Oliver Kern, Geschäftsführer des VKJ (Verein für Kinder- und Jugendarbeit)
Eine Menge Vertrauen sprach aus den Worten, die Britta Altenkamp, 1. Vorsitzende des Vereins für Kinder- und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten, anlässlich der Eröffnung des neuen Kindergartens „Kleine Riesen“ nach aufwändigen Umbau- und Renovierungsarbeiten in Altendorf über ihren Geschäftsführer fand.
Die Entwicklung, die der Verein seit dem Dienstantritt von Oliver Kern nahm, spricht dann auch für sich. Aus einer kurz vor der Insolvenz stehenden Organisation wurde eine der wichtigsten und aus dem Leben der Stadt Essen nicht mehr wegzudenkende Einrichtung. Der bedingungslose Optimist handelt nach dem Motto: Es gibt kein „Aber“. Grundsätzlich geht erst einmal alles.
„Lieber ‚Doc‘“, wie ich in der Frühaufsteher-Redaktion seit Beginn meiner Tätigkeit bei der Zeitung genannt wurde, „schreibe doch für die letzte Ausgabe noch einen Artikel über eine wichtige Überruhrer Persönlichkeit.“ Spontan fiel mir mein Neffe und Patenkind Oliver ein. Doch, wie schreibt man über einen Menschen aus seiner unmittelbaren Verwandtschaft, zu dem man regelmäßig Kontakt hat und dessen Entwicklung man selbstverständlich mit einem gewissen Stolz verfolgt hat? Es ist eigentlich einfacher als gedacht, da es auch eine sehr große geistige Verwandtschaft gibt. So haben wir uns zusammengesetzt und locker über die Vergangenheit und Gegenwart geplaudert. Wenn es nicht am Mittag gewesen wäre, hätten wir das bestimmt bei unserem Lieblingsgetränk, einem leckeren Pilsken, getan. Aber Dienst ist Dienst …
Vom Tellerwäscher zum Millionär, diese amerikanische Karriere könnten man fast auf Oliver übertragen. Aber eben nur fast, denn erstens begann sein Berufsweg nicht in einer Küche, sondern als Mitglied einer Putzkolonne. Ergänzend dazu wurde am Wochenende gekellnert. Und zweitens sind die Millionen nicht seine eigenen, sondern der Umsatz, den der VKJ mittlerweile macht. Es sind über sieben. Zurück zu den Anfängen. 1982 suchte er sich eine eigene Wohnung und begann konsequent mit der Realisierung seines Wunsches, Erzieher zu werden. Die Fachschule für Ernährung und Hauswirtschaft, im Volksmund auch „Knödelgymnasium“ genannt, wurde locker absolviert, was das Fachliche anbetrifft. Von zu Hause war in Anbetracht von neun Geschwistern nichts zu erwarten und als Schülerbafög gab es lediglich 150 DM. Es war sein Sozialwissenschaftslehrer Willi Rixius, mit dem er heute noch freundschaftlich verbunden ist, der ihm zu einer einmaligen Zuwendung der „Mathias-Rust-Stiftung“ in Höhe von 1000 DM verhalf. Ansonsten hieß es: Schule, arbeiten, Schule, arbeiten …
Kräftig den Rücken gestärkt haben ihm in dieser Zeit seine ältere Schwester Ricarda und Schwager Uwe, die ihm über manchen Tiefpunkt, oft bis spät in die Nacht hinein, hinweggeholfen haben. Über mehrere Stationen landete der staatlich geprüfte Erzieher und Sexualpädagoge schließlich 1992 beim Verein für Kinder- und Jugendarbeit, wo der engagierte Gewerkschaftler und Sozialdemokrat neben seiner Tätigkeit als Leiter verschiedener Kinderhäuser bis 2006 Betriebsratsvorsitzender war. Nach reiflicher Überlegung und gutem Zureden seiner Ehefrau Andrea und vieler Kollegen bewarb sich der mittlerweile diplomierte Gesundheits- und Sozialökonom um den Posten des kurz vor der Insolvenz stehenden Vereines und wurde engagiert. Eine seiner ersten Handlungen war, ein Horrorszenario für jeden Gewerkschaftler, die Entlassung von 16 MitarbeiterInnen aus wirtschaftlichen Gründen. Aber Oli wäre nicht Oli, wenn er nicht auch Plan B in der Tasche gehabt hätte. So machte er seine Zusicherung bei den Entlassungsgesprächen wahr und stellte ein Jahr später 12 davon wieder ein. 157 nach den tariflich möglichen Höchstsätzen bezahlte und zufriedene Angestellte sind es heute. Und er kennt alle mit Namen. Er hält es für einen der größten politischen Fehler, den Sozialbereich nur noch unter betriebswirtschaftlichen Aspekten zu sehen. Reich geworden dabei seien nur die Unternehmensberater. Wer nur in Zahlen denke, der verliere den Respekt vor dem Leben. Der Mitarbeiter wie auch der betreute Mensch ist eben nicht nur eine betriebswirtschaftliche Größe. Bei all seinem Engagement kommen Familie und die Entspannung aber nicht zu kurz. Letzterem dient vor allen Dingen das wöchentliche Saunieren in der eigenen Sauna oder auch die gemeinschaftlichen Unternehmungen mit seiner fünfköpfigen „Herrenrunde“. In der vierköpfigen Familie dreht sich alles um Bouvier-Mischling Kira. Der gute Geist des Hauses aber ist Schwiegermutter Renate Terlonen, die dem voll berufstätigen Ehepaar Andrea und Oliver sowie den Kindern Pia und Lukas den Rücken frei hält. Seit 28 Jahren heißt der Urlaubsort Tetenbüll, ein kleines Dorf in der Nähe von St. Peter-Ording. Da steht dann unser Protagonist gerne alleine auf dem Deich und lässt sich kräftig durchpusten.
eak
Mithilfe
Wer Oli Kerns Arbeit unterstützen will, kann gerne auf das Konto des VKJ Nr. 245225 bei der Sparkasse Essen, BLZ 36050105 überweisen.
Ganz privat
Lieblingsmusik: REM, U2
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: Mettwurst in allen Variationen, z.B. Mettwurstkuchen
Hobbys: Politik, Sauna
schönster Urlaub: der erste gemeinsame Urlaub mit Ehefrau Andrea auf Kreta
beste Eigenschaften: Zielstrebigkeit, Gelassenheit


