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Die Kurve kriegen ++ Ruhrhalbinsel ++ Nachrichten
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Die Kurve kriegen

Stadtkämmerer Lars Martin Klieve zur Finanzsituation in Essen

Wenn die Überruhrer Bürgerschaft einlädt, dann verzichtet Stadtkämmerer Lars Martin Klieve sogar auf sein Abendessen, um ja noch rechtzeitig über die angespannte Haushaltslage der Stadt referieren zu können.
Den Sinn zu schärfen für die außerordentliche „Grenzsituation“, in der sich Essen befindet, ist eine Aufgabe, die der 39 Jahre junge Werdener mit Enthusiasmus angeht. „Ich kann rechnen“, sagt er selbstbewusst, und selbstbewusst muss ein Stadtkämmerer im Ruhrgebiet dieser Tage sein. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: „Stadt in drohender Überschuldung“ lautet unser Status – bis zum Beweis des Gegenteils. Jetzt zu sparen ist also die letzte Chance, um nicht für lange Zeit das vielzitierte Halsband der Finanzaufsicht tragen zu müssen. „Essen ist eine großartige Stadt. Entscheiden Sachbearbeiter aus Düsseldorf über unsere Zukunft, verliert die Stadt ihr Profil ... Ich will keine Oberhausener Verhältnisse“, bringt Lars Martin Klieve seine Bedenken auf den Punkt. Um den drohenden Identitätsverlust zu verhindern, hat Klieve seine Vorstellungen von einem Konsolidierungsprozess auch grafisch umgesetzt: Die „Klieve-Kurve“ zeigt „gerechtes Sparen“ bildhaft auf. Klieve spricht in Anlehnung an die Taktik des gerade in unserer Region so bekannten Trainers Otto Rehagel von „kontrollierter Offensive“. Denn bei einem kontrollierten, schrittweisen Eigenkapitalabbau in Höhe von 20 Prozent und einer damit einhergehenden Schuldenreduzierung in gleicher Höhe rutscht die Stadt Essen nicht ins Minus, und darf – bei entsprechender Konjunkturentwicklung – damit rechnen, das Gespenst der Fremdbestimmung eines Tages endgültig los zu werden. Dazu müssen die circa 9.000 Mitarbeiter der 70 Beteiligungsgesellschaften ebenso ihren Beitrag leisten wie die „Kernverwaltung“. „Bei altersbedingten Abgängen wird nur jede zweite Stelle nachbesetzt, auch die Sachaufwendungen müssen pro Jahr um zwei Prozent reduziert werden“, warnt Klieve die Bürgerschaft schon mal vor. „Wer sich nicht verändert, wird auch das verlieren, was er bewahren wollte“, zitiert er Gustav Heinemann, denn das „Weitersagen und Mitziehen der Bürger“ liegt ihm am Herzen. Das diese durchaus informiert sind, zeigte die an den Vortrag anschließende Fragerunde. Den Hinweis auf die so genannte „Sex-Steuer“ findet Klieve keineswegs abwägig – ebensowenig wie einen Solidaritätsbeitrag für gebeutelte Städte des Ruhrgebiets. Auf meine Frage nach einem neuen Fußballstadion antwortet er: „Jeder Rot-Weiss-Fan müsste Fan meiner Kurve sein, dann können wir ab Sommer bauen.“ Ich hoffe, ich habe das richtig verstanden: Erst die „Klieve-Kurve“, dann die Westkurve. Abgemacht!  
  • sk

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    04.09.2010

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