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Die Kneipp’schen Lehren ++ Hattingen ++ Nachrichten
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Die Kneipp’schen Lehren

Vom Pfarrer zum weltbekannten Hydrotherapeuten

Sebastian Kneipp war nicht nur Pfarrer, sondern jemand, der schon früh die heilenden Kräfte der Natur zu nutzen wusste. Heute zählt die Kneipp-Bewegung zahlreiche Anhänger und Freunde. Dabei dreht es sich um mehr als nur um das bekannte Wassertreten. Die Kneipp-Methoden sind eine Art Gesundheits- und auch Lebensphilosophie.
Als Sebastian Kneipp 1849 an Tuberkulose erkrankte, stieß er auf ein Buch über die Heilkraft des Wassers. Daraufhin ergab sich Kneipp nicht seiner Krankheit, sondern griff zur Selbsthilfe. Er unternahm Tauchbäder in der eiskalten Donau, was zu seiner Wiedergenesung beitrug. Der Grundstein für seine Lehren über die Naturheilkunde war damit gelegt, aber keineswegs anerkannt. 1854 verordnete Sebastian Kneipp eine so genannte Heißanwendung für eine an Cholera erkrankte Magd. Er wird wegen Kurpfuscherei angeklagt und verurteilt. Es sollte nicht die einzige Anzeige in den nächsten Jahren bleiben. Doch 32 Jahre später erscheint sein Buch „Meine Wasserkur“. Es wird zum Bestseller seiner Zeit und kurz darauf in 14 Sprachen übersetzt. Es ist das natürliche Heilmittel Wasser, das Sebastian Kneipp den Beinamen „Wasserdoktor“ brachte, und das er tatsächlich als wichtiges Fundament für ein gesundes Leben betrachtete und verwendete. Die Kneipp’sche Lehre beruht auf fünf Elementen: Wasser, Ernährung, Heilpflanzen, Bewegung und Lebensordnung. „Die Kneipp-Therapie ist ganzheitlich und zielt darauf ab, Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen“, bestätigt auch der Kneipp-Verein Hattingen. Wichtiger als Krankheit zu heilen sei es, dazu beizutragen, gesund zu bleiben, heißt es auf der Homepage des Vereins. Der Pfarrer Sebastian Kneipp würde dem wohl bedenkenlos zustimmen. Denn auch der Begründer dieser Form der Naturheilkunde sagte schon: „Wenn die Menschen halb soviel Sorgfalt da­rauf verwenden würden, gesund zu bleiben, wie sie heute darauf verwenden, um krank zu werden – die Hälfte der Krankheiten bliebe ihnen erspart.“
Aber zurück zur eigentlichen Therapie: Diese beruht auf dem Prinzip des Trainings aller körperlichen und geistig-seelischen Funktionen, um eben seelisch und körperlich gesund zu bleiben. Damit ist sie mehr als nur eine Heilmethode, sie ist eine Präventionsmaßnahme. Durch Stimulation der Selbstheilungskräfte des Körpers gewinnt der Anwender Widerstandsfähigkeit und inneres Gleichgewicht. Kurzum: Er steigert seine Voraussetzungen und Fähigkeiten zum Glücklich- und vor allem zum Gesundsein.
Dabei hat sich die Kneipp’sche Philosophie längst der Moderne angepasst. So umfasst die Bewegungstherapie längst nicht mehr nur Bewegungsbäder, das Schwimmen und Massagen. Auch moderne Sportarten wie Nordic Walking, Radfahren, Gymnastik und Yoga gehören dazu. Das Wasserheilverfahren ist und bleibt aber Basis. Die Hydrotherapie wird dabei auf die Bedürfnisse des einzelnen angepasst. „In flüssiger, wässrig-breiiger Form oder als Dampf veranlasst das Wasser durch thermische, chemische, mechanische oder hydroelektrische Reize den Organismus zu sinnvollen Reaktionen, die insgesamt zu positiven Regulationen aller Körperfunktionen führen“, erläutert der Hattinger Kneipp-Verein die Bedeutung des Wassers in punkto Prävention. Bei der Verwendung von Heilmitteln kommen nach Kneipp ausschließlich Mittel auf pflanzlicher Basis zum Einsatz. Und auch die Ernährung setzt vor allem auf Vollwert- und Basiskost. Vollkornerzeugnisse,
Frischkostbeilagen, Milchprodukte, Vitamine, Mineralsalze, Fermente und Spurenelemente sollten bevorzugt werden, während man auf alle denaturierten Nahrungsmittel und Genussgifte weitgehend verzichten sollte. Aber auch psychosomatische, ökologische und soziologische Zusammenhänge bezieht die Therapie nach Kneipp mit ein. Denn wie bemerkte der Naturheilkundler Kneipp schon vor über 120 Jahren richtig: „Im Maße liegt die Ordnung. Jedes Zuviel und jedes Zuwenig setzt an Stelle der Gesundheit die Krankheit.“
lr

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01.08.2010

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