Bernd Schneidereit ist Gastwirt in der 4. Generation
Es war noch zu Kaisers Zeiten, als Richard Kahle, der Urgroßvater mütterlicherseits, 1910 den Gasthof zum Mainzerhof in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt übernahm.
Unter seiner Leitung sollte sich der zu einer der beliebtesten Gastwirtschaften entwickeln. Der Betrieb blieb bis zur Wende 1969 in Familienhand. Bernd Schneidereit erblickte 1953 in der Domstadt das Licht der Welt. Bereits 1956 verließen seine Eltern die DDR, kamen zuerst bei einem Onkel in Burgaltendorf unter, um sich dann 1959 endgültig in Überruhr nieder zu lassen. Das Gastronomenblut machte sich schon recht früh bei Bernd bemerkbar, denn bereits in frühester Jugend begann er zu kochen. Schokoladenpudding war eine seiner ersten Kreationen. Noch heute zählen süße Sachen zu seinen Lieblingsspeisen. Als es galt, sich für eine Lehrstelle zu entscheiden, standen zwei Angebote zur Auswahl, Automechaniker oder Koch. Es wurde, na klar, die Lehre in einem der bekanntesten Essener Restaurants, dem „Stauder Zentral“, angetreten. Wie unser Protagonist zu berichten weiß, herrschte dort in der Küche noch Zucht und Ordnung. Tanzte jemand aus der Reihe, gab es vom Chefkoch auch schon mal etwas hinter die Löffel. Nähere Auskünfte zu seinen eigenen Erfahrungen, beantwortete Bernd mit einem verschmitzten Lächeln. Nach Bundeswehr und dem Sammeln weiterer beruflicher Erfahrungen entschloss er sich 25-jährig zur Selbstständigkeit. 1978 übernahm er die Gaststätte im Bürgertreff Überruhr, die er bis 1995 betrieb. Legendär sind seine Bacchusbeerdigungen, die das Ausmaß einer Promi-Beisetzung hatten. Ein über 100 Meter langer Zug bewegte sich am Karnevalsdienstag durch Überruhr und legte den Verkehr lahm. Bis heute spielt Karneval eine große Rolle in seinem Berufsleben, denn der Festausschuss Kupferdreher Karneval und fast alle seine Mitgliedsgesellschaften veranstalten ihre Sitzungen im angrenzenden großen Saal. Nach einem Jahr Auszeit ging es zwar klein aber fein in der Gaststätte Trebing an der Überruhrstraße, die er in „C‘est la vie“ umtaufte, weiter. Aber, wie das Leben eben so spielt, zur Jahrtausendwende war er wieder der Herr im Bürgertreff. Nachdem drei seiner Nachfolger nicht in der Lage waren, den Betrieb wirtschaftlich zu führen, schloss die Stadt Essen mit ihm erneut einen Pachtvertrag. Der Arbeitstag eines Gastronomen ist hart und lang und verlangt viel Einsatz. Da müsste es doch normal sein, dass Bernd Schneidereit nach getaner Arbeit die Füße hochlegt und relaxt oder neudeutsch „chillt“. Weit gefehlt, er läuft Marathon. Sportlich war er schon immer. Von frühester Jugend an Torwart, natürlich bei Teutonia Überruhr, brachte er es sogar bis zu Einsätzen in der Landesliga. Aber Beruf und Fußball ließen sich auf Dauer nicht miteinander vereinbaren. Da bot sich das Laufen an. Seine Marathonbestzeit von knapp über vier Stunden, erzielt im Oktober am Baldeneysee, kann sich sehen lassen. So weit scheint ja alles in Ordnung sein. Wenn, ja wenn da nicht die Stadtverwaltung Essen mit ihrer Absicht wäre, den Mietvertrag für die an die Gaststätte anschließenden Säle zu kündigen, was seine wirtschaftliche Existenz massiv gefährden würde. Und nicht nur er, sondern viele Vereine und Verbände auf der Ruhrhalbinsel würden in die Röhre schauen. Zusammen mit der Überruhrer Bürgerschaft kämpft er deshalb um den Erhalt der Bürgerbegegnungsstätte. Die Vorzeichen sind positiv, denn die Mandatsträger aller in der Bezirksvertretung und dem Rat vertretenen Parteien haben sich einstimmig für den Fortbestand ausgesprochen.
eak
Ganz privat
Lieblingsmusik: Oldies, Rock und Pop
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: Filet Stroganoff
Hobbys: Sport, Motorradfahren
schönster Urlaub: mit der Familie in die Türkei

