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Hattingen - Business Nachrichten |
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SOS im Abflusskanal |
Ein Hattinger im Einsatz für freie Rohre
Ein kleiner Transporter, vollgepackt mit modernster Technik und einem gelben Warnlicht, sorgt seit 1 1/4 Jahr für freie Abfluss-Systeme in Hattingen und 50 Kilometer Umkreis. Genauer gesagt, sorgt Carlheinz Schüller dafür. Während andere bei dem Gedanken, Rohre und Kanäle reinigen zu müssen, die Nase rümpfen, handelt es sich für den gelernten Gas- und Wasserinstallateur um die Erfüllung des Traumes der Selbstständigkeit. Bis Ende 2015 müssen alle Hausbesitzer eine Dichtheitsprüfung der Kanäle vorweisen können. „Was viele nicht wissen: Befindet sich das Grundstück in einem Trinkwasserschutzgebiet, ist diese Dichtheitsprüfung bereits seit 2005 Pflicht und gilt im Gegensatz zu anderen Grundstücken nur zehn statt 20 Jahre“, erklärt Carlheinz Schüller. Der Rohr- und Kanalreiniger ist für diese staatlich vorgeschriebenen Prüfungen zertifiziert. Das heißt aber nicht, dass er nur diese Arbeiten übernimmt. Ein Anruf – wohlgemerkt um 17.30 Uhr – genügte, und ich hatte Carlheinz Schüller bereits am Telefon. „Was haben Sie erwartet?“, fragte Schüller lächelnd. „Wir sind ein Abflussnotdienst. Bis 22 Uhr sind wir garantiert erreichbar.“ Wir, das sind der Rohrreiniger persönlich und seine Frau Claudia. Die gelernte Steuerfachangestellte kümmert sich um das Kaufmännische in dem kleinen Familienunternehmen, während ihr Mann Hattingens Rohre rettet. Für diese „Rettungsaktionen“ hat sich Schüller einen VW-Bus zugelegt, der vor Hightech nur so strotzt. „Vom kleinen Rohr bis zur ausgewachsenen Kanalisation können wir damit alles reinigen.“ Die gelbe Warnleuchte auf dem Fahrzeugdach gehört ebenfalls zu dem Sonderfahrzeug, denn immerhin nimmt man damit auch Aufträge der Stadt Hattingen wahr. Besonders stolz ist Schüller aber auf die TV-Kanaluntersuchung. Mittels einer speziellen Kamera und einem Monitor können Rohre und Kanäle am Bildschirm untersucht werden, ohne langwieriges Ausprobieren oder gar Kanäle oder Rohre freizulegen. „Das ist etwas, das ein einfacher Klempner nicht leisten kann“, sagt Schüller. Dass er selber eine Klempner-Lehre absolviert hat, kommt Carlheinz Schüller, der schon vor seiner Selbstständigkeit neun Jahre als Rohrreiniger tätig war, hingegen zugute. „Es ist nie verkehrt, wenn ein Rohrreiniger auch den Klempner-Gesellenbrief in der Tasche hat“, schmunzelt er. Installationsarbeiten gehören aber nicht zu seinem Berufsalltag. „Klar, wenn eine ältere Dame mich um Hilfe bei der Installation ihres Waschbeckens bittet, helfe ich ihr natürlich. Das gehört für mich ebenso zum Selbstverständnis, wie hin und wieder nach einem Auftrag nachzufragen, ob auch alles in bester Ordnung ist.“ Wenn man Carlheinz Schüller über seinen Job erzählen hört – sei es die Überschwemmung in einem 18-Etagen-Haus oder das Katzenstreu im Abfluss – merkt man schnell, dass die Selbstständigkeit als Rohrreiniger tatsächlich sein Traum ist. Aber was sagt die Ehefrau dazu? „Wir sind seit 19 Jahren verheiratet und haben schon vieles durchgemacht. Als mein Mann sich entschied, eine Klempner-Lehre zu machen, habe ich ihn unterstützt – auch als er als angestellter Rohrreiniger tätig war. Warum sollte das bei der Selbstständigkeit anders sein?“, erklärt Claudia Schüller lächelnd. „Gut, der Urlaub kommt etwas kurz. Selbst, als wir mal bereits die halbe Strecke nach Ostfriesland zurückgelegt hatten, ist mein Mann wegen eines Notrufs umgekehrt.“ Und dennoch haben die beiden das „Wagnis“ Selbstständigkeit bis heute nicht bereut. „Es ist einfach toll, die Kraft in die eigene Firma zu investieren und das Gefühl zu haben, einen guten und ehrlichen Job getan zu haben“, da sind sich Claudia und Carlheinz Schüller einig. lr
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