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Hattingen - Nachrichten |
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900 mal gefaltet |
Die Kunst des Damaszenermesserschmiedens
Wenn die Wörter Damast und Falten fallen, dann sind wir nicht zwangsläufig in der Stoffabteilung. Zwar kann man die Stoffvariante ebenfalls mehrfach falten, aber fast so ähnlich funktioniert das auch mit Stahl, denn wenn man unterschiedliche Stahlarten (Kohlenstoffstahl und nickelhaltigen Stahl zum Beispiel) mehrfach faltet, dann kommen dabei die sogenannten Damastklingen heraus. Die sehen tatsächlich fast genau so aus wie der Stoff, sind aber dann doch um die 900 mal gefaltet. Das kriegen Sie mit Stoff nicht so ohne weiteres hin, es sei denn, sie erhitzen ihn auf 900 Grad und legen dann los, aber entweder es klappt nicht, oder es hat noch keiner versucht. Egal, mit dem Stahl klappt das wunderbar, und es sieht nicht nur toll aus, sondern hat auch handfeste Gründe, wie Messerschmied Thomas Brunne erklärt. „Die Klinge ist viel härter, widerstandsfähiger und biegsamer als die normalen Messer. Die Völker, die in Kriegszeiten über Damastklingen verfügten, zerschnitten die Waffen der Konkurrenz wie Butter.“ Auch wenn man sich heute bei militärischen Interventionen nicht mehr mit Damaszenermessern oder Schwertern haut, so hat so ein Messer doch durchaus seine Bewandnis im Haushalt, denn abgesehen von der stylischen Optik hält es sehr lange, ist äußerst flexibel und natürlich scharf, scharf, scharf. Die Herstellung ist logischerweise auch ungleich komplizierter als die der Schneidewerkzeuge aus Monostahl, denn der Schmied startet mit einem sieben-lagigen Stahlpaket, schmiedet das aus, klappt es zusammen und macht das Ganze dann runde 128 mal. Wenn Sie nachrechnen, dann kommen Sie grob auf die Überschrift. Die zeitliche Ansage liegt hierbei bei sechs bis acht Stunden. Alles in allem genommen ein Grund für Thomas Brunne, die Messerschmiederei rein hobbymäßig zu betrieben, denn den Arbeitsaufwand bezahlt einem keiner. „Ich bin durch Zufall zur Schmiedekunst gekommen, und gerade die Damaszenermesser haben es mir angetan“, erklärt der gelernte Feinmechaniker. Die Muster sind wirklich ungewöhnlich und lassen sich sogar bis zu einem gewissen Grade steuern. Geschmiedet wird bei 900 Grad, das Feuerverschweißen passiert bei 1150 Grad. Also irgendwie funktioniert das Ganze wie Baumkuchenbacken, nur etwas heißer. Die einzelnen Lagen werden miteinander verbunden und dann gehärtet. Klingt genial einfach, ist aber die Königsklasse der Schmiedekunst, denn jeder kleine Fehler wird ja in der kommenden Lage verdoppelt. Wer einmal live bei der Entstehung eines Damaszenermessers dabei sein will, der kann jeden 2. Sonntag in die Henrichshütte kommen und Herrn Brunne bei der Arbeit zusehen. Ist wirklich spannend und gerade im Winter auch schön warm. tine
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