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Betrachtungen aus Byfang ++ Ruhrhalbinsel ++ Nachrichten
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Betrachtungen aus Byfang ++ Ruhrhalbinsel ++ Nachrichten

Betrachtungen aus Byfang

Heiter-Besinnliches von Willi Stözel

Willi Stötzel, der Grandseigneur des Karnevals und des Byfänger Platt hat uns einige seiner „Machwerke“, wie er seine Text nennt, zukommen lassen. Wir sind stolz, dass „Willi von Byfang“ uns zu „seiner Heimatzeitung“ auserkoren hat, und freuen uns, Ihnen in dieser und den kommenden Frühaufsteher-Ausgaben, Heiteres und zugleich Besinnliches „aus den Bergen“ präsentieren zu können. Viel Vergnügen!



Ein schöner Traum

Da war einmal ein Mann, der machte sein Tagwerk so recht und schlecht er konnte. Er war halt ein Mann aus dem Volke.
Und nach Feierabend – wenn ihm danach war – machte er so ab und zu seine Späße und Dönekes. Und viele Menschen lachten darüber und freuten sich. Und das freute nun wieder den Mann sehr. Und da er das Lustige jahraus jahrein tat – nannte man ihn nur liebevoll „den Alten Narren“!
Und eines Tages stand auch er – mit vielen anderen – in der langen Schlange vor dem Himmelstor. Und wollte – wie alle anderen – natürlich in den Himmel.
Doch als er so an sich heruntersah – Herrjemineh – er hatte noch seine alte, bunte und schon ein wenig verschlissene Narrenhose an.
Und damit in den Himmel?
Dem Alten Narren wurde Angst und Bange, das konnte ja nicht gut gehen!
Und dann war er ganz vorn in der Schlange – und sah einen alten Herrn mit einem langen weißen Bart – der schaute bei jedem Ankömmling in ein großes Buch und nannte ihm seine guten – und auch seine schlechten Taten.
„Ach du meine Güte – der Herrgott“ dachte der Alte Narr.
Und alle wollten in den Himmel. Aber viel kamen wohl nicht hinein – denn der eine oder andere mußte zu Seite gehen …
Und viele hatten doch nach Meinung des Alten Narren Gutes aufzuweisen.
Und ER?
Späßkes gemacht – lustig gesungen – Dönekes erzählt. Das würde niemals reichen, um in den Himmel zu kommen. Niemals!  
Und das Herz rutschte ihm vor Angst in die bunte etwas verschlissene Narrenhose. Ach herjemineh – was kam nun?  
Schnell versteckte er seinen vorgestern erhaltenen Karnevalsorden im Hemdausschnitt … wenn den einer gesehen hätte!
Sein Hintermann gab ihm einen Schubs: „Nu mach schon – du bist dran – halt den Laden hier nicht auf!“
Und dann schaute ihn der Herrgott an: „Ach – du bist das!“
Der Alte Narr wäre am liebsten im Erdboden versunken – aber – hier oben gab es ja nur Wolken.
Und der Herrgott schaute garnicht erst für den Alten Narren in sein großes Buch. Was sollte für ihn auch schon darin stehen?
Und dann war ihm – als ob durch den langen weißen Bart ein leichtes Lächeln ginge – und der Herrgott sagte noch einmal: „Ach – du bist das. Und du willst in den Himmel?
Naja – wenn du da unten deine Dönekes gemacht hast – dann haben wir hier oben oft ein wenig geschmunzelt …“
Und dann drehte sich der Herrgott um – und rief in das Himmelstor hinein: „Hier steht der Alte Narr aus Byfang – wolle mer den reinlassen?“
Dem Alten Narrenr rutschte der Rest seines armen Herzens nun ganz in die bunten Narrenhosen …
Und dann schallte es aus dem Himmelstor – laut und wie sich das gehört auch lustig:
„Errein mit ihm …“
Und der Alte Narr stolperte in den Himmel hinein – und hatte noch gar nicht so recht begriffen – was da passiert war …
War seine Narretei doch nicht so ganz ohne Sinn gewesen? … und er kramte stolz den Orden wieder aus dem Hemdausschnitt hervor.
Und so ein vorwitziges Engelein krähte dazu:
„Rakete – an die Gewehre …“
Und während der Alte Narr in den Himmel stolperte – lief ein kleine Träne über seine linke Wange – fiel auf den schönen Orden – blieb dort hängen – und die Träne glänzte wie ein wunderschöner Diamant …
Da grinste er ganz verlegen und murmelte:
„Du Alter Narr …“

Willi von Byfang



Eines Narren Gebet

Wenn man so das Leben betrachtet – Ihr Leut:
nicht alles ist da eitel Wonne und Freud’ ...
Schaut nur in die Zeitung – ins Fernsehn hinein:
hier Krieg und Verderben – dort Hunger und Pein.
Da wird überfallen – geraubt und betrogen –
gehastet – verfolgt – geredet – gelogen!
Nur das – was dem Dasein gibt fröhlichen Sinn –
Davon steht fast nichts in den Medien drin!
Und doch gibt’s so manchen – der Freude uns bringt –
der gerne mal lacht – der fröhlich mal singt!
Und wenn er – wie wir – bei so manchem Feste
erfreut durch sein Lachen die anderen Gäste –
und wenn er dem andern vertreibt mal die Sorgen –
wenn auch nur für Stunden – wenn auch nur bis morgen –
dann tut der viel mehr – als die meisten wohl sehn,
denn Freude zu bringen macht das Leben erst schön!
Und wenn ich dabei bin – wenn Lachen erklingt –
und wenn man durch mein Tun viel fröhlicher singt –
wenn ich auf der Bühne den Menschen kann geben
wenn auch nur für Stunden viel Freude am Leben –
wenn viele durch mein Tun die Herzen aufmachen –
wenn durch mich und mit mir die anderen lachen –
und fröhlicher ziehn ihren täglichen Karren –
dann gehöre ich stolz zu den Karnevals-Narren!

Willi von Byfang


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01.08.2010

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