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„Und der Preisträger ist …“ ++ Ruhrhalbinsel ++ Nachrichten
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Ruhrhalbinsel - Nachrichten

„Und der Preisträger ist …“ ++ Ruhrhalbinsel ++ Nachrichten

„Und der Preisträger ist …“

Wilhelm Wölting, der sich vehement gegen Kinderarbeit einsetzt

Am Anfang stand eine einfache Nachfrage. Dachte ich. Den Namen des neuen Preisträgers der Josef-Götte-Medaille noch vor der Verleihung herauszufinden, das dürfte ja kein Problem sein.
Also einfach mal den Pressesprecher der Kupferdreher Bürgerschaft, Fred van Führen, anrufen. Ein sehr netter Gesprächspartner, sehr kooperativ und entgegenkommend, auch russische Tänze stünden bei der Ehrung auf dem Programm. Fotos könne er zur Verfügung stellen. Aber den Namen, tja, das wäre Tradition, den Namen könne er mir im Vorhinein noch nicht bekanntgeben.  Dafür hätte ich doch Verständnis.
Hatte ich. Doch natürlich war nun der natürliche Jagdinstinkt eines Journalisten geweckt. Denn über andere Wege zum Ziel zu kommen, ist ja nicht verboten. Okay, also erst einmal einen jahrelangen Sportkollegen „angezapft“,der zufällig auch in der Bürgerschaft tätig ist. Das wäre ja gelacht.
Fehlanzeige. Nichts zu machen. Da könne er mir auch nicht weiterhelfen. Machts nichts, denke und sage ich, ich habe ja noch einen Pfeil im Köcher. Meinen besten, wie ich denke. Eine ehemalige Preisträgerin, meine Nachbarin, die auch diesmal wieder zur Verleihung eingeladen ist. Die muss es ja wissen, so unter schon gewesenen und Preisträgern in spe gibt es doch sicherlich einen regen Gedankenaustausch. Gibt es auch; auch mit dem Nachbarn von der Zeitung. Aber leider ohne konkretes Ergebnis. Dann bleibt also nur der harte Weg. In Kupferdreh durch die Geschäfte schlendern und vielleicht den Namen aufschnappen, so ganz nach dem Motto „Hey, hast du schon gehört, der … bekommt die Götte-Medaille.“ Jetzt weiß ich: die gesamte Ruhrhalbinsel trug einen Maulkorb.
Was mich aber jetzt nicht hindert, den Frühaufsteher-Lesern hier und jetzt nun doch den neuen Träger der Medaille vorzustellen, die an Menschen der Ruhrhalbinsel geht, die sich allein aus persönlicher Motivation heraus für andere einsetzen; im Stillen, ohne Lohn, ohne in einem Verein organisiert zu sein: Es ist Wilhelm Wölting, geboren am 14. November 1937 in Überruhr und von 1959 bis 2002 Lehrer an der katholischen Hauptschule in Steele. Er setzt sich auch noch nach seiner Pensionierung vehement gegen Kinderarbeit ein, seitdem er bei einer Reise nach Indien Mädchen und Jungen in Steinbrüchen kennenlernte und schuften sah, aus denen auch Granitplatten für Küchenarbeitsplatten stammen. Im Rahmen seiner Möglichkeiten investiert er nun viel Kraft dafür, dass beispielsweise die Stadt Essen in ihrer Beschaffungspraxis da­rauf achtet, keine Produkte aus dieser oder ähnlicher Kinderarbeit zu kaufen. So hofft er auch, dass er mit seinem Aktionsbündnis „Netzwerk Faire Kulturhauptstadt“ Ruhr.2010“ ein ausreichendes Umdenken bewirkt hat, so dass alle 53 Städte und Gemeinden der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 eine Magna Charta unterschreiben und sich damit gegen ausbeuterische Kinderarbeit aussprechen. „Es sind die vielen kleinen Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun und damit das Angesicht der Erde verändern“, hat er sich ein afrikanisches Sprichwort zu eigen gemacht und hofft, dass in Zukunft viele Bürger seinem Beispiel folgen.
Unabhängig von seinem beruflichen und ehrenamtlichen Engagement legt Wölting auch nicht die Beine hoch. Mit einem Patenkind machte er sich auf den Jakobsweg und wanderte von Saint-Jean-Pied-de Port nach Santiago de Compostella, außerdem fuhr er mit seiner Tochter von Lourdes aus mit dem Fahrrad ebenfalls zu dem berühmten Wallfahrtsort.
Hinter dem Ofen gehockt hat er also nie, genauso wenig wie der Schreiber dieses Textes. Und deshalb richte ich diese abschließenden Zeilen auch noch einmal an Herrn van Führen (alle anderen Frühaufsteher dürfen aber ruhig und guten Gewissens mitlesen!): Zufälle helfen häufig weiter. So kannte ich den Namen des Geehrten vielleicht doch  schon vor der Verleihung. Oder will ich mir jetzt nur keine Blöße geben? Das verrate ich an dieser Stelle aber nicht. Dafür haben Sie doch sicher Verständnis ...
greis

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01.08.2010

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