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Mehr als nur rote Bäckchen ++ Hattingen ++ Nachrichten
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Hattingen - Nachrichten

Mehr als nur rote Bäckchen ++ Hattingen ++ Nachrichten

Mehr als nur rote Bäckchen

Fackelführung auf der Henrichshütte

Die Henrichshütte an sich ist ja schon spannend, bei Nacht und mit lodernden Fackeln über das riesige Gelände zu streifen, ist noch besser – und, wenn das Ganze dann auch noch im Schnee statt findet, dann kennt die Begeisterung keine Grenzen mehr.
Naja, zumindest bei allen sieben Teilnehmern der Neujahrsführung war das so. Mehr hatten sich bei den schwierigen Bedingungen nicht an die Werksstraße getraut. Schade eigentlich, denn mal abgesehen von dem knackigen Wind erwartete die mutigen und dick eingepackten Schneehasen ein spannender Abend mit vielen interessanten Details vor einer einzigartig illuminierten und von Petrus eigens weiß dekorierten Kulisse. Denn dank der Erzählkunst von Jochen Prinz, ehemaligem Azubi und jetzigem Besucherguide auf dem Hüttenwerk, hatten alle Teilnehmer schlichtweg keine Zeit, sich Gedanken über ihre kalten Füße zu machen. Zu spannend und interessant waren die beschriebenen Prozesse der Verhüttung, des Abstechens oder der Beschreibung von roten Bäckchen (die hatten wir auch). Gemeint war allerdings eine überhitzte Stelle in der Hülle des Torpedos. Jaja, wir sieben sind jetzt total fit im Hüttenjargon. Der Torpedo ist das „Gefäß“, in dem der flüssige Stahl aus dem Hochofen abtransportiert wurde. Vorher musste dann übrigens abgestochen werden. Das bedeutet, es wurde ein Loch in den tiefsten Teil des Hochofens gebohrt, um das flüssige Metall abzuzapfen. Das passierte alle zwei Stunden, und es kamen rund 150 Tonnen Stahl unten heraus. Das ist schon schwer beeindruckend, wenn man direkt an der Stelle steht, an der vor ziemlich genau 22 Jahren zum letzten mal 1.400 Grad heißes Metall in einer Rinne floss. Denn seit Dezember 1987 ist die Henrichshütte pensioniert, Hochofen Nummer 1 ist nach China ausgewandert, und seit zehn Jahren kann ein Bruchteil des ehemaligen Geländes besichtigt werden. Zu Hochzeiten arbeiteten 10.000 Menschen an der Werksstraße, das waren rund 16 Prozent der Gesamtbevölkerung. Eine Arbeitsstätte, die die Region weit mehr als ein Jahrhundert hinweg geprägt hat. All das zu besichtigen ist spannend, egal, ob es nun stürmt oder schneit. Vielleicht schaffen Sie es in diesem Jahr ja auch einmal, mit Fackeln und guten Wünschen über dieses heimatkundlich so bedeutsame Gelände zu laufen. Es lohnt sich und ist vielleicht einfach auch ein leicht zu realisierender Punkt auf der Liste der guten Vorsätze für 2010.
tine

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01.08.2010

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