Sylvia Stilleke bereitet armen Kindern zu Weihnachten eine Freude
Als Kind spielte sie am liebsten mit dem Kaufladen. Wie im Märchen wurde dieser Wunsch Jahre später wahr. Aber statt auf Wunder zu hoffen oder Frösche zu küssen, krempelte Sylvia Stilleke beide Ärmel hoch. Von der REWE-Verkäuferin schaffte sie es bis nach ganz oben. An der Burgruine betreibt die 40-Jährige seit Mai 2006 an der Dumberger Straße einen florierenden Supermarkt.
Wir treffen „Frau REWE-Burgaltendorf“ ganz privat. In ihrem Supermarkt im Schatten der Burg. Die Audienz verläuft erstaunlich unkompliziert. Am Herzen liegt ihr die Aktion „Sterntaler – Kleine Gesten können Großes bewirken“. Wir erleben eine zielstrebige Chefin, die ihre Wurzeln nicht verleugnet. Zu Recht ist sie stolz auf das, was sie erreicht hat: Vom Kaufladen hat sie sich mit Fleiß, Ausdauer und Spaß zum eigenen Supermarkt hochgearbeitet. Der Burgruine zuliebe gab es beim Bau einige Auflagen der Stadt. Die „Halbmasten“ an der Einfahrt sind eine davon.
Dem Geschäft hat es nicht geschadet. 11.000 Kunden kaufen pro Woche bei ihr ein. Für 17,50 EUR im Durchschnitt, hat eine Statistik ergeben. Vor Weihnachten ist es hektischer. Die tatkräftige Kauffrau rät zur Geduld, auch wenn es auf dem Parkplatz wieder voll wird. Sylvia Stilleke mischt sich gern unter den Trubel und lebt dabei auf. Zwei „Powertage“ hat sie in der Woche: dienstags und donnerstags. Dann räumt sie mit ihrem Team palettenweise neue Ware sowie die Angebote der kommenden Woche ein. Möglichst flott muss das gehen, damit die Kunden beim Einkauf nicht gestört werden.
Als kleines Mädchen lernte Sylvia die Einzelhandelskette kennen, unter deren Flagge ihr Geschäft steht. Das wohl im Marken-Verbund einzige mit gekürzten Masten. „Meine Mutter war Verkäuferin“, erzählt sie und erinnert sich an Kindertage in Essen-Steele und Freisenbruch. Rot-Weiß wurden ihre Lieblingsfarben. Über 90 Mitarbeiter inklusive Aushilfen und allein sechs Auszubildende arbeiten 2011 in ihrem großen Kaufladen. „Am liebsten hat früher mein Vater bei mir eingekauft.“ Bei REWE in Katernberg absolvierte sie ihre Ausbildung und wechselte 1991 nach Steele. Dort stieg sie nach der Qualifikation für Führungskräfte 1992 zur Substitutin auf und wurde 1999 Marktleiterin am Grendplatz. Dann winkte der eigene Laden. Die „Kauffrau durch und durch“ griff beherzt zu. „Mein Mann ist mir bei allem eine gute Stütze“, sagt sie. Jörg Brock (47) ist branchenfremd. „Er sieht vieles aus der Sicht der Kunden und macht mich auf Fehler aufmerksam, zum Beispiel, wenn im Laden etwas im Weg steht“, weiß Sylvia zu schätzen.
Zu Weihnachten will sie bedürftigen Kindern aus Essen eine Freude bereiten. „Auch REWE Motyl aus Kupferdreh und der Supermarkt von Thorsten Grob am Isinger Tor machen bei der Aktion Sterntaler mit.“ 350 Wunschzettel wurden in den drei Geschäften ausgehängt. Geschrieben von Jungen und Mädchen aus sozial schwachen Familie in Vogelheim, Stadtmitte oder Altendorf. „Die Wünsche sind eher bescheiden“. Eine Puppe, eine Stofftier, ein Apfel, Süßigkeiten oder auch nur „mehr Liebe“ ist auf den Kärtchen am Geschenke-Käfig im Eingangsbereich zu lesen. Etwa 300 Einzelhändler der Dortmunder Genossenschaft sorgen mit Hilfsorganisationen und dem gemeinnützigen Verband der Tafel e.V. dafür, dass die Wünsche wahr werden. Kleine Gesten zählen: Der Wert der Geschenke beträgt maximal 25 EUR.
„Wer teilnehmen möchte, sucht sich einen Wunschzettel aus und wendet sich an einen Mitarbeiter. In einer Liste werden der Name des Schenkenden sowie des Kindes notiert. Der Kunde besorgt das Präsent, packt es ein und bringt es bis zum 17. Dezember zu uns zurück“, erklärt Stilleke. Die Gaben werden bis zur Bescherung aufbewahrt. Die Übergabe findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, damit niemand in Verlegenheit gerät. Darüber hinaus fließen zehn Prozent des Erlöses spezieller Sterntaler-Produkte in die Aktion. Kunden können auch direkt Münzgeld in eine Sammelbox im Kassenbereich werfen.
Ausgleich zur Arbeit findet die Essenerin im Garten. Mit Jörg Brock und seiner Tochter lebt sie in Steele-Horst. Janine (23) tritt in die Fußstapfen von Sylvia. „Sie hat bei uns gelernt und absolviert jetzt in Dortmund das Führungskräfte-Entwicklungsprogramm.“ Nicht nur das haben die beiden gemeinsam.
addi
Ganz privat
Lieblingsmusik: von Rock bis Pop
Lieblingsfarbe: Grün
Lieblingsessen: selbst gemachte Reibekuchen von Mutti
Hobbys: Gartenarbeit
schönster Urlaub: Türkei
beste Eigenschaften: Zielstrebigkeit

