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Von der Monokel-Kobra bis zum „Stärkungspaket Stadtfinanzen“ – Frühaufsteher-Interview mit Peter Weckmann

Frühaufsteher: Kennst Du die berühmte Monokel-Kobra?
Peter Weckmann: Jetzt ja, es geht sicher um die entwischte Giftschlange in Mülheim. Also meiner Meinung nach sollte man so gefährliche Tiere privat nicht halten dürfen. Hochgiftiges dürfte erst gar nicht zum Verkauf angeboten werden. Die deutsche Giftnotzentrale registriert um die 700 Unfälle pro Jahr. Laut „PRO WILDLIFE“ tummeln sich derzeit etwa 100.000 Giftschlangen unter deutschen Dächern, wieviele davon in NRW sind, wissen wir nicht. Kein gutes Gefühl. Als Elke und ich unseren Boxer aus einem Tierheim gekauft haben, mussten wir erstmal eine „Hundeprüfung“ ablegen. Da wäre es doch nur logisch, gerade für die Haltung wirklich gefährlicher Tiere Voraussetzungen zu bestimmen. Der Landtag hat die Landesregierung bereits herausgefordert, eine entsprechende gesetzliche Regelung vorzubereiten.
Frühaufsteher: Wir werden an späterer Stelle dieser Ausgabe die „Klieve-Kurve“ des Essener Stadtkämmerers vorstellen. Wie siehst Du die Lage in den Revierstädten?
Peter Weckmann: Laut einer Prognose des Städtetages NRW sind im Laufe der nächsten fünf Jahre 90 Prozent der Kommunen in der gleichen Situation, in der sich Essen jetzt befindet, wenn sich nichts verändert. Hier muss das Land helfen. Wir haben daher als Fraktion schon Ende 2008 einen Eilantrag mit dem „Stärkungspaket Stadtfinanzen“ eingereicht. Schließlich müssen unsere Gemeinden einen nachhaltigen Bevölkerungsrückgang und eine hohe Arbeitslosigkeit verpacken. Unser Vorschlag sieht – grob zusammengefasst – vor, dass die NRW Bank Altschulden dieser Gemeinden in Höhe von sieben Milliarden Euro übernimmt und über einen Zeitraum von fünf Jahren Zinsen und Tilgung finanziert. So könnte den Kommunen eine langfristige Konsolidierung eröffnet werden. Eine Stadt wie Essen kann nicht wahllos alte Strukturen aufgeben. Nur ein Beispiel: Die Schließung von Sprechtheater ist für mich als Sozialdemokrat unvorstellbar. Das steht für demokratische Kultur.
Frühaufsteher: Muss nicht auch der Bund sensibel gemacht werden für die Probleme der Ruhrgebietsstädte?
Peter Weckmann: Ja klar, es muss schnellstens Schluss gemacht werden mit der Förderung nach Himmelsrichtung. Was wir brauchen, ist eine Förderung nach Bedürftigkeit. Während wir unsere Winterschäden nicht gebacken kriegen, fließen gleichzeitig horrende Summen in den Solidaritätspakt. Wenn wir bis 2019 bluten müssen, gehen wir hier kaputt. Jetzt ist auch nicht die richtige Zeit für Steuergeschenke. An jeder Steuersenkung zahlt die Kommune schließlich mit. Man sollte besser darüber nachdenken, einen Bildungseuro einzuführen. Junge Menschen sollten in NRW ohne Gebühren studieren können, denn wir brauchen jedes Talent.
Frühaufsteher: Du bist zwar Anhänger des Vereins, dessen Name ich so schlecht aussprechen kann, bist Du trotzdem für ein neues Stadion in Essen?
Peter Weckmann (lacht): Also den Trümmerhaufen an der Hafenstraße kann man so nicht lassen. Das ist eine Schande für die Stadt. Außerdem wäre ein neues Stadion ja kein reines RWE-Stadion, sondern ein Stadion für Essen. Ja, ich bin für den Neubau.
Frühaufsteher: Du versprichst im Wahlkampf mehr Unterstützung für das Ehrenamt, das wir Frühaufsteher ja auch immer wieder hochleben lassen ...
Peter Weckmann: Dazu steh ich. Für mich sind die ehrenamtlich Tätigen die wahren Helden des Alltags. Die gewährleisten Demokratie, die zaubern das Lachen auf die Gesichter. Sollte ich nach dem 9. Mai in Düsseldorf bleiben, wovon ich schwer ausgehe, dann möchte ich für die Sorgen und Nöte der Ehrenamtlichen gerne erster Ansprechpartner sein.
Das Interview führte Stephan Kaufmann (was das unter ausgezeichneten Karnevalisten gepflegte „Du“ erklärt).

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08.09.2010

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