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Ruhrhalbinsel - Nachrichten |
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Rote Karte bei roter Plakette? |
Ein Jahr Umweltzone in Essen
Es gibt viele einfache Fragen, aber manchmal leider keine passende, kurze Antwort. Wenn man beispielsweise Thomas Dobrick vom Umweltamt Essen zur Effizienz der Umweltzonen befragt, dann kommt als erstes die Gegenfrage: „Wieviel Zeit haben Sie?“ Viel, und die braucht man auch, um zu verstehen, dass Fahrbegrenzungen und die Nachrüstung mit Partikelfiltern wichtig sind, aber alleine und innerhalb eines Jahres keinen bahnbrechenden Durchbruch erzielen. Dementsprechend ist Essens Experte auch zurückhaltend mit den ganz großen positiven Nachrichten: „Die Erfolge gerade an der Gladbecker Straße sind eindeutig messbar. Wir hatten 2005 77 Überschreitungen des kritischen Messwertes, 2007 waren es noch 60 und für 2009 kommen wir auf rund 40.“ Das ist schön, aber muss nicht unbedingt der Einführung der Umweltzone auf die Fahne geschrieben werden, denn die Feinstaubkonzentration hängt ja auch vom Wetter ab. Je nasser und windiger, desto weiter verstreut werden die Partikel. Und wenn man an den vergangenen Sommer denkt ... Ferner merkt Dobrick an, dass die Immission von Feinstaub nicht genuin vom Verkehr ausgeht, auch Raumheizungen produzieren gefährliche Stoffe. „An der Gladbecker Straße stammt die Konzentration zu 70 Prozent aus dem Verkehr, der Rest liegt an der dichten Wohnsituation“, so der Experte. An das Thema müssen wir also in Zukunft auch ran, denn je mehr die Dächer gedämmt werden oder je moderner die Heizungsanlage ist, desto geringer wird auch die Schadstoffbelastung. Allerdings drückt dem Umweltamt an ganz anderer Stelle der Schuh: „Feinstaub ist schlimm, keine Frage, aber mindestens genau so schädlich sind die Stickstoffdioxide, und der Wert stagniert gerade auf sehr hohem Niveau“, so Dobrick. Das Gas ist gerade für die Entwicklung von Kleinkindern äußerst schädlich. Besonders Dieselfahrzeuge, die sich ja jüngst größter Beliebtheit erfreuen, produzieren sehr viel davon, egal, ob sie nun die Euronorm vier oder fünf erfüllen, NO2 imittieren sie trotzdem in kritischen Mengen. „Erst bei der kommenden Euro 6 Norm sind Entstickungsanlagen zusätzlich zum Partikelfilter mit im System, und wir werden bei der EU darauf drängen, dass diese Norm früher eingeführt wird als geplant“, erklärt Dobrick. Und hierbei spielen natürlich auch die Umweltzonen eine Rolle, denn sie bringen die Bürger dazu, beim Kauf eines neuen Autos vermehrt auf die grüne Plakette zu schielen und sich im Zweifelsfall eher für grün als für gelb oder gar rot zu entscheiden. Schließlich weiß niemand, wie lange man mit rot noch fahren darf. Auch Herr Dorbick übrigens nicht: „Ende 2010 wird es eine Entscheidung über die künftige Beschaffenheit der Umweltzonen geben, aber wie die aussehen wird, das wissen wir noch nicht.“ Hannover ist da schon einen Schritt weiter und zeigt roten Plakettenträgern ab sofort die rote Karte. Allgemein attestiert Dobrick den Essenern ein steigendes Umweltbewusstsein: „Die Leute nutzen mehr den ÖPNV, bilden Fahrgemeinschaften oder fahren weniger.“ Na das ist doch zumindest etwas Positives. Wissen Sie übrigens, wann der kritische Feinstaub-Wert gleich um das fünf- bis sechsfache überschritten wird? Klar, Silvester natürlich – also vielleicht das nächste Mal weniger Böller? tine
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