame gewann mit 3:0. Sicherlich wär da wat mehr drin gewesen, denn wat der Bundesligist an dem Abend in Essen „gezaubert“ hatte, war eher Toni Maronis wandernder Flohzirkus als ne ausgereifte Copperfield-Nummer …
Aber so is dat halt. Mal verliert man und mal gewinnen die Anderen.
Am darauf folgenden Samstach hiess der Gegner Eintracht Trier. Die Trierer waren zuvor ebenfalls von nem Erstligisten aus dem Pokal geschossen worden. Und sportlich fair gab et entsprechend ein 0:0 im Moselstadion. Wenn man die Ansprüche beider Clubs in dieser Saison betrachtet, darf man klar sagen, dat dat „Gewinn“ in „Punktgewinn“ die übergeordnete Rolle für die Roten spielt.
Auf Dauer lassen sich aber Unentschieden nich als Siege feiern. Um die Fans bei Laune zu halten, müsste aber auch endlich mal wieder ein Dreier her. Ich bin mir sicher, dat dat bald auch wieder klappt. Denn schließlich hat der Trainer et immer geschafft, elf Rote auf dat Grüne zu stellen – und da is ja bekanntlich dann immer wat drin für uns.
Nur der RWE

Christian Ruthenbeck