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Hattingen - Nachrichten |
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Kunst zum Anfassen |
Skulpturen von Menschen und ihren Problemen
Das Stadtmuseum am Marktplatz 1–3 zeigt bis zum 11. April Skulpturen der Hattinger Bildhauerin Ulla H’loch-Wiedey (1920–2002) in einer Retrospektive. „Der Mensch und seine Probleme sind der Inhalt meiner Arbeit“, schreibt die Künstlerin, und so hat sie das Bild des Menschen in das Zentrum ihres künstlerischen Schaffens gestellt. Unabhängig von Fragen des sich wandelnden künstlerischen Zeitgeistes hat sich die Bildhauerin Ulla H’loch-Wiedey mit großer Leidenschaft und Konsequenz ein eigenständiges, ausdrucksstarkes Themen- und Formenrepertoire erarbeitet. Eine Frau, die schützend ihr Kind umarmt, eine hockende Figur, die das Gesicht hinter ihren verschränkten Armen verbirgt: Die Einzelskulpturen und in sich ruhenden Figurengruppen kreisen um Themen, die stark mit persönlichen Erlebnissen und dem Entsetzen über die Greueltaten der Nationalsozialisten verbunden sind. Und immer steht der Mensch im Mittelpunkt der künstlerischen Auseinandersetzung. In der Ausstellung werden die aus Linde, Eiche und Mahagoni gearbeiteten Figuren aus der Frühphase der 1960er Jahre ebenso zu sehen sein wie zahlreiche Bronzefiguren, die nach einem zuvor angefertigten Ton- oder Gipsmodell gegossen wurden. Die Titel spiegeln häufig die Intention der Künstlerin wieder. Dem Publikum begegnen „die Hockenden“, „Liegenden“, „Mutter und Kind“ und der „Sitzende“. Charakteristisch ist, dass die auf Frontalansicht angelegten Figurengruppen keinen direkten Blickkontakt mit dem Betrachter aufnehmen: Die Lider sind tief über die Augen gezogen, die Gesichter maskenhaft reduziert. Und dennoch wirken Ulla H’loch-Wiedeys Menschen nicht abgewandt durch ihren nach Innen gerichteten Blick oder isoliert in der Symbiose ihrer Beziehung. Folgt man dem Spiel von Licht und Schatten auf der lebendig gemaserten, glänzend polierten Oberfläche, entwickelt sich im Prozess des Wahrnehmens ihre sinnliche Präsenz, die zu einem Dialog auffordert,“ schreibt die Kunsthistorikern Annette Quast in ihrer Einleitung zum Ausstellungskatalog. Insgesamt sind es rund 40 Arbeiten, deren Oberflächenstruktur nicht nur das Auge zum Entdecken einlädt, sondern auch die Möglichkeit bietet, durch Berühren und Erfühlen, Kunst zu erfahren. Das Material mit den Händen erkunden, und die Figuren mit den Augen ertasten – eine Ausstellung, in der die 2002 gestorbene Künstlerin die Besucher durch Berühren und Schauen auffordert, mit ihrer Kunst ins Gespräch zu kommen. Ulla H’loch-Wiedey, die an der Werkkunstschule in Dortmund und an der Staatlichen Kunstakademie Stuttgart studierte, beschäftigt sich während ihrer gesamten Schaffenszeit mit dem Bild des Menschen. Mit ihren „Menschen“ prägt sie auch die Kunst im öffentlichen Raum ihrer Heimatstadt Hattingen. Der Gedenkstein auf dem „Synagogenplatz“ von 1986 erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus, und mitten im Stadtzentrum auf dem Untermarkt und am Dom in Niederwenigern findet eine Begegnung mit ihrer „Hockenden“ statt. Bei Interesse können Führungen gebucht werden. Am Sonntag, den 28. März, findet um 15 Uhr auch eine offene Führung statt. Ein Informationsflyer kann im Museum angefordert oder von der Seite www.stadtmuseum.hattingen.de heruntergeladen werden. Eintritt für Erwachsene: 2 Euro, für Kinder 1 Euro.
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